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Impact Mapping

Einen Unterschied machen

Impact Mapping ist eine Methode, mit der Organisationen bei der Entwicklung von Produkten versuchen, die an der Entwicklung beteiligten Mitarbeiter und ihre Aktivitäten an einem gemeinsamen Geschäftsziel auszurichten. Ziel beim Impact Mapping ist es, durch strategische Planung und eine klare Kommunikation, bessere Entscheidungen im Laufe der Entwicklung treffen zu können, um so ein Produkt oder eine Software zu entwickeln, oder ein Projekt durchzuführen, das einen Unterschied – einen „Impact“ – macht. 

Die Methode geht auf Gojko Adzic, einem Softwareentwickler aus Serbien, und sein Buch „Impact Mapping: Making a Big Impact with Software, Products and Projects“¹ zurück, das er 2012 veröffentlichte.

Warum macht wer wie was? Oder: Why, who, how und what?

Beim Impact Mapping gilt es vier Fragen zu beantworten, dabei Annahmen – die sogenannten Assumptions – zu treffen, um diese gemeinsam in einer Diskussion zu hinterfragen.

Diese Fragen sind zu beantworten:

  • WARUM wollen wir etwas tun? 
  • WER sind die Akteure?
  • WIE sind die Auswirkungen?
  • WAS sind die Ergebnisse?

Als erstes gilt es das Geschäftsziel zu definieren: Warum sollte die Organisation etwas tun (wollen), was ist Bedarf, welche Probleme sollen gelöst werden. Das Geschäftsziel ist somit die Basis beim Impact Mapping. Im Englischen lautet die Frage Why und die Antwort Business Goal.

Als nächstes werden die Akteure – die Stakeholder – gesucht, die ein Interesse an dem Ziel haben: Wer profitiert durch die Entwicklung, das Produkt oder das Projekt? Wer wird durch das Produkt beeinflusst, wer hat Interesse an der Entwicklung, wer nimmt Einfluss auf das Ergebnis und wer setzt die Ziele in die Tat um? Im Englischen lautet die Frage Who und die Antwort Actors oder People.

Die Frage nach den Auswirkung adressiert die eigentlichen „Impacts“ und beleuchtet das Verhalten der Akteure, die bei der Zielerreichung helfen oder diese unter Umständen auch verhindern können. Ggf. sollten Organisationen in Bezug auf das WIE auch überlegen, wie sie das Verhalten der Akteure verändern können. Im Englischen lautet die Frage How und die Antwort Impact.

Die Frage nach den Ergebnissen zielt nicht auf die Impact Map ab, die zwar im Laufe des Prozesse als Visualisierung entsteht, aber eher als Arbeitsmittel zu verstehen ist. Ergebnisse sind die Aktivitäten, die erledigt, oder die Epics, User Storys, Anforderungen etc, die umgesetzt werden müssen, um das Geschäftsziel zu erreichen. Die Ergebnisse adressieren also das Was. Im Englischen lautet die Frage What und die Antwort Deliverables.

Last but not least müssen die Annahmen überprüft werden. Hier leistet die Impact Map wertvolle Dienste:

Impact Map - das Arbeitsmittel beim Impact Mapping

Die Annahmen sind die Wege zwischen den Antworten. Welche Wege sind besonders zielführend? Welche Aspekte sollten priorisiert und verfolgt werden? In der Praxis empfiehlt es sich, die Methode mehrfach zu durchlaufen, um so einerseits die Annahmen zu überprüfen oder andererseits alternative Wege vom Business Goal zu den Deliverables und zurück zu identifizieren.

Vorteile und Nachteile beim Impact Mapping

Folgende Vorteile bietet das Impact Mapping u.a.:

  • Die Methode ist leicht zu verstehen und anzuwenden. Die Begrifflichkeiten und das Vorgehen lassen sich innerhalb weniger Minuten vermitteln.
  • Die Impact Map ist ein leicht verständliches Arbeitsmittel und eine gute Basis für eine gemeinsame Diskussion. Alles was benötigt wird, ist eine Tafel, ein Flipchart oder ein Whiteboard und schon kann der Austausch beginnen.
  • Die Methode lässt sich skalieren, d.h. sie eignet sich für einzelne Personen genauso wie für Gruppen oder Teams. (Je mehr Teilnehmer beim Impact Mapping teilnehmen, desto wichtiger wird der Einsatz eines Moderators.)
  • Die Methode lässt sich ergänzen. Bei der Beantwortung der Fragen können andere Methoden wie bspw. Brainstorming, Brainwriting oder Braindumping genutzt werden.
  • Die Methode stammt aus dem Kontext der Softwareentwicklung und könnte z.B. bei der Definition von Backlog-Items genutzt werden. Sie lässt sich aber auch bei anderen Produktentwicklungen und Projekten nutzen, zumal sie keine Software-spezifischen Begrifflichkeiten verwendet.

Folgende Nachteile gibt es bei der Anwendung:

  • Auch wenn die Methode leicht verständlich ist, setzt sie ein gemeinsames Verständnis von Begriffen voraus, das so in der Praxis in Organisationen häufig nicht vorhanden ist. Was ist bspw. ein Ziel? Wie sollte es formuliert sein? Was passiert, wenn es mehrere Ziele gibt?
  • Die Impact Map visualisiert zwar den Weg vom Geschäftsziel zu den Ergebnissen, Prioritäten lassen sich aber bei alternativen Wegen nicht ablesen.
  • Die Methode liefert keine Hilfsmittel zur weiteren Bearbeitung bzw. Überprüfung der Annahmen und Ergebnisse. Welche Epics sind bspw. wichtiger als andere? Welche Abstraktionsniveau sollen die Deliverables haben (Epics vs. User Storys)?
  • Die Methode verkürzt andere Methoden, die sich im Detail mit ausgewählten Themen auseinandersetzen. Bspw. lassen sich mit einem Zieldiagramm Ziele, Beziehungen zwischen Zielen und Beziehungen zwischen Stakeholdern und Zielen ermitteln. Das Stakeholdermanagement adressiert die zielgerichtete, kontinuierliche Auseinandersetzung eines Unternehmens mit seinen Stakeholdern und umfasst dabei die Identifikation, Analyse und Kommunikation mit Stakeholdern. Durch die Verkürzung droht die Gefahr falscher Annahmen.

Als Kritik an der Impact Analyse wird zudem geäußert, dass es eine Kopie von Dingen und Methoden ist, die es bereits seit vielen Jahren gibt. Simon Sinek adressiert bspw. mit dem Golden Circle die Fragen nach „Why“, „How“ und „What“. 1999 veröffentlichte Anthony W. Ulwick mit „Jobs to be Done: Theory to Practice“ ein Werk, dass das Bedürfnis von Kunden und nicht die Features eines Produkts in den Mittelpunkt stellt. Dieses sogenannte Outcome wird auch beim Impact Mapping gesucht. Und Shawn A. Bohner und Robert S. Arnold publizierten bereits 1997 die „Software change impact analysis“. 

 

Hinweise:

[1] Das Buch „Impact Mapping: Making a Big Impact with Software Products and Projects“ finden Sie u.a. hier  »
Einen Blogbeitrag über den „Golden Circle“ im Kontext von Anforderungen finden Sie hier  »
Einen Blogbeitrag über „Jobs to be done“ finden Sie hier  »

Weitere Informationen (Filme, Poster, eine Community) finden Sie hier  » 

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