Die Welt ändert sich. Jetzt. Und jetzt. Jede Sekunde. Für Unternehmen entstehen neue Chancen und Herausforderungen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bieten sich ungeahnte Möglichkeiten zur Partizipation und Gestaltung. Die pure Erfüllung von Arbeitsanweisungen gehört in vielen Unternehmen bereits der Vergangenheit hat. Sie wollen gleichzeitig bessere Arbeitgeber sein und in einem Umfeld bestehen, in dem der Wettbewerb jeden Moment mit einer disruptiven Idee neue Märkte erschaffen und bestehende aus den Angeln heben kann. Hinzu kommen die Berater, Autoren und Influencer, die bei fast jeder Gelegenheit von agiler oder digitaler Transformation fabulieren. Vielleicht leben wir in einem Zeitalter der Transformation, jedoch wirft das zahlreiche Fragen auf: Müssen sich Unternehmen neu erfinden? Wo bleibt der Kunde bei der Transformation? Und was kommt eigentlich nach der Transformation?

Transformation ist Veränderung

Wir werden geboren, lernen die ersten Schritte und Worte, wachsen heran, probieren uns aus, entdecken Werte und Prinzipien, und entwickeln unsere Persönlichkeit. Wir hinterfragen uns, unsere Eltern und unsere Umwelt. Vermutlich ist Ihnen schon klar, worauf ich hinaus möchte: Wir verändern uns. Im Kleinen und im Großen. Unser Umfeld beeinflusst uns und wir beeinflussen es. Veränderungen sind für jeden von uns normal. Sie sind immanent. In der Schule, später im Studium oder im Beruf, in Beziehungen, in Einstellungen und Zielen. Wir initiieren sie bewusst und erfahren sie unbewusst. Wir beschäftigen uns mit ihnen und kommunizieren darüber. Wir versuchen abzunehmen, ächten Glühbirnen und Strohhalme, und gehen mit Kreuzfahrtschiffen auf Reise. Wir stellen unsere Ernährung um, verschmähen unsere CD-Sammlungen wie wir zuvor bereits unsere Schallplatten-Sammlungen verschmäht haben. Das hat natürlich einen guten Grund: Wir können Musik heute für 10 Euro im Monat streamen. Neue Techniken bieten neue Möglichkeiten. Neue Möglichkeiten sorgen für Veränderungen bei Konsum und Einstellung. Wer eine bestimmte Musik hören möchte, muss sie nicht mehr besitzen. Wer ein Auto fahren möchte, muss dieses nicht vorher kaufen. Eigentum wird unwichtiger. Praktisch alles ist im Fluss. Praktisch alles verändert sich. Praktisch alles wird transformiert.

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Transformation ist immer

Transformation von Unternehmen

Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) geht davon aus, dass bis zum Jahr 2025 rund 40 Prozent der heutigen Fortune-500 Unternehmen vom Markt verschwunden sein werden. Gerne wird diese Aussage als Indikator für gescheiterte Unternehmen interpretiert, die sich nicht anpassen können und die Zeichen der Zeit verkennen. Aber können solch allgemeine Urteile überhaupt stimmen? Im Nachhinein sind wir alle schlauer. Im Nachhinein erscheinen viele Aspekte offensichtlich, doch in der Gegenwart ist es oftmals nicht so einfach, Trends, Bedürfnisse oder sich ändernde Märkte zu erkennen. Warum haben die allermeisten Unternehmen mehr evolutionäre als disruptive Ideen? Warum finden Unternehmen keine neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Oder warum setzen Unternehmen auf steigende Nutzerzahlen und erzielen mit diesen dennoch fast nie einen Gewinn? Wer heute solche und ähnliche Fragen für sein Unternehmen richtig beantworten kann, hat unter Umständen gute Chancen, auch 2025 noch am Markt zu sein.

Ähnlich wie jeder von uns, so verändern sich Unternehmen auch. Unternehmen sind soziale Gebilde, die aus Individuen bestehen. Ändert sich die Einstellung eines Individuums, beeinflusst er seine unmittelbare organisatorische Umgebung. Glauben Sie nicht? Kennen Sie Kollegen, die fast alles negativ sehen oder die sich über alles und jeden beschweren? Was macht das mit Ihnen? Beeinflusst Sie das? Und was macht das mit Ihren Kolleginnen und Kollegen? Stellen Sie sich nun anstelle eines Miesepeters einen Sonnenschein vor, der oder die Dinge positiv sieht, wertvolles Feedback gibt und offen für Veränderung ist. Ist das nicht schon mental ein Unterschied? Transformation ist auch ein Prozess der kleinen Schritte. Das Problem dieser Mikro-Transformationen liegt in der mangelnden Sichtbarkeit. Ohne Kommunikation entfaltet die Veränderung nur beschränkte Wirkung. Wer sich also mit einer übergreifenden Transformationen in einer Organisation beschäftigt, sollte stets die Kommunikation darüber im Auge behalten.

Die Transformation und der Kunde

Die Beschäftigung mit Veränderungen ist für Organisationen alltäglich. In den 90er Jahren ging es um Wochenarbeitszeit und um Frühstücks- und Zigarettenpausen. Aufbau- und Ablauforganisationen wurden angepasst und Unternehmen im Zuge von Diversifikationsstrategien erworben. Um die Jahrtausendwende kamen Mitarbeiterbeteiligungen mittels Aktienpaketen als Gehaltsbestandteil, die Definition und Verwendung von Geschäftsprozessen und Vorgehensmodellen, und allmählich die Erreichbarkeit 24/7 und bring-your-own-device in Mode. Heute beschäftigen sich Organisationen mit Unternehmensdemokratie, agiler und digitaler Transformation, New Work, Working out loud, der Bedeutung von Vertrauen, dem Entwickeln einer Fehlerkultur, der Wahl von Vorgesetzten, der gemeinsame Festlegung von Gehältern, der Frauenquote in Führungspositionen oder der agilen Organisation. Die Liste lässt sich leicht fortsetzen. Was haben die meisten Transformationen gemeinsam? Sie beschäftigen sich mit dem Miteinander und Arbeitsbedingungen innerhalb einer Organisation. Sie sind nach innen gerichtet. Jeder dieser Aspekte ist wichtig, doch wo bleibt der Kunde? Sollte nicht der Kunde einen Vorteil durch eine organisatorische Transformation erfahren? Sollte nicht der Kunde im Mittelpunkt der Überlegungen stehen und nicht immer „nur“ die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Vermutlich ist die digitale Transformation die einzige Änderung, die den Kunden zumindest im übertragenen Sinne im Auge hat. Die Anpassung von Geschäftsmodellen kann nur mit dem Blick auf die Bedürfnisse von Anwendern, Käufern und Partnern funktionieren. Organisationen müssen für sich erkennen, wie diese Bedürfnisse aussehen. In der Theorie adressiert auch die agile Transformation die Kunden, denn schließlich sollen sie durch das agile Vorgehen in kürzerer Zeit mehr nützliche Features – im Tausch gegen entsprechendes Feedback – erhalten. In der Praxis wird dieses Feedback aber nur relativ selten eingeholt und oftmals konzentrieren sich Organisationen nur noch auf den Sprint und die Velocity und nicht mehr auf das zu erstellende Produkt und damit nicht auf den Kunden. Ziel verfehlt müsste also das Urteil leider oftmals lauten.

Nach der Transformation

Was kommt eigentlich nach der Transformation?  Stellen Sie sich ein Unternehmen vor, dass sämtliche Abläufe digitalisiert hat – was wird das Unternehmen als nächstes tun? Vermutlich wird es versuchen, die Digitalisierung voran zu treiben, Abläufe zu automatisieren und optimieren, neue Tools zu integrieren etc. Und wie sieht es aus bei der agilen Transformation? Was passiert, wenn ein Unternehmen bspw. Scrum mit allen Ritualen, Rollen und Artefakten eingeführt hat? Vermutlich wird es versuchen, Abläufe zu optimieren, sinnvollere Tools zu nutzen etc. Und was bedeutet dies für das Thema Tranformation? Abhängig vom Standpunkt

  • ist der Prozess einer Transformation nie zu Ende. Was folgt auf die Agilität oder die Digitalisierung? Da es kein Ende geben kann – Unternehmen werden immer agiler und noch agiler arbeiten, sie wollen immer effizienter und effektiver agieren – ist die Transformation an sich ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess einer Organisation.
  • ist nach einer Transformation vor einer Transformation. Unternehmen werden sich auch nach einer Transformation weiterhin verändern, anpassen, optimieren. Es liegt in der DNA von Menschen und somit auch von Organisationen sich zu erneuern. Eine spezifische Transformation ist daher ein Vorgang mit vorab festgelegten Zielen, Maßnahmen, Aktionen und Ergebnissen, die im Anschluss zur nächsten Transformation führen wird.

So oder so: Transformation ist immer.

Hinweis:
Dieser Beitrag erscheint im Zuge der Blogparade des PM Camp Berlin, das vom 06. bis 08. September 2018 unter dem Motto „TRANSFORMATION | INNOVATION | PARTIZIPATION“ stattfindet.

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