Crowdsourcing

Wissen kompakt: Crowdsourcing bezeichnet die kontextuelle, punktuelle, temporäre und zielgerichtete Interaktion von Unternehmen mit einer großen Menge von unternehmensexternen Menschen (Crowd) zur Beschaffung von Wissen (Sourcing).

Crowdsourcing – kollektives Wissen und Schwarmintelligenz nutzen

Crowdsourcing ist ein Kofferwort aus den englischen Begriffen „crowd“ für Menschenmenge und „sourcing“ für Beschaffung. Im Gegensatz zu dem im Unternehmenskontext oftmals anzutreffenden Outsourcing, das eine bezahlte Auslagerung von Arbeitsprozessen oder eine Beauftragung von Tätigkeiten an einzelne ausgewählte Dienstleister vorsieht, adressieren Crowdsourcing-Organisationen die Teilhabe großer Gruppen von Individuen an Ideen, Aufgaben, Fragen oder x-beliebigen Herausforderungen. Diese Teilhabe kann unentgeltlich oder gegen Bezahlung erfolgen.

Beim Crowdsourcing geht es darum, das kollektive Wissen einer großen Anzahl von Menschen zu nutzen. Es geht darum, wichtige Erkenntnisse durch zahlreiche Inputs oder Perspektiven zu erhalten und diese Erkenntnisse bspw. für Entscheidungen zu nutzen.

Kurzum: Crowdsourcing bezeichnet die punktuelle, temporäre, zielgerichtete Beteiligung einer Vielzahl von hunderten, tausenden oder noch mehr Menschen in einem konkreten Kontext und adressiert damit die Schwarmintelligenz der Menge.

Der Ursprung des Begriffs

Crowdsourcing als Begriff wurde von Jeff Howe 2006 in einem Artikel im Wired Magazine geprägt.1 Dort schrieb er über die Herausforderungen einer Mitarbeiterin eines Museums, die für eine Ausstellung auf der Suche nach passendem Bildmaterial war. Während ihrer Suche entdeckte sie eine Bilderdatenbank, iStockphoto, in die jeder Interessierte Bilder hochladen und für wenig Geld verkaufen konnte. Statt einen Fotografen zu beauftragen, konnte die Mitarbeiterin auf Fotos zugreifen, die Menschen über das Internet zum Download bereitgestellt hatten. Kurze Zeit später wurde iStockphoto von Getty Images für 50 Millionen US-Dollar gekauft und aus Outsourcing wurde Crowdsourcing.

Artverwandte Begriffe

Es gibt einige artverwandte Begriffe wie bspw.

  • Crowdfunding,
  • Crowdtesting,
  • Crowdwriting oder
  • Crowdworking.

Die Kernidee bei diesen Begriffen ist ähnlich, das Objekt jedoch unterschiedlich: aus Sourcing wird bspw. Funding oder Writing. Damit einhergehend kann auch die Motivation zur Teilnahme einzelner Personen an einem Vorhaben variieren.

Beim Crowdsourcing nehmen Menschen möglicherweise teil, weil sie um ihre Meinung oder Mithilfe gebeten werden, das Unternehmen oder die Organisation sympathisch finden oder sich als Teil einer Gemeinschaft einbringen wollen.

Beim Crowdfunding geht es um die finanzielle Förderung von Vorhaben, Projekten oder Aktionen. Hier investieren Menschen möglicherweise, weil sie etwas „Gutes“ tun oder aktiv eine Aktion ermöglichen wollen. Und beim Thema Crowdwriting geht es um das Schreiben von Texten. Menschen beteiligen sich u. a. an solchen Vorhaben, weil sie dafür bezahlt werden oder Wissen unentgeltlich teilen wollen.2

Es gibt auch einige andere Begriffe, die ähnliche Ansätze verfolgen, dies allerdings nicht direkt im Namen transportieren wie bspw.

  • Open Source,
  • Open Innovation oder
  • Co-Creation.

Bei Open-Source-Software räumt der Urheberrechtsinhaber den Benutzern das Recht ein, eine Software und ihren Quellcode für einen beliebigen Zweck zu verwenden, zu ändern und zu verteilen. Open Innovation thematisiert den Innovations­prozess von Organisationen und damit die strategische Nutzung der Außenwelt zur Vergrößerung des Innovationspotenzials. Co-Creation adressiert die Collaboration von Unternehmen und einer Community aus Usern oder Kunden zur gemeinsamen Entwicklung von Produkten oder Dienstleistungen.

Crowdsourcing lokal oder remote

Die Verbreitung des Internets und die damit vorhandenen Möglichkeiten der Kommunikation haben sicherlich zum Erfolg des Konzepts beigetragen. Insbesondere die Entwicklung des Web 2.0 mit seinen zahlreichen sozialen Netzwerken, den vielfältigen Plattformen und den vernetzten Messenger-Diensten unterstützt die „Beteiligung der Massen“. Menschen können unabhängig von Ort und Zeit über Themen oder Trends diskutieren. Sie können Ideen gemeinschaftlich erörtern, Wissen zusammentragen und dokumentieren, oder Produkte testen.

Crowdsourcing funktioniert aber nicht nur remote bzw. online, es funktioniert auch lokal, bspw. wenn Unternehmen Anwender zu Usability Testessen einladen oder Organisationen Veranstaltungen mit vielen tausenden Teilnehmern zu ausgewählten Themen veranstalten.3

Vorteile und Nachteile von Crowdsourcing

Crowdsourcing und auch die artverwandten Ansätze bieten einige Vorteile:

  • Eine relativ günstige Interaktion mit vielen Menschen zur Informationsbeschaffung, Ideenentwicklung, Qualitätssteigerung.
  • Eine relativ schnelle Interaktion mit einer großen Anzahl von Menschen.4
  • Eine relativ einfache Möglichkeit, Aufmerksamkeit für eine Idee, ein Produkt oder ein Event zu erzeugen, in dem die interagierenden Menschen die Verbreitung bzw. Reichweite der Information mittels Social Media promoten.
  • Eine relativ einfache Möglichkeit, ein Image in einer Community aufzubauen bzw. die Reputation einer Organisation zu steigern.5

Unter Umständen hat Crowdsourcing aber auch einige Nachteile:

  • Wahre Innovation kann durch die Interaktion mit vielen Menschen entstehen, muss aber nicht entstehen. Häufig ist weniger mehr, häufig denken Menschen eher in Evolutionen als Weiterentwicklung von bestehenden Möglichkeiten und weniger in Disruptionen.
  • Insbesondere bei komplexen Fragen ist es wahrscheinlich, dass Crowdsourcing im Vergleich zu Expertenbewertungen weniger gut abschneidet.6
  • Das Image von Unternehmen kann leiden, sobald das Vorhaben als günstige Alternative zur bezahlten Dienstleistung von Experten wahrgenommen wird. In einem solchen Szenario wird Crowdsourcing als kostenlose Outsourcing-Variante empfunden und die Attraktivität als Auftrag- oder Arbeitgeber leidet.
  • Der Zugang zur Schwarmintelligenz ist nicht wirklich kostenfrei. Die Durchführung entsprechender Kampagnen, die Auswertung von Informationen, die Interaktion mit der Crowd im Allgemeinen und einzelnen Personen im Speziellen ist aufwändig und zeitintensiv.

 

Crowdsourcing - kollektives Wissen und Schwarmintelligenz nutzen

Impuls zum Diskutieren:

Könnte Crowdsourcing eine sinnvolle Erzänzung zur Stakeholderkommunikation sein?

Was macht t2informatik?

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Hinweise:

[1] Hier finden Sie den Artikel The Rise of Crowdsourcing.
[2] Wikipedia ist ein schönes Beispiel für ein unentgeltliches Crowdwriting.
[3] 2020 sollte im Olympiastadion Berlin ein Demokratie-Festival stattfinden. Ziel war es, Wissenschaftlern, demokratiefördernden Initiativen und zivilgesellschaftlichen Organisationen eine Bühne zu geben, die Lösungen für die drängendsten Probleme unserer Zeit suchen und diese mithilfe von Petitionen direkt vor Ort auf den Weg bringen wollten. (Die Veranstaltung wurde jedoch im Vorfeld abgesagt.)
[4] Mobiles Crowdsourcing hilft bspw. bei Katastrophenfällen, sodass Helfer schneller und umfassender Eindrücke aus einem Krisengebiet erhalten.
[5] LEGO betreibt eine Ideen-Plattform, auf der Anwender Ideen für neue Bausteine einreichen können: Ideas Lego
[6] Studie der Universität Paderborn: Can the Crowd Substitute Experts in Evaluation of Creative Ideas?

Hier finden Sie ergänzende Informationen aus unserer Rubrik Wissen kompakt:

Wissen kompakt: Wie funktioniert Ideation?

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