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Perspektivwechsel

Wissen kompakt: Ein Perspektivwechsel beschreibt die Fähigkeit, neben eigenen auch andere Blickwinkel auf Themen und Herausforderungen einzunehmen, zu akzeptieren und zu nutzen.

Perspektivwechsel – der bewusste Blick aus einer anderen Richtung

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“, soll Albert Einstein gesagt haben.

„Ich habe nicht versagt. Ich habe gerade 10.000 Wege gefunden, die nicht das gewünschte Ergebnis bringen“, ist ein bekanntes Zitat von Thomas Edison.

„Mancher lehnt eine gute Idee bloß deshalb ab, weil sie nicht von ihm ist“, ist eine Erkenntnis von Luis Brunel.

Drei Zitate, die gut zum Thema Perspektivwechsel passen. Leicht und häufig wird er gefordert, nicht ganz so leicht und häufig gelingt er. Menschen tun sich schwer mit anderen Blickwinkeln, neuen Betrachtungsweisen, veränderten Anschauungen oder Standpunktveränderungen. Sie sind verhaftet in

  • selektiven Wahrnehmungen und Selbstbildern,
  • Gewissheiten und Erfahrungen,
  • Regeln und Prozessen,
  • Klischees und kulturellen Prägungen,
  • unbewussten kognitiven Verzerrungen (Unconscious Bias) und Übervertrauen,
  • Wettbewerb, Deutungshoheit und Hierarchien.

Offensichtlich ist der Perspektivwechsel eine Fähigkeit, neben eigenen auch andere Sichten auf Themen und Herausforderungen einzunehmen, zu akzeptieren und zu nutzen.¹ Als Voraussetzungen gelten

  • eine Offenheit für die Meinungen anderer,
  • ein wahres Interesse am Gegenüber, sowie
  • eine Abkehr von richtig und falsch, von gut und böse.

Ja, wer seinen Blick auf Individuen und persönliche Situationen richtet, dürfte den Herausforderungen und Voraussetzungen für einen Perspektivenwechsel² regelmäßig begegnen.

Ein Beispiel für Perspektivwechsel

Werfen wir einen Blick auf ein einfaches Beispiel – ein Glas, zur Hälfte gefüllt mit Wasser – und mögliche Perspektiven auf dieses Objekt. Für einen

  • Optimisten ist das Glas halb voll.
  • Pessimisten ist das Glas halb leer.
  • Realisten ist das Glas voll, halb gefüllt mit Wasser und halb gefüllt mit Luft.
  • Ingenieur ist das Glas doppelt so groß, wie es sein müsste.

Leicht lässt sich dieses Beispiel mit den Perspektiven von Idealisten, Opportunisten, Kapitalisten oder Kommunisten erweitern. Doch auch ohne Erweiterung sind drei wichtige Aspekte zu erkennen:

  1. Inhaltlich beschreibt das Beispiel verschiedene Blickwinkel auf ein Objekt (ein Glas mit einer Füllmenge Wasser). Es dreht sich nicht um eine Situation (wie kam das Wasser ins Glas?) und nicht um die Motivation (warum wurde Wasser ins Glas gefüllt?). Es geht auch nicht um eine zu treffende Entscheidung (sollte mehr Wasser ins Glas gefüllt werden?) oder die handelnden Personen (wer füllte das Wasser ins Glas?). Bereits bei der Betrachtung von Objekten gibt es unterschiedliche Anschauungen und Standpunkte; es ist also naheliegend, dass es Unterschiede auch bei vielen anderen Begebenheiten gibt.
  2. Menschen betrachten Objekte und Situationen aus Blickwinkeln, an die sie sich gewöhnt haben. Der Optimist sieht Dinge positiv, der Pessimist negativ. Eine individuell andere Sicht einzunehmen, verursacht oft Mühe und Aufwand.
  3. Menschen verbinden mit Menschen Eigenschaften. „Natürlich“ sieht der Optimist ein halbvolles und der Pessimist ein halbleeres Glas. Alles andere wäre für Außenstehende eine Überraschung. Dass Menschen mehr als eine Eigenschaft besitzen, macht das Beispiel (und das Miteinander) um einiges komplizierter (und auch interessanter).

Last but not least lässt sich an dem Beispiel der Perspektivwechsel gut demonstrieren: Akzeptiert der Optimist, dass der Realist mit seiner Aussage eine valide Position vertritt, und nickt der Pessimist dem Ingenieur lächelnd zu, denn auch dessen Blickwinkel ist stimmig, dann gewinnen die Beteiligten durch die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Standpunkte. Und genau darum geht es beim Thema Perspektivwechsel: die Ansichten, Erfahrungen, Meinungen, Interpretationen anderer zu hören, zu verstehen und idealerweise auch für bessere Entscheidungen, die Identifikation nützlicher Ideen oder das Lösen von Problemen zu nutzen.

Der institutionalisierte Perspektivenwechsel

Interessanterweise tun sich Organisationen bei dem Thema Perspektivenwechsel deutlich leichter als Individuen, denn es gibt zahlreiche Disziplinen und Methoden, die eine Veränderung der Blickrichtung erfordern:

  • Beim Design Thinking geht es darum, wie ein Designer zu denken („Think like a Designer“) und sich mit der Zielgruppe, ihren Bedürfnissen und Anwendungsszenarien auseinanderzusetzen.
  • Mit User Storys wird eine Funktionalität eines Systems aus Sicht eines konkreten Anwenders beschrieben. Es geht also darum, wer was mit welcher Intention von einem System möchte.
  • Mit Use Cases wird das Verhalten eines Systems aus Anwendersicht inkl. aller Szenarien beschrieben, mit denen ein Akteur versucht, ein Ziel zu erreichen.
  • Beim Reverse Brainstorming oder der Kopfstandtechnik wird ein Problem bewusst verfremdet, um so Ursachen für die Verfremdung zu identifizieren, die anschließend helfen, das ursprüngliche Problem zu lösen.
  • Bei der Betrachtung einer Candidate Journey geht es darum, sich in die Position von Bewerbern zu versetzen, um den Weg vom ersten Kontaktpunkt mit dem Unternehmen bis zum Abschluss des Bewerbungsverfahrens optimal zu gestalten.
  • Bei der Suchmaschinenoptimierung im Online-Marketing geht es um die User Intention, also um das Verständnis, welche Absichten und Interessen ein Webseitenbesucher hat, um ihm möglichst passende Informationen und/oder Produkte anzubieten.
  • In der Business Analyse werden Perspektiven definiert, um Informationen zu ermitteln, Anforderungen zu erheben und Veränderungen in Unternehmen umzusetzen.
  • Beim 360-Grad-Feedback wird eine Person von Vorgesetzten, Mitarbeitenden, Kollegen und Kunden oder Partnern beurteilt. Auch hier entsteht auch vollständigeres Bild durch verschiedene Blickwinkel.

Auch diese Liste mit Beispielen für institutionalisierte Perspektivwechsel lässt sich leicht erweitern.

Perspektivwechsel - der bewusste Blick aus einer anderen Richtung

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Impuls zum Diskutieren:

Wie institutionalisieren Sie den Perspektivwechsel bei Meetings innerhalb Ihrer Organisation?

Hinweise:

[1] In manchen Publikationen wird der Perspektivwechsel auch als Grundprinzip des interkulturellen Lernens bezeichnet.
[2] Laut Duden lässt sich Perspektivenwechsel und Perspektivwechsel synonym verwenden, wobei die erste Variante häufiger anzutreffen ist. Die Anzahl der Google-Suchanfragen suggeriert genau das Gegenteil.

Hier finden Sie ergänzende Informationen aus dem t2informatik Blog:

t2informatik Blog: Der gute alte Perspektivwechsel

Der gute alte Perspektivwechsel

t2informatik Blog: Warum Perspektivwechsel wichtig sind

Warum Perspektivwechsel wichtig sind