Ideation

Wissen kompakt: Unter Ideation versteht man den Prozess zur Ideenfindung, -entwicklung und -kommunikation. Im Design Thinking ist es die Phase zur Generierung von Ideen.

Ideation – Ideen schrittweise finden und entwickeln

Sie haben ein Problem und suchen nach einer Lösung. Sie wollen Ihr Produkt weiterentwickeln und fragen sich, was der Markt am dringendsten benötigt. Oder Sie wollen Ihre Umsätze steigern und überlegen, mit welcher Strategie Sie dies am besten erreichen können. Es gibt viele Herausforderungen in Organisationen, die nach kreativen, sinnvollen, umsetzbaren, finanzierbaren Lösungen rufen. Damit diese Lösungen entstehen können, müssen

  • passende Ideen gefunden,
  • Ideen entwickelt und
  • entsprechend kommuniziert werden.¹

In anderen Worten: Organisationen betreiben Ideation.

Der Begriff Ideation, der in den letzten Jahren auch im deutschsprachigen Raum immer mehr Verbreitung findet, bedeutet übersetzt „Ideenbildung“ oder „Ideenfindung“. Das trifft es sehr gut, denn Ideation ist ein strukturiertes Vorgehen zur Identifikation von Ideen. Es ist ein Prozess, in dem unterschiedliche Methoden und Techniken zum Einsatz kommen, um konkrete Herausforderungen zu meistern. Auch im Design Thinking findet Ideation statt. Design Thinking ist ein Framework (und Mindset) zur Entwicklung von Produkten, die auf menschliche Bedürfnisse zugeschnitten sind. Es kennt fünf Phasen:

  • In der Phase des Versehens bzw. der Inspiration geht es um die Frage: „Was ist das Problem?“ Idealerweise entwickeln die Teilnehmenden ein tiefes Verständnis für die Wünsche und Bedürfnisse der User, Anwender oder Kunden.
  • In der Phase des Definierens bzw. der Empathie steht die Frage „Was benötigt der Kunde wirklich?“ im Raum. Hier werden Kundenwünsche analysiert und priorisiert.
  • In der Phase der Ideenfindung bzw. der Ideation geht es um das Sammeln, die Entwicklung und die Bewertung von Ideen.
  • In der Phase des Bauens bzw. der Implementation werden die Ideen in konkrete Lösungen umgesetzt. Es werden bspw. Prototypen entwickelt oder Wireframes oder Klickdummys erstellt.
  • In der Phase des Testens geht es um konkretes Feedback der Anwender. Hier trifft die Theorie auf die konkrete Praxis.

Wichtig ist, dass beim Design Thinking im Allgemeinen und der Ideation im Speziellen der Fokus auf einem  Learning by Doing – oftmals auch als Fehlerkultur bezeichnet – liegt. Ein besseres Verständnis der Wünsche und Bedürfnisse der Anwender durch deren Feedback zu erhalten, ist ein Gewinn, auch wenn der Prototyp nicht weiterentwickelt, sondern durch einen anderen Prototyp ersetzt wird.

Ideation – Ideenfindung mit Methode

Es gibt eine ganze Reihe von Methoden, die im Zuge von Ideation zum Einsatz kommen können. Hier finden Sie eine Auswahl:

  • Brainstorming gilt als der Klassiker unter den Methoden zur Ideenfindung. „Using the brain to storm a problem“ – so umschrieb Alex Faickney Osborn, der Erfinder von Brainstorming, seine Kreativitätstechnik. Brainstorming ist ein Format für Gruppen, bei dem versucht wird, eine Aufgabe oder ein Problem durch gemeinsames Nachdenken, Diskutieren und Bewerten zu lösen.
  • Brainwriting ist eine nonverbale Kreativitätstechnik zur Ideenfindung, bei der die Teilnehmer Ideen schriftlich dokumentieren, miteinander teilen und individuell weiterentwickeln.
  • Braindumping beschreibt das Abladen von Gedanken und Ideen – beim Schreiben von Morgenseiten und Aufgabenlisten oder im gemeinsam im Team.
  • Die Kopfstandtechnik ist ein Brainstorming-Format, bei dem zu beantwortende Fragen negativ formuliert und konsolidierte Antworten ins Positive umgekehrt werden.
  • Einen ähnlichen Ansatz wie bei der Kopfstandtechnik verfolgt das Reverse Brainstorming. „Wie können wir das Problem verschlimmern?“ tritt an die Stelle von „Wie können wir das Problem lösen?“. Damit handelt es sich um eine Umkehrung des klassischen Brainstormings und wird entsprechend auch als „Negatives Brainstorming“ bezeichnet. In Anschluss an das Sammeln von Möglichkeiten zur Verschlimmerung des Problems kommt es zu einer erneuten Umkehrung: aus den Erkenntnissen werden Ideen abgeleitet, die eine Verschlimmerung des Problems verhindern. 
  • Die Osborn-Checkliste ist eine Methode, um bestehende Produkte, Konzepte, Prozesse oder Ideen mittels einer Reihe von Fragen weiterzuentwickeln.
  • Round-Robin-Brainstorming ist ein Format, bei jedem alle Teilnehmenden der Reihe nach ihre Meinungen und Ideen zu einer gemeinsamen Fragestellung äußern.
  • SCAMPER ist eine Kreativitätsmethode, die mit einer Reihe von Schlüsselwörtern und Fragen die Suche nach Ideen erleichtert.
  • Starbursting ist eine Kreativitätsmethode, die mittels Fragen Facetten eines Themas beleuchtet, bevor Antworten auf die Fragen gesucht werden.
  • Die 5W1H-Methode ist ein Ansatz zur Eingrenzung und Lösung von Problemen. Sie basiert auf 6 definierten, offenen Fragen.
  • Die 5-Why-Methode ist ein Instrument der Ursachenanalyse, bei der ein Sachverhalt durch fünfmaliges Nachfragen mittels Warum-Fragen untersucht wird.
  • 1-2-4-All – manchmal auch als Schneeball-Methode bezeichnet – ist ein strukturiertes Brainstorming-Format, bei dem schrittweise die Anzahl der Teilnehmenden pro Runde erhöht werden. Es gehört zum Fundus der sogenannten Liberating Structures.
  • Die 6-3-5 Methode ist eine Kreativitätstechnik, bei der 6 Teilnehmer je 3 Ideen notieren, die in 5 Wechseln um je 3 neue Ideen ergänzt werden. Vermutlich handelt es sich um die bekannteste Variante des Brainwritings.
  • Brain-Netting ist ein Online-Brainstorming-Format, bei dem die Ideenfindung dezentral erfolgt und ein Online-Braindumping vorgelagert sein kann.
  • Inhaltlich verwandt mit dem Brain-Netting ist Idea Napkin. Es beschreibt einen Ansatz, Ideen einfach und schnell in fünf Schritten zu dokumentieren. 

Diese Liste lässt sich leicht mit weiteren Methoden zur Ideenfindung und -entwicklung ergänzen.

Ideation – Tipps aus der Praxis

Es gibt eine Reihe von Tipps, die im Zuge der Ideation nützlich sind. Hier finden Sie einige davon:

  • Jegliche Idee – so unwahrscheinlich sie auch klingen mag – ist eine gute Idee. Sammeln Sie also so viele Ideen wie möglich.
  • Unterbinden Sie Kritik. Die Kritik an Ideen und Gedanken ist genauso kontraproduktiv wie die eine generelle Kritik an einzelnen Ideengebern. Ziel ist eine wertschätzende, offene und faire Kommunikation zur Lösung eines Problems bzw. einer Aufgabenstellung.
  • Geäußerte Ideen dürfen von allen Teilnehmenden weiterentwickelt werden. Es gibt kein Copyright auf Ideen.
  • Manche Menschen arbeiten gerne visuell, andere gerne haptisch. Gehen Sie auf die Wünsche und Vorschläge der Mitwirkenden zur Ideation ein. Evtl. schlägt jemand bspw. LEGO Serious Play als Methode vor – dann probieren Sie dies (idealerweise begleitet durch einen erfahrenen Facilitator) bei nächster Gelegenheit einfach einmal aus.
  • Denken Sie in „ja, und“ anstelle von „ja, aber“. Das ermöglicht viele neue Ideen und verbessert die Stimmung unter den Teilnehmenden signifikant.
  • Und nutzen Sie Timeboxes, denn klare Zeitvorgaben bieten eine gute Orientierung im Prozess der Ideation.

Natürlich ist es wenig überraschend, dass viele der Tipps auch für einzelne Methoden der Ideenfindung gelten.

Ideation – die Bewertung der Ideen

Nach dem Sammeln steht die Bewertung der Ideen an. Interessanterweise gibt es zwar Ansätze, die einen konkreten Bezug zur Bewertung von Ideen haben, der Großteil der Priorisierungsansätze ist aber allgemeingültig und eignet sich für unterschiedlichste Objekte wie Ziele, Risiken, Aufgaben oder Anforderungen. Hier finden Sie eine kleine Auswahl von Methoden zur Bewertung bzw. Priorisierung von Ideen:

  • Die ABC-Analyse ist ein Analyseverfahren zur Gewichtung von Objekten nach ihrer Bedeutung. Sie lässt sich u.a. für die Priorisierung von Arbeitspaketen im Projektmanagement, im Vertrieb bei der Klassifizierung von Kunden und Absatzgebieten oder im Zuge einer Ideation nutzen.
  • Eine Entscheidungsmatrix ist ein Hilfsmittel zur Auswahl der besten Alternative aus verschiedenen Optionen unter Berücksichtigung definierter Kriterien. Da in der Praxis der Entscheidungsfindung nicht immer alle Kriterien gleich wichtig sind, werden sie oftmals mit separaten Faktoren gewichtet.
  • Die Pugh-Matrix ist eine Entscheidungshilfe zur Bewertung konkurrierender Konzepte im Vergleich zu einem Basiskonzept. Sie basiert auf einem Set an definierten, gewichteten Kriterien, der Bewertung von Alternativen im Vergleich zu einer Basislösung, der Multiplikation der Bewertungen mit den jeweiligen Gewichtungen und der anschließenden Addition der gewichteten Bewertungen.
  • Das Kano-Modell beschreibt den Zusammenhang zwischen Kundenzufriedenheit und der Erfüllung von Kundenanforderungen. Es zeigt, dass einzelne Ideen in Form von konkreten Produktmerkmalen für die Kundenzufriedenheit unterschiedlich wichtig sind, so dass die Realisierung entsprechender Merkmale priorisiert werden sollte. 

Viele der genannten Methoden fordern die Definition von Kriterien. Theoretisch klingt dies deutlich einfacher, als es in der Praxis ist. Ökonomische, produktionsbezogene, technologische, strukturelle, zeitliche oder gesetzliche Faktoren können bspw. als Kriterien genutzt werden. Evtl. lohnt es sich daher, eine relativ einfache Methode wie die Punktabstimmung oder die How-Now-Wow-Matrix zu nutzen, mit der Sie Ideen nach ihrer Originalität und Machbarkeit kategorisieren.

Ideation - Ideen schrittweise finden und entwickeln

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Impuls zum Diskutieren:

Sollten von Zeit zu Zeit die Methoden zur Ideenfindung organisationsintern gewechselt werden oder führt das eher zu einer Verwirrung der Teilnehmenden als zu Mehrwerten?

Hinweise:

[1] Kommunikation ist im Zuge einer Ideation ein wichtiger Erfolgsfaktor. Sie findet sowohl team- und organisationsintern als auch ggf. organisationsextern statt – z.B. bei der Vermittlung der Idee in Richtung Partner, die bei der Entwicklung von Prototypen helfen, oder Anwender, die entsprechend Feedback geben sollen.

Hier finden Sie ein Video über Design Thinking.

Hier können Sie kostenlos das Ideation Whitepaper herunterladen. Es erläutert u.a. viele der genannten Methoden zur Ideenfindung im Detail.

Und hier finden Sie ergänzende Informationen aus dem t2informatik Blog:

t2informatik Blog: Von der Idee zum Prototyp

Von der Idee zum Prototyp

t2informatik Blog: Lebt Design Thinking noch?

Lebt Design Thinking noch?