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Attribute

Was sind Attribute, welche sind üblich im Anforderungs- und Projektmanagement und welche Vorteile bieten sie?

Eigenschaften eines Objekts

Ein Attribut bezeichnet eine Eigenschaft bzw. ein Merkmal eines Objekts. Als Begriff wird das Attribut in der Grammatik zur näheren Bestimmung eines Substantivs, in der Kunst als Beschreibung des Charakters einer Figur und in der Philosophie als Element der formalen Logik verwendet. Alternative Begriffe sind u.a. Charakteristikum, Kennzeichen, Merkmals, Besonderheit oder Spezifikum. Auch im Kontext der System- und Softwareentwicklung und im Projektmanagement werden Attribute häufig verwendet.

Attribute im Anforderungsmanagement

Im Requirements Engineering bzw. Anforderungsmangement – einer Kerndisziplin in der System- und Softwareentwicklung – werden Anforderungen oftmals mit folgenden Attributen erfasst:

  • Identifikator bzw. ID. Sie sollte eineindeutig sein und kann diverse Informationen wie eine automatisch fortlaufende Nummer und ein zugehöriges Projekt oder Programm beinhalten.
  • eine Kurzbezeichnung
  • ein Name
  • eine Beschreibung, alternativ mit einer Trennung zwischen Kurz- und Langbeschreibung.
  • eine Problembeschreibung oder Begründung
  • ein Abnahmekriterium als messbare und überprüfbare Bedingung. Häufig drückt sich in diesem Attribut die erwartete Leistung, ein Antwortverhalten, ein Ressourcenbedarf etc. aus.
  • einen Autor
  • eine Version, denn gerade Anforderungen und damit auch verbundene Testfälle ändern sich häufig.
  • einen Zustand. Typischerweise kennen Anforderungen verschiedene Zustände wie z.B. „initial“, „definiert“, „eingeplant“, „in Realisierung“, „realisiert“ etc.
  • eine oder mehrere Quellen zur Klärung woher die Anforderung stammt, welcher Stakeholder von ihr profitiert, welches Ziel mit ihr erreicht wird etc.
  • eine Aussage zur Stabilität; werden noch Veränderungen an Inhalt und Umfang erwartet? Meist werden Werte wie „stabil“, „fest“ und „gefestigt“ genutzt.
  • eine Aussage zur Kritikalität
  • eine Priorität. Hier reicht die Bandbreite von „niedrig“, „mittel“, „hoch“ und „kritisch“, über Stufen von 1 bis 3 oder von 1 bis 10 oder in agilen Vorgehensweisen mit absoluten Prioritätszahlen, so dass jede einzelne Anforderung eine individuelle Priorität besitzt.

Darüber hinaus wird oftmals empfohlen, weitere Attribute zu nutzen: Risiken, Typisierung, Aufwand, zugeordnetes Release, juristische Verbindlichkeit, Kundenzufriedenheit und Kundenunzufriedenheit, Geschäftsobjekte, Geschäftsprozesse, weiterführendes Material, verantwortliche Mitarbeiter, Anmerkungen, offene Punkte, Beziehungen zu anderen Anforderungen oder andere Objekte des Entwicklungsprozesses etc.

Attribute im Projektmanagement

Was für Anforderungen gilt, kann natürlich auch für sämtliche andere Objekte im Zuge einer Entwicklung gelten. Auch Risiken kennen Attribute (bspw. Schadensklassen, erwartete Eintrittswahrscheinlichkeiten, Schadensumfang und -ausmaß). Und Änderungsanträge, Testfälle, Testläufe, Ziele sowie UML- oder SysML-Diagramme bzw. -Objekte. Auch im Projektmanagement gibt es zahlreiche Attribute wie bspw.

  • Projekt-ID, Projektkurzbezeichnung und Projektname
  • Projektbeginn, Projektdauer, Projektende
  • Projektbudget
  • Projektverantwortlichkeit, Projektmanager, Organisationseinheit
  • Projektstatus
  • Projektart
  • Projektprozess

Wichtig ist bei allen Attributen – sowohl bei Anforderungen, Änderungsanträgen oder Projekten – festzustellen, dass es statische und dynamische Merkmale gibt. Beispiel: Ein Projekt kennt einen geplanten und einen tatsächlichen Projektstart. Geplante Informationen sind meist dynamisch, d.h. sie können sich verändern. Ein Projektbeginn kann für den 01. Februar geplant sein und in der Realität am 01. März starten. Ist das Projekt gestartet, handelt es sich um ein statisches, nicht mehr veränderbares Attribut.

Vorteile der Attributierung

Grundsätzlich bietet die Verwendung von Attributen einige Vorteile:

  • Das Verständnis und das Wissen zu einem einzelnen Objekt oder einer Gruppe von Objekten steigt.
  • Die Strukturierung und die Vergleichbarkeit von Objekten wird gefördert.
  • Die Suche nach konkreten Merkmalen einzelner Objekte wird ermöglicht.
  • Die Auswertung von Eigenschaften wird unterstützt.

Damit diese Vorteile zum Tragen kommen, sollten Organisationen für entsprechende Objekte (Anforderungen, Change Requests, Risiken, Testfälle, Diagramme etc.) ein gemeinsames Set von Attributen vorgeben und festlegen, wie verpflichtend die Erfassung der Merkmale pro Objekt ist.

Hinweis:

Im Anforderungsmanagement gibt es eine Reihe von spezialisierten Softwarelösungen, die sowohl die freie Definition eigener Attribute bzw. Attributstypen, die leichte Erfassung von Attributen mittels einfacher Eingabemasken und die Auswertung per Datenbankabfragen ermöglichen. Unternehmen können so benötigte Informationen nachvollziehen und nachweisen. Dies wird als Traceability bezeichnet.

Attribute bei Anforderungen erfassen - hier im Beispiel mit Jira

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