Roadmap

Was ist eine Roadmap, wo wird sie eingesetzt und wo liegen Vorteile und Nachteile?

Wissen kompakt: Eine Roadmap ist eine Visualisierung eines Weges zu einem definierten Ziel inklusive wesentlicher Merkmale, die auf dem Weg die Zielerreichung beeinflussen.

Roadmap Definition

Eine Roadmap ist ein visuelles Hilfsmittel zur Darstellung von „wesentlichen“ Informationen im Zuge von Projekten oder Produktentwicklungen und Dienstleistungsentwicklungen. Wörtlich aus dem Englischen übersetzt handelt es sich um eine Straßenkarte. In der Unternehmenspraxis versteht man darunter oftmals einen einfachen Fahrplan, der einen Weg zu einem definierten Ziel visualisiert. Da der Begriff nicht genormt ist, obliegt es den Erstellenden, die für den Weg zum Ziel wesentlichen Informationen selbst zu definieren; es könnten bspw. Meilensteine, Inkremente, Lieferungen, Vertragsbestandteile etc. sein.

Als Hilfsmittel stellt die Roadmap einen groben, sequenziellen Ablauf dar und schafft somit Transparenz bei einem Vorgehen, sorgt idealerweise für einen Abgleich von Erwartungen, erhöht das gemeinsame Verständnis der Beteiligten und hilft bei der Ausrichtung auf das Ziel.

Roadmap als Visualisierung eines Weges zu einem definierten Ziel

Synonyme für Roadmap

Auch wenn die Roadmap als „Straßenkarte“ mit einem gegebenen Anfang und einem definierten Ziel leicht zu verstehen ist, so lässt sich in vielen Organisationen beobachten, dass der Begriff andere Begriffe ersetzt. Freundlich formuliert könnte dies als „Internationalisierung“ der Sprache und/oder Entwicklung interpretiert werden, etwas weniger freundlich als unbedachte Verwendung von Anglizismen.

Hier finden Sie eine Reihe von Begriffen, für die Roadmap synonym verwendet wird:

Terminplan: Der Terminplan ist ein Teil der Ablaufplanung und befasst sich mit der Terminierung von Arbeitspaketen bzw. Aktivitäten. Theoretisch könnte eine Roadmap Termine beinhalten, da der Fokus aber auf einer Beschreibung des Wegs in Richtung Ziel liegt, ist dies an sich keine primäre Aufgabe. Nichtsdestotrotz verwenden manche Software-Lösungen den Begriff Roadmap für die Darstellung von Terminen auf einer Zeitachse.

Projektplan: Ein Projektplan beinhaltet die inhaltliche, strukturelle, zeitliche, personelle und monetäre Planung eines Projekts. Er besteht aus einem oder mehreren konsistenten Dokumenten. Auch hier gibt es bestenfalls eine punktuelle Überschneidung mit einer Roadmap, denn sie umfasst normalerweise weder eine personelle noch eine monetäre Planung.

Meilensteinplan: Ein Meilensteinplan zeigt die Anordnung von Meilensteinen eines oder mehrerer Projekte in chronologischer Reihung und hebt so die Ereignisse mit besonderer Bedeutung hervor. Auch wenn eine Roadmap meist keine Zeitachse definiert, könnte eine synonyme Verwendung der Begriffe Sinn ergeben, zumal Meilensteine „wesentliche Informationen“ auf dem Weg zum definierten Ziel darstellen. Insbesondere in der Softwareentwicklung ist dies zu beobachten; sowohl mit Bezug auf die Bereitstellung von Programmen mit entsprechendem Wording als auch bei der Verwendung des Begriffs im Zuge einer Entwicklungsplanung.

Releaseplan: Der Releaseplan ist ein Hilfsmittel zur Terminierung und Aufteilung von Funktionen auf einzelne Releases einer Entwicklung. Ein Releaseplan ist damit etwas anderes als eine Roadmap, wobei Releases an sich „wesentliche Informationen“ für die Visualisierung einer Produktentwicklung sein können.

Basisplan: Der Basisplan umfasst alle zu planenden Daten eines Projekts zu einem Stichtag, bspw. Arbeitspakete, Mitarbeiter, Termine, Aufwände und wird durch die Projektverantwortlichen genehmigt. Auch hier gibt es lediglich geringe Überschneidungen mit einer Roadmap.

Ablaufplan: Ein Ablaufplan dokumentiert ein geplantes Projekt. Er berücksichtigt sachliche, logische und terminliche Aspekte, inkl. Projektziel, Randbedingungen und Ergebnisse. Das klingt nach einer denkbar großen Schnittmenge mit der Begriffe, wobei der Terminplan als solches üblicherweise kein Bestandteil einer Roadmap ist.

Strategie: Es ist denkbar, dass eine Strategie, bspw. zur Einführung eines neuen Produktes auf einem definierten Markt, mit einem Scope von 3-5 Jahren mittels Roadmap visualisiert wird. So erhöht die Visualisierung das gemeinsame Verständnis der Beteiligten und legt den Fokus auf „wesentliche Informationen“ wie bspw. Entwicklungsphase, Einführungsphase, Wachstumsphase, Reifephase und Degenerationsphase.

Maßnahmenplan: Ein Maßnahmenplan legt fest,  welche Aktivitäten wann und in welcher Reihenfolge, mit welchem Aufwand, von wem, bis wann und unter welchen Prämissen ausgeführt werden. Auch hier gibt bestenfalls geringe Überschneidungen mit einer Roadmap.

Diese Beispiele zeigen, dass die synonyme Verwendung der Begriffe unter Umständen nicht immer passt. Organisationen sollten daher abstimmen, was sie mit den Begriffen verbinden, wo und wann sie diese verwenden und welche Erwartungen sie damit verknüpfen. 

Vorteile und Nachteile einer Roadmap

Die Verwendung von Roadmaps bietet einige Vorteile und hat auch einige Nachteile. Hier finden Sie eine Liste mit Vorteilen:

  • Roadmaps sind einfach zu erstellen und zu lesen. Für die Erstellung werden keine besonderen grafischen Fähigkeiten der Erstellenden benötigt und auch die Lesenden werden in den allermeisten Fällen die Bedeutung der Visualisierung schnell erfassen.
  • Sie lassen sich leicht in vielen Organisationsbereichen wie z.B. in der Produkt- und Dienstleistungsentwicklung, in der Software- und Systementwicklung, im Innovationsmanagement, in der Öffentlichkeitsarbeit, in der Stakeholderkommunikation, in Kick-off Meetings, in Strategie-Workshops etc. verwenden. Entsprechend lassen sich auch einzelne Arten wie bspw. Produkt-, Technologie oder Forschungs-Roadmaps unterscheiden. 
  • Als Straßenkarte bzw. Fahrplan bieten sie eine gute Kommunikationsbasis bspw. zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber, zwischen Hersteller und Stakeholder, zwischen Projektmanager und Projektbeteiligten etc. Darüber hinaus eignet sich die Visualisierung auch für die Kommunikation zwischen Regierungen und Bürgern, zwischen Regierungen, zwischen Verbänden und Verbandsmitgliedern etc.
  • Sie erhöhen sowohl die Transparenz bei einem Vorgehen als auch das gemeinsame Verständnis der Beteiligten. Und gibt es ein definiertes Ziel, erleichtert es auch die entsprechende Ausrichtung der Beteiligten auf dieses Ziel.
  • Und last but not least: sie eigenen sich sowohl zur Präsentation des abgestimmten Weges bzw. Ziels, als auch zur Erarbeitung derselben. Es handelt sich somit um ein Präsentations- und ein Arbeitsmittel.

Es gibt auch einige Nachteile:

  • Da Roadmaps meist einen groben Weg zu einem definierten Ziel visualisieren, ist der konkrete Informationsgehalt vergleichsweise begrenzt. Für einzelne Etappen werden daher praktisch immer detailliertere Pläne benötigt. Gerade in Diskussionen mit Stakeholdern ist es wichtig, auf diese Pläne schnell zugreifen zu können.
  • Die Einführung als Arbeitsmittel in einer Organisation benötigt eine gewisse Vorbereitung und ggf. Diskussion. Auch wenn die eigentliche Visualisierung einfach gelingt, so sollte geklärt werden, wann die Roadmap von wem in welchem Kontext genutzt wird und welches andere Hilfsmittel stattdessen nicht mehr zur Anwendung kommt. Ein neues, zusätzliches Arbeitsmittel bringt an sich noch keinen Mehrwert.

Natürlich ist eine Roadmap keine Methode, die beschreibt, wie der eine Weg zu dem einen Ziel gefunden wird. Es ist ein Hilfsmittel zur Visualisierung des Wegs zum Ziel. Nicht mehr, nicht weniger. Diese „fehlende“ Methodik sollte allerdings nicht als Nachteil gelten, da ansonsten sämtliche Visualisierungen einen entsprechenden Nachteil hätten; ein Gantt-Diagramm zeigt auch lediglich Termine und ihre Abhängigkeiten, sagt aber nichts darüber aus, wer diese Termine warum festgelegt hat.

Impuls zum Diskutieren:

Ist die Roadmap eher eine visuelle Metapher als ein konkretes Planungsinstrument?

Hinweise:

Es gibt auch den Begriff Roadmapping. Roadmapping umfasst alle Aktivitäten, die zur Erstellung und zur Pflege einer Roadmap notwendig sind.

Hier finden Sie einen Podcast über Agile Product Roadmaps.

Und hier finden Sie ergänzende Informationen aus unserer Rubrik Wissen kompakt:

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