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Worst Practice

Trotz Erfahrung schlecht

Organisationen lernen idealerweise aus ihren Erfahrungen und verbessern daraufhin Prozesse, Workflows oder Methoden. Häufig werden aus den Erfahrungen sogenannte Best Practices. Worst Practices sind das genaue Gegenteil von Best Practices. Sie bezeichnen Vorgehensweisen, die mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Misserfolg führen.

Unabhängig von der Diskussion, ob es überhaupt Best Practices geben kann (der Begriff impliziert in gewisser Weise, dass es für eine bestimmte Aufgabe einen optimalen Weg zur Lösung gibt und diese Annahme ist meist falsch), oder ob Good Practices der bessere Begriff im Vergleich mit Best Practices ist – Worst Practices gelten an sich nicht als erstrebenswert. Nach ihnen wird nicht gesucht, sie werden nicht bewusst entwickelt und dennoch treten sie häufig in Unternehmen auf. Das kann verschiedene Gründe haben:

  • Die Aufgabe, die es zu lösen gilt, hat eine so geringe Priorität, so dass sich niemand ernsthaft über einen guten oder gar bestmöglichen Lösungsweg Gedanken machen kann oder will.
  • Der eingeschlagene Weg zur Lösung einer Aufgabe wurde früher, unter anderen Rahmenbedingungen, als gut erachtet. Eine erneute Überprüfung des Vorgehens findet nicht statt.
  • Es fehlen Ressourcen, also Mitarbeiter oder Materialen, um einen besseren Lösungsweg einzuschlagen.

Zusammenfassend könnte man sagen: Worst Practices werden billigend in Kauf genommen, sie entstehen im Laufe der Zeit durch mangelnde Überprüfung, durch Ignoranz oder aus finanzieller Gleichgültigkeit. Im Gegensatz zu den Best Practices stellen sie eher ein Urteil über eine Vorgehensweise als ein planvolles Vorgehen dar.

In manchen Blogs wird darauf verwiesen, dass die Entwicklung von Worst Practices als bewusster Schritt auf dem Weg zu Good oder Best Practices erfolgen kann. Dies klingt in der Theorie evtl. denkbar, ist in der Praxis aber wenig praktikabel. Wer nach einer Lösung für eine Herausforderung sucht, benötigt selten den Umweg über mögliche schlechte Handlungen, um auf gute Handlungen zu schließen.

Natürlich gibt es zahlreiche praktische Beispiele für Worst Practices:

  • Eine Organisation möchte eine neue Software einführen und überlässt diese Aufgabe einem Praktikanten, der über keinerlei Entscheidungskompetenzen verfügt und nicht weiß, dass mögliche Widerstände auf ihn zukommen können.
  • Ein Unternehmen möchte eine neue Software entwickeln, verzichet aber auf die Analyse der Stakeholder und die Stakeholderkommunikation, denn man weiß ja schließlich, was die Kunden und der Markt wollen.
  • Ein Unternehmen möchte agiler werden (was auch immer das genau bedeutet) und bucht für alle Mitarbeiter einen Scrum-Kurs.

Einen Außenstehender mag es manchmal verwundern, dass es tatsächlich Unternehmen gibt, bei denen Worst Practices genutzt werden, und die sich anschließend wundern, warum Entwicklungen, Einführungen, Projekte etc. nicht funktionieren. Da es aber leicht ist, mit dem Finger auf andere zu deuten, empfiehlt sich immer mal wieder der Blick in die eigene Organisation, evtl. gibt es auch dort die eine oder andere schlechte Praxis. Ob die Aussage „The worst practice is to follow the best practice.“ aber zutrifft, darf jede Organisation für sich selbst beantworten.

Kommentar:

Welche Erfahrungen haben Sie mit Worst Practices gemacht? Und haben Sie Fragen oder Anmerkungen?

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