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Innovation Lab

Die spezielle Organisationseinheit für Innovationen

Ein Innovation Lab ist eine spezialisierte Organisationseinheit, die sich mit Innovationen – von der Ideenfindung bis zur möglichen Markteinführung – beschäftigt. In vielen Unternehmen ist sie außerhalb der klassischen Aufbauorganisation angesiedelt. In manchen Publikationen wird ein Innovation Lab auch als virtueller oder physischer Raum definiert, in dem Mitarbeiter einer oder mehrerer Unternehmen kreativ und gemeinsam tätig werden. Diese Interpretation basiert vor allem auf dem Begriff „Lab“ als Ausdruck für Labor bzw. Laboratorium, und somit auf einem Arbeitsplatz, an dem u.a. Experimente, Tests sowie Messungen und Kontrollen durchgeführt werden.

Das Thema Innovation und die konkrete Auseinandersetzung mit Innovationen ist für sehr viele Unternehmen zukunftsentscheidend. Im Kontext eines Unternehmens bezeichnet eine Innovation alle Produkte, Dienstleistungen und auch Prozesse, die das Unternehmen erstmalig nutzt und einführt. Die Innovation eines Unternehmens muss daher bei einem anderen Unternehmen keine Neuerung sein. Unterschieden werden meist evolutionäre bzw. inkrementelle Innovationen als Weiterentwicklung bestehender Produkte, Dienstleistungen und Prozesse, und revolutionäre bzw. radiale oder disruptive Innovationen, die gänzlich neue Produkte oder Dienstleistungen und damit auch manchmal neue Märkte schaffen.

Innovation Labs werden auch als als Think Tanks, Design Labs oder Digital Labs bezeichnet. In manchen Unternehmen wird durch den Namen der Organisationseinheit bereits die Intention ausgedrückt: ein Digital Lab fokussiert auf Digitalisierung, ein Education Innvoation Lab auf Bildung, ein Forschungs-Lab auf die Erforschung von Materialien oder Verfahren etc. Es gibt verschiedene Arten von Innovations Labs:

  • Das unternehmenseigene Lab ist die häufigste Form eines Innovation Labs. Unternehmen bauen es bewusst außerhalb der Unternehmensorganisation auf, da sie wissen, wie schnell die kontinuierliche Auseinandersetzung mit Neuerungen im Tagesgeschäft stockt und wie leicht mögliche Bedenkenträger geniale Ideen zerstören können, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen. In der Praxis kommt es daher vor, dass Mitarbeiter dediziert – also Vollzeit – im Innovation Lab arbeiten oder aber fixierte Zeiträume – bspw. jeden Freitag – dafür nutzen. Idealerweise agiert ein Innovation Lab als Unternehmen im Unternehmen, arbeitet agil, flexibel und mit flachen Hierarchien.
  • Inkubatoren sind Denkwerkstätten, in denen sich viele verschiedene Parteien austauschen, in der Hoffnung voneinander zu profitieren. Der Begriff Inkubator stammt aus der Medizintechnik und ist ein anderes Wort für Brutkasten. Die Verwendung im Kontext von Innovationen ist natürlich beabsichtigt, denn Inkubatoren bieten kontrollierte Bedingungen für Entwicklung und Wachstum. In Publikationen gibt es manchmal unterschiedliche Aussagen, ob Inkubatoren interne Mitarbeiter aus anderen Unternehmensbereichen oder externe Unterstützer sind. Handelt es sich um externe Experten, stellen diese ggf. Startkapital, Know-how, Kontakte, Marktzugänge etc. zur Verfügung. 
  • Acceleratoren sind eine Art Programm, bei dem sich Unternehmen oder Gründerteams bewerben, um von ihnen Unterstützung zu erhalten. Accelerator-Programme werden gerne auch als Boot Camps für Innovationen bezeichnet. Sie verfolgen das klare Ziel, innerhalb einer definierten Zeit ein Produkt oder eine Dienstleistung zur Marktreife zu bringen. Im Vergleich zu einem Inkubator geht es also weniger um das Kreieren neuer Ideen, sondern eindeutig um einen wirtschaftlichen Erfolg in möglichst kurzer Zeit. In der Praxis verschwimmen die Begriffe Inkubator und Accelerator häufig. Kommen noch Begriffe wie Business Angels, Venture Capitalists, Company Builder oder Open Innovation hinzu, dann ist Unterscheidung eher von akademischer Natur und in der Praxis von geringer Relevanz.

Manchmal wird auch von Coworking Labs gesprochen. Diese Labs haben aber im eigentlichen Sinne wenig mit Innovationen als solches zu tun, sondern stellen Arbeitsflächen und -materialien wie Tische oder Internetverbindungen zur Verfügung. Auch Grassroot Labs bieten Räumlichkeiten, meist in Form von Werkstätten, in denen mit Materialien gearbeitet und experimentiert werden kann. Beide Formen tragen sich durch die Miete der Arbeitenden.

Welche Aufgaben sich ein Innovation Lab stellt, ist individuell festzulegen. Evtl. kümmert es sich um

  • die Ideenidentifikation bzw. Ideengenerierung,
  • die Voranalyse zur Idee mit dem Ziel Chancen und Risiken zu ermitteln,
  • die Durchführung von Machbarkeitsstudien,
  • die Verfahren zur Entwicklung des neuen Produkts bzw. der Dienstleistung,
  • die Tests und Prüfungen von Produkten und Dienstleistungen.

In machen Organisationen gehört auch die Markteinführung zu den Aufgaben des Innovation Labs, meist wird diese Aufgabe aber innerhalb des Unternehmens – mit Hilfe von Marketing, Vertrieb, Support, Dokumentation, Controlling etc. – durchgeführt.

Es gibt eine lange Liste an Kreativitätstechniken und Methoden, um Innovationen zu entwickeln und auf den Weg zu bringen. Hier eine kleine Auswahl:

  • Brainstorming, Brainwriting oder Braindumping
  • Design Thinking oder Design Sprint
  • Feldbeobachtung, Interviews oder Apprenticing
  • Prototyping, Rapid Prototyping oder Walking Skeleton
  • Minimal Viable Products

Als Folge der klaren Trennung zwischen der Aufbauorganisation des Unternehmens und dem losgelösten Innovation Lab ist oftmals ein „Clash of Cultures“ zu beobachten. Auf der einen Seite stehen die Kreativen, auf der anderen die Arbeiter, in deren Aufgabenbereich häufig die Realisierung und Implementierung der neuen Ideen obliegt. Es begegnen sich Freigeister und diejenigen, die die Arbeit der Freigeister finanzieren. Eine Start-up-Mentalität trifft auf eine bestehende, gewachsene Struktur, coole Räumlichkeiten auf alte Bürostühle etc. In einem solchen Setting ist es wenig überraschend, dass es zu einem Konkurrenzdenken kommen kann und es in der Folge Schwierigkeiten gibt, neue Ideen tatsächlich im Unternehmen, durch die betroffenen Bereiche, Abteilungen und Mitarbeiter umzusetzen. Es reicht also nicht, nur im Innovation Lab eine Atmosphäre der Toleranz und Offenheit zu propagieren, auch im Unternehmen gilt es entsprechende Werte zu etablieren. Gelingt dies, stehen die Chancen für Innovationen gut.

 

HInweise:

Die Liste der Kreativitätstechniken lässt sich beliebig verlängern. Wenn Sie sich für die eine oder andere Technik interessieren, könnte ein Blick in unsere Rubrik Wissen kompakt und in unseren Blog über Prozesse und Methoden Sinn ergeben.
Eine persönliche Einschätzung zu den Herausforderungen beim Arbeiten mit Innovation Labs finden Sie hier.

“Das Fachwissen zu Softwarearchitekturen, die Expertise in der Softwareentwicklung und die sehr flexible Arbeitsweise waren ideal für uns.“

„Ihren Blog lese ich schon lange und mit großer Freude. Systematisch, auf den Punkt und ansprechend.“