Serious Games
Inhaltsverzeichnis: Definition – Sinn und Zweck – Einsatzbereiche – Tipps – Fragen aus der Praxis – Hinweise
Serious Games – spielerisch Lernen und Wissen vermitteln
Lernen ist ein zentraler Bestandteil jeder Organisation, sei es zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter, zur Weiterbildung oder zur Anpassung an neue Technologien und Märkte. Doch trotz umfangreicher Schulungs- und Weiterbildungsangebote stoßen Unternehmen immer wieder auf Schwierigkeiten, die den Lernprozess ineffizient machen. Ein innovativer Lösungsansatz, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut, sind sogenannte Serious Games. [1] Sie verbinden spielerische Elemente mit Lernzielen und bieten neue Möglichkeiten, die typischen Herausforderungen des Lernens in Organisationen zu überwinden.
Serious Games gehen über herkömmliche Trainingsmethoden hinaus, indem sie interaktive und motivierende Lernumgebungen schaffen. Sie bieten nicht nur eine unterhaltsame Art des Wissenserwerbs, sondern auch einen nachhaltigen Ansatz zur Verbesserung der Lernkultur in Unternehmen.
Sinn und Zweck von Serious Games
Lernen in Organisationen ist oft eine Herausforderung, da verschiedene Probleme die Wirksamkeit von Weiterbildungsmaßnahmen beeinträchtigen. Ein zentrales Hindernis ist die geringe Motivation der Lernenden. Viele Beschäftigte empfinden Schulungen als lästige Pflichtveranstaltung, die wenig mit ihrer täglichen Arbeit zu tun hat. Ohne intrinsische Motivation fällt es schwer, neue Inhalte nachhaltig zu verinnerlichen.
Häufig fehlt auch der direkte Bezug zwischen Trainingsinhalten und praktischer Anwendung. Traditionelle Weiterbildungsformate konzentrieren sich oft zu stark auf theoretische Konzepte, was es den Teilnehmern erschwert, das Gelernte sinnvoll in ihren Arbeitskontext zu übertragen. Hinzu kommt, dass zu viele Informationen in kurzer Zeit schnell zu einer kognitiven Überforderung führen. Dies hat zur Folge, dass Lerninhalte nicht langfristig behalten werden und Trainings ihr Ziel verfehlen.
Darüber hinaus behindert ein Mangel an Interaktivität und Feedback den Lernprozess. Klassische Frontalvorträge oder unpersönliche E-Learning-Kurse bieten kaum Möglichkeiten zur aktiven Auseinandersetzung mit den Inhalten. Ohne unmittelbares Feedback bleibt unklar, ob das Wissen richtig verstanden und angewendet wird. Zudem stehen viele Unternehmen unter erheblichem Zeit- und Kostendruck. Weiterbildung bindet Ressourcen, die häufig als produktivitätshemmend empfunden werden – insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen, die regelmäßige Weiterbildungsmaßnahmen oft nur schwer umsetzen können.
Ein vielversprechender Ansatz, diesen Herausforderungen zu begegnen, sind Serious Games. Diese spielerischen Lernformate verbinden didaktische Konzepte mit interaktiven Elementen und sorgen für ein nachhaltiges und motivierendes Lernerlebnis. Gamification-Mechanismen wie Belohnungssysteme, Herausforderungen und Wettbewerbe steigern die Lernmotivation erheblich. Die Spieler werden aktiv in den Lernprozess eingebunden und entwickeln durch die interaktive Gestaltung ein tieferes Interesse an den Inhalten.
Darüber hinaus bieten Serious Games praxisnahe Szenarien und Simulationen, in denen theoretisches Wissen direkt angewendet werden kann. Dies erleichtert den Transfer in den Arbeitsalltag und stärkt das Verständnis für praktische Herausforderungen. Ein weiterer Vorteil ist das Lernen durch Wiederholung und Fehler. Da die Spieler in einer sicheren Umgebung experimentieren können, lernen sie aus Fehlern ohne negative Konsequenzen und festigen ihr Wissen durch wiederholtes Üben.
Ein wesentlicher Aspekt von Serious Games ist das direkte Feedback. Die Nutzer erhalten unmittelbare Rückmeldungen zu ihren Entscheidungen und Handlungen, was das Lernen effektiver und nachhaltiger macht. Gleichzeitig bieten digitale Serious Games ein hohes Maß an Flexibilität und Kosteneffizienz. Da sie orts- und zeitunabhängig eingesetzt werden können, senken sie langfristig die Weiterbildungskosten und ermöglichen es den Mitarbeitern, ihre Lernzeiten individuell zu gestalten.
Durch den gezielten Einsatz von Serious Games können Unternehmen typische Probleme des Lernens in Organisationen überwinden. Sie fördern die Motivation der Lernenden, erhöhen die Praxisrelevanz der Inhalte, vermeiden kognitive Überforderung und bieten interaktives Lernen mit direktem Feedback. Damit stellen sie eine zukunftsweisende Lösung für die betriebliche Weiterbildung dar.
Einsatzbereiche von Serious Games
Serious Games werden in verschiedenen Bereichen eingesetzt und bieten innovative Lernmethoden für unterschiedliche Zielgruppen. In Unternehmen werden sie für Mitarbeiterschulungen, Change Management Prozesse und Führungskräfteentwicklung eingesetzt. Im Bildungsbereich helfen sie Schülern und Studierenden, komplexe Inhalte spielerisch zu erfassen. In der Medizin unterstützen sie die Ausbildung von Fachpersonal durch realitätsnahe Simulationen. Auch in der Sicherheitsausbildung und im Katastrophenschutz werden sie eingesetzt, um das Verhalten in kritischen Situationen zu trainieren.
Grundsätzlich lassen sich zwei wesentliche Arten unterscheiden:
- Digitale Serious Games: Computerspiele, Virtual-Reality- und Augmented-Reality-Anwendungen ermöglichen interaktives Lernen in virtuellen Umgebungen. Sie werden vor allem in der Medizin, beim Militär und in der betrieblichen Weiterbildung eingesetzt.
- Analoge Serious Games: Dazu gehören zum einen Brett- und Rollenspiele, die strategisches Denken und Entscheidungsfindung fördern, und zum anderen physische Ansätze wie bspw. LEGO Serious Play. [2]
Ein bekanntes Beispiel ist Foldit, ein Spiel aus dem Bereich Wissenschaft und Forschung. Hier lösen die Spieler komplexe Puzzles, die tatsächlich zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn beitragen. Foldit verbindet so spielerische Elemente mit realen Forschungsergebnissen. [3]
Im Gesundheitsbereich ist Pulse!! – eine medizinische Simulation für Ärzte und Pflegepersonal – verbreitet. Es ermöglicht das Training von Notfallsituationen in einer risikofreien Umgebung und verbessert so die Handlungskompetenz von medizinischem Fachpersonal. [4]
Auch im militärischen Bereich werden Serious Games eingesetzt. Ein Beispiel ist Virtual Battlespace, eine militärische Simulation, die Soldaten auf taktische und strategische Einsätze vorbereitet. Hier können realistische Szenarien nachgestellt und analysiert werden, um Entscheidungsprozesse und Teamkoordination zu optimieren. [5]
Durch die Vielseitigkeit von Serious Games können Lernprozesse in den unterschiedlichsten Bereichen nachhaltig verbessert und effizienter gestaltet werden. Die Kombination aus interaktiven Elementen, Praxisbezug und direktem Feedback macht sie zu einem wertvollen Instrument in der modernen Aus- und Weiterbildung.
Tipps für den erfolgreichen Einsatz von Serious Games
Serious Games sind ein effektives Lernwerkzeug, aber ihr Erfolg hängt von einer durchdachten Umsetzung ab. Damit sie ihr volles Potenzial entfalten können, sollten einige Aspekte beachtet werden:
- Definieren Sie im Vorfeld die Zielgruppe und die Lernziele. Legen Sie fest, wer was wie lernen soll. Eine klare Zielsetzung verhindert, dass Serious Games zur reinen Unterhaltung ohne echten Mehrwert werden.
- Beziehen Sie die Lernenden aktiv in die Gestaltung ein. Wenn die Nutzer mitentscheiden können, welche Szenarien bearbeitet werden, steigt die Identifikation mit den Inhalten und der Lernerfolg.
- Achten Sie auf Praxisnähe. Inhalte sollten direkt auf den Alltag der Nutzer übertragbar sein, z.B. durch realistische Szenarien oder Fallstudien.
- Interaktion und Entscheidungsfreiheit fördern. Menschen lernen besser, wenn sie aktiv in den Prozess eingebunden sind. Entscheidungsfreiheit und erkennbare Konsequenzen verstärken den Lerneffekt.
- Vermeiden Sie Perfektion und konzentrieren Sie sich auf den Mehrwert. Ein Serious Game muss nicht hochkomplex sein. Oft sind einfache Mechanismen effektiver, solange sie den Lerntransfer unterstützen.
- Lassen Sie Fehler als Teil des Lernprozesses zu. Das Spiel sollte bewusst Möglichkeiten bieten, aus Fehlern zu lernen, anstatt starre Regeln oder Strafen einzuführen.
- Schaffen Sie Möglichkeiten zur Reflexion. Nach dem Spiel sollte Raum für Austausch und Reflexion sein, um das Gelernte nachhaltig zu verankern.
- Integrieren Sie Serious Games in bestehende Lernkonzepte. Der größte Lerneffekt wird erzielt, wenn sie nicht isoliert eingesetzt, sondern in eine umfassende Bildungsstrategie eingebettet werden.
Mit diesen Ansätzen können Serious Games optimal in den Lernprozess integriert und nachhaltig wirksam gemacht werden.
Fragen aus der Praxis
Hier finden Sie einige Fragen und Antworten aus der Praxis:
Was sind Vorteile und Nachteile von Serious Games?
- Sie ermöglichen das Training emotionaler Intelligenz, indem sie die Spieler in moralische Dilemmas oder soziale Interaktionen verwickeln, die Empathie, Mitgefühl und emotionale Kontrolle fördern.
- Durch die bewusste Integration von Fehlern und unvorhergesehenen Ereignissen lernen die Spieler, mit Frustration und Rückschlägen umzugehen, was ihre Resilienz im realen Leben erhöhen kann.
- Sie können unbewusste Denkmuster und Vorurteile aufdecken, indem sie Situationen simulieren, in denen sich die Spieler unvoreingenommen mit Problemen auseinandersetzen müssen.
- Komplexe Themen, die schwer zu visualisieren oder zu verstehen sind (z.B. Klimawandel, soziale Dynamiken oder psychologische Mechanismen), können durch interaktive Szenarien und Modellierungen erfahrbar gemacht werden.
- Durch die Möglichkeit, radikale Ideen oder alternative Denkweisen in einem geschützten Raum auszuprobieren, bieten Serious Games eine Plattform für Innovation und kreatives Problemlösen.
- Sie helfen, langfristiges Denken zu entwickeln, indem sie die Konsequenzen von Entscheidungen über längere Zeiträume spielerisch simulieren – ein Ansatz, der sich besonders für die politische oder ökonomische Bildung eignet.
- Durch die wiederholte Konfrontation mit einer Herausforderung kann der Spieler eine tiefere Form der Intuition entwickeln, z.B. für komplexe Systeme oder strategische Entscheidungen.
- Durch gezielte Manipulation der Umgebung und der Regeln können sie als „Anti-Pattern Experience“ genutzt werden, indem bewusst schlechte Strukturen oder Fehlentscheidungen simuliert werden, um deren Konsequenzen erfahrbar zu machen.
- Sie ermöglichen eine spielerische Konfrontation mit Ängsten, z. B. in therapeutischen Anwendungen, indem sich die Nutzer in einer kontrollierten Umgebung schrittweise mit belastenden Situationen auseinandersetzen.
- In bestimmten Berufsfeldern wie der Cybersicherheit oder der Medizin ermöglichen sie die Entwicklung einer „reflexartigen“ Reaktionsfähigkeit in kritischen Situationen, indem Stresssituationen realistisch nachgestellt und automatisierte Verhaltensmuster trainiert werden.
Doch trotz dieser tiefgreifenden Vorteile gibt es auch Nachteile, die oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind.
- Durch die spieltypische Mechanik von Belohnungssystemen kann es zu einer Überbetonung der extrinsischen Motivation kommen, wodurch die intrinsische Motivation (also das Interesse an der Sache selbst) verdrängt wird.
- Insbesondere bei langfristiger Nutzung kann sich eine ungesunde Feedbackschleife entwickeln, in der Spieler nur noch für Punkte oder Auszeichnungen lernen und nicht mehr aus echtem Interesse.
- Spiele sind oft auf bestimmte Denkmuster und Lösungswege ausgelegt, was dazu führen kann, dass Nutzer unbewusst eingeschränkt werden und alternative Denkansätze übersehen.
- In narrativen Serious Games kann eine zu stark vorgegebene Geschichte den explorativen oder kritischen Denkprozess hemmen, wenn die Spieler nur in einem engen Rahmen agieren dürfen.
- Wenn sie nicht sorgfältig konzipiert sind, können Serious Games unbeabsichtigt falsche oder verzerrte Modelle der Realität vermitteln und damit Desinformation statt Wissen fördern.
- Es besteht die Gefahr, dass sich Menschen in einer virtuellen Simulation sicher fühlen und eine falsche Selbstüberschätzung entwickeln, die in realen Situationen (z.B. in der Medizin oder im Krisenmanagement) fatale Folgen haben kann.
- Die emotionale Intensität mancher Serious Games kann unbeabsichtigt psychischen Stress oder negative Gefühle verstärken, insbesondere wenn sie reale Krisensituationen oder ethische Konflikte simulieren.
- Manche Spiele nutzen Schemata aus der Unterhaltungsindustrie, um attraktiv zu sein, was jedoch die Ernsthaftigkeit des Themas verwässern und dazu führen kann, dass sich die Spieler nicht ausreichend mit dem Inhalt auseinandersetzen.
- Gerade in Organisationen oder Unternehmen kann es problematisch sein, wenn Serious Games als „Pflichtaufgabe“ und nicht als echter Mehrwert für die Weiterbildung wahrgenommen werden.
- Je interaktiver und realistischer ein Spiel wird, desto größer ist die Gefahr, dass Manipulation oder gezielte Verhaltensbeeinflussung, z.B. durch unterschwellige Designentscheidungen oder bewusste Steuerung des Spielerlebnisses, von den Nutzern nicht mehr als solche erkannt werden.
Fazit: Serious Games sind ein mächtiges Werkzeug, das weit über die klassische Bildung hinausgeht. Sie bieten einzigartige Möglichkeiten zur Förderung emotionaler Intelligenz, intuitiven Denkens und realitätsnaher Entscheidungsfindung. Gleichzeitig bergen sie aber auch versteckte Risiken, insbesondere wenn sie unbewusst Verhaltensmuster manipulieren, Denkprozesse einschränken oder falsche Realitätsmodelle vermitteln. Eine bewusste und kritische Gestaltung und Reflexion ihres Einsatzes ist daher unerlässlich.
Was ist der Unterschied zwischen Serious Games und Gamification?
Die Begriffe Serious Games und Gamification werden manchmal synonym verwendet, doch es gibt wesentliche Unterschiede. Gamification bezeichnet die Integration spieltypischer Elemente in einen nicht spielerischen Kontext, ohne dass ein vollständiges Spiel entsteht. Typische Beispiele für Gamification-Elemente sind Punktesysteme, Ranglisten, Badges, Fortschrittsbalken oder Herausforderungen. Diese Mechanismen werden häufig in digitalen Lernplattformen, Unternehmensschulungen oder Apps eingesetzt, um das Engagement der Nutzer zu erhöhen.
Serious Games hingegen sind eigenständige, vollständige Spiele, die mit einer gezielten Lern- oder Trainingsabsicht entwickelt wurden. Sie bieten eine narrative Struktur oder klare Aufgabenstellungen und verbinden Unterhaltung mit der Vermittlung von Wissen oder Kompetenzen. Während Gamification darauf abzielt, bestehende Prozesse durch spielerische Elemente attraktiver zu gestalten, zielen Serious Games darauf ab, nachhaltiges Lernen durch aktives Erleben und Handeln zu ermöglichen.
Fazit: Gamification erweitert ein bestehendes System um spielerische Elemente, während Serious Games von Grund auf als Spiel konzipiert sind, um Lernziele zu erreichen. Beide Methoden können sich ergänzen, grenzen sich aber in ihrer Funktionsweise und Zielsetzung klar voneinander ab.
Wie werden Serious Games von der Zielgruppe akzeptiert und wahrgenommen?
Die Akzeptanz von Serious Games hängt stark von der Gestaltung, dem Nutzen und der Zielgruppe ab. Sie werden dann positiv wahrgenommen, wenn sie einen klaren Mehrwert bieten. Eine gute Balance zwischen Spielspaß und Wissensvermittlung ist entscheidend, da ein zu starker Fokus auf den Lernaspekt abschreckend wirken kann. Gamifizierte Elemente wie Belohnungen oder Storytelling steigern die Motivation.
Wichtig sind auch eine intuitive Bedienung und ein ansprechendes Design, da technische Hürden die Akzeptanz senken. Jüngere, digital affine Nutzer nehmen Serious Games oft besser an als ältere Generationen, die eine einfache Benutzerführung bevorzugen. Auch der Kontext spielt eine Rolle: In Unternehmen kann Skepsis herrschen, wenn der Nutzen nicht klar ersichtlich ist, während Schüler und Studierende Serious Games als willkommene Abwechslung zum klassischen Unterricht sehen. Im Gesundheitsbereich werden sie oft geschätzt, wenn sie die Therapie unterstützen.
Studien zeigen, dass Serious Games vor allem dann positiv wahrgenommen werden, wenn die Lernziele klar sind, der Lernfortschritt sichtbar ist und motivierendes Feedback gegeben wird. [6] Insgesamt hängt die Akzeptanz von der Qualität des Spiels, der Zielgruppe und dem Anwendungsbereich ab – ein durchdachtes Design mit erkennbarem Nutzen erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit.
Wie gelingt eine gute Balance zwischen Unterhaltung und Wissensvermittlung?
Eine gute Balance zwischen Unterhaltung und Wissensvermittlung in Serious Games gelingt, wenn Lerninhalte nahtlos in die Spielmechanik integriert werden. Wissen soll nicht nur passiv vermittelt, sondern durch interaktive Herausforderungen erlebbar gemacht werden. Spiele, die physikalische Experimente simulieren oder wirtschaftliche Zusammenhänge durch strategische Entscheidungen erfahrbar machen, steigern die Motivation und den Lerneffekt. Entscheidend ist, dass der Lernprozess aktiv gestaltet wird – durch spannende Rätsel, Belohnungssysteme oder packendes Storytelling.
Klare Ziele und direktes Feedback helfen den Spielenden, ihre Fortschritte zu erkennen und motiviert zu bleiben. Gleichzeitig darf das Spiel nicht überfordern: Abgestufte Schwierigkeitsgrade, intuitive Erklärungen und spielerische Tutorials sorgen für eine angenehme Lernkurve. Storytelling und Emotionen spielen eine Schlüsselrolle, da sie Lerninhalte greifbarer machen und das Erinnern erleichtern. Identifiziert sich der Spieler mit Charakteren oder Szenarien, bleibt das Wissen nachhaltiger im Gedächtnis.
Individuelle Anpassungsmöglichkeiten wie adaptive Schwierigkeitsgrade oder personalisierte Lernwege erhöhen die Langzeitmotivation. Entscheidend ist, dass das Lernen nicht als Pflicht erscheint, sondern sich organisch aus dem Spielgeschehen ergibt. Ein gelungenes Serious Game fühlt sich nicht wie Unterricht an, sondern wie ein spannendes Erlebnis, das Wissen ganz nebenbei vermittelt.
Welche Hürden sollten bei Digitale Serious Games beachtet werden?
Bei der Anwendung von Serious Games müssen verschiedene technische Hürden beachtet werden, um eine reibungslose Nutzung und hohe Akzeptanz zu gewährleisten. Eine der größten Herausforderungen ist die Plattform-Kompatibilität. Spiele sollten idealerweise auf verschiedenen Endgeräten wie PCs, Tablets und Smartphones laufen, um eine breite Zielgruppe zu erreichen. Gerade in Unternehmen oder Bildungseinrichtungen sind oft ältere Systeme im Einsatz, die nicht alle modernen Technologien unterstützen.
Ein häufiges Problem ist die Performance und Stabilität. Ruckelnde Animationen, lange Ladezeiten oder Abstürze können das Nutzererlebnis stark beeinträchtigen und vom eigentlichen Lerninhalt ablenken. Eine optimierte Programmierung ist daher unerlässlich, insbesondere wenn das Spiel auf ressourcenintensiven Technologien wie Virtual Reality (VR) oder Augmented Reality (AR) basiert.
Auch Usability und Accessibility spielen eine wichtige Rolle. Eine komplexe Benutzeroberfläche oder eine unübersichtliche Steuerung können gerade bei weniger technikaffinen Nutzern zu Frustration führen. Intuitive Navigation, klare Anweisungen und eine einfache Benutzerführung sind daher unerlässlich. Darüber hinaus sollte das Spiel auch für Menschen mit Einschränkungen zugänglich sein, etwa durch Screenreader-Kompatibilität, Untertitel oder alternative Eingabemethoden.
Eine weitere Hürde stellt die Daten- und Netzwerkanbindung dar. Viele Serious Games setzen auf Online-Funktionen wie Multiplayer-Interaktionen oder cloudbasiertes Speichern. Wenn jedoch eine stabile Internetverbindung erforderlich ist, kann dies in Schulen oder Unternehmen mit strengen IT-Richtlinien problematisch sein. Offline-Modi oder Hybridlösungen sind hier sinnvolle Alternativen.
Schließlich ist die Datensicherheit ein zentraler Aspekt, insbesondere wenn personenbezogene Daten erhoben werden. Gerade im Gesundheits- oder Unternehmensbereich sind strenge Datenschutzrichtlinien einzuhalten, die zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie Verschlüsselung oder Zugriffsbeschränkungen erfordern.
Insgesamt erfordert die technische Umsetzung von Digitale Serious Games eine durchdachte Planung, um sowohl die Performance als auch die Benutzerfreundlichkeit zu gewährleisten. Nur wenn das Spiel reibungslos funktioniert, kann es seine Lernziele effektiv erreichen.
Wie kann der Lernerfolg eines Spiels gemessen werden?
Der Lernerfolg eines Serious Games kann mit verschiedenen Methoden gemessen werden, die sowohl die direkte Interaktion des Spielers als auch den langfristigen Wissenszuwachs erfassen. Einer der gängigsten Ansätze ist die In-Game-Analyse, bei der das Spiel Daten über den Spielfortschritt, erreichte Level oder gelöste Aufgaben speichert. Durch die Analyse dieser Daten können Rückschlüsse auf das Verständnis und die Anwendung des Gelernten gezogen werden.
Zusätzlich bieten Wissensabfragen vor und nach dem Spiel eine Möglichkeit, den Lernfortschritt objektiv zu messen. Dabei werden Quizfragen oder Tests eingesetzt, um Veränderungen im Wissensstand zu dokumentieren. Ein weiteres Instrument sind spielerische Kompetenztests, bei denen der Nutzer die gelernten Inhalte direkt im Spiel anwenden muss, z.B. durch Simulationen oder praxisnahe Entscheidungen.
Auch eine Langzeitbeobachtung des Wissenszuwachses ist sinnvoll, um zu überprüfen, ob das Gelernte auch langfristig behalten wird. Dies kann durch spätere Tests oder praktische Anwendungen außerhalb des Spiels geschehen. In Bildungseinrichtungen und Unternehmen werden auch Feedback-Fragebögen eingesetzt, um die subjektive Einschätzung der Spieler zu erfassen.
Neben quantitativen Methoden kann auch eine qualitative Evaluation durch Beobachtung oder Interviews durchgeführt werden. Dabei wird untersucht, wie sich das Verhalten der Spieler verändert und ob sie das Gelernte in realen Situationen anwenden können.
Um den Lernerfolg möglichst genau zu erfassen, ist oft eine Kombination mehrerer Methoden sinnvoll. Während In-Game-Daten einen direkten Einblick in das Spielerlebnis geben, helfen externe Tests und Befragungen, den tatsächlichen Wissenstransfer in den Alltag zu erfassen.
Impuls zum Diskutieren:
Was können Organisationen tun, damit Serious Games nicht als einmaliges Experiment wahrgenommen werden?
Hinweise:
[1] Der Begriff wurde erstmals 1970 von Clark C. Abt, einem Politikwissenschaftler und Spieleentwickler, in seinem Buch „Serious Games“ erwähnt. Abt beschrieb darin den Einsatz von Spielen zu Bildungs- und Trainingszwecken.
[2] LEGO Serious Play
[3] Foldit
[4] Pulse!!
[5] Virtual Battlespace
[6] game: Fokus Serious Games
Hier finden Sie einen tollen Podcast: The Serious Games Podcast
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