Anforderungsmanagement

Was ist Anforderungsmanagement, welche Aufgaben umfasst es und welche Herausforderungen gilt es zu meistern?

Wissen kompakt: Anforderungsmanagement beschäftigt sich mit der Erhebung, Dokumentation, Prüfung und Abstimmung sowie der Verwaltung von Anforderungen.

Anforderungsmanagement – die Basis für Projekte und Produktentwicklungen

Wer sich mit der Planung und Durchführung von Projekten oder der Entwicklung von Produkten oder Dienstleistungen beschäftigt, stellt sich verschiedene Fragen:

  • Was soll im Zuge des Projekts oder der Entwicklung realisiert werden?
  • Was sind die Anforderungen – also die Fähigkeiten und Eigenschaften – die umzusetzen sind?
  • Wie lassen sich diese Anforderungen spezifizieren und verwalten?

Die Antworten auf diese Fragen liefert das Anforderungsmanagement. Es ist die Basis für Projekte und Produktentwicklungen. Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff häufig synonym zu Requirements Engineering verwendet; theoretisch ließe er sich auch als Teil davon verstehen.

Anforderungsmanagement - die Basis für Projekte und Produktentwicklungen

Die Aufgaben im Anforderungsmanagement

Die Aufgaben im Anforderungsmanagement variieren je nach Perspektive etwas. Grundsätzlich geht es darum, Anforderungen als Beschreibung eines gewünschten Funktionsumfangs zu verstehen. Ziel sollte es sein, korrekte, vollständige, eindeutige, widerspruchsfreie, nach Wichtigkeit und/oder Stabilität bewertete, prüfbare und verfolgbare Anforderungen zu ermitteln.

Das International Requirements Engineering Board (IREB) nennt bspw. vier zentrale Aufgaben:

  • Die Ermittlung von Anforderungen inklusive Detaillierung und Verfeinerung.
  • Die Dokumentation als adäquate Beschreibung von Anforderungen.
  • Die Prüfung und Abstimmung von Anforderungen mit dem Ziel, die Qualität sicherzustellen.
  • Die Verwaltung – auch als Requirements Management (also Anforderungsmanagement?) bezeichnet – von Anforderungen.

Die IEEE 24765:2017 spricht bspw. von

  • Anforderungserhebung (Requirements Elicitation),
  • Anforderungsanalyse (Requirements Analysis),
  • Anforderungsspezifikation (Requirements Specification) und
  • Anforderungsbewertung (Requirements Validation).

Unabhängig von den feinen Unterschieden der jeweiligen Perspektiven ist ein Punkt sehr wichtig: Anforderungen ändern sich. Neue Anforderungen kommen hinzu, bestehende Anforderungen verlieren ihre Bedeutung. Warum? Weil Stakeholder ihre Meinungen oder Ziele ändern, weil neue Zusammenhänge bei der Realisierung eines Produkts oder der Umsetzung eines Projekts klarer werden oder weil es neue Gesetze und Normen gibt. Daraus ergibt sich, dass Anforderungsmanagement – und damit die Erhebung, Analyse, Spezifikation und Bewertung von Anforderungen – keine einmalige Sache zu Beginn eines Projekts oder eine Entwicklung ist. Im Gegenteil: es handelt sich um eine kontinuierliche Aufgabe.

Herausforderungen beim Anforderungsmanagement

Der CHAOS Report der Standish Group führt regelmäßig unklare Anforderungen als einen wesentlichen Faktor für gescheitere Projekte und Entwicklungen an. Wie kommt es zu unklaren Anforderungen? Entweder wurden sie nicht eindeutig, korrekt, widerspruchsfrei etc. formuliert. Oder es gab Abweichungen zwischen den Wünschen der Stakeholder und der Implementierung der Entwickler. Oder implizite Wünsche von Auftraggebern wurden nicht explizit formuliert und konnten somit von den Auftragnehmern aus Unkenntnis nicht realisiert werden. Offensichtlich gibt es Herausforderungen beim Anforderungsmanagement. Hier finden Sie einige weitere Beispiele:

  • Anforderungsmanagement ist eine vollständige Disziplin, die klare Regeln und eine gute Kommunikation zwischen den Beteiligten erfordert. So gilt es bspw. zu klären, wer wann was und wie macht, welche Rollen mit welchen Verantwortlichkeiten, Rechten und Pflichten involviert sind, welche Tools zur Anwendungen kommen, wie Lessons Learned aus früheren Vorhaben oder Good Practices aus bekannten Methoden genutzt werden.
  • Wer sind die Stakeholder, welche Wünsche haben sie, welche Stakeholder sind wichtiger als andere, wie erfolgt die Kommunikation im Regelfall und insbesondere bei Schwierigkeiten etc.? Antworten auf diese Fragen sollte das Stakeholdermanagement liefern.
  • Wie erfolgt die Priorisierung von Anforderungen? Erfolgt die Gewichtung bspw. mit der MoSCoW-Methode oder mit dem Kano-Modell, mit absoluten Werten – eine Anforderung mit dem Wert 984 ist wichtiger als eine mit dem Wert 983 – oder mit Abstufungen wie wichtig, sehr wichtig, unglaublich wichtig?
  • Wie lässt sich sicherstellen, dass die wesentlichen Anforderungen rechtzeitig ermittelt, dokumentiert, geprüft und abgestimmt sind, so dass sich bspw. valide Architekturentscheidungen treffen lassen?
  • Wie werden Änderungswünsche dokumentiert? Wer darf überhaupt Änderungswünsche äußern und was geschieht ggf. mit Aufwänden, die für die Realisierung von Anforderungen angefallen sind, wenn diese später aufgrund eines Änderungswunsches nicht im finalen Produkt landen?

Es gibt viele kleine und große Herausforderungen im Anforderungsmanagement. Auch aus diesem Grund lässt sich beobachten, dass viele Unternehmen in die Ausbildung von Mitarbeitenden und in Personenzertifikate wie bspw. den Certified Professional for Requirements Engineering (CPRE) investieren. 

Fragen im Kontext von Anforderungsmanagement

Es gibt eine Liste an Fragen im Kontext von Anforderungsmanagement. Auf einige der Fragen finden Sie Antworten in unserem Blog:

Sicherlich fallen Ihnen noch weitere Fragen ein. Melden Sie sich gerne bei uns und wir versuchen Ihre Fragen zu beantworten oder entsprechende Beiträge zu publizieren.

Tools für Anforderungsmanagement

Es gibt verschiedene Tools im Anforderungsmanagement bzw. Requirements Engineering. Hier finden Sie eine kleine Liste mit Tools ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Bewertung:

Sicherlich lässt sich die Liste leicht ergänzen, zumal es zahlreiche Produkte gibt, die in Organisationen für die Arbeit mit Anforderungen genutzt werden (bspw. MS Excel, MS Word oder Jira), originär aber einen anderen Vermarktungsschwerpunkt haben. 

Impuls zum Diskutieren:

Wie lassen sich Aussagen zu Terminen und Kosten treffen, wenn lediglich ein Teil der Anforderungen zu Projekt- oder Entwicklungsbeginn bekannt sind?

Hinweise:

Hier finden Sie ergänzende Informationen aus unserer Rubrik Wissen kompakt:

Wissen kompakt: Was ist das Kano-Modell?

Was ist das Kano-Modell?

Wissen kompakt: Was ist ein Walkthrough?

Was ist ein Walkthrough?

Wissen kompakt: Wie funktioniert Priorisierung?

Wie funktioniert Priorisierung?