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Osborn-Checkliste

Wissen kompakt: Die Osborn-Checkliste ist eine Methode, um bestehende Produkte, Konzepte, Prozesse oder Ideen mittels einer Reihe von Fragen weiterzuentwickeln.

Osborn-Checkliste – Produkte oder Ideen sukzessive weiterentwickeln

In der Softwareentwicklung ist es üblich, neue Softwareversionen zu veröffentlichen. In der Automobilindustrie werden Modelle regelmäßig überarbeitet und im Messebau Konzepte kontinuierlich weiterentwickelt. Ein Ansatz zur Weiterentwicklung von Produkten und Dienstleistungen, Konzepten, Prozessen oder Ideen ist die Osborn-Checkliste.

Die Osborn-Checkliste – manchmal auch als Osborn-Fragenliste bezeichnet – ist eine Kreativitätstechnik, die mittels Fragen einzelne Aspekte, Komponenten oder Teile von existierenden Lösungen verändert. Sie hilft dabei, neue Perspektiven zu gewinnen, etablierte Ideen systematisch zu veredeln, Prozesse zu verfeinern oder Innovationen anzustoßen. Namensgeber der Checkliste ist Alex Faickney Osborn¹, der auch als Erfinder des Brainstormings gilt.

Fragen der Osborn-Checkliste

Die Checkliste stellt eine Reihe von Fragen. Diese Fragen adressieren die alternative Verwendung von Produkten, die Adaption von ähnlichen Dingen, die Modifikation in Farbe, Form oder Geschmack, die Vergrößerung oder Verkleinerung von Elementen, die Substitution von Materialien, die Umgruppierung von Kompetenzen oder Bauteilen, die Inversion von Nachteilen zu Vorteilen und die Kombination von Einheiten, Personen oder Ideen.

Folgende Fragen stellt die Osborn-Checkliste:

  • Alternative Verwendung bzw. Zweckänderung: Gibt es alternative Verwendungen, so wie das Produkt derzeit gestaltet ist. Gibt es alternative Verwendungen, wäre das Produkt anders? Wie lässt sich die Idee anders anwenden? Wie lässt sich das Konzept umfunktionieren?
    Beispiel für alternative Verwendung: Senf wird nicht in der Tube verkauft, sondern im Glas. Dieses Glas lässt sich später als Trinkglas verwenden.
  • Adaptieren bzw. anpassen: Welche Produkte sind ähnlich? Welche Parallelen gab es in der Vergangenheit? Was kann ich kopieren, nachahmen oder nachbilden? Was ist ein mögliches Vorbild?
    Beispiel: Zu Beginn der Mobiltelefone waren diese meist grau oder schwarz, bis einzelne Anbieter andersfarbige Modelle auf den Markt brachten. Diese Idee übernahm ein großer Computerhersteller Ende der 90er Jahre und bot grüne und blaue Endgeräte an.
  • Modifizieren bzw. abwandeln: Was lässt sich verändern? Wie lassen sich Farbe, Form, Größe, Klang, Geschmack, Geruch, Bewegung etc. verändern?
    Beispiel: Wochenzeitungen haben eine „übliche“ Größe und Form. Es gibt aber auch einen deutschen Verlag, der seine Wochenzeitung in Form einer Tageszeitung anbietet.
  • Vergrößern: Was lässt sich vergrößern, verlängern, addieren, multiplizieren? Wie lässt sich die Häufigkeit steigern? Wie wirkt das verwendete Material stärker, teurer, edler?
    Beispiel: Verchromte Teile an Motorrädern, die tatsächlich aus Plastik bestehen. Oder: Handydisplays.
  • Verkleinern: Was lässt sich wegnehmen, verkürzen, niedriger, billiger oder dünner gestalten? Was lässt sich abspecken, leichter bauen, rationalisieren, windschlüpfiger gestalten?
    Beispiel: TV-Geräte werden immer dünner und damit zu einem Fashion-Objekt für Wohnzimmer. Allerdings leidet darunter die Klangqualität, was wieder zu neuen Geräten wie externe Lautsprecher führt.
  • Substitution bzw. ersetzen: Welche anderen Materialien lassen sich nutzen? Wie lässt sich der Standort anpassen? Welche andere Energiequelle lässt sich verwenden? Welche andere Zutaten, Inhaltsstoffe, Herstellverfahren eignen sich gegebenenfalls?
    Beispiel: Computermäuse wurden früher mittels PS2-Stecker an einen Computer angeschlossen. Heute erfolgt der Anschluss per USB oder Funk.
  • Umgruppierung: Wie lassen sich Teilen anordnen? In welcher Reihenfolge sollten Arbeitsschritte durchlaufen werden? Wie lassen sich Raster oder das Tempo wechseln? Wie lassen sich Ursache und Wirkung vertauschen? Welches Layout könnte Sinn ergeben?
    Beispiel: In zahlreichen Softwareprogrammen besteht die Möglichkeit, das Layout der Anwendung individuell an die persönlichen Bedürfnisse und Vorlieben anzupassen.
  • Inversion bzw. umkehren: Was ist das Gegenteil? Wie lassen sich Rollen tauschen? Wie lässt sich das Produkt rückwärts bewegen, wie lässt sich aus einem Nachteil ein Vorteil machen oder wie lässt sich etwas von innen nach außen tauschen?
    Beispiel: Aus einer Einwegflasche wird eine Mehrwertflasche, aus einer Jacke mit Innenfutter werden zwei integrierbare, separate Jacken.
  • Kombinieren: Welche Komponenten oder Funktionen lassen sich zusammenfassen? Welche Ideen lassen sich kombinieren? Welche Materialien lassen sich mischen? Welche Ziele lassen sich vereinigen oder welche Pläne lassen sich synchronisieren?
    Beispiel: Aus einer einfachen Armbanduhr wird eine Smartwatch, die gleichzeitig als Telefon und Fitnesstracker fungiert.

Tipps zur Anwendung der Osborn-Checkliste

Wie bei jeder Checkliste gibt es einige Tipps zur Anwendung:

  • Es ist sinnvoll, die vollständige Fragenliste – die in manchen Publikationen auch als Sporn-Fragen deklariert werden, da sie zum Nachdenken anspornen – durchzuarbeiten.
  • Kritik an einzelnen Antworten gilt es zu vermeiden. Im Zweifelsfall ist der Moderator gefordert, die üblichen Regeln eines Brainstormings (keine Kritik, kein Copyright auf Ideen, gemeinsame Weiterentwicklung) zu erläutern.
  • Die Definition einer Timebox ist ratsam, denn schnell führt die lange Liste an Fragen zu zeitlich ausgedehnten Besprechungen.
  • Die Antworten müssen dokumentiert werden. Darüber hinaus sollte im Anschluss eine Diskussion und eine Bewertung der Antworten oder Ideen erfolgen.

In der Praxis kann es sinnvoll sein, die Checkliste in Richtung der SCAMPER-Methode oder im Sinne der 5W1H-Methode zu kürzen.

Osborn-Checkliste - Produkte oder Ideen sukzessive weiterentwickeln

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Impuls zum Diskutieren:

Lässt sich die Osborn-Checkliste auch für die Ideengewinnung eines gänzlich neuen Produkts, für eine Dienstleistung oder ein Konzept nutzen?

Hinweise:

[1] Alex F. Osborn

Es gibt auch eine Fragenliste, die sich auf die Punkte Adaption, Vergrößern und Verkleinern, Ersetzen, Umgruppieren und Kombinieren beschränkt.

Hier können Sie sich eine Osborn Checkliste als Vorlage herunterladen.

Hier können Sie sich das Ideation Whitepaper kostenlos herunterladen. Es erläutert viele weitere, praktische Methoden der Ideenfindung im Detail.

Und hier finden Sie ergänzende Informationen aus dem t2informatik Blog:

t2informatik Blog: Von der Idee zum Prototyp

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t2informatik Blog: Wie gut ist Ihre Lösung?

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