Use Case

Was ist ein Use Case, welche Arten von Use Cases gibt es, wo liegen Vorteile und Nutzen?

Use Case Definition

Use Cases beschreiben das Verhalten eines Systems aus Anwendersicht. Der Anwender ist eine Person, eine Rolle, eine Organisation oder ein anderes System. Er tritt als Akteur mit einem System in Interaktion, um ein bestimmtes Ziel in einer definierten Folge von Aktionen zu erreichen. Aus dem Ziel ergibt sich normalerweise der Name des Use Cases (bspw. „Fahrzeuggeschwindigkeit regeln“ oder „Geld abheben“), so dass auf einen Blick zu erkennen ist, um welchen Anwendungsfall – die deutsche Übersetzung von Use Case – handelt.

Use Cases werden bereits seit Anfang 1990 in der Softwareentwicklung, bei der Systemerstellung und auch in der Produktentwicklung genutzt. Auch heutzutage sind sie sehr beliebt, denn sie dokumentieren die Funktionalität eines vorhandenen oder geplanten Systems mit einfachen Modellen. So wird das gemeinsame Verständnis der Interaktion zwischen Akteur und System deutlich erhöht, Szenarien lassen sich identifizieren und aus den Zielen der Akteure lassen sich funktionale Anforderungen und entsprechende Testfälle ableiten.

Arten von Use Cases

Es gibt zwei Arten von Use Cases:

  • Bei einem Black-Box Use Case wird dokumentiert, was ein System leisten soll und nichtwie es dies leisten soll. Die Black-Box-Ansicht zeigt, wie ein System von außen aussieht, einschließlich der erforderlichen und bereitgestellten Schnittstellen, sowie der Beziehung zu anderen Systemen. Eine Black-Box-Ansicht beschreibt aber nicht die interne Implementierung eines Systems.
  • Ein White-Box Use Case dokumentiert hingegen, welche Klassen, Schnittstellen und anderen Komponenten einer Komponente helfen, die gewünschte Funktionalität bereitzustellen.

In der Praxis werden Use Cases meist als Black-Box beschrieben.

Use Cases werden auch in Geschäftsanwendungsfälle und Systemanwendungsfälle aufgeteilt. So kann es bspw. für den Geschäftsanwendungsfall „Reise reservieren“ mehrere Systemanwendungsfälle wie bspw. „Telefonische Reise reservieren“ oder  „Online Reise reservieren“ geben.

Use Case Spezifikation - ein Beispiel

Use Case Vorteile

Die Anwendung von Use Cases bietet eine Reihe von Vorteilen:

  • Sie sind leicht zu verstehen und relativ einfach zu erstellen, denn sowohl die Interaktion zwischen Akteur und System als auch die Beziehung zwischen verschiedenen Use Cases lassen sich gut abstrahieren.
  • Sie eignen sich als gute Quelle für die Ermittlung von Anforderungen, die sich aus diesen Interaktionen ergeben.
  • Umfangreiche Anforderungen lassen sich mittels Zerlegung der Interaktionen zwischen Akteur und System verfeinern. Damit steigt das Verständnis der Beteiligten.
  • Durch die Kombination von textuellen Beschreibungen in Spezifikationsdokumenten und der Visualisierung per Use Case Diagramm gewinnen Organisationen gleichzeitig nützliche Detailinformationen und einen guten Überblick über das gesamte System.

 

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Use Cases in der Praxis

Use Case Konzept

Ivar Jacobson präsentierte 1987 das Konzept der Use Cases. Er definierte einen Use Case als „a special sequence of transactions, performed by a user and a system in a dialogue“. Das Konzept umfasst zwei Ansätze, die sich gemeinsam nutzen lassen:

Use Case Spezifikationen enthalten natürlich-sprachliche Informationen zur Systematik der Interaktionen eines Anwendungsfalls (sogenannte „Narratives“). Idealerweise werden diese Informationen mit einer Vorlage textuell erfasst. Diese Vorlage sollte mindestens folgende Elemente umfassen:

  • Name des Use Cases und Use Case Nummer zwecks eindeutiger Identifizierung
  • Akteure
  • Auslöser
  • Kurzbeschreibung
  • Beschreibung der essentiellen Schritte als Standardablauf
  • Beschreibung von alternativen Abfolgen
  • Vorbedingungen und Nachbedingungen
  • Beschreibung der Systemgrenzen

Zusätzlich empfiehlt es sich, Referenzen auf andere Use Cases oder Dokumente, die Häufigkeit, die Priorität und gegebenenfalls auch Invarianten als nicht abänderbare Bedingungen zu erfassen.

Use Case Diagramme visualisieren Anwendungsfälle und Akteure mit ihren jeweiligen Beziehungen. Sie liefern einen guten Überblick über das Gesamtsystem, beschreiben aber im Gegensatz zu den Use Case Spezifikationen keine Abläufe, sondern die Zusammenhänge zwischen einer Menge von Anwendungsfällen und den daran beteiligten Akteuren. Use Case Diagramme gelten damit als grafische Repräsentation von Use Cases und die Unified Modeling Language (UML) definiert sie als Verhaltensdiagramm. Die wichtigsten Modellelemente sind hierbei:

  • Akteure
  • Anwendungsfälle
  • Beziehungen
  • Systemgrenzen

Spezifikationen und Diagramme lassen sich gemeinsam verwenden und bieten so eine sich ergänzende Sicht auf das Verhalten eines Systems.

Testen mit Use Cases

Die Verwendung von Black-Box Use Cases stellt Unternehmen vor Herausforderungen bei der Ableitung von Testfällen. Hier können bspw. formale Notationen wie Aktivitäts- oder Zustandsdiagramme als Ergänzung helfen, denn aus ihnen lassen sich Test Cases relativ leicht ableiten. Zusätzlich sind die Vor- und Nachbedingungen eines Use Cases eine gute Quelle für Testfälle. Da Anwendungsfälle aber untereinander Beziehungen oder parallele Abläufe haben, reicht es nicht aus, jeden Use Case getrennt zu betrachten, um ein Gesamtsystem zu testen.

Der Nutzen von Use Cases

Unternehmen entwickeln Produkte, Software oder Systeme, die einen Nutzen stiften sollen. Häufig sollen Aufgaben schneller, besser, sicherer oder einfacher erfüllt werden. Der Kunde soll das Produkt nutzen, um damit sein Ziel zu erreichen. Was passiert aber, wenn das Ziel unklar und nicht eindeutig definiert ist? Im schlimmsten Fall wird der Kunde das Produkt nicht verwenden, da es ihm keinen oder nur einen geringen Nutzen bietet.

Anwendungsfälle zeigen das Big Picture eines zu entwickelnden Systems. Ohne dieses Big Picture fehlt es oftmals an Orientierung und in der Folge lassen sich Entscheidungen über den Scope – was ist zu entwickeln, was lässt sich später entwickeln oder was kann sogar weggelassen werden – nur schwer treffen. Unvollständige oder unklare Anforderungen behindern die Entwicklung und den Markterfolg. Änderungen müssen nachträglich implementiert werden. Je später dies geschieht, desto schwieriger und teurer wird die Entwicklung.

Fragen zur Use Case Erstellung

Es gibt einige Fragen, die bei der Erstellung von Use Cases helfen:

Fragen zum Akteur

  • Wer nutzt das System?
  • Was ist das Ziel des Akteurs?
  • Welche anderen Systeme interagieren mit dem System?
  • Wer liefert dem System Informationen oder erhält Information?

Fragen zu den Vor- und Nachbedingungen

  • Welche Bedingung muss erfüllt sein, damit der Use Case eintritt?
  • In welchem Zustand befindet sich das System, wenn der Use Case eintritt?
  • Wie und unter welcher Bedingung wird der Anwendungsfall abgeschlossen?
  • In welchem Zustand muss sich das System befinden, so dass der Anwendungsfall abgeschlossen wird?

Fragen zu den Abläufen

  • Welcher Akteur und welches Event initiiert die Ablauffolge?
  • Wie interagiert der Akteur mit dem System und wie reagiert das System?
  • Welche alternativen Aktionen kann der Akteur bei jedem Schritt initiieren?
  • Welche Unterbrechungen oder Fehler können bei jedem Schritt des Use Cases auftreten?
  • Was passiert, wenn der Akteur den Vorgang abbricht?

Sonstige Fragen

  • Mit welcher Frequenz wird der Anwendungsfall ausgeführt?
  • Welche Beziehungen gibt es zu anderen Anwendungsfällen?

 

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Alles Wichtige über Use Cases auf einen Blick.

  • Was sind Anwendungsfälle und wie werden sie erstellt?
  • Welche Bestandteile haben Anwendungsfalldiagramme?
  • Was ist Use Case 2.0 und wie lassen sie sich in der agilen Entwicklung nutzen?
  • Was sind Misuse Cases und warum sind sie nützlich?
  • Herausforderungen und Tipps

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Herausforderungen für Unternehmen

Die Nutzung von Use Cases in verschiedenen Facetten

Mit Use Cases lässt sich ein System aus Anwendersicht gut beschreiben und verstehen. Die erste Herausforderung für Unternehmen beim Arbeiten mit Use Cases ist das Finden der Themen und Inhalte. Je mehr Mitarbeiter daran beteiligt sind, desto aufwendiger wird dieser Schritt. Gleichzeitig werden die Ergebnisse und die daraus gewonnenen Anforderungen detaillierter. Beim Formulieren von Anwendungsfällen sollten Organisationen darauf achten, detaillierte Beschreibungen zu erstellen, die nicht zu kompliziert formuliert werden. Hier ist etwas Übung gefragt. Die Verwendung von Standardtexten bei der Beschreibung der Auslöser und der Vor- und Nachbedingungen ist nicht zu empfehlen. Oftmals lassen sich auch aus den Vor- und Nachbedingungen Reihenfolgen zur Umsetzung ableiten: ein Use Case mit der Nachbedingungen X  kann vor einem Use Case mit der Vorbedingung X umgesetzt werden. Bei der Umsetzung erweist sich Use Case 2.0 mit dem Zerschneiden von Anwendungsfällen in Slices, die innerhalb eines Sprints realisiert werden, als sehr nützlich. Auch die Verwendung von Misuse Cases trägt in der Praxis aktiv zur Kundenzufriedenheit bei, zumal sie sich auch per Anwendungsfalldiagramm visualisieren lassen. Durch die Visualisierung können sich Hersteller besser in die Lage Ihrer Anwender versetzen und spezifische Anforderungen ermitteln.

Hinweise:

Eine Empfehlung zum praktischen Umgang mit Use Cases in Backlogs finden Sie im Beitrag: Boost your Backlog.

Hier finden Sie ergänzende Informationen aus unserer Rubrik Wissen kompakt:

Wissen kompakt: Welche Elemente kennt ein Use Case Diagramm?

Welche Elemente kennt ein Use Case Diagramm?

Wissen kompakt: Wie funktioniert Use Case 2.0?

Wie funktioniert Use Case 2.0?

Wissen kompakt: Wie lassen sich Misuse Cases visualisieren?

Wie lassen sich Misuse Cases visualisieren?