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Was ist eine Scrum Retrospektive?

Welche Ziele werden verfolgt, welche Methoden gibt es und welche Aufgaben hat der Scrum Master?

Scrum Retrospektive – Definition

Eine Retrospektive ist ein Rückblick. Als Begriff in der Kunst beschreibt er die Auseinandersetzung mit Werken eines Künstlers und/oder einer Epoche. In Scrum ist eine Retrospektive ein regelmäßiges Event, zu dem sich das Entwicklungsteam trifft, um die jüngere Vergangenheit – also den zurückliegenden Sprint – zu beleuchten und dadurch die zukünftige Zusammenarbeit im Team zu verbessern. Es ist ein Meeting, bei dem Prozesse, Werkzeuge, Fähigkeiten, Beziehungen, Herausforderungen und Erfahrungen reflektiert werden. Das Feedback bietet dabei Chancen sowohl für das Team als Ganzes als auch für jeden einzelnen Teilnehmer.

An der Retrospektive nehmen das Entwicklungsteam und der Scrum Master teil. Über die Teilnahme des Product Owners gibt es unterschiedliche Auffassungen. Der Scrum Guide definiert „The Sprint Retrospective is an opportunity for the Scrum Team to inspect itself and create a plan for improvements to be enacted during the next Sprint.“. Daraus ergibt sich die Möglichkeit der Teilnahme des Product Owners, denn er gehört neben den Entwicklern und dem Scrum Master zum Scrum Team. Alternativ kann es auch reine Team Retrospektiven (also ohne Scrum Master und Product Owner) oder Overall Retrospektiven mit einem Vertreter des Teams, dem Scrum Master, dem Product Owner und einem Manager geben.

Ziele und Vorteile der Retrospektive

Die Retrospektive als Treffen des Scrum Teams verfolgt verschiedene Ziele:

  • Die Verbesserung der Zusammenarbeit im Team und somit um die Verbesserung von Abläufen und Inhalten. Es geht auch um das Zusammenspiel zwischen einzelnen Entwicklern, um das Wirken des Scrum Masters und die Kommunikation mit dem Product Owner. Damit ist die Retrospektive wichtiger Teil eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP).
  • Die Festlegung von Maßnahmen, von Dos und Don’ts, basierend auf  den gemeinsam gewonnen Erkenntnissen und Überprüfung der vereinbarten Maßnahmen der vergangenen Retrospektive.
  • Raum und Gelegenheit für offenes Feedback im Team, zur Vermeidung von Frust und Beseitigung von Missverständnissen.
Was ist Scrum?
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Regelmäßiges Treffen

Eine Retrospektive ist ein regelmäßiges Treffen des Entwicklungsteams mit dem Ziel, die gemeinsame Zusammenarbeit zu optimieren.

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Die Visualisierung

Hier sehen Sie die Darstellung einer Starfish-Retrospektive. Die Optik ähnelt einem Seestern (Starfish) und bietet 5 Kategorien für identifizierte Aspekte des zurückliegenden Sprints.

Regeln der Scrum Retrospektive

Bei der Durchführung von Retrospektiven sind zwei einfache, aber wichtige Regeln zu beachten:

  1. Vegas-Regel: „What happens in Vegas, stays in Vegas.“ Alles was in der Retrospektive besprochen wird, bleibt den Teilnehmern der Retrospektive vorbehalten. Das Treffen zur Verbesserung der Zusammenarbeit im Team und der gemeinsamen Entwicklungsleistung basiert auf Vertrauen. Gerade beim Feedback untereinander ist dieses Vertrauen elementar.
  2. Goldene Regel: Alle Teilnehmer behandeln sich mit Respekt und Wertschätzung. Es geht nicht um Schuldzuweisungen und Besserwisserei, es geht um das Team, in das sich jeder mit bestem Wissen und Fähigkeiten einbringt.

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Die Scrum Retrospektive in der Praxis

Methoden der Retrospektive

Es gibt verschiedene Methoden, um Retrospektiven erfolgreich zu gestalten:

  • Die Starfish Retrospektive hilft den Teilnehmern über verschiedene Grade der Zusammenarbeit nachzudenken und Aspekte entsprechend in einem Diagramm zu visualisieren: Start Doing (ab sofort nutzen), More of (mehr davon), Less of (weniger davon), Keep doing (weiterhin nutzen) und Stop Doing (nicht mehr nutzen).
  • Die 4L Retrospektive verfolgt einen ähnlichen Ansatz, jedoch nur mit 4 Kategorien: Loved, Learned, Lacked (was habe ich vermisst?) und Longed for (wonach habe ich mich gesehnt?).
  • Die 3S Retrospektive kennt 3 Kategorien: Start, Spice up, Stop. Ähnliche 3-teilige Gliederungen sind Small Starfish oder Mad, Sad, Glad oder Plus, Minus, Interesting oder Anfangen, Aufhören, Weitermachen.
  • Bei der BYOSM Retrospektive beschäftigt sich das Team mit dem idealen Scrum Master, den sich das Team wünschen würde: Build Your Own Scrum Master. Dazu werden drei Fragen gestellt: Wie sieht unser perfekter Scrum Master aus? Was muss er über uns wissen? Wie können wir ihm helfen?
  • Der Wetterbericht bietet die Möglichkeit, Stimmungen auf einem Flipchart in den Kategorien Sonnenschein, Bewölkung, Regen und Gewitter zu dokumentieren. Ähnlich funktionieren Steh zu Deiner MeinungLine DanceHappiness Histogramm und Der perfekte Sprint.
  • Beim Lean Coffee werden Themen gesammelt, gruppiert, bewertet und entsprechend der Bewertung in einer festen Zeitvorgabe diskutiert. Ist das Thema nicht abschließend besprochen, kann die Zeitvorgabe verlängert werden.
  • Beim Pessimieren wird zu Beginn eine negativ formulierte Frage gestellt (z.B. Was hätten wir getan, wenn wir das Sprintziel verfehlt hätten?), die Anworten auf die Fragen ins Gegenteil verkehrt, um anschließend die Fragen zu beantworten „Was hält uns davon ab?“ und „Warum ist das so?“ Ähnlich funktioniert Das Schlimmste, was wir machen können.
  • Bei Wünsch Dir was geht es um die Beschäftigung mit der größten Herausforderung bei der Arbeit, dem Wunsch diese zu meistern und der Frage „Woran merkst Du, dass sich Dein Wunsch erfüllt hat?“.
  • Bei Verdeckter Boss nimmt das Team den Blickwinkel eines Vorgesetzten ein und überlegt sich, was der ändern würde, hätte er unerkannt den letzten Sprint beobachten können.

Es gibt noch viele weitere Methoden und Möglichkeiten, um die Eindrücke und Meinungen der Teammitglieder in Erfahrung zu bringen. Es obliegt dem Scrum Master, hier einerseits neue Methoden einzubringen, andererseits an bewährten Techniken festzuhalten. Eine Retrospektive darf trotz aller Ernsthaftigkeit auch Spaß machen.

 

Offene Fragen in der Retrospektive

Neben den verschiedenen Methoden, die sich gut für den Meinungsaustausch im Team eignen, besteht auch die Möglichkeit, viele einzelne Fragen zu stellen, um Befindlichkeiten, Werte, Ziele, Vorgehensweisen etc. zu erkennen:

  • Was kannst Du von mir erwarten?
  • Was erwarte ich vom Team / von Dir?
  • Was wünsche ich mir vom Team / von Dir?
  • Was möchte ich ab sofort anders / besser tun?
  • Was schätze ich an Dir und an Deiner Arbeit?
  • Was wünsche ich Dir, dass Dir besser gelingt?
  • Worauf kann das Team / kannst Du Stolz sein?
  • Was waren positive / negative Momente im letzten Sprint?
  • Was war großartig für Dich / das Team im letzten Sprint?
  • Was hat Dich / das Team angetrieben / gebremst?
  • Was hast Du am letzten Sprint gehasst?
  • Wie findest Du das Zusammenspiel und die definierten Prozesse im Team und was würdest Du ändern?
  • Wie finden die anderen Teammitglieder die Zusammenarbeit und die Beziehungen untereinander?
  • Wo waren für Dich / das Team die Stolpersteine im letzten Sprint?
  • Was behindert Dich / das Team bei der Arbeit?
  • Was würdest Du gerne mal ausprobieren?
  • Was lief gut und müssen wir uns merken, damit wir es nicht vergessen?
  • Wie wird unser Team von aussen wahrgenommen?
  • Was hast Du / hat das Team im letzten Sprint gelernt?
  • Welche Skills möchtest Du /sollte das Team verbessern?
  • Wie hast Du Dich / glaubst Du haben sich Deine Kollegen gefühlt?
  • Wo hättest Du mehr Hilfe benötigt / geben können?
  • Was hat Dich / das Team überrascht?
  • Was sollten wir im nächsten Sprint unbedingt verbessern?
  • Was wünschst Du Dir vom Scrum Master / Product Owner / Manager?
  • Wie findest Du denn Einsatz der Tools und was würdest Du verändern?
  • Was nimmst Du aus der Retrospektive mit?
  • Wie findest Du die Retrospektive im Sinne von Offenheit, Ehrlichkeit und Respekt?

Eine Retrospektive bietet viel Raum zur Beanwortung der unterschiedlichsten Fragen. Zwei Fragen sind zum Ende einer Retrospektive wichtig zu beantworten: 1. Wie nützlich war die Retrospektive für Dich (auf einer Skala von 1-5)? Und 2. Was kann der Moderator beim nächsten Mal besser machen?

Timebox und Häufigkeit

Die Retrospektive ist ein sehr gutes Instrument, um die Leistung und Zusammenarbeit im Team kontinuierlich zu verbessern. Sie bietet die Möglichkeit, Unsicherheiten und Probleme anzusprechen und zu beseitigen. Der Scrum Guide empfiehlt bei Sprints mit einer Länge von 4 Wochen eine Timebox von 3 Stunden. Rechnen Sie dies auf einen Sprint von 2 Wochen herunter, ergeben sich 1,5 Stunden, bei einer Spintdauer von 1 Woche knapp 40 Minuten. Bei kurzen Sprints sollten sich Teams überlegen, von der Vorgabe, am Ende eines Sprints eine Retrospektive durchzuführen, abzuweichen. So könnten Teams bspw. vereinbaren, immer nach zwei einwöchigen Sprints die nächste Retrospektive mit einer Dauer von 1,5 Stunden durchzuführen. Wichtig ist, dass die Teilnehmer die Durchführung der Retrospektiven im Verhältnis zum Aufwand als positiv einschätzen. Nur dann machen die Meetings Sinn. Und je eingespielter das Scrum Team ist, desto kürzer fallen meist die Treffen aus.

Anforderungen an den Scrum Master

Die Durchführung des Retrospektive lässt sich in 5 Phasen einteilen: 1. Intro mit Begrüßung, Klärung der Ziele, Rückblick auf das letzte Treffen. 2. Sammeln von Daten bspw. mit den oben beschriebenen Fragen. 3. Gewinnen von Einsichten, also die Klärung von „Wieso, Weshalb, Warum“. 4 Festlegen von Maßnahmen und 5. Retrospektive der Retrospektive mit der Frage, was beim nächsten Treffen wiederholt oder verändert werden sollte. Für diesen Ablauf ist der Scrum Master verantwortlich. Meist ist er Moderator und evtl. auch Motivator. Er wählt die Methoden aus und sorgt für eine offene, vertrauensvolle und ehrliche Kommunikation. Wichtig ist zu wissen, dass der Scrum Master kein Vorgesetzter ist, er ist Teil des Teams und versucht daher ebenfalls seine Leistung und das Miteinander mit den Entwicklern zu optimieren. Sollte der Product Owner am Meeting teilnehmen, sorgt der Scrum Master dafür, dass dieser nicht mehr Redeanteile als andere erhält. Er benötigt also ein Standing im Team und gegenüber dem Product Owner.

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Herausforderungen für Unternehmen

Die kontinuierliche Verbesserung

Erhalten Sie gerne Feedback? Geben Sie gerne Feedback? Durften Sie Kollegen schon einmal Feedback geben? Feedback ist ein Geschenk. Es ist eine Möglichkeit, sich gegenseitig zu unterstützen, Probleme anzusprechen und zu lösen. Damit dies gelingt, sind die Vegas-Regel und die goldene Regel elementar. Die Einhaltung dieser Regeln schafft einen Raum für die Selbstreflexion jedes einzelnen Teammitglieds. Das ist Basis für Verbesserungen in der Zusammenarbeit im Team. Hier helfen Methoden, Fragen und gegenseitiges Verständnis. Idealerweise ergeben sich Maßnahmen, die das Team im nächsten Sprint adressiert. Diese gilt es spätestens zur nächsten Retrospektive zu überprüfen. So werden Maßnahmen etabliert, angepasst oder wieder eingestellt. Ein Kreislauf entsteht, auch bekannt als kontinuierlicher Verbesserungsprozess.

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