DOBO

Wissen kompakt: DOBO steht für Desire Of Becoming Outstanding und beschreibt den Wunsch, eigene Stärken mit KI gezielt weiterzuentwickeln und wirksamer einzusetzen.

DOBO – Wenn aus Unsicherheit Gestaltung wird

Viele Diskussionen über KI beginnen mit einer Sorge: Welche Aufgaben werden automatisiert? Welche Fähigkeiten verlieren an Bedeutung? Welche Rolle bleibt dem Menschen?

DOBO dreht diese Perspektive um. „Desire Of Becoming Outstanding“ beschreibt den Wunsch, technologische Veränderungen nicht nur zu überstehen, sondern sie bewusst für die eigene Entwicklung zu nutzen. Statt ausschließlich zu fragen, ob KI den eigenen Arbeitsplatz verändert oder Handlungsspielräume einschränkt, richtet sich der Blick auf eine andere Frage: Wie kann ich meine Fähigkeiten mit den Möglichkeiten von KI so verbinden, dass ich meine Arbeit besser, wirksamer oder sinnvoller gestalten kann?

DOBO ist bislang kein etablierter wissenschaftlicher Fachbegriff mit einem klar umrissenen Forschungsfeld. Der Ausdruck wird vielmehr als jüngere, diskursive Gegenidee zu FOBO (Fear Of Becoming Obsolete) und FOLA (Fear Of Losing Agency) verwendet. Er bündelt die Idee, technologische Veränderungen nicht nur als Bedrohung oder Kontrollverlust zu betrachten, sondern als Anlass, die eigene Rolle aktiv weiterzuentwickeln.

Der Begriff ist dabei weniger als Gegenargument zu FOBO und FOLA zu verstehen. Die Sorge, beruflich an Bedeutung zu verlieren, oder die Angst vor weniger Einfluss verschwinden nicht einfach. DOBO beschreibt vielmehr eine mögliche zusätzliche Haltung: den Wunsch, aus einer veränderten Arbeitswelt aktiv etwas zu machen. [1]

Was bedeutet „Outstanding“?

Das englische „outstanding“ lässt sich mit „herausragend“, „außergewöhnlich“ oder „besonders gut“ übersetzen. Im Zusammenhang mit DOBO sollte daraus jedoch kein Wettbewerb darum werden, besser als alle anderen zu sein.

Interessanter ist eine andere Interpretation: Heraus­ragend wird nicht zwangsläufig derjenige, der möglichst viele KI-Werkzeuge beherrscht oder besonders viel automatisiert. Entscheidend kann vielmehr sein, die eigenen Stärken dort einzusetzen, wo sie einen tatsächlichen Unterschied machen.
Dazu können Fachwissen, Erfahrung, Kreativität, soziale Kompetenz, Urteilsfähigkeit oder Verantwortungsbereitschaft gehören. KI kann solche Fähigkeiten unterstützen, sie erweitern oder Zeit dafür freisetzen.

„Outstanding“ bedeutet in diesem Verständnis deshalb nicht, sich von anderen Menschen abzuheben. Es bedeutet, die eigene Kombination aus menschlichen Fähigkeiten und technologischer Unterstützung besonders wirksam einzusetzen.

DOBO bedeutet nicht: mehr KI um jeden Preis

Wer „Desire Of Becoming Outstanding“ ausschließlich als Wunsch versteht, möglichst viel KI einzusetzen, verfehlt den eigentlichen Gedanken. KI kann Texte vorbereiten, Informationen strukturieren, Daten analysieren oder Routineaufgaben übernehmen. Sie kann dadurch Zeit schaffen und den Blick erweitern. Trotzdem ist nicht jede Aufgabe automatisch ein guter Kandidat für Automatisierung. DOBO beginnt deshalb mit einer bewussten Unterscheidung:

  • Wo hilft mir KI tatsächlich?
  • Wo macht sie meine Arbeit besser?
  • Wo brauche ich meine eigene Erfahrung?
  • Und wo möchte ich bewusst selbst entscheiden oder gestalten?

In einer zukünftigen Arbeitswelt werden viele Tätigkeiten vermutlich aus einer Mischung von automatisierten und menschlichen Anteilen bestehen. Menschen werden dabei stärker interpretieren, einordnen, entscheiden und Verantwortung übernehmen, während KI Teile der Vorbereitung oder Ausführung übernimmt. [2]

Welche Rolle spielen die eigenen Stärken?

DOBO richtet den Blick nicht nur auf neue Fähigkeiten, sondern auch auf bereits vorhandene. Wer lange in einem Beruf arbeitet, bringt Erfahrungen mit, die sich nicht auf einzelne Wissensbestände reduzieren lassen. Wer mit Menschen arbeitet, entwickelt ein Gespür für Situationen, Beziehungen und Zwischentöne. Wer Verantwortung trägt, lernt, Entscheidungen auch dann zu treffen, wenn Informationen unvollständig oder widersprüchlich sind.

KI verändert den Wert solcher Fähigkeiten nicht zwangsläufig nach unten. In vielen Rollen können sie sogar wichtiger werden, weil technische Systeme immer mehr vorbereitende oder standardisierbare Aufgaben übernehmen. Die entscheidende Frage lautet dann nicht nur: Was kann KI?
Sie lautet auch: Was kann ich besonders gut und wie kann KI mir dabei helfen, genau diese Stärke besser einzusetzen?

DOBO braucht neue Fähigkeiten

Die eigenen Stärken zu kennen reicht allerdings nicht aus. Technologische Veränderungen verschieben Aufgaben und Anforderungen. Deshalb gehört zu DOBO auch die Bereitschaft, zu lernen. Dabei geht es weniger darum, jedes neue Werkzeug auszuprobieren. Relevanter ist die Fähigkeit, diejenigen Kompetenzen aufzubauen, die zur eigenen Rolle und zu den tatsächlichen Veränderungen der Arbeit passen. Dazu können beispielsweise gehören:

  • KI-Kompetenz: verstehen, was ein System leisten kann und wo seine Grenzen liegen.
  • Kritisches Denken: Ergebnisse prüfen, einordnen und hinterfragen.
  • Urteilsfähigkeit: Informationen mit Erfahrung und Kontext verbinden.
  • Kommunikation und soziale Kompetenz: dort wirksam sein, wo Beziehungen und Vertrauen eine Rolle spielen.
  • Lernfähigkeit: neue Werkzeuge ausprobieren und den eigenen Umgang damit weiterentwickeln.

Unternehmen beschäftigen sich zunehmend genau mit dieser Verschiebung von Jobprofilen und zukünftigen Fähigkeiten. Upskilling und die Identifikation neuer Kompetenzanforderungen werden deshalb zu wichtigen Bestandteilen der Arbeitsgestaltung. [3]

Von FOBO und FOLA zu DOBO

FOBO, FOLA und DOBO lassen sich als drei unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe Veränderung verstehen:

  • FOBO fragt: Werde ich künftig noch gebraucht?
  • FOLA fragt: Kann ich weiterhin selbst gestalten und entscheiden?
  • DOBO fragt: Wie kann ich die Veränderung nutzen, um meine eigene Wirkung zu vergrößern?

Die Begriffe beschreiben keine feste Entwicklung, die jeder Mensch durchlaufen müsste. Niemand wechselt automatisch von Angst zu Begeisterung oder von Unsicherheit zu persönlicher Exzellenz. „Desire Of Becoming Outstanding“ kann aber eine Perspektive eröffnen, sobald aus einer abstrakten Bedrohung eine konkrete Gestaltungsfrage wird: Welche Aufgaben möchte ich mit KI anders erledigen und wofür möchte ich die dadurch entstehenden Möglichkeiten nutzen?

Was kann DOBO fördern?

Ein solcher Perspektivwechsel entsteht selten allein durch Motivation. Menschen brauchen die Möglichkeit, neue Technologien kennenzulernen, eigene Erfahrungen zu sammeln und herauszufinden, welche Anwendungen für sie tatsächlich sinnvoll sind. Hilfreich sind dabei insbesondere:

  • Neugier: neue Möglichkeiten zunächst ausprobieren, ohne sofort ein endgültiges Urteil zu fällen.
  • Klarheit über eigene Stärken: wissen, welche Fähigkeiten im eigenen Arbeitsalltag tatsächlich Wert schaffen.
  • Realistische Lernziele: nicht alles lernen wollen, sondern relevante Kompetenzen entwickeln.
  • Experimentieren: KI in überschaubaren Situationen einsetzen und Erfahrungen auswerten.
  • Reflexion: regelmäßig prüfen, ob der Einsatz von KI tatsächlich zu besseren Ergebnissen oder mehr Freiraum führt.
  • Eigenverantwortung: bewusst entscheiden, welche Aufgaben delegiert und welche selbst übernommen werden.

DOBO entsteht damit nicht durch einen großen Sprung. Es entwickelt sich eher aus vielen kleinen Entscheidungen darüber, wie Mensch und Technologie sinnvoll zusammenarbeiten können.

Wo liegen die Grenzen von DOBO?

Der Begriff kann leicht missverstanden werden. Wenn „outstanding“ zu einem permanenten Leistungsanspruch wird, kann aus einer positiven Entwicklungsidee neuer Druck entstehen. Menschen könnten den Eindruck gewinnen, sie müssten ständig lernen, produktiver werden oder mit den neuesten KI-Werkzeugen mithalten. Damit würde DOBO genau jene Unsicherheit verstärken, auf die es eigentlich eine andere Perspektive eröffnen soll.

Nicht jeder Mensch muss zum KI-Power-User werden. Nicht jede Tätigkeit muss optimiert werden. Und nicht jeder Produktivitätsgewinn führt automatisch zu besserer Arbeit. Ein sinnvoll verstandenes DOBO richtet sich deshalb nicht auf permanente Selbstoptimierung. Es richtet sich auf bewusste Entwicklung: Welche Fähigkeiten möchte ich stärken? Welche Aufgaben möchte ich anders gestalten? Und was bedeutet gute Arbeit für mich überhaupt?

DOBO – Wenn aus Unsicherheit Gestaltung wird

Impuls zum Diskutieren

Wie schafft es eine Organisation, effizientere Prozesse und gleichzeitig Möglichkeiten zu etablieren, in denen Menschen ihre Fähigkeiten wirksamer einsetzen können?

Hinweise:

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[1] Onlinemarketing.de: Der FOBO-Trend 2026: Wie KI die Angst vor beruflicher Überflüssigkeit verstärkt
[2] McKinsey Global Institute: Agents, robots, and us: Skill partnerships in the age of AI
[3] PwC: Gemein die Zukunft der Arbeit gestalten

Hier finden Sie einen interessanten Beitrag zur Frage: Warum KI viele Menschen verunsichert.

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