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Feldbeobachtung

Zielpersonen über die Schulter schauen

Die Feldbeobachtung ist eine Variante der Feldforschung, die versucht eine Zielperson in ihrem Umfeld zu beobachten, um so Erkenntnisse über Verhaltensweisen, Aktivitäten und Abläufe zu ermitteln. Sie kommt in zahlreichen Bereichen wie bspw. der Psychologie, der Soziologie oder den Erziehungswissenschaften zum Einsatz. Auch im Zuge von Unternehmen wird die Feldbeobachtung genutzt, um bspw.

  • die Organisation von Arbeitsschritten und Arbeitsplätzen zu bestimmen.
  • Arbeitsschritte, Auslastungsgrade und Belastungen am Arbeitsplatz zu ermitteln.
  • die Funktionsweise von Teams zu erkennen.
  • den Aufwand zur Erledigung von Tätigkeiten zu erheben.
  • benötigte Materialen und entsprechende Mengen zur Ausführung von Tätigkeiten zu identifizieren.
  • Kommunikationsarten und -häufigkeiten festzustellen.

Die gewonnenen Erkenntnisse lassen sich in verschiedenen Disziplinen nutzen: Im Requirements Engineering helfen sie bspw. bei der Ableitung von Anforderungen an Software und Systeme, in der Ablauforganisation bieten sie die Chance zur Optimierung und Automatisierung von Workflows und im Arbeitsschutz ermöglichen sie die Definition von Sicherungsmaßnahmen etc.

Bei der Feldbeobachtung gibt es zwei typische Vertreter:

  • Bei der Dauerbeobachtung wird über einen definierten, längeren Zeitraum das Umfeld, die Arbeitsbedingungen und die Arbeitsweise eines Anwenders, eines Stakeholders oder eines Mitarbeiters beobachtet. Die Erkenntnisse werden meist schriftlich dokumentiert. Auch die Dokumentation per Video oder Tonaufnahme ist denkbar, sollte aber immer vorab explizit mit der Zielperson besprochen werden.
  • Bei dem Stichprobenverfahren – im Kontext der Feldbeobachtung auch als Multimomentaufnahme bezeichnet – werden Informationen durch Beobachtungen in vorab definierten Zeitabständen gewonnen. Die Signifikanz der gewonnenen Informationen gilt es im Anschluss statistisch und stochastisch zu bestimmen.

Häufig lässt sich bei der Feldbeobachtung feststellen, dass Zielpersonen ihr Verhalten – bewusst oder unbewusst – verändern. Gerade bei Dauerbeobachtungen nivelliert sich dieses Verhaltensanpassung (und auch die anfängliche Unsicherheit der Zielperson) im Laufe der Zeit. Da jedoch die Dauerbeobachtung oft auch als psychische Belastung empfunden wird, sollten Zielpersonen sehr genau über Dauer und Vorgehensweise informiert werden. Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Termine der Feldbeobachtung gemeinsam zu vereinbaren, offen miteinander zu kommunizieren und die Vorteile für die Zielperson herauszustellen.

Wöchentliche Tipps, Meinungen und Informationen gibt es im t2informatik Blog – regelmäßig mit renommierten Gastautoren.

„Ich brauche Freiheit und Vertrauen. Und ich möchte Verantwortung übernehmen und dabei Spaß haben!“

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