Kommunikation am Arbeitsplatz

von | 13.06.2019 | Prozesse & Methoden | 0 Kommentare

Viele Angestellte arbeiten mehr als 200 Tage pro Jahr. Bei einer Arbeitszeit von 8 Stunden pro Tag sind das 1.600 Stunden pro Jahr. Ohne Überstunden. Multipliziert mit ca. 35 Jahren Berufstätigkeit ergeben sich 56.000 Stunden. Das sind 56.000 Gründe, um sich mit der Kommunikation am Arbeitsplatz zu beschäftigen.

Viele Tipps und Ratschläge

Es gibt eine Vielzahl von Formen und Themenbereiche, die im weitesten Sinne die Kommunikation am Arbeitsplatz adressieren:

Alle diese Formen versuchen – auf individuelle Art und Weise – das Miteinander zwischen Menschen zu verbessern. Sie werben mit der bewussten Auseinandersetzung des eigenen, persönlichen Verhaltens und dem Perspektivwechsel, um die Sicht des Kommunikationspartners besser zu verstehen. Sie spiegeln das Verhalten und die Wirkung des Individuums, und versuchen die Botschaften, die im Zuge der Kommunikation transportiert werden, zu entschlüsseln. Alles in allem sind es wertvolle Ansätze, um die Kommunikation miteinander, am Arbeitsplatz, im Berufsleben und im Leben fernab des Berufs zu verbessern. Zu jedem Ansatz gibt es zahlreiche Tipps und Ratschläge; in diesem Artikel möchte ich weniger auf allgemeine Aspekte der Kommunikation am Arbeitsplatz eingehen, sondern den Blick auf drei konkrete Situationen richten: das Bewerbungsgespräch, die Hierarchie in Unternehmen und das Wording.

Kommunikation im Bewerbungsgespräch

Die erste – zumindest längere – Kommunikation zwischen einem Unternehmen und einer potenziellen Arbeitskraft findet meist in Form eines Bewerbungsgespräches statt. Kennen Sie den Unterschied zwischen einem guten und einem weniger guten Bewerbungsgespräch? Der Unterschied liegt nicht im Ergebnis, er hängt nicht davon ab, ob ein neues Arbeitsverhältnis begründet wird. Es gibt gute Bewerbungsgespräche, die enden mit einem freundlichen Handshake, einem Lächeln und sich trennenden Wegen nach dem Gespräch. Der Unterschied liegt in der Kommunikation UND der Einstellung der Teilnehmer.

Bei einem guten Bewerbungsgespräch bewerben sie zwei Parteien: der potenzielle Arbeitnehmer und der potenzielle Arbeitgeber.¹ Bei einem guten Gespräch geht es um das gegenseitige Kennenlernen, es geht um Vorstellungen, Wünsche, Erwartungen und Möglichkeiten. Es ist der Beginn eines progressiven Onboardings. Natürlich geht es meist um konkrete Positionen, um Aufgaben, Herausforderungen und Fähigkeiten. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass ein Unternehmen meinungsstarke Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sucht, die über den Tellerrand der Position hinausschauen, wenn der Arbeitgeber lediglich die Übereinstimmung von Aufgaben und Fähigkeiten klärt?

„Wir treffen Entscheidungen gemeinsam im Team“ ist eine schöne Aussage, die sich so manches Unternehmen gerne auf die eigene Fahne und Website schreibt. Frage: Lernt die neue Arbeitskraft schon während der Bewerbung das Team kennen, mit dem sie fortan 8 Stunden am Tag zusammenarbeiten wird, oder trifft die oder der Vorgesetzte die Einstellungsentscheidung alleine ohne Feedback vom Team?

Kommunikation am Arbeitsplatz ist sicherlich mehr als das gesprochene Wort, es ist immer auch der Abgleich von Worten und Taten.

Wenn Worte und Taten übereinstimmen

„It doesn’t make sense to hire smart people and tell them what to do; we hire smart people so they can tell us what to do“ hat Steve Jobs einmal gesagt. Eine solche Aussage ist schlicht großartig. Als Außenstehender kann ich kein valides Urteil über den kolportierten Führungsstil von Herrn Jobs fällen, aber grundsätzlich kann gute Kommunikation auch per direkter Ansprache erfolgen. Kommunikation wird oftmals zu einer Herausforderungen, wenn Worte und Taten nicht zueinander passen, wenn Aussagen und Botschaften Raum für Interpretation lassen. Gute Kommunikation muss nicht nur „gutschi-gutschi“ sein. Dieser Gedanke für zu einer anderen Situation.

Kommunikation im Organigramm

Nutzen Sie in Ihrer Organisation Organigramme? Ein Organigramm zeigt den Aufbau von Unternehmen oder Unternehmensteilen und somit die Organisationseinheiten mit ihren Aufgaben. Heutzutage werden Organigramme oft kritisch beurteilt, weil es formale Kommunikationswege manifestiert. Das kann tatsächlich so sein, muss es aber nicht. Ob es in Ihrer Organisation formale Kommunikationswege gibt, wissen Sie bestimmt, ohne lange darüber nachzudenken. Ist es bspw. möglich, sich einfach direkt mit dem Geschäftsführer auszutauschen? Können Sie Ihrem Vorstand einfach eine Mail schreiben, ohne diversen übergeordneten Führungsebenen auf die Füße zu treten?

Eine weitere Form der Kommunikation entlang des Organigramms, und entsprechend der Rolle und der gefühlten oder tatsächlichen Wichtigkeit einer oder eines Vorgesetzten, können Sie leicht daran erkennen, wenn die Führungskraft Ihr Büro betritt. Erwartet sie, dass Sie alles stehen und liegen lassen? Sollten Gespräche im Großraumbüro unter Kollegen unmittelbar zu einem Ende kommen? Und was passiert, wenn das Telefon klingelt: dürfen Sie als Supportmitarbeiter oder Vertrieblerin ans Telefon gehen, wenn ein Kunde genau in diesem Moment anruft? Was wäre, wenn es ein Kollege aus einem anderen Bereich wäre? Ohne für alle Situationen die perfekte Lösung parat zu haben, sagt das Verhalten von Führungskräften und in der Umkehrung auch von den Angestellten viel über die gelebte Kultur und damit über die Kommunikation am Arbeitsplatz aus.

Für eine Situation habe ich eine eindeutige Lösung: in vielen Unternehmen gibt es cholerische Vorgesetzte. Handelt es sich um den Geschäftsführer oder Inhaber ist es sehr unwahrscheinlich, dass er sein Verhalten im Sinne einer wertschätzenden Kommunikation am Arbeitsplatz und zum Wohl der Mitarbeitenden ändern wird – sofern er es überhaupt als Problem erkennt und es ändern kann. Verlassen Sie das Unternehmen so schnell wie möglich. Handelt es sich um eine Führungskraft auf einer mittleren oder höheren Ebene, die weder durch die Organisation, noch durch Kollegen oder Vorgesetzten auf die Unmöglichkeit des Verhaltens und die Folgen für die Kommunikation und das Zusammenwirken am Arbeitsplatz hingewiesen wird – verlassen Sie das Unternehmen.

Das Wording im Unternehmen

Vor kurzem habe ich eine bemerkenswerte Aussage in den sozialen Medien gelesen. Christoph Smak² schrieb auf Twitter:

„Nicht Fehler, sondern Irrtum.
Nicht Regeln, sondern Prinzipien.
Nicht Beschäftigung, sondern Wertschöpfung.
Nicht Ressourcen, sondern Menschen.
Schon anhand des Wordings erkennt man die Evolutionsstufe des Unternehmens.“

Und das trifft auch auf die Kommunikation am Arbeitsplatz zu.  

 

Hinweise:

[1] Im Sinne des Wordings wird inzwischen die Forderung laut, die vorherrschende Definition von Arbeitgeber und Arbeitnehmer umzukehren. Tatsächlich „geben“ Arbeitnehmer Leistung und Unternehmen – die sogenannten Arbeitgeber – „nehmen“ diese Leistung an. Vermutlich ist die gesellschaftliche und betriebswirtschaftliche Umkehr der Definition ein Kampf gegen Windmühlen, aber Kommunikation beginnt im Kopf, und ein Perspektivwechsel hilft die Sicht des Kommunikationspartners zu verstehen.
[2] Christoph Smak findet Sie auf Twitter unter https://twitter.com/ChristophSmak.

Michael Schenkel

Michael Schenkel

t2informatik GmbH

Michael Schenkel leitet das Marketing bei t2informatik. Gerne bloggt er über Projektmanagement und Requirements Engineering. Und er freut sich ganz sicher, wenn Sie sich mit ihm auf einen Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen treffen.

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