Duales Studium Informatik – Ein Gespräch ein Jahr danach

von | 14.11.2020 | Softwareentwicklung | 0 Kommentare

Gemeinsam mit der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin bietet t2informatik im Rahmen eines dreijährigen dualen Studiums Ausbildungsplätze in der Fachrichtung Informatik an. Was erwartet die Studierenden während der Theoriephasen an der Hochschule, die sich mit Praxisphasen im Unternehmen abwechseln? Wie erfolgt die praktische Betreuung und wie wichtig ist der Arbeitgeber für ein erfolgreiches Studium?

Ein Gespräch zwischen Isabelle Reinhard, die Ihr duales Studium vor einem Jahr erfolgreich abgeschlossen hat, und Michael Schenkel, Leiter Marketing bei t2informatik. 

Der Übergang vom Studium in den Beruf

Michael: Hallo Isabelle, nach deinem dualen Studium bist du jetzt ein Jahr bei uns als Softwareentwicklerin tätig. Wie war das Jahr für dich?

Isabelle: Hallo Michael, ich hatte ein wirklich schönes erstes Arbeitsjahr. Ich hatte das Glück gerade zum Beginn eines neues Projekts in ein Team zu kommen, und konnte so die Produktentwicklung und den Aufbau der Software-Architektur von Anfang an miterleben.

Michael: Was machst Du in dem Projekt?

Isabelle: Ich arbeite als Frontend-Entwicklerin mit Angular. Die Arbeit mit Angular ist für mich besonders interessant, weil es ein modernes und sehr vielseitiges Entwicklungsframework ist. Die Web-Anwendungen, die wir damit entwickeln, enthalten Frontend-seitig viel Architektur und Logik, sodass es nie langweilig wird.

Michael: Und wie läuft’s?

Isabelle: Sehr gut. Für mich als junge Entwicklerin ist es natürlich gut, dass andere Mitarbeiter in unserem Team sehr viel Erfahrung haben. Bei der Entwicklung gibt es immer wieder neuartige Probleme, für die neue Architekturlösungen gefunden werden müssen. Vor allem durch Code Reviews und Absprachen und den Austausch mit den Kollegen kann ich viel lernen.

Umgekehrt ist es so, dass ich in einem vergleichsweise kleinen Team arbeite, sodass ich auch früh Mitverantwortung für Teilbereiche der Oberfläche unserer Web-Anwendung übernehmen durfte.

Michael: Wie war denn der Übergang vom Studium in das Berufsleben für Dich?

Isabelle: Der Übergang war natürlich durch das duale Studium deutlich fließender und mit weniger Unsicherheit verbunden, als es bei einem Berufseinstieg „von außen“ der Fall gewesen wäre. Ich hatte vorher in den Praxisphasen des Studiums genau die Technologien gelernt, mit denen ich jetzt arbeite und auch einen Einblick in den Arbeitsprozess und die firmeninternen Prioritäten beim Programmieren bekommen. Es war außerdem vorher schon klar, mit welchen Leuten ich arbeiten würde. Ich wusste, dass ich mit allen gut klar komme und der allgemeine Umgangston und die Zusammenarbeit sehr angenehm ist, weil es auch während meiner Studienzeit zahlreiche Treffen mit den anderen Mitarbeitern gab und ich teilweise von ihnen betreut wurde.

Michael: Das ist sicherlich ein großer Vorteil, gerade im Vergleich zu externen Berufseinsteigern, wobei dies natürlich neben unserem Miteinander auch an der Unternehmensgröße liegt. Andere Frage: Wie weit liegen aus Deiner Sicht die Theorie im Studium und die Praxis im Beruf auseinander?

Isabelle: Das hängt davon ab, wie man es betrachtet. Einerseits ist die Theorie im Studium deutlich näher an der Praxis als das in vielen anderen Studiengängen der Fall wäre, und einige der Theoriebereiche sind fundamental wichtig für den Arbeitsalltag. Andererseits ist es trotzdem noch einmal ein riesiger Unterschied zwischen Studientheorie und realem Arbeitsalltag.

Michael: Wieso?

Isabelle: Eine gewisse Diskrepanz ist natürlich zu erwarten, weil ein duales Informatikstudium Raum für verschiedene Berufsbilder lässt – ein großer Anteil der Studierenden arbeitet zwar im Anschluss im Bereich der Softwareentwicklung, aber das ist nicht das explizite Ziel des Studiums und aller ausbildenden Firmen.

Für mich persönlich waren daher vor allem die Softwareentwicklungs- und Projektmanagement-Vorlesungen sehr hilfreich. Die theoretischen Hintergründe in diesen Bereichen sind immer wieder direkt für die praktische Arbeit relevant und es ist auf jeden Fall ein großer Vorteil, diese Grundlagen von vornherein mit praktischem Bezug zu lernen.

Michael: Woran machst Du das fest?

Isabelle: Beispielsweise an der Theorie und Praxis, wie man guten Code schreibt. Natürlich werden den Studierenden die theoretischen Basisregeln beigebracht – also modularen, gut lesbaren und wartbaren Code zu schreiben. Eine tatsächliche Bewertung und Kontrolle von dem Code ist aber nur in wenigen Studienmodulen von zentraler Bedeutung. In studentischen Projekten werden vor allem die sichtbaren Ergebnisse bewertet, in der Firma hingegen helfen gegenseitige Code Reviews bei der Beurteilung, was wirklich gut ist. Ein großer Teil der Ausbildung wird also durch die Firma übernommen. Für mich war das sehr gut, denn dadurch konnte ich viel aus der Praxis lernen.

Ein Blick ins duale Studium der Informatik

Michael: Was hat dir am Studium gut gefallen?

Isabelle: Es war wirklich gut, dass es viele Projekte gab, bei denen man in Gruppenarbeiten verschiedene Technologien ausprobieren und kleine Anwendungen entwickeln konnte. Hierbei wird in dem dualen Informatikstudium an der HWR wirklich viel Mühe und Aufwand betrieben, um den Studierenden die Möglichkeit zu geben, praktische Erfahrung zu sammeln. Für einige der Studienprojekte werden Kooperationen mit echten Kunden organisiert, für die man etwas entwickeln kann. Dabei kann man auf besondere Weise nicht nur Softwareentwicklung, sondern auch Kunden- und Projektmanagement lernen.

Darüber hinaus gab es auch Projekte, die während der Praxisphasen bei t2informatik umgesetzt wurden und bei denen teilweise die Firma das Thema entscheiden konnte. In allen Projekten wurden auch Berichte für das Studium verfasst, was in jedem Fall noch einmal dabei geholfen hat, Themen besser zu reflektieren.

Michael: Hat Dir sonst noch etwas besonders gefallen?

Isabelle: Ich fand es schön, dass man einen Einblick in verschiedene Programmiersprachen bekommen konnte. Wir haben in der Studienzeit Grundlagen in Pascal, Java, C, C++ und Webentwicklung – also HTML, CSS, JavaScript und auch Angular – gelernt, sodass die Hemmschwelle auch einmal in andere Sprachen zu wechseln, deutlich geringer wurde.

Ich fand es auch gut, dass einige Veranstaltungen von externen Dozenten gehalten wurden, die sonst in ihrem jeweiligen Feld arbeiten und dadurch einen besonderen Praxisbezug in ihrem Theorieunterricht vermitteln konnten.

Michael: Das klingt sehr gut. Und was war nicht so gut?

Isabelle: Mir persönlich hat es nicht so gut gefallen, dass der Unterricht in vielen Fächern sehr verschult war. Dadurch, dass ich vorher an einer Universität studiert habe, war ich es gewohnt, dass ich größere Eigenverantwortung für die Gestaltung meiner Zeit hatte und ich mir die Lehrinhalte teilweise selbst – in meinem eigenen Tempo – aneignen konnte. Dies war im dualen Studium nicht möglich, weil es so viele Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht gab und nebenbei wenig Freiraum für eigenständiges Lernen blieb.

Michael: Was ist denn das Problem?

Isabelle: Es gibt unterschiedliche Lerntypen und ich finde es immer schwierig, Dinge aufzunehmen, wenn sie einfach erzählt werden. Ich persönlich habe mehr davon, wenn ich Sachen selbst aufschreiben und umorganisieren kann. Für mich wurde so die Zeit nicht wirklich effektiv genutzt. Ich kann aber natürlich auch den Grund für ein solches Modell verstehen: Ziel ist es, möglichst vielen Personen die wichtigsten Grundlagen zu vermitteln. Und in gewisser Weise stellt die Anwesenheitspflicht auch sicher, dass dies erreicht wird.

Ansonsten hat mich gestört, dass die Anforderungen und Bewertungskriterien in verschiedenen Fächern sehr unterschiedlich sind. Insgesamt überwiegen aber eindeutig die Vorteile und ich bin auf jeden Fall froh, das Studium gemacht zu haben.

Michael: Wie wichtig ist aus Deiner Sicht die Betreuung während der Praxisphasen? Und welche Erfahrungen hast Du dabei gemacht?

Isabelle: Da fast die Hälfte des dualen Studiums im Unternehmen stattfindet, ist die Betreuung natürlich besonders wichtig. Bei t2informatik ist sie wirklich gut und ich sehr zufrieden und froh damit, mich hier beworben zu haben. Bereits der Bewerbungsprozess war sehr positiv. Ich hatte zunächst angerufen und einige Fragen geklärt, bevor ich meine Bewerbung geschickt habe. Das Bewerbungsgespräch war ausführlich und sinnvoll und vor der endgültigen Entscheidung konnte ich ein zweiwöchiges Praktikum machen, in dem ich mit viel Betreuung und Hilfe ein Spiel programmieren durfte, um die Grundlagen einer Programmiersprache zu lernen.

Michael: Und wie war’s im Studium?

Isabelle: Im Studium habe ich immer die Erfahrung gemacht, dass die Auswahl der Aufgaben und Projekte für mich so gewählt waren, dass ich mich dabei weiterentwickeln konnte, ohne überfordert zu sein. Und es gab immer einen Betreuer und Ansprechpartner, der zur Verfügung stand, um den Code, den ich geschrieben hatte, anzuschauen und gemeinsam nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen.

Michael: Du warst ja unsere erste duale Studentin. Hat Dir da nicht etwas gefehlt?

Isabelle: Ja, ich war die erste duale Studentin, es gab also noch keine älteren Studienkollegen, mit denen ich mich austauschen konnte. Und nein, gefehlt hat mir nichts. Es gab immer regelmäßige Treffen mit den Kollegen, bei denen man sich besser kennen lernen konnte und über viele verschiedene Themen gesprochen wurde.

Michael: Unsere monatlichen Firmentreffen und die gemeinsamen Treffen zum Grillen.

Isabelle: Genau. Inzwischen hat sich die Situation für die Studierenden deutlich geändert, denn jedes Jahr fangen hier neue Studierende an. Wir tauschen uns viel aus und und auch für Fragen zu den Studieninhalten finden sich immer Ansprechpartner aus anderen Jahrgängen.

Eine abschließende Beurteilung des dualen Studiums der Informatik

Michael: Du hast einiges über die Zusammenarbeit und das Miteinander bei t2informatik gesagt. Weißt Du denn, wie es  Studierenden in anderen Firmen ergangen ist?

Isabelle: Bei einigen weiß ich, dass sie in ihren Ausbildungsbetrieben geblieben sind, wobei es unterschiedliche Modelle gibt. Manche haben so wie ich direkt mit der Arbeit begonnen ohne konkrete weiterführende Pläne, andere fangen in irgendeiner Form in Kooperation mit ihrer Firma ein Masterstudium an, bspw. halbtags neben dem Studium oder nach einer Studienpause, in der sie erst mehr Arbeitspraxis sammeln. Natürlich gibt es aber auch Studierende, die unabhängig ein Studium begonnen haben oder sich aus verschiedenen Gründen einen anderen Arbeitgeber gesucht haben. Eine Person hat sich sogar selbstständig gemacht und entwickelt eine Android-App.

Michael: Interessant, wie unterschiedlich es nach dem Studium weitergehen kann. Ich habe noch eine letzte Frage: Würdest Du nochmal Informatik im dualen Studium studieren und falls ja, warum?

Isabelle: Ja, auf jeden Fall. Für mich war das die beste Möglichkeit, nach meinem ersten Bachelorstudium noch einmal einen Fachrichtungswechsel machen zu können und in vergleichsweise kurzer Zeit in dem Bereich ausgebildet zu werden, der mich wirklich interessiert, den ich aber erst spät gefunden habe. Das war besonders von Vorteil, weil ich nach meinem ersten Studium, das sehr allgemeinbildend war, wirklich gerne zeitnah konkret und praktisch arbeiten wollte – und genau das war durch dieses Studium möglich.

Hierbei war es aber für mich zentral wichtig, wie das Studium gestaltet ist und bei welchem Arbeitgeber ich arbeite. Ich hatte mich bei anderen dualen Informatik-Studiengängen aufgrund eines anderen Studienmodells, das für mich nicht gut gepasst hätte, gar nicht beworben, obwohl ich die Firmen sehr spannend fand. Umgekehrt würde ich den gleichen Studiengang nicht mit jeder Firma machen wollen, weil das Studienerlebnis stark davon geprägt ist, was man in den Firmenphasen lernt und sich das auch auf die Theoriephasen auswirkt.

Michael: Danke für das Gespräch. Und schön, dass Du bei uns arbeitest!

Isabelle: Danke auch Dir. Und ja, finde ich auch schön!

 

Hinweise:

Wir suchen auch dieses Jahr wieder Duale Studenten (w/m/d) der Informatik:

Duales Studium Berlin - Fachrichtung Informatik
Isabelle Reinhard
Isabelle Reinhard

Junior-Entwicklerin, t2informatik GmbH

Isabelle Reinhard ist bei t2informatik als Junior-Entwicklerin tätig. Sie entwickelt als Teil eines Teams eine innovative Webanwendung und ist eine der primären Ansprechpartnerinnen für unsere aktuellen Studierenden.

Michael Schenkel
Michael Schenkel

Leiter Marketing, t2informatik GmbH

Michael Schenkel ist Diplom-Betriebswirt (BA) und macht Marketing mit Leidenschaft. Er hat eine Urkunde über hervorragende Wandereigenschaften, Odenwaldtour der Klassen 6a/6b, und seit 1984 das Seepferdchen. Gerne bloggt er über Requirements Engineering, Projektmanagement, Stakeholder und Marketing. Und er freut sich ganz sicher, wenn Sie sich mit ihm in der realen Welt auf eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen treffen oder zu einem virtuellen Kennenlernen verabreden.