ICB – Individual Competence Baseline

Was ist die Individual Competence Baseline (ICB), wie ist die Gliederung und was ist ihr Pendant?

Der Kompetenzstandard der IPMA

Die International Project Management Association – kurz IPMA – definiert sogenannte Kompetenzstandards. Aktuell ist die IPMA Individual Competence Baseline in Version 4 – kurz ICB4 – verfügbar. Sie adressiert „Projekt-, Programm- und Portfoliomanagement als Methode und Führungsaufgabe im spezifischen Umfeld“ und löste zum 01. Juli 2018 ICB3 ab.

Den ersten Kompetenzstandard veröffentlichte die IPMA bereits im Jahr 1997; er firmierte unter „PM-Kanon“ und beschrieb „PM als Methode“. 2000 folgte Individual Competence Baseline 2 (ICB2), die „PM als Methode und Führungsaufgabe“ deklarierte, bevor 2005 ICB3 „PM als Methode und Führungsaufgabe im spezifischen Umfeld“ thematisierte.

Alleine aus den Titeln der Kompetenzstandards lässt sich eine Entwicklung über die letzten 20 Jahren erkennen: aus einer Kompetenzbeschreibung „Projektmanagement“ wurde „Projektmanagement und Führung“. Doch Projektmanagement und Führung sind abhängig vom Kontext, so dass das „spezifische Umfeld“ ebenfalls betrachtet wurde. Und Projekte sind meist eingebettet in „Programme und Portfolios“. Natürlich überrascht es wenig, dass bei 62 Mitgliedsverbänden die Abstimmung und Freigabe von ICB4 drei Jahre in Anspruch nahm.

Die Gliederung der ICB4 Kompetenzbereiche

Die ICB4 beschreibt viele Facetten von Kompetenz. Sie orientiert sich dabei aber nicht an Rollen wie bspw. Projektmanager, sondern an den Domänen Projektmanagement, Programmmanagement sowie Portfoliomanagement und die Menschen, die in diesen Domänen tätig sind. Damit rückt auch der Mensch stark in den Fokus. Die Kompetenzbereiche werden in drei Teile gegliedert:

Perspective

Perspective (Kontext-Kompetenzen) umfasst sowohl Methoden, Techniken und Werkzeuge zur Interaktionen eines Einzelnen mit seiner Umgebung, als auch Überlegungen zur Motivation von Organisationen und Mitarbeitern, Projekte, Programme oder Portfolios zu initiieren. Konkret werden 5 Kompetenzen definiert:

  • Strategie (Perspective 1),
  • Governance, Strukturen und Prozesse (Perspective 2),
  • Compliance, Standards und Regularien (Perspectice 3),
  • Macht und Interessen (Perspective 4) sowie
  • Kultur und Werte (Perspective 5).

People

People (Persönliche und Soziale Kompetenzen) erläutert die Eigenschaften, die benötigt werden, um erfolgreich in Projekten, Programmen und Portfolios mitzuwirken bzw. diese zu leiten. Hier werden 10 Kompetenzen definiert:

  • Selbstreflexion und Selbstmanagement (People 1),
  • Persönliche Integrität und Verlässlichkeit (People 2),
  • Persönliche Kommunikation (People 3),
  • Beziehungen und Engagement (People 4),
  • Führung (People 5),
  • Teamarbeit (People 6),
  • Konflikte und Krisen (People 7),
  • Vielseitigkeit (People 8),
  • Verhandlungen (People 9) und
  • Ergebnisorientierung (People 10).

Practice

Practice (Technische Kompetenzen) umfasst Methoden, Techniken und Werkzeuge für den Einsatz in Projekten, Programmen und Portfolios. (Im Gegensatz zur Perspective fokussiert der Einsatz aber nicht auf den Anwender, sondern auf die Rahmen, also bspw. das Projekt.) Hier werden 14 Kompetenzen definiert:

  • Projekt-, Programm- oder Portfoliodesign (Practice 1),
  • Anforderungen, Nutzen und Ziele (Practice 2),
  • Leistungsumfang und Lieferobjekte (Practice 3),
  • Ablauf und Termine (Practice 4),
  • Organisation, Information und Dokumentation (Practice 5),
  • Qualität (Practice 6),
  • Kosten und Finanzierung (Practice 7),
  • Ressourcen (Practice 8),
  • Beschaffung und Partnerschaft (Practice 9),
  • Planung und Steuerung (Practice 10),
  • Chancen und Risiken (Practice 11),
  • Stakeholder (Practice 12),
  • Change und Transformation (Practice 13) sowie
  • Projektselektion und Portfoliobalance (Practice 14).

Zusätzlich kennt die ICB4 noch sogenannte Kompetenzindikatoren (KCI) und Messgrößen, die Aussagen über den Erfolg von Projekten, Programmen und Portfolios in der jeweiligen Domäne ermöglichen.

Für die IPMA-Zertifizierung hatte die Einführung von ICB4 unmittelbare Konsequenzen. Bis zum 30.06.2019 konnten Prüfungen für die verschiedenen IPMA Level noch nach der ICB3 durchgeführt werden, seither greift ICB4. Durch die Rezertifizierung, die von der IPMA alle 5 Jahre gefordert wird, stellt sie sicher, dass ICB4 mit ihren Inhalten in der Praxis genutzt wird. Unabhängig davon, dass mit dem GPM Basislevel ein neues Einsteigerzertifikat erfunden wurde, und es somit 5 anstelle von 4 Level gibt, bleiben auch mit dem aktuellen Standard die Entwicklungspfade von Level zu Level durchgängig.

Hinweise:

Die deutsche Fassung der IPMA Individual Competence Baseline Version 4 (ICB4) können Sie hier herunterladen »
Das Project Management Body of Knowledge (PMBOK) des PMI gilt als Pendant zum ICB.

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