Start-Stop-Continue-Retrospektive

Was ist eine Start-Stop-Continue-Retrospektive, wie ist der Ablauf, wo liegen Vorteile bzw. Nachteile und welche Tipps gibt es?

Anfangen, Aufhören, Weitermachen

Eine Start-Stop-Continue-Retrospektive ist eine Form der Rückschau, bei der ein Team bespricht, wie die zukünftige Zusammenarbeit ausgestaltet wird. Aspekte werden in drei Gruppen gegliedert:

  • Start doing this“,
  • Stop doing this“ und
  • Continue doing this“.

„Start“ umfasst die Aktivitäten, Tools, Prozesse etc. mit denen das Team im nächsten Zyklus beginnen wird. „Stop“ labelt die Dinge, die im vorherigen Zyklus des Projekts, in der Iteration oder dem Sprint nicht funktioniert haben und eingestellt werden sollten. Und „Continue“ identifiziert Aspekte, die gut funktioniert haben und weiter genutzt werden sollten. Es geht also um Anfangen, Aufhören und Weitermachen.

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Der Ablauf einer Start-Stop-Continue-Retrospektive

Der Ablauf bei einer Start-Stop-Continue-Retrospektive – manchmal gleichnamig auch als Methode bezeichnet – ist relativ einfach und ähnelt anderen Retro-Formaten:

  • In Scrum findet der Austausch am Ende des Sprints, in Projekten mit klassischen Abläufen am Ende einer Iteration statt.
  • Idealerweise gibt es einen Moderator, in Scrum ist dies meistens der Scrum Master, in klassischen Projekten bspw. der Projektleiter. Der Moderator erläutert das Vorgehen, benennt die Regeln und achtet auf die Timebox.
  • Grundsätzlich nehmen alle an einer Entwicklung aktiv Beteiligten bzw. Mitwirkenden teil.
  • Wie bei allen Retrospektiven sollten die Vegas Regel („What happens in Vegas, stays in Vegas“) und die Goldene Regel (gegenseitiger Respekt und Wertschätzung) gelten.

Der eigentliche Ablauf lässt sich in 3 Phasen gliedern:

  • Die Sammlung von Erfahrungen und Erkenntnissen z.B. in Form von Brainstormings, sowie die Dokumentation bzw. Visualisierung an einem Whiteboard. Diese kann bei Bedarf auch mit Swimlanes pro Retro-Topic (Individuen, Interaktionen, Prozesse, Tools, Definition of Done) erfolgen.
  • Die Diskussion und Gruppierung von Informationen mit dem Ziel, Beiträge zusammenzufassen oder zu verwerfen, sowie Duplikate zu eliminieren. Als Ergebnis entsteht ein Liste mit Aktionen (evtl. pro Retro-Topic).
  • Die Abstimmung über die Liste möglicher Aktionen. Hier gibt es verschiedene Optionen: das Team stimmt über jedes Item per Konsens oder Konsent ab. Oder jedes Teammitglied bekommt Punkte, die es entsprechend einer persönlichen Priorisierung verteilen kann. Oder jedes Teammitglied bekommt eine definierte Anzahl von Punkten für Start, Stop und Continue.

In manchen Ratgebern wird eine 4. Phase empfohlen: Die Kommunikation der Ergebnisse in Richtung wichtiger Stakeholder.

Vorteile und Nachteile der Start-Stop-Continue-Retrospektive

Die Start-Stop-Continue Retrospektive bietet einige offensichtliche Vorteile:

  • Der Ablauf und die Umsetzung sind einfach und intuitiv. Die Retro unterscheidet sich nur unwesentlich von anderen dreiteiligen Formaten wie bspw. 3S, Mad-Sad-Glad, Plus-Minus-Interesting oder Small Starfish.
  • Die Visualisierung ist klar und übersichtlich.
  • Die Gruppierung der Erkenntnisse ist etwas detaillierter als bspw. bei einer zweiteiligen Retro wie Anchors and Engine, aber nicht so „aufgebläht“ wie bei einer Starfish Retrospektive. Damit eignet sie sich sowohl für Neulinge als auch für Retro-Profis.
  • Sie regt die Kommunikation und den Austausch an, fördert die Selbstorganisation im Team und ist beliebt.
  • Sie lässt sich flexibel gestalten, so dass der Moderator durch offene Fragen den Dialog im Team gut steuern kann.
  • Sie eignet sich sowohl für technische als auch persönliche Aspekte der Zusammenarbeit.
  • Und last but not least eignet sie sich sowohl für die Rückschau von Entwicklungsphasen sondern auch für Events wie bspw. Konferenzen, Meetings, Webinaren oder Vorlesungen etc. 

Natürlich gibt es auch einige Nachteile:

  • Wie auch andere dreiteilige Formate kann die Liste der Dinge, die weiterhin genutzt werden sollen, ziemlich schnell umfassend werden (siehe Tipps).
  • Wie bei allen Formaten, die nach kurzen Sprints zum Einsatz kommen, tritt schnell eine Ermüdung der Teilnehmenden ein (siehe Impuls zum Diskutieren). Fragen wie „Schon wieder eine Retro?“, „Können wir die Timebox kürzen?“ oder „Können wir nicht nur alle zwei Sprints eine Retro machen“ sind in solchen Fällen immer wieder zu hören. Hier ist besonders der Scrum Master gefordert, den Sinn zu vermitteln und das Team dabei zu unterstützen, eine sinnvolle Rückschau zu gestalten.

In manchen Publikationen wird auf eine Unterscheidung zwischen Aktivitäten und Ideen hingewiesen. Manche Retro-Formate wie bspw. die 4L Retrospektive sollen sich im Vergleich besser zur Gewinnung von Ideen eignen. Diese Einschätzung teilen aber sicherlich nicht alle Organisationen.

Tipps zur Start-Stop-Continue-Retrospektive

Es gibt einige Tipps zur Start-Stop-Continue-Retrospektive:

  • Ein strukturierter Einstieg erleichtert das Sammeln von Punkten. Einfache Fragen wie „Was hat Dir im letzten Sprint am meisten Freude bereitet?“ oder „Was definiert und fördert unsere Zusammenarbeit“ bieten Struktur und liefern verschiedene „Continue“-Antworten.
  • Gerade zu Beginn einer kontinuierlichen Zusammenarbeit lassen sich zahlreiche „Start“-Antworten sammeln. Oftmals lassen sich aber nicht alle Antworten dieser Kategorie direkt im nächsten Sprint oder der nächsten Iteration umsetzen. Es empfiehlt sich daher eine Auswahl zu priorisieren.
  • Retro-Formate können, müssen aber nicht immer bei Null beginnen. Es kann durchaus sinnvoll sein, die Liste der „Continue“- und/oder der „Start“-Antworten der vorherigen Retro als Input für die aktuelle Rückschau zu nutzen, um so bspw. gemeinsam zu entscheiden, ob neu begonnene Tätigkeiten oder „gewohnte“ Tools weiterhin genutzt werden sollten.
  • Die Rolle des Moderators hängt sowohl vom Kontext als auch von der Gruppendynamik ab. Agiert ein Team auf Augenhöhe und verfolgt gemeinsam Ziele, kann sich der Moderator eher im Hintergrund halten und bei Bedarf Impulse setzen. Gibt es aber ein Ungleichgewicht im Team, haben es introvertierte Kollegen schwer Gehör zu finden, dann ist der Moderator stärker gefordert. In solchen Fällen kann es bswp. Sinn ergeben, von einem Brainstorming zu einem Brainwriting zu wechseln.

 

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Impuls zum Diskutieren:

Wie wichtig ist es, verschiedene Retro-Formate zu probieren oder Formate zu wechseln?

Hinweise:

In manchen Beschreibungen wird die Start-Stop-Continue-Retrospektive als Erweiterung der Start-Stop-Retrospektive beschrieben. Jedoch stimmt dies nur auf den ersten Blick, denn tatsächlich handelt es bei der Rückschau mit 2 Gruppierungen eher um eine fortgeschrittene Variante.

Hier finden Sie ergänzende Informationen aus unserer Rubrik Wissen kompakt:

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