ESVP – Explorer, Shopper, Vacationer und Prisoner

Eine Methode zur Motivationsbestimmung in Meetings

In vielen Organisationen finden regelmäßig Meetings statt. Selbst agile – in der allgemeinen Wahrnehmung schlanke – Vorgehensweisen wie bspw. Scrum definieren mit dem Sprint Planning, dem Daily Scrum, dem Sprint Review und der Retrospektive zahlreiche Treffen. Die Qualität dieser Meetings hängt auch von der Motivation der Teilnehmer ab. ESVP ist eine Methode, um diese Motivation in Erfahrung zu bringen. Sie geht auf Esther Derby und Diana Larsen zurück, die sie 2006 ihrem Buch „Agile Retrospectives“ beschrieben. Der Moderator des Meetings, bei einer Retrospektive bspw. der Scrum Master, bittet die Teilnehmer, ihre Motivation in Bezug auf das anstehende Treffen anonym, bspw. auf Post-Its, zu dokumentieren. Grundsätzlich stehen vier Kategorien zur Verfügung:

  • E steht für Explorer: Der Entdecker unter den Teilnehmern möchte neue Ideen und Erkenntnisse gewinnen und möglichst viel sinnvolle Informationen über die anstehende Iteration, das nächste Release oder das Projekt erfahren.
  • S steht für Shopper: Der Einkäufer interessiert sich für alle verfügbaren Informationen, um dann diejenigen zu nutzen, die für ihn nützlich sind.
  • V steht für Vacationer: Der Urlauber interessiert sich nicht für die Ergebnisse des Meetings, ist aber froh, nicht seiner eigentlichen Tätigkeit nachgehen zu müssen.
  • P steht für Prisoner: Der Gefangene fühlt, dass er zur Teilnahme gezwungen wird oder zumindest nicht freiwillig an dem Treffen teilnimmt. Am liebsten würde er etwas anderes machen und die Ergebnisse des Meetings sind ihm egal.

ESVP - Wissen kompakt - t2informatik

Es obliegt dem Moderator die Einstufungen der Teilnehmer zu veröffentlichen oder gar zu visualisieren. Manche Erläuterungen von ESVP führen auch aus, dass sich die Teilnehmer öffentlich „outen“ sollen, doch gerade in einem angespannten Umfeld könnte das a) kontraproduktiv sein, wenn einzelne Teilnehmer ihre tatsächliche Motivation bspw. vor einem anwesenden Product Owner nicht offenbaren wollen, oder b) direkt zu einem verfälschten Ergebnis führen. Alternativ kann die Abfrage auch anonym per Stimmzettel mit anschießender Veröffentlichung erfolgen. Unabhängig davon kann der Moderator am Ende des Treffens oder auch zu Beginn eines nächsten Treffens die Frage wiederholen, um so über einen (längeren) Zeitraum etwaige Entwicklungen festzustellen. Sehen sich mehrere Teilnehmer über einen längeren Zeitraum als Urlauber oder Gefangene, sollte der Moderator das Gespräch unter 4 Augen suchen und den Ursachen für diese Einstufungen auf den Grund gehen.

Interessant ist bei der ESVP Methode auch eine andere Perspektive, denn die Einstufung kann auch dem befragten Teilnehmer helfen: Warum bin ich hier nur als Urlauber? Warum bin ich froh, meiner normalen Tätigkeit entkommen zu können? Wieso werde ich zu Meetings geschickt, an denen ich nicht teilnehmen möchte? Warum möchte ich an den Treffen nicht teilnehmen? Die Antworten auf solche Fragen kann Teilnehmern zu einer Klarheit über die eigene Rolle, die Position in der Organisation oder persönliche Erwartungen verhelfen.

“Das Fachwissen zu Softwarearchitekturen, die Expertise in der Softwareentwicklung und die sehr flexible Arbeitsweise waren ideal für uns.“

„Ich brauche Freiheit und Vertrauen. Und ich möchte Verantwortung übernehmen und dabei Spaß haben!“

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