t2informatik » Wissen kompakt » Timeboxing

Was ist Timeboxing?

Wie funktioniert die Timebox in Scrum und im klassischen Projektmanagement?

Timeboxing – Definition

Timeboxing ist eine Technik zur Terminierung von Projekten, Vorgängen und Aktivitäten. Sie definiert einen Zeitrahmen und gewichtet den Faktor Zeit höher als die Faktoren Ressourcen und Inhalte. Im Gegensatz zum klassischen Projektmanagement mit der Definition von Arbeitspaketen und der Fixierung von zu erbringenden Leistungen, legt eine Timebox die Dauer und den Zeitrahmen für eine Arbeit fest. Zur Einhaltung des vorgegebenen Zeitrahmens, können sich Inhalte und Umfänge im Laufe einer Timebox verändern. Vorgänge werden somit nach einer festgelegten Dauer zum definierten Zeitpunkt beendet, selbst wenn nicht alle geplanten Inhalte des Vorgangs realisiert werden konnten. Nicht realisierte Inhalte werden auf nachfolgende Timeboxes verschoben oder ggfs. aufgrund neuer Erkenntnisse gestrichen. Der große Vorteil von Timeboxing besteht darin, dass es eine Planung unterstützt, auch wenn Unternehmen in einem dynamischen Umfeld agieren und gewünschte Ergebnisse sich nicht immer vorab und vollständig spezifizieren lassen.

Unterschiede zu einer Deadline

Es gibt drei wesentliche Unterschiede zwischen einer Deadline und einer Timebox:

  • Eine Deadline wird nicht durch ein Entwicklungsteam – also aus dem inneren einer Organisation – vorgegeben, sondern meist von außen, bspw. durch einen Auftraggeber.
  • Eine Deadline ist eine Frist, bei der bis zu einem fest vorgegebenen Zeitpunkt eine Leistung erbracht werden muss, denn ansonsten drohen Konsequenzen. Beim Timeboxing wird versucht, in einem vorgegebenen, gemeinsam verabredeten Zeitrahmen eine Menge an Aufgaben zu erledigen, ohne dass Konsequenzen drohen.
  • Das Mindset ist unterschiedlich. Die Macht liegt beim Arbeiten mit Deadlines beim Auftraggeber, beim Arbeiten mit Timeboxes im Team.

Die Dauer einer Timebox

Der Zweck von Timeboxing ist es, für Projekte, Vorgänge und Aktivitäten Zeiten festzulegen und diese zu begrenzen. Wichtig ist dabei, die Dauer einer Timebox sinnvoll zu bestimmen. Während zu kurze Zeiträume die Entwicklung von nützlichen Zwischenergebnissen erschweren können, erhöhen zu lange Zeiträume möglicherweise das Risiko von Fehlentwicklungen bei sich ändernden Zielen, Anforderungen oder Randbedingungen. Hier empfiehlt es sich gemeinsam im Team eine zur Organisation, zur Arbeitsweise und zum Projektgegenstand passende Timebox festzulegen.

Timeboxing in der agilen Entwicklung

Timeboxing als zentrale Technik in Scrum

Timeboxing ist eine zentrale Technik in Scrum. Sie ist Bestandteil sowohl beim Sprint Planning, als auch im Sprint selbst, sie findet Anwendung bei den Daily Scrums, dem Sprint Review und der Sprint Retrospektive. Es gibt sogar Organisationen, da wird Timeboxing nicht nur für Sprints, sondern sogar innerhalb einzelner Sprints verwendet, bspw. zur Beseitigung von Unklarheiten, zur Durchführung von Recherchen oder beim Arbeiten mit Spike Storys. Ein wichtiger Gedanke beim Timeboxing ist die klare Definition of Done, durch die Inhalte, die nicht allen Akzeptanz- und Fertigstellungskriterien entsprechen, in zukünftigen Timeboxes behandelt werden. Zusätzlich ermutigt das Arbeiten mit Timeboxing Teams auch, zügig mit der Arbeit zu beginnen, denn so erhalten sie frühzeitig Feedback und können Lieferobjekte entsprechend schnell anpassen.

Timeboxing beim Sprint Planning

Bevor ein Team mit der Entwicklung starten kann, muss es diese planen. Dieses Meeting zur Planung nennt sich Sprint Planning. Der Scrum Guide empfiehlt für einen einmonatigen Sprint eine Timebox für das Sprint Planning von 8 oder weniger Stunden. Je kürzer der Sprint wird, desto kürzer sollte der Zeitrahmen für das Sprint Planning sein. Bei einer Sprintdauer von einer Woche wären also 2 oder weniger Stunden angemessen.

Timeboxing im Sprint

Die Realisierung von Anforderungen erfolgt in Scrum im Rahmen der Sprints. Im Gegensatz zu einer klassischen Iteration sind Sprints mit einer Dauer von einer bis maximal vier Wochen sehr kurz. Welche Timebox für ein Unternehmen am besten passt, lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Bei der Festlegung können sich Unternehmen an der geplanten Gesamtlaufzeit der Entwicklung, an der Unternehmenskultur und/oder dem Entwicklungsgegenstand orientieren.

Timeboxing beim Daily Scrum

Kommunikation ist in Scrum sehr wichtig – nicht nur zwischen den Stakeholdern und dem Product Owner, sondern auch innerhalb des Entwicklungsteams. Deswegen kommen die Entwickler zu Beginn eines Arbeitstages zu einem Daily Scrum zusammen. Das Daily Scrum ist eine Timebox von 15 Minuten, in dem das Team Aktivitäten untereinander synchronisieren, Hindernisse für das Erreichen der Ziele sowie anstehende Tasks bespricht. Auch beim Scrum of Scrums kommt Timeboxing zum Einsatz.

Timeboxing beim Sprint Review

Am Ende eines Sprints demonstrieren und besprechen die Entwickler ihre Ergebnisse und prüfen, ob sie die angestrebten Ziele erreicht haben. Die Stakeholder geben ebenfalls Feedback. Anschließend überarbeiten der Product Owner und das Entwicklungsteam das Product Backlog. Für einmonatige Sprints empfiehlt sich eine Timebox von 4 Stunden oder weniger für ein Sprint Review, bei einem dreiwöchigen Sprint von 3 Stunden oder weniger, usw.

Timeboxing bei der Retrospektive

Als Abschluss des Sprints führt das Entwicklungsteam unter der Moderation des Scrum Masters eine Retrospektive durch. Ziel der Retrospektive ist es, Vorschläge zur Verbesserung der Zusammenarbeit zu identifizieren, um diese im nächsten Sprint umzusetzen. Bei einem einmonatigen Sprint eignen sich meist 2 Stunden als Timebox.

Timeboxing im Backlog Grooming

Das Backlog Grooming ist kein offiziell definierter Bestandteil von Scrum, dennoch legt der Scrum Guide die Durchführung von regelmäßigen Meetings zwischen dem Product Owner und dem Entwicklungsteam nahe. Auch die Teilnahme des Scrum Masters ist zu empfehlen, denn er kann auf die Einhaltung der Timebox achten. Als Orientierung für eine Timebox nennt der Scrum Guide „no more than 10% of the capacity of the Development Team“.

Timeboxing Guide - t2informatik Download

Jetzt den Timeboxing Guide kostenlos downloaden.

Alles Wichtige über Timeboxing und die Verwendung in Scrum und im klassischen Projektmanagement auf 6 Seiten zum Mitnehmen.

Hier klicken »

Herausforderungen für Unternehmen

Timeboxing und klassische Projektplanung

Es gibt viele Unternehmen, die in regulierten Branchen wie der Medizintechnik, der Pharmaindustrie, der Luft- und Raumfahrt, dem Transportwesen oder in der Automobilindustrie aktiv sind. Wie können diese Unternehmen Timeboxing und klassische Projektplanung in Einklang bringen? Hier bieten sich verschiedene Optionen an. Bspw. könnten klassische Arbeitspakete so definiert werden, dass sich ihre inneren Strukturen nicht gegenseitig beeinflussen, denn so könnte Arbeitspaket A klassisch und Arbeitspaket B per Timebox geplant werden. Oder Unternehmen definieren in einem klassischen Terminplan lediglich Meilensteine für Zwischenergebnisse und der Projektmanager synchronisiert sich mit der Entwicklung über Product Backlogs, Release- und Sprint Plannings, sowie Sprint Reviews.

Gerne stellen wir Ihnen Wissen, Erfahrung und 100% Leidenschaft für Ihre Softwareentwicklung und Anforderungsanalyse zur Verfügung. Wir helfen Ihnen bei der Erhebung, Strukturierung und Verwaltung von Anforderungen und achten dabei auf Konsistenz, Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit. Wir unterstützen Sie beim Arbeiten mit Backlogs. Und wir planen und steuern Ihre Projekte mit Ihren Anforderungen und Timeboxing.

Hier erfahren Sie mehr zum Thema Softwareentwicklung »

Weitere Details und Hintergründe

 

Share This