Introvertierte in Brainstormings

Gastbeitrag von | 16.05.2022

Brainstormings sind in Unternehmen und Organisationen sehr beliebt. Leider werden jedoch die meisten nicht optimal durchgeführt. Es gibt viele Punkte zu beachten, die eine kreative Gruppenarbeit ideenreich und freundlich gestalten können, ganz besonders für introvertierte Menschen, die lieber in sich gekehrt in Ruhe arbeiten. Deshalb werden Sie in diesem Blogbeitrag erfahren,

  • warum Sie unbedingt Introvertierte zum Brainstorming einladen sollten.
  • wie Sie ein Brainstorming vorbereiten und durchführen.
  • mit welchen sieben Tipps leise Persönlichkeiten Ideen kreieren.
  • mit welcher Kreativitätsmethode auch introvertierte Teilnehmer zu Wort kommen.

Schauen wir uns erst die schweigsamen Introvertierten im Team an. Warum sind sie, wie sie sind und warum sind sie für jedes Team eine Bereicherung?

Drei Stärken vieler introvertierter Persönlichkeiten

Der Fachbegriff Introversion bezeichnet einen angeborenen Persönlichkeitstyp, der seinen Fokus nach innen und nicht wie bei Extroversion nach außen richtet. Introvertierte Menschen drängeln sich nicht in den Vordergrund, schreien nicht nach Aufmerksamkeit und verhalten sich reserviert. Oft werden sie deshalb als schüchtern wahrgenommen, was sie jedoch nicht sind. Sie achten nur auf ihre Worte.

Introvertierte zählen zu den leisen Menschen, die großartige kreative Ideen entwickeln können. Denn zu ihren Stärken zählen oftmals:

  1. Konzentriertes Beobachten und Zuhören, sodass sie selbst unscheinbare Informationen deutlich wahrnehmen.
  2. Fantasievolles und analytisches Denkvermögen, das ihnen hilft, komplexe Zusammenhänge zu erkennen.
  3. Optimale Lösungsfindung, sogar für höchst komplizierte Probleme.

Mit diesen Fähigkeiten sind sie zu kreativer Höchstleistung fähig, wenn die Bedingungen dafür gegeben sind. Laden Sie deshalb Introvertierte zu Brainstormings ein und lassen Sie sie auch zu Wort kommen.

Wie Introvertierte häufig kreative Ideen generieren

In Ihrem Team gibt es bestimmt einige introvertierte Mitglieder, denn schätzungsweise ist jeder Dritte introvertiert. Wenn wir versuchen, uns in den Prozess der Ideenfindung einer kreativen, introvertierten Person hineinzudenken, dann können wir leicht verstehen, dass introvertierte Menschen

  • Ideen produktiver allein im Stillen generieren,
  • gut überlegen, bevor sie ihre Ideen präsentieren,
  • im Vergleich mit einem verbalen Brainstorming im großen Team ideenmutiger in einem schriftlichen Brainstorming – auch Brainwriting genannt – sind.

Nur weil Introvertierte sich nicht ideenstrotzend in den Mittelpunkt drängen und nicht 100 Ideen auf Knopfdruck aus ihnen heraussprudeln, heißt das nicht, dass sie keine guten Ideen haben. Sie haben sie, und was für welche! Es ist die Aufgabe des Brainstorming-Moderators, diesen kreativen Menschen eine Methode an die Hand zu geben, welche die Ideen aus ihnen herauskitzelt.

TIPP: Unterschätzen Sie niemals eine leise Person. Sie könnte die lautesten Ideen haben.

Wie Sie ideenreiche Gruppen-Brainstormings durchführen

Ein gutes Brainstorming beginnt mit guter Vorbereitung. Bereiten Sie deshalb das Thema mit Hintergrundinformationen idealerweise zwei Wochen vorher schriftlich vor und kommunizieren diese Informationen im Team bspw. mit einer kurzen Präsentation, die Sie per E-Mail verteilen.

Zwei Vorteile bietet diese Vorbereitung:

  • Sie aktivieren die Gehirne der Teilnehmer bereits vor dem Brainstorming, da das Unterbewusstsein bereits vor dem eigentlichen Austausch an der Problemlösung arbeitet. Das erleichtert einerseits den Start in die Brainstorming -Session und liefert andererseits frühzeitig erste gute Ideen.
  • Sie zeigen Respekt gegenüber der kreativen Arbeit und den innovativen Ideen ihrer Mitarbeiter, ganz besonders den Introvertierten. Gleichzeitig ermöglichen Sie eine wertgeschätzte Vorbereitung, da die Introvertierten im Vorfeld Ideen generieren und aufschreiben können. Als Einladender bzw. Moderator ernten Sie häufig Dankbarkeit in Form von effektiven Lösungsvorschlagen.

Es ist wichtig, auf die Gruppenzusammensetzung beim Brainstorming zu achten. Auch wenn es um ein kleines projektbezogenes Brainstorming geht, bei dem ein kleines Team von ca. fünf Leuten ausreicht, achten Sie auf Diversität der Teilnehmer. Versuchen Sie Teammitglieder einzuladen, die unterschiedlich alt, ausgebildet und erfahren sind. Auch die Herkunft und das Geschlecht dürfen unterschiedlich sein. Je vielfältiger das Team, desto vielfältiger sind die Ideen. Allerdings gilt es auch einige grundsätzlichen Aspekte zu verinnerlichen:

  • Brainstorming funktioniert nur dauerhaft, wenn die Teilnehmenden einen respektvollen Umgang miteinander pflegen.
  • Die Teilnehmenden sollten motiviert und wohlwollend an dem Brainstorming teilnehmen.
  • Und es sollte ein gemeinsames Interesse an einer Problemlösung bzw. Ideenfindung bestehen.

Nach meiner persönlichen Erfahrung ergibt es Sinn, einen Zeitpunkt für das Brainstorming festzulegen, der grundsätzlich eine kreative Ideenfindung ermöglicht. Ich bspw. verlange von meinen Teams keine kreative Arbeit am Montagmorgen oder Freitagabend. Interessanterweise ist der produktivste Wochentag häufig der Dienstag und die beste Tageszeit für den Start liegt zwischen 9:00 und 10:00 Uhr.

Ein durchdachter Ablauf ist wesentlich für ein optimales Brainstorming. Geben Sie den Teilnehmern ca. 5 Minuten Zeit, um es sich im Meetingraum bequem zu machen und durchzuatmen. Überfallen Sie sie nicht sofort mit dem Ideensammeln. Das Gehirn braucht Zeit, um zwischen den Aufgaben zu switchen und sich voll und ganz auf etwas Neues zu fokussieren.

Nehmen Sie sich weitere 10 Minuten für diese Schritte:

  • Stellen Sie das Thema mit der Frage, die es zu beantworten gilt, noch einmal vor.
  • Erklären Sie die Regeln und die Methode.
  • Weisen Sie auf alle Hilfsmittel, wie bunte Zettel, Stifte, Pinnwände, … hin.

TIPP: Unterstreichen Sie, dass im Brainstorming alle Ideen gleich gut sind, keine Person ausgelacht werden darf und die Ideenbewertung erst im Anschluss erfolgt. Achten Sie darauf, dass jeder zu Wort kommt.

  • Geben Sie den Teilnehmern 10 Minuten Zeit, um ihre Ideen in aller Ruhe aufzuschreiben, bevor es zum Ideenaustausch in der Gruppe kommt.
  • Sammeln Sie die Ideen der Teilnehmer etwa 30-60 Minuten, aber nicht länger. Dieser leichte Leistungsdruck fördert die Kreativität und die Lösungsfindung in einem Ideensprint. Er zwingt uns unsere Komfortzone zu verlassen.
  • Danach ist eine kleine Kaffeepause von 10 Minuten sinnvoll, damit der Verstand vom Ideengenerieren zum Bewerten übergehen kann, falls Sie die Bewertung in der gleichen Gruppe vornehmen wollen.

Nach dem Ideensprint läuft die Kreativität weiter. So wie es schwierig ist, Ideen auf Knopfdruck zu generieren, so ist es auch schwierig, die Kreativität von einer Minute auf die andere auszuschalten. Bieten Sie deshalb den Ideenfindern an, Einfälle auch noch nach der Bewertung schriftlich einzureichen. Notieren Sie sich diese in einem Ideenpool, da Sie womöglich im Laufe des Projekts auf sie zurückgreifen müssen. Je mehr Ideen sie haben, um so besser. Damit signalisieren Sie Wertschätzung für Ideenreichtum rund um die Uhr und bauen eine Kultur der Kreativität in Ihrem Unternehmen auf.

Sieben Tipps für kreativ Introvertierte

Nicht nur für Menschen mit einer leisen Persönlichkeit können Gruppen-Brainstormings anstrengend werden. Immerhin muss das Gehirn viele Informationen und Reize von außen verarbeiten. Das kann die geistige Leistung, selbst von Extrovertierten, hemmen.

Umso schwieriger wird es für introvertierte Menschen, die für eine Teamarbeit mit viel Selbstpräsenz und Kommunikation viel innere Energie aufwenden müssen. Situationen, in denen mehrere Menschen versuchen gleichzeitig zu sprechen ohne einen roten Faden, kann jeden von uns blockieren. Dann haben wir keinen Spaß mehr an der Sache und möchten nur raus aus dem Meetingraum in eine ruhige Umgebung.

Falls Sie zu den Introvertierten gehören und sich in der eben geschilderten Situation wiedererkennen, folgen Sie diesen Tipps, um einen Blackout vorzubeugen und mit Ihren Ideen zu glänzen.

  1. Setzen Sie sich mit dem Thema des Brainstormings im Vorfeld auseinander und schreiben Sie ihre Einfälle dazu auf.
  2. Wenn Sie mögen, können Sie Ihre Ideen auch schon vorab beim Chef oder dem Moderator einreichen. Somit stellen Sie sicher, dass Ihre Ideen in den Ideenpool aufgenommen werden.
  3. Wenn Sie Ihre Einfälle lieber nicht einreichen, sondern im Team präsentieren möchten, teilen Sie das dem Moderator vorab mit.
  4. Schreiben Sie Ihre neuen Ideen während des Brainstormings stichpunktartig auf einen Zettel, sodass sie Ihnen nicht verloren gehen.
  5. Wenn Sie drankommen, sagen Sie ruhig, dass Sie mehrere Ideen vorstellen möchten.
  6. Konzentrieren Sie sich auch im Gruppen-Brainstorming auf Ihre eigenen Ideen.
  7. Sollten Sie nach dem Brainstorming weitere Ideen entwickeln, reichen Sie diese schriftlich ein. Selbst, wenn die Bewertung schon abgeschlossen ist. Die Ideen werden in den Ideenpool aufgenommen und können während des Projekts als Notlösung zum Einsatz kommen.

 

Eine Alternative zu klassischen Brainstormings

Viele Methoden können als Ideenzünder in einem Brainstorming dienen. Dazu zählen z. B. die Kreativitätstechniken SCAMPER oder Perspektivwechsel. Meist wird damit die Ideenfindungen in kleinen Teams mündlich durchgeführt. Eine gute Alternative zu einem mündlichen Brainstorming ist das stille, schriftliche Brainwriting. Die bekannteste Variante ist die 6-3-5-Methode. Der Ablauf ist relativ einfach:

  1. Das Problem wird klar und sichtbar auf einem Flipchart oder einer PowerPoint Folie vorgestellt.
  2. Jeder Teilnehmer schreibt drei Problemlösungen auf ein Blatt Papier, das meistens quer in drei Teile unterteilt wird. Nach einer definierten Zeit reichen die Teilnehmer ihre Blätter im Uhrzeigersinn weiter oder mischen die Blätter und verteilen sie anschließend.
  3. In der nächsten Runde schreibt wieder jeder Teilnehmer drei Ideen auf das Blatt, indem er einige Ideen formuliert oder die vorhandenen Ideen erweitert. Im Anschluss wird das Blatt wieder weitergereicht oder mit den anderen Blättern gemischt. Das Brainwriting geht so lange, bis jeder Teilnehmer jedes Blatt einmal erhalten hat.

Den Namen hat die Methode von den 6 Teilnehmern, den 3 Ideen und den 5 Runden, in denen die Blätter weitergereicht werden. Alle Gedanken zusammengetragen ergeben 6 x 3 x 5 = 90 Ideen.

Folgende Vorteile bietet 6-3-5:

  • Jede Ideen wird schriftlich festgehalten, sodass introvertierte und extrovertierte Menschen gleichermaßen „zu Wort“ kommen..
  • Manche Ideen basieren aufeinander, so dass bereits Mini-Projekte mit einem roten Faden entstehen.
  • Und die Methode lässt sich auch virtuell umsetzen; Teammitglieder könnten also auch standortunabhängig remote an dem Austausch teilnehmen.

Ein Nachteil des Brainwritings im Vergleich zu einem verbalen Brainstorming ist, dass man mit gesprochenen Worten alle Köpfe gleichzeitig erreicht und so schneller neue Ideen entstehen als durch ein sequenzielles Aufschreiben.

TIPP: Brainwriting lässt sich auch wunderbar virtuell durchführen. Dafür müssen Sie lediglich in einem Programm wie Conceptboard z. B. 6 Boards erstellen. Auf „virtuellen gelben Zettelchen“ können die Teilnehmer dann ihre 3 Ideen nebeneinander pinnen und zum nächsten Board wechseln.

Probieren Sie es einfach beim nächsten Mal aus und nutzen Sie auch die Ideen von stillen Persönlichkeiten. Es lohnt sich bestimmt!

 

Hinweise:

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Katharina Boguslawski
Katharina Boguslawski

Katharina Boguslawski ist Physikerin, Trainerin für technische Kreativität und Präsentationen und Autorin. Sie begleitet Unternehmen von der Ideenentstehung im Brainstorming über die Ideenpräsentation bis hin zu ihrer Umsetzung.  

Sie lebt mit Ihrer Familie in Trier, glaubt an die Inspiration in einer Tasse Tee und liebt es morgens zu einem fröhlichen Lied aus dem Bett zu tanzen.