Velocity

Was ist die Velocity, wie und warum wird sie berechnet?

Die Geschwindigkeit des Entwicklungsteams

Das englische Wort „Velocity“ heißt ins Deutsche übersetzt Geschwindigkeit bzw. Schnelligkeit. In Scrum ist die Velocity eine Maßeinheit für die Geschwindigkeit eines Entwicklungsteams. Sie beantwortet die Frage, wie viele Story Points ein Scrum Team durchschnittlich pro Sprint erledigen kann. Die Erhebung der durchschnittlich – über einen Zeitraum von mehreren Sprints – erledigten Story Points ist ein Hilfsmittel zur Planung zukünftiger Sprints.

Beispiel:

  • In Sprint 1 werden 10 Story Points, in Sprint 2 sogar 16 Story Points realisiert. In der folgenden Sprint Planung wird mit 13 Story Points (sofern die gleiche Anzahl von Mitarbeitern und Arbeitstagen zur Verfügung steht) geplant.
  • In Sprint 3 werden 19 Story Points realisiert. Die Planung für den 4. Sprint geht nun von 15 Story Points [((10 + 16 + 19) / 3) = 15] aus.

Interpretationen der Velocity

Ist es möglich, mehr Story Points zu realisieren als geplant wurden? Die Beantwortung dieser Frage führt zu zwei unterschiedlichen Interpretationen und Wegen zur Berechnung der Velocity:

  • Manche Organisationen betrachten die zusätzlich geschaffene Funktionalität, die durch Backlog Items bzw. User Storys formuliert und entsprechend in den Sprints umgesetzt wird. Wurden in einem Sprint 5 Storys mit insgesamt 16 Story Points eingeplant und entsprechend realisiert, dann ist die Velocity des Sprints 16 Story Points.
  • Andere Organisationen betrachten neben ursprünglich geplanten User Storys und Story Points auch Aufgaben, die im Laufe eines Sprints hinzukamen. Solche Aufgaben können bspw. durch Bugfixing oder Refactoring notwendig werden.  Es kann also sein, dass ein Team eine höhere Velocity erreicht als ursprünglich geplant.

Die Velocity im Sprint Planning 

Unabhängig von der Art der Berechnung ist es für Organisationen wichtig, die durchschnittliche Velocity im Sprint Planning – und nicht die maximale oder die höchste Geschwindigkeit der letzten Sprints – zu berücksichtigen. Es gehört zu den Prinzipien des Agilen Manifests, durch ein gleichmäßiges Tempo, das Auftraggeber, Entwickler und Benutzer über einen unbegrenzten Zeitraum halten können, eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Inhalte sind wichtiger als Geschwindigkeit.

Wäre die Steigerung der Geschwindigkeit das Ziel, würde eine Art Inflation der Story Points drohen: eine auf die Steigerung der Geschwindigkeit ausgelegte Velocity lässt sich bspw. durch die Erhöhung der Schätzwerte erreichen; damit wäre der Sinn der Velocity konterkariert.

Die Visualisierung der Velocity

Visualisiert wird die Geschwindigkeit mit einem Velocity Chart. Das sogenannte Velocity Offset als Summe, der nicht in einem Sprint realisierten User Storys, lässt sich aus dem Diagramm ebenfalls ablesen. Hier sollte sich das Entwicklungsteam – idealerweise gemeinsam mit dem Scrum Master – überlegen, wo die Ursachen für die Abweichung zwischen den geplanten und realisierten User Storys bzw. Product Backlog Items liegen. Aus den Erkenntnissen lassen sich Rückschlüsse für künftige Planungen ziehen.

velocity

Agile Methoden sollen Tempo in langsame Organisationen bringen. Das ist irreführend und hat wenig mit den agilen Motiven zu tun. Eine Meinung.

Die agile Geschwindigkeitslüge - t2informatik Blog

Hinweise:

Im Scrum Guide wird die Velocity als Begriff nicht erwähnt. Auch die User Story wird dort nicht erwähnt. Dennoch werden beide Konstrukte häufig in Projekten und Entwicklungen verwendet, die Scrum nutzen.

Hier finden Sie ergänzende Informationen aus unserer Rubrik Wissen kompakt:

Wissen kompakt: Was steht im Scrum Guide und was nicht?

Was steht im Scrum Guide und was nicht?

Wissen kompakt: Was ist das INVEST-Prinzip bei einer User Story?

Was ist das INVEST-Prinzip bei einer User Story?