Schon sind sie wieder vorbei, die 23. Olympischen Winterspiele. Zwei Wochen lang war die südkoreanische Region Pyeongchang Mittelpunkt der Sportwelt. Es wurde gesprungen und geschossen, gesprintet und getanzt, es wurde angeschoben und gecurlt. Es gab Freudentränen und Tränen der Enttäuschung, Überraschungen und Sensationen. Es gab 18 Tage Sport auf höchstem Niveau. Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was das Thema Wintersport in einem Unternehmensblog zu suchen hat, der sich mit Organisationen und Menschen, Projekten und Software beschäftigt? Eine gute Frage, die ich nachfolgend gerne beantworte. Doch zuvor möchte ich mit Ihnen einen Blick auf den Medaillenspiegel werfen, auf die Erfolge verschiedener Nationen und die Erkenntnisse, die sich daraus ergeben. Wie sieht also der Medaillenspiegel der Olympischen Spiele 2018 aus?

Medaillenspiegel der Olympischen Spiele 2018

Medaillenspiegel der Olympischen Spiele 2018

Finden Sie den Medaillenspiegel aus deutscher Sicht auch großartig? Nach 102 Entscheidungen in Biathlon, Skispringen und Co. belegt Deutschland Platz 2 im Ranking der Sportnationen. 31 Mal waren deutsche Sportler auf den Plätzen eins, zwei oder drei. Die deutschen Teilnehmer sind besser als die der USA oder Kanada, und fast genauso erfolgreich wie die Athleten aus Frankreich, Österreich und der Schweiz zusammen. Ein großer Erfolg. Verglichen mit den 19 Medaillen, die Deutschland bei den letzten Olympischen Spielen in Sotschi gewann, ist das ein sagenhaftes Plus von mehr als 63 Prozent. Die 14 gewonnenen Goldmedaillen sind das beste deutsche Ergebnis aller Zeiten. Glückwunsch an alle deutschen Sieger und Medaillengewinner: Vinzenz Geiger, Fabian Rießle, Eric Frenzel, Johannes Rydzek, Mariama Jamanka, Lisa Buckwitz, Stephan Leyhe, Karl Geiger, Richard Freitag, Andreas Wellinger, Francesco Friedrich, Thorsten Margis, Simon Schempp, Jacqueline Lölling, Tobias Wendl, Tobias Arlt, Nathalie Geisenberger, Johannes Ludwig, Laura Dahlmeier, Aljona Savchenko, Bruno Massot, Toni Eggert, Sascha Benecken, Datjana Eitberger, Katharina Althaus, Benedikt Doll, Selina Jörg, Ramona Theresia Hofmeister, Candy Bauer, Martin Grothkopp, Nico Walther, Kevin Kuske, Alexander Roediger, Eric Franke, Erik Lesser und Arnd Peiffer. Und auch an das großartige Eishockeyteam um Kapitän Christian Ehrhoff und den besten Torhüter des Turniers Danny aus den Birken.

Glückwunsch auch an alle Sportler, die sich mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen einen Traum erfüllen konnten; besonders an Lea Bouard und Katharina Förster, die trotz gestrichener Sportförderung an den Olympischen Winterspielen teilnehmen konnten. Und großer Respekt auch an die Sportler, die nur knapp an den Medaillen vorbei gefahren sind wie bspw. Tatjana Hüfner im Rodeln, Viktoria Rebensburg im Riesenslalom oder Stephanie Schneider und Annika Drazek im Bobfahren. Ich wäre gerne in irgendetwas der Viertbeste in der Welt.

Die Goldmedaille - das Objekt der Begierde.

Die Goldmedaille – das Objekt der Begierde.

Die Sicht der Dinge

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass sich das Ranking der Nationen im Medaillenspiegel aus der Anzahl der gewonnenen Goldmedaillen und nicht aus der Gesamtanzahl der gewonnen Medaillen ergibt? Auf den ersten Blick ist das vielleicht nahe liegend, denn final geht es ums Gewinnen und um Goldmedaillen. Daraus ergibt sich, dass der Medaillienspiegel gewichtet wird, denn eine einzelne Goldmedaille wiegt mehr als alle Silbermedaillen zusammen. Gleiches gilt auch für das Verhältnis von Silber- zu Bronzemedaillen. Der Medaillenspiegel wird somit zu einem Goldspiegel. Dies führt dazu, dass Italiens 10 Medaillen höher bewertet werden als Russlands 17 Medaillen oder die drei Medaillen Weißrusslands mehr zählen als die neun Medaillen von China. Wie wäre es, wenn sich ein Ranking einfach aus der Anzahl der gewonnenen Medaillen ergäbe und bei Gleichstand dann das Team mit der meisten Goldmedaillen vorne läge? Das Ranking nach der Anzahl der Medaillen sähe so aus:

Olympischen Spiele 2018 nach der Anzahl der gewonnenen Medaillen

Olympischen Spiele 2018 nach der Anzahl der gewonnenen Medaillen

Wieder liegt Norwegen vor Deutschland, aber die Olympischen Athleten aus Russland schieben sich nach vorne, die Schweden verlieren einige Plätze, China gewinnt, Weißrussland verliert ein wenig, etc.

Mehr Informationen, andere Interpretationen

Wie würde sich das Ranking verändern, wenn zusätzliche Kriterien Beachtung fänden? Beispielsweise könnte die Anzahl der gewonnenen Medaillen in Beziehung mit der Einwohnerzahl eines Landes gestellt werden. Das Ranking sähe so aus:

Medaillenspiegel der Olympischen Spiele im Verhältnis der Einwohneranzahl

Medaillenspiegel der Olympischen Spiele im Verhältnis zur Einwohneranzahl

Der Gedanke hinter einem solchen Vergleich ist einfach: Je mehr Einwohner ein Land hat, desto größer ist seine Chance, sehr erfolgreiche Sportler hervorzubringen. Das stimmt natürlich in gewisser Weise; wer will schon behaupten, dass Liechtenstein mit 37.531 Einwohnern vergleichbare Chancen wie Deutschland hat? Allerdings ist dies zu einfach gedacht, denn dann müsste China mit ca. 1,4 Milliarden Einwohnern immer die besten Chancen haben und sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Indien (ca. 1,3 Milliarden Einwohner) liefern. Die Berücksichtigung der Einwohnerzahl ist also nicht „perfekt“, zumal der Wintersport in Indien praktisch nicht existiert und es auch in China wenige international bekannte Skifahrer gibt. Vielleicht wäre es also besser, einen Bezug zu der Anzahl der Olympia-Teilnehmer pro Nation herzustellen?

Medaillenspiegel der Olympischen Spiele im Verhältnis der Teilnehmeranzahl

Medaillenspiegel der Olympischen Spiele im Verhältnis zur Teilnehmeranzahl

Die Niederlande hatten lediglich 34 Athleten am Start und haben 20 Medaillen gewonnen. Wow, das ist beeindruckend. Allerdings starten von den 34 Sportlern lediglich vier nicht in den Disziplinen Eisschnelllauf oder Shorttrack – der Erfolg ist also auch eine Frage der Konzentration. Schweden hat mit 116 Aktiven 14 Medaillen gewonnen. Damit hält Schweden seinen 7. Platz im ewigen Medaillenspiegel der Olympischen Winterspiele, doch das besondere an Schweden ist die Sportförderung als solche, die den heimischen Breitensport besonders unterstützt und auf eine Medaillenvorgabe verzichtet. Schweden hat seine Anzahl an Goldmedaillen im Vergleich zu Sotschi übrigens mehr als verdreichfacht.

Sie sehen, je mehr Informationen berücksichtigt werden, desto mehr Möglichkeiten der Interpretation gibt es. Leicht könnten weitere Informationen Berücksichtigung finden wie

  • die tatsächliche Anzahl der gewonnenen Medaillen: Auf einmal wäre Kanada sehr weit vorne, denn alleine beim Eishockey der Damen und Herren wurden jeweils 25 Medaillen und damit 50 Medaillen insgesamt übergeben. Bei einer solchen Betrachtung hat Deutschland bspw. nicht „nur“ 31 sondern sagenhafte 78 Medaillen gewonnen (alleine 25 silberne für den 2. Platz beim Eishockey der Herren).
  • die Verteilung auf Disziplinen: Wieder sähe es sehr gut aus für Kanada mit Top-3-Platzierungen in den Sportarten Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Freestyle-Skiing, Rodeln, Bobfahren, Shorttrack, Snowboard und Eishockey.
  • die Anzahl und Verteilung von Top-10-Plätzen – hier spricht man auch vom „fairen Medaillenspiegel“.
  • die Wirtschaftskraft eines Landes.
  • die Förderung durch den Staat durch Subventionen (monetäre Leistungen, Trainingszentren, Anzahl Sportstätten und Trainer, Nachwuchssichtung, Sport-Stipendien, etc.).
  • die Geomorphologie eines Landes und das Klima.
  • die Wintersportaffinität eines Landes.
  • die 15.000 Eier, die Norwegen anstelle der gewünschten 1.500 Eier für ihre 109 Athleten geliefert bekam.
  • die 6.000 Einzelpackungen(!!) an Asthma-Medikamenten, die das norwegische Team mit nach Pyeongchang brachten.

Der Bezug zu Unternehmen

Wo liegt nun der Bezug zu Unternehmen? Natürlich ist ein Vergleich nicht immer einfach, aber wenn Sie sich einen Medaillenspiegel anschauen, dann ist dieser an sich eine Art Report. Er beschreibt eine Situation und stellt eine Ist-Analyse dar. Hintergründe, Zusammenhänge, Motive, Pläne, Ressourcen sind diesem Report nicht zu entnehmen. Die verschiedenen Medaillenspiegel haben sich durch das Anreichern von Informationen und die unterschiedliche Bewertung immer wieder verändert. Bei Ihnen im Unternehmen ist es ähnlich: Sie erhalten Informationen und interpretieren diese. Doch wer überbringt die Informationen? Welches Motiv verfolgt der Überbringer? Wann erfolgt die Informationsvermittlung und in welchem Umfang? Welche ergänzenden Informationen könnten sinnvoll sein? Und sind die Informationen überhaupt korrekt? Glauben Sie einfach einer Aussage, dass alle wichtigen Stakeholder beim Auftraggeber befragt wurden? Woher wissen Sie, dass der Support tatsächlich so kompetent arbeitet, wie es die Werbebroschüre verspricht? Die Beantwortung solcher Fragen ist für Organisationen wichtig, denn sie ist Grundlage für Entscheidungen. Fehlen Informationen, werden Zusammenhänge übersehen, Projekte falsch aufgesetzt und Pläne zu optimistisch geschmiedet. Beim Medaillenspiegel ergibt sich „nur“ ein anderes Ranking, beim beruflichen Miteinander geht es um das Gelingen von Projekten, die gemeinsame Entwicklung von Lösungen, um Gewinne und Arbeitsplätze. Manchmal reicht eine weitere Information, um zu einer grundlegend anderen Bewertung zu gelangen (wie bei der Lichtensteiner Medaille). Denken Sie einfach daran, wenn Sie das nächste Mal einen Blick auf einen Medaillenspiegel werfen.

Gefällt Ihnen dieser Beitrag?

Gefällt Ihnen dieser Beitrag?

Melden Sie sich für unsere News-Updates an und erhalten Sie regelmäßig Tipps von bekannten Autoren direkt in Ihren Posteingang.

Sie haben sich für unsere News-Updates angemeldet. In kürze Erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst wenn Sie darauf geklickt haben, werden wir Ihnen regelmäßig unsere Updates in Ihren Posteingang senden.

Share This