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15 % Solutions

Wissen kompakt: 15 % Solutions ist eine sogenannte Mikrostruktur der Liberating Structures, die Individuen und Teams ermutigt, unmittelbar und innerhalb des eigenen Einflussbereiches ins Handeln zu kommen.

15 % Solutions – jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt

Menschen sind in Arbeits- und Lernsituationen um ein Vielfaches produktiver, wenn sie sich aktiv einbringen, in kleinen Teams zusammenarbeiten und ihre eigene Zukunft mitgestalten können. 15 % Solutions – auf Deutsch: 15 Prozent Lösung – ist eine sogenannte Mikrostruktur der Liberating Structures. Diese adressieren als Interaktionsmuster die aktive Beteiligung von Mitarbeitenden einer Organisation und stellen eine Sammlung von Good Practices zur Verfügung, um Kommunikation und Kollaboration zu fördern.

„Auch eine 100 Kilometer lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt.“ Diese Aussage bringt die Intention von 15 % Solutions auf den Punkt. Es geht darum, größere Veränderungen durch erste kleine Schritte zu initiieren. Es geht darum, ohne Verzögerung und zusätzliche Ressourcen ins Handeln zu kommen. Der Blick richtet sich dabei nicht auf eine 100 % perfekte Gesamtlösung, sondern auf die 15 %, die im individuellen Einflussbereich der Beteiligen liegen. Statt nach Gründen zu suchen, warum ein Projekt oder Vorhaben noch nicht begonnen werden kann, werden unmittelbare und unkomplizierte Aktionen und Tätigkeiten in Angriff genommen, und so im übertragenen Sinne bereits 15 % der Wegstrecke zur Gesamtlösung zurückgelegt.

Der Ursprung von 15 % Solutions

Die Liberating Structures wurden von dem US-Amerikaner Keith McCandless und dem Franzosen Henri Lipmanowicz zusammengetragen. Die Idee von 15 % Solutions geht auf Gareth Morgan und Asaf Zohar von der York University zurück.¹ Morgan und Zohar erkannten, dass viele Unternehmen nach Möglichkeiten zur Umstrukturierung und Neugestaltung ihrer Aktivitäten suchen, um große Veränderungen zu ermöglichen. Da in der gelebten Unternehmensrealität die meisten Quantensprünge schrittweise erfolgen – als Ergebnis von Entscheidungen und Maßnahmen mit großer Hebelwirkung, die ein Unternehmen in eine neue Richtung lenken, sollten Manager die Kunst der Veränderung mit großer Hebelwirkung beherrschen. Sie sollten lernen,

  • sich von Visionen leiten zu lassen und gleichzeitig „machbare“ Initiativen mit großer Wirkung zu identifizieren, die den Status quo in Frage stellen und verändern.
  • wie eine Veränderung auf einer anderen aufbauen und einen sich verstärkenden Effekt erzielen kann.
  • wie sie Gelegenheiten nutzen, die durch zufällige Veränderungen geschaffen werden und zu unerwarteten Durchbrüchen führen können.

Ziel und Mindset von 15 % Solutions

„Wie isst man einen Elefanten?“ – „Stück für Stück“, lautet die passende Antwort auf die Frage, die gerne gestellt wird, wenn ein Vorhaben groß oder schwierig erscheint.

Unabhängig davon, wie klein und vielleicht auch unbedeutend einzelne Schritte, Tätigkeiten oder Aktionen erscheinen mögen, sofern sie zielgerichtet durchgeführt werden, wirken sie in Richtung einer – evtl. auch erst zu einem späteren Zeitpunkt definierten – Gesamtlösung. Bei 15 % Solutions geht es also primär darum, zu handeln, anstatt bspw. auf günstigere Rahmenbedingungen oder Freigaben von Lenkungsausschüssen zu warten.

Indirekt basiert dieser Ansatz auf einem Mindset bzw. einer positiven Grundhaltung, die versucht, Veränderungen zu initiieren. Es geht nicht um die perfekte Lösung, sondern um die ersten Schritte, mit denen evtl. sogar die Voraussetzungen zur Durchführung eines Projekts geschaffen werden. In gewisser Weise ähnelt 15 % Solutions damit der 5-Sekunden-Regel, die einen Impuls verstärkt, um vom Denken ins Handeln zu kommen, bevor Einwände dies verhindern.

Tipps zu 15 % Solutions

Es gibt eine Reihe von Tipps, die bei der Anwendung der Mikrostruktur nützlich sind:

  • Es ist sinnvoll, die Idee der 15 Prozent Lösung gemeinsam und grundsätzlich zu thematisieren. Einerseits geht es darum, sowohl individuell als auch als Team ins Handeln zu kommen, andererseits ergibt es wenig Sinn, wenn alle Beteiligten einfach tun und lassen, was sie für richtig halten.
  • Es ist wichtig zu verstehen, dass kleine Veränderungen große Wirkungen und folglich auch große Veränderungen initiieren können.² Dafür ist der Austausch untereinander ebenfalls wichtig. In der Praxis hat es sich bspw. bewährt, wenn einzelne Teammitglieder ihre persönlichen 15 Prozent Lösungen für ein bestimmtes Thema, Vorhaben oder Projekt kurz benennen bzw. auflisten.
  • Beim Austausch zu den individuellen 15 % Solutions geht es nicht um die gegenseitige Beurteilung oder gar Freigabe von Aktionen, sondern um eine möglicherweise nützliche Synchronisation der Beteiligten.
  • Die Konzentration der Individuen oder des Teams sollte auf die Aspekte gerichtet sein, die im eigenen Einflussbereich liegen. Es ergibt bspw. wenig Sinn, Ausgaben zu tätigen, wenn noch keinerlei Budget für ein Vorhaben existiert. Es ergibt aber Sinn, ungenutzte Kapazitäten oder Ressourcen zu aktivieren, die ansonsten ungenutzt bleiben oder brach liegen.

Und natürlich ist es ratsam, Befugnisse und Handlungsfreiheiten im Auge zu behalten.³

Kritik an der 15 Prozent Lösung

Schnell ins Handeln zu kommen, individuelle Handlungsoptionen zu nutzen, kurzfristig zu realisierende Aufgaben in Angriff zu nehmen – all das klingt vernünftig und klug. Und auch die bewussten Frage nach „Was sind Ihre/Deine 15 Prozent?“ bzw. „Was können wir jetzt ganz konkret tun ohne Genehmigungen, weiteres Budget oder weitere Unterstützung?“ transportierten eine positive Grundeinstellung, in der Dinge einfach angepackt und realisiert werden. Gut so! Dennoch gibt es einige Punkte, die Beteiligte nicht übersehen sollten. Diese Punkte lassen sich auch als Kritik an der Mikrostruktur verstehen:

  • Der Ansatz ersetzt weder die Planung, noch die Definition von Zielen, die Abstimmung von Vorgehensweisen, die Allokation von Ressourcen oder Budgets, die Kommunikation mit Stakeholdern etc. Ins Handeln zu kommen ist positiv, Handlungen finden aber nicht im luftleeren Raum statt. Je nach Kontext kann es sinnvoll sein zu warten, den genauen Projektauftrag, die exakten Anforderungen etc. zu klären.
  • Der Ansatz negiert in Teilen andere Konzepte wie bspw. Opportunitätskosten. Realisert ein Mitarbeitender seine 15 Prozent, kann er währenddessen andere Dinge nicht tun. Dies einfach nach Gefühl zu tun, kann kontraproduktiv sein. Auch aus diesem Grund ergibt die Synchronisation zwischen den Beteiligten / Betroffenen Sinn.
  • In Abhängigkeit von der Organisation können Befugnisse sehr beschränkt oder weitreichend sein. Wer nur über eingeschränkte Befugnisse verfügt, dürfte in der Unternehmenspraxis zurückhaltend sein, diese durch „riskante“ Tätigkeiten zu gefährden. In anderen Worten: 15 % Solutions funktioniert in einer agilen, adaptiven oder evolutionären Organisation, in der bspw. eine gute Fehler- und Feedbackkultur herrscht besonders gut.

In der Praxis der Liberating Structures hat es sich übrigens bewährt, Mikrostrukturen miteinander zu kombinieren. Und auch die Kombination mit agilen Ansätzen wie Retrospektiven, Reviews oder der Entwicklung von Prototypen ist relativ beliebt.

15 % Solutions - jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt

Impuls zum Diskutieren:

Eignet sich der Ansatz auch für externe Dienstleister?

Was macht t2informatik?

Was macht t2informatik? Ein Klick und Sie wissen s.

Hinweise:

[1] Gareth Morgen und Asaf Zohar: Achieving Quantum Change: Icrementally! The Art of High Leverage Change
[2] Gerne wird in diesem Kontext auch der Schmetterlingseffekt erwähnt. Dieser besagt u.a., dass sich eine beliebig kleine Änderung der Anfangsbedingungen eines Systems langfristig auf die Entwicklung des Systems auswirken kann.
[3] Weitere Tipps finden Sie auf der Website der Liberating Structures.

Hier finden Sie ergänzende Informationen aus unserer Rubrik Wissen kompakt:

Wissen kompakt: Was ist die How-Now-Wow-Matrix?

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