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Gesetz von Amara

Wissen kompakt: Amaras Gesetz bzw. Amara’s Law besagt, dass wir dazu neigen, die Auswirkungen einer Technologie auf kurze Sicht zu überschätzen und auf lange Sicht zu unterschätzen.

Amara’s Law – Die Einschätzung von technologischen Auswirkungen im Verlauf der Zeit

„Quantencomputer werden unsere Zukunft revolutionieren!“ „Die Zukunft der Mobilität liegt im autonomen Fahren!“ Oder: „Mit Blockchain zu einem besseren Planeten!“ Wenn es um die Auswirkungen von Technologien geht, überschlagen sich häufig die verwendeten Superlative. Vorhandene Technologien werden mindestens revolutioniert, Märkte werden garantiert disruptiert und der Planet Erde wird mit Sicherheit gerettet. Ob solche Vorhersagen tatsächlich zutreffen, lässt sich oftmals erst einige Jahre später beurteilen. Im Laufe der Zeit flacht jedoch die initiale Begeisterung für ein Thema häufig ab. Das Thema verschwindet nach und nach aus dem Blickfeld der öffentlichen Wahrnehmung. Fast ist es so, als hätte es die revolutionäre, zukunftsverändernde, Planeten-rettende Technologie nie gegeben.

Mit „We tend to overestimate the effect of a technology in the short run and underestimate the effect in the long run.“ brachte der amerikanische Zukunftsforscher und Wissenschaftler Roy Charles Amara¹ diese Situation auf den Punkt. Frei ins Deutsche übersetzt: „Wir neigen dazu, die Auswirkungen einer Technologie auf kurze Sicht zu überschätzen und auf lange Sicht zu unterschätzen.“ Die Aussage wird als Amara’s Law bzw. Amaras Gesetz bezeichnet.

Das mannigfaltige Interesse an einem Hype

„Ein Hype ist eine besonders spektakuläre, mitreißende Werbung, die eine euphorische Begeisterung für ein Produkt bewirkt. Es ist eine aus Gründen der öffentlichen Aufmerksamkeit inszenierte Täuschung. Oder es ist eine Welle oberflächlicher Begeisterung.“² Nüchtern betrachtet handelt es sich meist um Hypes, an deren Entstehung viele Marktteilnehmer großes Interesse haben:

  • Entwickler und Betreiber bzw. Anbieter der neuen Technologie,
  • Vermarkter und Verkäufer der Technologie,
  • Fachmagazine und Experten, die ihre Sicht auf die Technologie darlegen, und damit sowohl ihren Expertenstatus unterstreichen, als auch die Nachfrage nach sich selbst steigern, und
  • die Early Adpopter der Technologie.

Es ist jedoch selten so, dass ein Hype um eine neue Technologie, ein Produkt, ein Service oder eine Idee endlos anhält. Der sogenannte Hype-Zyklus, erfunden von Jackie Fenn, einer Analystin von Gartner Inc., definiert daher verschiedene Phasen, die ein Hype – beginnend bei einem technologischen Auslöser, den Gipfel der überzogenen Erwartungen, das Tal der Enttäuschungen, den Pfad der Erleuchtungen und schließlich das Plateau der Produktivität – im Laufe der Zeit durchläuft.

Das Gesetz von Amara adressiert im Laufe der Zeit vor allem zwei Phasen des Hype-Zyklus:

  • den Gipfel der überzogenen Erwartungen: „Wir neigen dazu, die kurzfristige Wirkung einer Technologie zu überschätzen“, und
  • das Tal der Enttäuschungen: „Wir neigen dazu, … die langfristige Wirkung zu unterschätzen“.

Auf dem Weg zum Gipfel der überzogenen Erwartungen versuchen zahlreiche Unternehmen von dem Hype um eine Technologie zu profitieren. Die Aufmerksamkeit erreicht ihren Höhepunkt. „Natürlich“ folgt nach einem Höhepunkt ein Abschwung der Aufmerksamkeit. Die Begeisterung ebbt ab. Die revolutionäre, zukunftsverändernde, Planeten-rettende Technologie steckt noch in den Kinderschuhen, sie funktioniert noch nicht so gut wie eine ausgereifte, stabile Technologie. Es fehlen Ansprechpartner, Tutorials, Erweiterungsmöglichkeiten, skalierende Geschäftsmodelle, verlässliche Release-Ankündigungen etc. Und alles geht langsamer als erhofft. Die Folge ist: Enttäuschung.

Ein Beispiel für das Gesetz von Amara

Erinnern Sie sich noch an Clubhouse? 2020 redete gefühlt jeder Marketingverantwortliche, jede Beraterin und jeder Consultant von Clubhouse, einer Social-Media-App, die mit einer Mischung aus Live-Podcast und sozialer Telefonkonferenz Anwenderinnen und User in den Bann zog. Unternehmen schickten ihre Influencer nach vorne, Ansprechpartnerinnen wurden für Live-Gespräche gewonnen, die Werbemaschine wurde angeworfen; interessanterweise nur in Teilen von den Clubhouse-Betreibern, zu großen Teilen aber von den Anwendern. Hier sahen viele Personen und Organisationen Chancen, mit relativ wenigen Mitteln einen neuen Kommunikationskanal aufzubauen und für sich imagebildend und gewinnbringend zu nutzen.

„Wir neigen dazu, die kurzfristige Wirkung einer Technologie zu überschätzen …“

Und was passierte nach dem Gipfel der überzogenen Erwartungen? Der Hype war gefühlt schneller zu Ende als er begonnen hatte (im Sinne des Hype-Zyklus ist er natürlich nicht zu Ende). Kritik an der App und dem damit (nicht) einhergehen Datenschutz wurde laut. Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit nahm zu. Die Unterscheidung von interessanten und weniger interessanten Inhalten wurde schwieriger. Die Teilnehmerzahlen stagnierten und sanken schnell wieder. Das führte dazu, dass immer mehr Anbieter von Gesprächen und auch immer mehr Zuhörende der App den Rücken kehrten.

Ist die App damit aber für jeden wertlos? Vermutlich nicht. Ergeben sich aus dieser Situation evtl. sogar Chancen für Anbieter, die durchhalten, oder für technologische Nachzügler (die sogenannten Laggards)? Ja, vermutlich. Ein Großteil der Early Adopters wird diese Chancen aber nicht nutzen, denn:

„Wir neigen dazu, … die langfristige Wirkung zu unterschätzen“.

Kritik an Amaras Gesetz

Bei aller Einfachheit und auch Einprägsamkeit gibt es auch Kritik an Amaras Gesetz:

  • Es ist nicht wissenschaftlich belegt, dass „wir“ den kurzfristigen Effekt von Technologie generell überschätzen. Evtl. werden Auswirkungen nur bei Hype-Technologien überschätzt und das auch nur von aktiven Marktteilnehmern, die ein Eigeninteresse an der Technologie verfolgen.
  • Es gibt keinerlei empirischen Beleg für die Korrektheit der Aussage, dass „wir“ die langfristige Wirkung einer Technologie unterschätzen. Es gibt sicherlich Stakeholder, die am Ball bleiben und so lange wirken, bis sich ihr Einsatz und Aufwand in und mit einer Technologie lohnt.
  • Es könnte auch sein, dass „wir“ neuen Technologien von Anfang besonders kritisch begegnen. Beispiel: Elektroautos. Einerseits bieten sie im Vergleich zu Verbrennermotoren einen sauberen Antrieb, andererseits lassen sich derzeit weder die benötigten Batterien umweltfreundlich produzieren, noch stehen genügend Ladestationen zur Verfügung und auch die Ladedauer ist viel zu lang.

Die Meinungen variieren, ob sich das Gesetz von Amara nur für eine „passive“ Nachbetrachtung oder auch für eine „aktive“ Anwendung beim Umgang mit neuen Technologien eignet.

Gesetz von Amara - Die Einschätzung von technologischen Auswirkungen im Verlauf der Zeit

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Impuls zum Diskutieren:

Lassen sich die Aspekte verallgemeinern, auf die Marktteilnehmer bei der Wahl von neuen Technologien achten sollten?

Hinweise:

[1] Roy Charles Amara
[2] Duden: Verschiedene Bedeutungen von Hype

Hier finden Sie ergänzende Informationen aus dem t2informatik Blog:

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