Failing Forward

Was ist Failing Forward, welche Elemente unterstützen es und wo liegen Herausforderungen?

Bewusst aus Fehlern lernen

Failing Forward bzw. Fail Forward ist eine Bezeichnung für einen fehlertoleranten Ansatz bei der Entwicklung von Alternativen, Produkten oder Lösungen. Failing Forward ist universell – sowohl im professionellen Umfeld als auch im privaten Bereich auf persönlicher Ebene – anwendbar. Es beschreibt ein Mindset, für das heute auch der Begriff der Fehlerkultur verwendet wird. Das Mindset setzt einen Fehler nicht mit einem Misserfolg gleich, sondern stellt den Erfahrungszugewinn in den Fokus. Es richtet den Blick nach vorne und propagiert die Nutzung der neu gewonnenen Erkenntnisse. Frei übersetzt bedeudet Failing Forward also „vorwärts scheitern“.

„Man muss nicht unbedingt jede Erfahrung selber machen wollen“ – sagte einst Günter Grass, deutscher Schriftsteller und Gewinner des Nobelpreises für Literatur. Entsprechend geht es bei Fail Forward nicht darum, Fehler zu machen. Es geht darum, aus Fehlern zu lernen. Häufig versuchen Unternehmen, Fehler zu vermeiden, in dem sie Best Practices entwickeln oder von Good Practices anderer Unternehmen profitieren wollen. Oftmals ist es aber nicht möglich auf solche Erfahrungswerte zuzugreifen oder sie 1:1 auf eine eigene Situation zu übertragen.

Umsetzung Failing Forward

Folgende Elemente unterstützen das Failing Forward:

  • Das Arbeiten mit Tests. Ist unklar, welche Handlung zu einem gewünschten Ziel führt, werden verschiedene alternative Varianten – bspw. A und B – ausprobiert. Hier wird auch von A-B-Testing gesprochen. Die Varianten ermöglichen einen Vergleich, wobei auch die unterlegene Variante zur Lösung beiträgt, ohne ein Fehler zu sein.
  • Die Entwicklung in kleinen Schritten. So könnte bspw. nach dem ersten A-B-Test ein neuer Test folgen, bei dem die bessere Variante des ersten Tests weiter verfeinert wird. Auch die Arbeit mit Prototypen – bspw. im Zuge der Software- oder Systementwicklung – oder die Gestaltung eines Minimum Viable Products, bei dem mit minimalem Aufwand möglichst viel über das Produkt, die Kunden und/oder das Geschäftsmodell herausgefunden werden soll, sind Beispiele für iterative Entwicklungen, bei denen Fehler vollkommen normal sind.
  • Das kontinuierliche Einholen von Feedback, bspw. in Form von Rückmeldungen durch Stakeholder für die Sprint Planung oder beim Sprint Review.
  • Die Nutzung von Retrospektiven, die dabei helfen, aus der Vergangenheit zu lernen, und das zukünftige Miteinander während der Entwicklung einer Lösung zu verbessern.

Herausforderungen beim Failing Forward

In der Theorie klingt die Forderung nach einem Failing Forward einfach, die Umsetzung in die Praxis ist für viele Organisationen eine große Herausforderung. Kulturelle Veränderungen erfordern meist viel Zeit und lassen sich auch nicht einfach anweisen. So nehmen Organisationen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, auch durch Irrtum und Fehler zu lernen. Oder wie es Martin Kessel, ein weiterer deutscher Schriftsteller, formulierte: „Der Irrtum ist die tiefste Form der Erfahrung.“

 

Hinweise:

In machen Publikationen wird auf den Unterschied von Fehler und Irrtum hingewiesen. Ein Fehler ist ein Ergebnis einer Handlung zur Erreichung eines Ziel, die nicht korrekt ausgeführt wurde, oder von der man wissen konnte, dass sie nicht zum Ziel führt. Bei einem Irrtum hingegen ist die Handlung zur Erreichung des Ziels unklar. Es bleibt abzuwarten, ob sich aus dieser Unterscheidung ein Begriff wie „Irrtumskultur“ entwickeln wird.

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