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Fertigstellungsgrad

Das Verhältnis der erbrachten zur geplanten Gesamtleistung

Der Fertigstellungsgrad ist ein Fortschrittsindikator und bestimmt für einen Vorgang, ein Arbeitspaket oder ein Projekt das Verhältnis der erbrachten Leistung zur geplanten Gesamtleistung. Als prozentuale Angabe drückt er aus, wie groß der Teil an einer vereinbarten Gesamtleistung ist, der bereits erbracht wurde. Meist wird der Fertigstellungsgrad mit einem der folgenden Ansätze zu einem Stichtag ermittelt:

  • Die erbrachte Leistung wird durch den verantwortlichen Mitararbeiter persönlich geschätzt. Diese Form der Bestimmung des Fertigstellungsgrads erscheint naheliegend, doch sie ist subjektiv und kann je nach Mitarbeiter in der Tendenz immer zu pessimistisch oder zu optimistisch ausfallen. Darüber hinaus droht auch die Gefahr des sogenannten 90%-Syndroms bzw. der 90-90 Regel. In der Konsequenz erfordert die persönliche Schätzung häufig eine zusätzliche Anpassung/Korrektur durch eine Instanz wie den Projektleiter.
  • Die 0/100-Methode geht davon aus, dass ein Arbeitspaket unabhängig vom tatsächlich Fortschritt solange mit 0 Prozent deklariert wird, bis es tatsächlich fertig gestellt wird. Diese Schätzung gilt als konservativ und sicher, sagt aber über den tatsächlichen Fertigstellungsgrad nichts aus.
  • Die 20/80-Methode und die 50/50-Methode mildern das Prinzip der 0/100 Methode ab und deklarieren mit Beginn einer Tätigkeit den Fertigstellungsgrad solange mit 20% bzw. 50% bist das Arbeitspaket tatsächlich fertig gestellt wird. Auch hier ist die Aussagekraft begrenzt.
  • Die Schätzung in Abstufungen wie bspw. 0%, 10%, 25%, 50%, 75%, 90% und 100% bei gleichzeitiger Definition von Kriterien, die zur Einordnung gemeinsam verabredet werden. Ein solches Vorgehen versucht die Bestimmung des Fertigstellungsgrad zu objektivieren. Gleichzeitig ist sie deutlich exakter als eine der drei 0/100-, 20/80- oder 50/50-Methoden. Allerdings ist die Vorbereitung und die Abstimmung des Vorgehens verhältnismäßig aufwendig.

Manchmal liest man auch von einem „relativen“ und einem „absoluten“ Fertigstellungsgrad. Bezieht sich die erbrachte Leitung auf ein konkretes Arbeitspaket wird dies als „relativer Fertigstellungsgrad“ bezeichnet; im Gegensatz dazu bezieht sich der „absolute Fertigstellungsgrad“ auf die Summe des Zeitaufwands der insgesamt abgeschlossenen Arbeitspakete im Verhältnis zum Zeitaufwand aller Arbeitspakete.

Grundsätzlich ist der Fertigstellungsgrad immer eine Momentaufnahme. Eine neue Schätzung zu einem späteren Zeitpunkt ergibt in der Regel einen geänderten, höheren Wert. In der Praxis kann es aber auch vorkommen, dass der Fertigstellungsgrad sinkt, bspw. wenn entwickelte Lösungen nicht wie erwartet funktionieren oder die Fertigstellung von Arbeitspaketen länger dauert als zunächst angekommen. Als Ergänzung oder als Alternative bestimmen Organisation daher oftmals auch Restaufwände.

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