Workation

Was ist eine Workation, wo liegen Vorteile und mögliche Nachteile für die Beteiligten und welche Tipps gibt es?

Wissen kompakt: Eine Workation kombiniert Arbeiten (Work) und Urlaub machen (Vacation). Es ist ein Konzept für reisende Arbeitende oder arbeitende Reisende.

Workation – Arbeit und Urlaub in Kombination

Workation ist ein Kofferwort, dass sich aus den beiden amerikanischen Begriffen „Work“ und „Vacation“ – also Arbeit und Urlaub – zusammensetzt. Und genau darum geht es: die Kombination von Arbeit und Urlaub. Es ist ein Konzept für reisende Arbeitende oder arbeitende Reisende.

Auf den ersten Blick widersprechen sich beide Begriffe, denn wer arbeitet macht keinen Urlaub, und wer Urlaub macht arbeitet nicht. Auf den zweiten Blick aber trifft dies auf viele Arbeitnehmer schon sehr lange nicht mehr zu: Sie lesen und beantworten E-Mails im Urlaub, nehmen an Videokonferenzen in Hotelzimmern teil oder vergleichen Angebote von Lieferanten zwischen dem Frühstück auf der Hotelveranda und dem Spaziergang zum Strand. Im Unterschied zu solchen Situationen geht Workation einen wesentlichen Schritt weiter: Arbeit und Urlaub finden in Kombination statt. Bewusst. Geplant. Und mit klarer, offener Kommunikation zwischen den Beteiligten – also bspw. Arbeitnehmer und Arbeitgeber oder Auftragnehmer und Auftraggeber.

Workation - die Kombination von Arbeit und Urlaub

Ein deutschsprachiges Äquivalent zu dem Begriff Workation gibt es übrigens nicht.

Für wen funktioniert die Workation und wie lässt sie sich gestalten?

Lange Zeit war es scheinbar digitalen Normaden, Freelancern, Soloselbständigen etc. vorbehalten, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und an schönen Orten und damit gefühlt von „überall“ zu arbeiten. Mit zunehmender Digitalisierung von Arbeitsabläufen in Organisationen sowie den Möglichkeiten der Arbeit im Homeoffice, bietet sich die Workation auch für viele Mitarbeitende an. Es macht oftmals keinen oder nur einen geringen Unterschied, ob ein

  • Softwareentwickler,
  • Marketingmitarbeiter,
  • Projektmitarbeiter,
  • Podcaster,
  • Buchhalter,
  • Anforderungsanalytiker,
  • Business Coach

im Homeoffice 10 km vom Unternehmensstandort oder 2.500 km entfernt auf einer schönen Insel arbeitet (siehe Voraussetzungen für Workation).

Die eigentliche Durchführung einer Workation lässt sich natürlich individuell – und idealerweise in Abstimmung mit dem Arbeit- oder Auftraggeber – gestalten. Denkbar wäre bspw. 

  • die üblicherweise vereinbarte Zeit – z.B. 8 Arbeitsstunden pro Tag – zu den üblichen Bürostunden zu arbeiten, um in Anschluss die Vorzüge des „Urlaubsorts“ zu genießen.
  • die Anzahl der üblichen Arbeitszeit zu reduzieren, um mehr Zeit für „Urlaubsaktivitäten“ zu nutzen.
  • ein wochenweiser Wechsel zwischen „normaler“ Arbeit und Urlaub.
  • eine Woche „normale“ Arbeitszeit, zwei Wochen Urlaub und wieder eine Woche „normale“ Arbeitszeit.

Sofern die Beteiligten sich auf ein Workation-Modell einigen können, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. 

 

Vorteile und Nachteile einer Workation

Eine Workation bietet Vorteile, ggf. aber auch einige Nachteile. Und das sowohl für Arbeitnehmer, Auftragnehmer, Soloselbständige als auch für Arbeitgeber oder Auftraggeber. Hier finden Sie eine Liste mit exemplarischen Vorteilen:

  • Reisen erweitert den persönlichen Horizont. Es macht Spaß und bereitet Freude. Der „normale Arbeitsalltag“ tritt in den Hintergrund. Entspannung tritt ein. Das Interesse an Neuem wird geweckt. Durch neue Eindrücke und Reize entsteht Energie. Die Sinne werden geschärft. Die Motivation steigt. Ideen kommen ans Licht. Kreativität fließt. Und oftmals lassen sich Beobachtungen am Ort der Reise direkt in die Berufswelt übertragen.
  • Der Austausch mit anderen wird durch ein gemeinsames Co-Working gefördert. Der frische Blick von außen, der sonst oftmals im Tagesgeschäft fehlt, eröffnet andere Perspektiven. Gleichzeitig lassen sich neue Kontakte knüpfen und das Netzwerk erweitern.
  • Neben der indiviudellen Freiheit des Einzelnen könnten auch Teams gemeinsam zum Arbeiten und Urlaub machen verreisen. Das fördert die Teambildung, stärkt das Wir-Gefühl, liefert Impulse für gemeinsame Projekte und erzeugt einen fast unschlagbaren Team-Spirit.
  • Unternehmen, die eine Workation als Chance begreifen, könnten sich evtl. auch leichter bei der Akquise neuer Mitarbeiter tun.

Und hier eine Liste mit möglichen Nachteilen:

  • Nicht jeder Mitarbeiter mag die Vermischung von Arbeit und Vergnügen. Nicht jeder bringt die Offenheit mit, sich auf Neues einzulassen. Für Mitarbeitende, für die eine feste Struktur besonders wichtig ist, denen Flexibilität vergleichsweise etwas weniger wichtig ist, muss es sich also nicht um ein erstrebenswertes Arbeitsmodell handeln.
  • Ähnlich wie beim Homeoffice funktioniert auch Work und Vacation meist nicht unendlich lange. Der persönliche Austausch mit Teamkollegen, das ungezwungene Gespräch in der Kaffeeküche, der Dialog über Ideen, Ängste und Sorgen, die Kommunikation über Wünsche und Erwartungen fehlt auf Dauer.
  • Die Kommunikation zwischen den Beteiligten ist üblicherweise langsamer als bei einer Vor-Ort-Kommunikation. Einfach mal im Nachbarbüro zu klopfen oder einem Kollegen im Großraumbüro eine Information zuzurufen, funktioniert nicht. Natürlich können synchron Telefonate geführt und asynchron E-Mails verschickt werden, aber einerseits ist der gefühlte Aufwand vergleichsweise hoch, und andererseits wird die inhaltliche Auseinandersetzung durch fehlende Mimik und Gestik erschwert.
  • Unklarheit erschwert die Zusammenarbeit. Wann arbeitet der Workationer heute genau? Wann kann ich mit einer Antwort rechnen? Warum habe ich noch kein Feedback bekommen? Je unklarer einzelne Aspekte der Zusammenarbeit sind, desto weniger empfinden Kollegen, Vorgesetzte oder Auftraggeber Work und Vacation als Gewinn.

Welche Vorteile bzw. Nachteile es im konkreten Fall gibt und ob die Vorteile mögliche Nachteile überwiegen, sollten Organisationen für sich im Einzelfall bewerten.

Voraussetzungen für eine Workation

Auch wenn es oftmals nur geringe Unterschied zwischen der Arbeit im Unternehmensbüro und dem Homeoffice gibt, so kann es doch größere Unterschiede zu Work und Vacation geben. Hier einige exemplarische Voraussetzungen für eine Workation:

  • Der Arbeits- und Urlaubsort sollte sich in den meisten Fällen in derselben Zeitzone wie das Unternehmen in der Heimat befinden.
  • Eine „akzeptable“ Anbindung ans Internet vor Ort und ggf. bei Reisen zwischen Orten muss gewährleistet sein.
  • Eine „passende“ Arbeitsausstattung muss vor Ort vorhanden sein. Wer es als Graphikerin gewohnt ist, mit einem 4K-Monitor zu arbeiten, wird sich vermutlich auf Dauer mit einem kleinen Laptop schwertun. Wer üblicherweise Pläne plottet, dürfte in einem Internet Café nicht das benötigte Equipment vorfinden etc.
  • Der Versicherungsschutz des reisenden Arbeitnehmers oder der arbeitenden Reisenden sollte eindeutig geklärt und geregelt sein. Je nach Arbeits- und Urlaubsort sollte auch eine Auslandskrankenversicherung vorhanden sein.
  • Mögliche Empfehlungen oder Warnungen des  Auswärtigen Bundesamts gilt es vor Reisebeginn zu überprüfen. 
  • Idealerweise sollten Kommunikations- und Zahlungsmittel auch auf Auslandsreisen funktionieren. 

Für Urlaubs- bzw. Fernreisende sind diese Punkte vermutlich nichts Neues. Nichts desto trotz sollten Workationers (und teilweise auch die involvierten Unternehmen) diese und ähnliche Aspekte vor entsprechenden Arbeitsreisen berücksichtigen. 

 

Tipps für eine Workation

Es gibt einige Tipps zur Durchführung einer Workation:

  • Klären Sie die Erwartungen mit Ihrem Arbeit- oder Auftraggeber. Erwartet dieser bspw. wie üblich eine Reaktionszeit von 15 Minuten auf eine Mail, hat das möglicherweise Einfluss auf das Modell der Workation. Was passiert bei zusätzlichen oder kurzfristigen Aufgaben? Wie wichtig ist die Erreichbarkeit während „üblicher“ Geschäftszeiten?
  • Die Arbeit im Unternehmensbüro ist oftmals auf Effizienz ausgerichtet. Es gibt Abteilungsdrucker, Scanner, höhenverstellbare Tische, große Monitore etc. Im Homeoffice ist die Ausstattung oftmals schon etwas weniger „luxuriös“. Klären Sie also im Vorfeld unbedingt die vorhandene Arbeitsausstattung. Je weniger vorhanden ist und je mehr Equipment Sie benötigen, desto mehr Abstriche müssen Sie ggf. bei der Effizienz machen.
  • Ein großer Schwachpunkt bei „Work und Travel“ ist oftmals die Unterversorgung des Internets. Auch bei einer Workation ist der Zugang zum Internet wesentlich. Wer mit große Datenmengen arbeitet, wird gerne ein schnelles WLAN nutzen wollen. Hier empfiehlt es sich, nicht nur auf die Angaben von Hotels, Hostels & Co. zu vertrauen, sondern auch einen Blick auf Rezensionen zu werfen und diese bei der Wahl der Unterkunft oder des Co-Working-Places zu berücksichtigen.
  • Nur wenige Menschen arbeiten gerne acht Stunden lang bei 30 Grad im Schatten am Pool. Auf Fotos sieht dies zwar toll aus, dennoch sollte bei entsprechenden Außentemperaturen ein klimatisierter Arbeitsraum vorhanden sein. Und wer mit mehreren Personen gemeinsam unterwegs ist, freut sich vermutlich auch über mehrere Rückzugsmöglichkeiten.
  • Ab und an ist zu lesen, dass Unternehmen Workations als Incentive und damit als Belohnung für erfolgreiche Arbeit anbieten sollten. Unternehmen können dies natürlich tun, es muss aber nicht bei jedem gut ankommen. Besser wäre es, die Kombination von Arbeit und Urlaub Mitarbeitenden anzubieten, sofern es inhaltlich und organisatorisch passt. Wichtig wird dann vor allem die Kommunikation mit denjenigen, bei denen es inhaltlich und organisatorisch nicht passt. Hier klar und offen zu kommunizieren, ist die Basis für eine weiterhin vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Mitarbeitenden.
  • Last but not least kann es sinnvoll sein, erst einmal einen tendenziell kürzeren Trip in eine eher näher gelegene Umgebung auszuprobieren. Das Arbeiten an einem anderen Standort klingt auf den ersten Blick für viele Menschen verlockend, fällt aber nicht jedem dann tatsächlich leicht. Steigende Erfahrung und positive Erkenntnissen führen dann fast automatisch zu Reisen in entferntere Orte und Länder.

 

Impuls zum Diskutieren:

Der Begriff „Gute Internetverbindung“ bietet bei einer Workation viel Interpretationsspielraum. Wie können Sie die Qualität bzw. Leistung der Internetverbindung im Vorfeld klären?

Hinweise:

In manchen Ratgebern wird zwischen Work & Travel – sprich dem Arbeiten und Reisen – und der Workation – als Verweilen an einem Ort – unterschieden. Diese Unterscheidung lässt sich natürlich machen, einen wirklichen Mehrwert bietet sie nicht, da natürlich auch bei Arbeit & Urlaub das Reisen erlaubt ist.

Es gibt eine ganze Reihe von Organisationen wie TUI Magic Life, [work anywhere] oder Sunny Office, die entsprechende Angebote in ihrem Sortiment haben. Vermutlich wird die Anzahl der Angebote in den nächsten Jahren stark zunehmen.

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