Passt in jeden Terminkalender: Selbstfürsorge

Gastbeitrag von | 12.02.2024

Verabreden Sie sich mit sich selbst!

Die Arbeitswelt dreht sich immer schneller: New Work, agiles Arbeiten, GenZ, Homeoffice… All das stellt hohe Anforderungen an Führungskräfte und Mitarbeitende. Seit einigen Jahren beobachte ich vor allem bei Frauen in Führungspositionen eine starke Sehnsucht nach mehr Zeit für sich selbst, nach Selbstfürsorge und weniger Stress.

Wann haben Sie sich das letzte Mal bewusst Zeit für sich genommen?

Fällt es Ihnen leicht, Ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu erfüllen, Grenzen zu setzen und Nein zu sagen oder einfach mal nichts zu tun?

Schon darüber nachzudenken ist ein Akt der Selbstfürsorge.

Selbstfürsorge ist höchst individuell, vielfältig und facettenreich. Sie lebt nicht vom Vergleich mit anderen und hat keine Norm. Dies zu verstehen ist der erste wichtige Schritt zu innerem Frieden und Wohlbefinden.

Für jeden Menschen bedeutet Selbstfürsorge etwas anderes.
Was bedeutet für Sie Selbstfürsorge?

Wenn Sie es schaffen, täglich ein Zeitfenster für Ihre Selbstfürsorge in Ihren hektischen Alltag einzubauen, werden Sie mit Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, Klarheit, Mut, Kreativität, Energie, innerer Ruhe und Wohlbefinden belohnt.

Gerade für Frauen in Führungspositionen ist Selbstfürsorge eine große Herausforderung. Es ist eine Gratwanderung zwischen Karriereambitionen, Familie, sozialen Verpflichtungen und Freizeitaktivitäten. Auf der einen Seite der anspruchsvolle Beruf, die große Verantwortung und die hohen Ansprüche von Vorgesetzten und Mitarbeitenden. Auf der anderen Seite das Privatleben. Dazu kommen die hohen Ansprüche an sich selbst, das Streben nach Perfektion und die Angst, nicht zu genügen.

Selbstfürsorge ist kein “nice to have” – sie ist ein “must have”. Konsequente Selbstfürsorge befähigt Sie als Führungskraft, Herausforderungen anzunehmen, sie radikal zu akzeptieren und von dort aus einen reflektierten Umgang mit ihnen zu finden – fernab von Sorgen, Zweifeln und Ängsten, sondern mit innerer Stärke. Selbstfürsorge ist aus meiner Sicht eine der Kernkompetenzen jeder Führungspersönlichkeit, um sich selbst und andere gesund und klar führen zu können.

Wenn ich mit Frauen über Selbstfürsorge, Sport, gesunde Ernährung oder Routinen, Rituale und Gewohnheiten im Zusammenhang mit ihrer Führungsaufgabe spreche, winken sie oft ab. Sie sagen, dass sie sich das zwar wünschen, es aber nicht umsetzen können. Erst die Arbeit, dann die Familie, dann die anderen, dann eine Weile nichts und dann?

“Wenn, dann …”

Vielleicht kommen Ihnen diese Sätze bekannt vor?

  • Wenn die Kinder groß sind, dann habe ich endlich Zeit für mich.
  • Wenn ich die berufliche Phase hinter mir habe, dann melde ich mich zum Yoga an.
  • Wenn ich meine Ziele erreicht habe, dann kümmere ich mich um meine Bedürfnisse.
  • Wenn ich meine Doktorarbeit abgeschlossen habe, dann kann ich mich gesund ernähren.
  • Wenn ich genug Geld gespart habe, dann investiere ich in meine Gesundheit.
  • Wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, dann führe ich das schwierige Gespräch.
  • Wenn ich weniger Stress habe, dann wird meine Beziehung besser.
  • Wenn ich mit diesem oder jenem fertig bin, dann kann ich endlich in Urlaub fahren.
  • Wenn ich in Rente bin, dann bereise ich die Welt.

Solche Wenn-dann-Glaubenssätze machen uns abhängig von äußeren Bedingungen und anderen Menschen. Sie zwingen uns, Gesundheit, Glück, Erfolg, Wohlbefinden und inneren Frieden im Außen zu suchen. Und sie rauben uns die Zeit, die wir für uns selbst freisetzen könnten.

Im Außen finden wir nichts davon. Wir müssen die Richtung ändern und nach innen schauen. Dort ist alles im Überfluss vorhanden, was man für eine authentische, einfühlsame und durchsetzungsstarke Führung braucht.

Aber es braucht viel Mut, diesen Blick nach innen zu werfen und sich darauf einzulassen. Es braucht einen tieferen Sinn, einen wachen Geist, eine starke innere Mitte, seelische und körperliche Gesundheit. Es braucht auch das Loslassen des Perfektionismus und des machtbesessenen Egos.

Selbstfürsorge als ganzheitlicher Führungsansatz

Ich verstehe Selbstfürsorge als ganzheitlichen Führungsansatz – als Basis für beruflichen Erfolg und einen individuellen Führungsstil.

Diese Art der inneren Auseinandersetzung lernt man nicht in der Schule, und doch ist sie grundlegend wichtig für ein gelingendes und sinnerfülltes Leben, das Karriere und Familie gleichermaßen umfasst.

Davon bin ich fest überzeugt: Der Schlüssel zu einer erfolgreichen und erfüllten Karriere als Frau in all ihren Rollen liegt darin, wie sie mit sich selbst, ihren Gedanken, Gefühlen und Herausforderungen umgeht. Um das zu erkennen, braucht es niemanden von außen. Nur die Bereitschaft, hinzuschauen und sich achtsam Zeit für sich selbst zu nehmen. Das ist schon Selbstfürsorge.

Verabschieden Sie sich von Ihren persönlichen Wenn-dann-Sätzen und akzeptieren Sie, dass Selbstfürsorge kein Luxus oder Wellness ist. Sie ist nicht teuer und braucht nicht viel Zeit. Sie braucht nur Ihre Bereitschaft, sich selbst an die erste Stelle zu setzen.

Wenn Du es eilig hast, gehe langsam. Hast Du es noch eiliger, gehe einen Umweg.

Diese chinesische Weisheit bringt es auf den Punkt.

Um mehr Zeit in die Selbstfürsorge zu investieren, ist es sinnvoll, sich vom traditionellen Zeitbegriff zu lösen. Es geht nicht um die Uhrzeit oder darum, wie viel Zeit man für sich selbst aufwendet. Es geht um qualitativ hochwertige Momente, die nur Ihnen gehören. Das können ein paar Minuten sein oder ein ganzes Wochenende. Wie Sie die Zeit mit sich selbst verbringen, entscheiden Sie, niemand sonst.

Viele Frauen sagen, das sei zu egozentrisch und selbstbezogen. Um diesen konditionierten Gedanken zu reflektieren, schlage ich Ihnen einen einfachen Perspektivwechsel vor: Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Flugzeug und plötzlich fallen die Sauerstoffmasken aus dem Abteil über Ihnen. Was tun Sie? Sie kennen die Antwort.

Wenn Sie einen guten Job machen wollen, wenn Sie mit Herz und Seele führen wollen, ohne sich im Hamsterrad des Erfolgs zu überdrehen, dann gönnen Sie sich diesen Raum der Selbstfürsorge. Erfolg, Zufriedenheit und Wohlbefinden stellen sich nicht ein, wenn Sie überfordert sind und ständig die Erwartungen anderer erfüllen. Unter Stress kann man keine klaren Gedanken fassen und keine klugen Entscheidungen treffen. Sie brauchen innere Ruhe, wenn draußen der Sturm tobt. Sie ahnen es: Erfolg, Zufriedenheit und Wohlbefinden entstehen ausschließlich in Ihnen selbst.

Selbstfürsorge ist …

Selbstfürsorge ist das bewusste Handeln, um mentale, physische, emotionale und seelische Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen. Die Absicht ist, sich selbst zu nähren und zu pflegen, um klar, kraftvoll und energetisch allen Herausforderungen – unabhängig von ihrem Schwierigkeitsgrad – begegnen zu können.

Sich selbst auf mentaler, physischer, emotionaler und seelischer Ebene zu nähren, wirkt sich enorm positiv auf die eigene Selbstwahrnehmung aus. Selbstfürsorge ist Teil eines ganzheitlichen Gesundheitskonzeptes, das weit über die reine Selbstpflege hinausgeht. Sie ist eine tiefgreifende Praxis, die Selbstvertrauen, Selbstachtung und Selbstliebe fördert und eine wesentliche Rolle für die allgemeine Lebens- und Arbeitsqualität spielt. Da sie sehr individuell ist, passt sie in jeden Tagesablauf. Sie entscheiden, welche Praktiken Sie anwenden und wie viel Zeit Sie in sich selbst investieren möchten.

Führungserfolg und Selbstfürsorge?

Viele Führungskräfte glauben, dass Führungserfolg und Selbstfürsorge sich ausschließen. Erfolg muss hart erarbeitet werden und Selbstfürsorge hat da wenig Platz. Das sehe ich anders: Selbstfürsorge bedeutet die unbedingte Bereitschaft, sich jeden Tag mit sich selbst auseinanderzusetzen und am Ball zu bleiben. Das kann sehr unbequem sein, ist aber ein sehr lohnender Prozess.

Ja, die Beschäftigung mit den eigenen Gedanken, Gefühlen, Ängsten, Zweifeln, Überzeugungen und den daraus resultierenden Handlungen kostet Zeit und Energie. Wenn wir aber nicht bereit sind, diese Zeit und Energie in uns selbst zu investieren, kann Führung immer anstrengender und herausfordernder werden. Meine langjährige Erfahrung als Frau in Führung und als Führungscoach zeigt, dass Frauen oft ihre eigenen Bedürfnisse ignorieren, sich dem System anpassen, wenig bis keine Grenzen setzen und dazu neigen, die Erwartungen anderer zu erfüllen – und das über viele Jahre.

Wir alle haben 1.440 Minuten am Tag, 24 Stunden am Tag.
Die Frage ist: Wie und wofür nutzen Sie diese Zeit?

Investieren Sie mutig in sich selbst! Vereinbaren Sie regelmäßig Termine mit sich selbst und blockieren Sie diese Zeiten im Kalender. Beginnen Sie mit ein paar Minuten für einen Spaziergang, schreiben Sie Ihre Gedanken auf, machen Sie eine Atemübung oder lesen Sie mal wieder etwas Fachfremdes.

Sie werden keine Zeit verlieren, sondern jeden Tag ein bisschen mehr davon zurückgewinnen. Sie gewinnen Zeit für Klarheit, Fokus und Kreativität. Sie verbringen immer weniger Zeit mit negativen Gedanken, Ängsten und Zweifeln. Sie finden wieder Kraft in sich selbst – unabhängig von den Meinungen und Erwartungen anderer.

Erlauben Sie sich Selbstfürsorge in allen Lebensbereichen!

Ich persönlich habe keine Energie und keine Lust mehr, mich gegen mich selbst aufzulehnen. Meine Entscheidung für 2024 lautet: Ich bin meine erste Priorität!

Meine Absicht: Bei allem, was ich tue, fühle ich mich gut.

Ich erlaube mir, in allen Lebensbereichen auf mich zu achten. Vernachlässige ich mich selbst, bin ich unzufrieden, gereizt, ungeduldig, schwierig, schlecht gelaunt. Ich bin dann nicht in meiner Kraft, was zu einem Leistungs- und Konzentrationsabfall führt und meine Leistungsfähigkeit erheblich mindert. In einer solchen Stimmung ist Führung schwierig.

Selbstfürsorge ist die tägliche Verabredung mit sich selbst! Sie sollte zu Ihnen und Ihrem Leben passen. Aber machen Sie keine Wissenschaft daraus.

Zeit ist kostbar und unwiederbringlich. Gerade deshalb sollten Sie bewusst und regelmäßig kleine Zeitfenster für Rituale, Routinen und Gewohnheiten einplanen, die zu Ihrem Leben passen.

  • Bewusst essen ist Selbstfürsorge.
  • Ein Moment der Stille.
  • Tief ein- und ausatmen.
  • Zwanzig Minuten Yoga.
  • Gedanken ins Tagebuch schreiben.
  • Der kurze Spaziergang.
  • Das intensive Gespräch mit einem vertrauten Menschen.
  • Die bewusste Verbundenheit mit allem, was ist.

Probieren Sie einfach aus, was Ihnen gut tut.

 

Hinweise:

Dieser Artikel ist der Auftakt einer mehrteiligen Serie von Janine Tychsen zum Thema “Selbstfürsorge für Frauen in Führungspositionen”. Nach den Grundlagen in diesem Artikel geht es in den folgenden Beiträgen bspw. um Coaching-Werkzeuge, die Sie leicht in Ihr berufliches und privates Leben integrieren können.

Interessieren Sie sich für Selbstfürsorge als Fundament für Erfolg? Dann lohnt sich ein Blick auf das “Self Care-4-Success”-Coaching-Programm.

Wenn Ihnen der Beitrag gefällt oder Sie darüber diskutieren wollen, teilen Sie ihn gerne in Ihrem Netzwerk. Und falls Sie sich für weitere Tipps aus der Praxis interessieren, dann testen Sie gerne unseren wöchentlichen Newsletter mit neuen Beiträgen, Downloads, Empfehlungen und aktuellem Wissen. Vielleicht wird er auch Ihr Lieblings-Newsletter!

Janine Tychsen hat weitere Beiträge im t2informatik Blog veröffentlicht:

t2informatik Blog: Inner Work - Die Auseinandersetzung mit sich selbst

Inner Work – Die Auseinandersetzung mit sich selbst

t2informatik Blog: Von der Führungskraft zur Führungspersönlichkeit

Von der Führungskraft zur Führungspersönlichkeit

Janine Tychsen
Janine Tychsen

Janine Tychsen trainiert und coacht seit vielen Jahren Frauen in Führungspositionen in der Verwaltung, Wirtschaft und in Wissenschaftsorganisationen.

Ihre Mission: Frauen für Führung begeistern und sie darin ermutigen, selbstbestimmt, kreativ und mit innerer Stärke zu führen.

Ihr Motto: Frauen, geht in Führung! Von der Führungskraft zur Führungspersönlichkeit bis zum Führen als Vorbild.

Frau Tychsen arbeitet mit Frauen an ihren Führungs- und Kommunikationskompetenzen, ihrer Haltung zu Führung, ihrer inneren Einstellung und an Anforderungen und Herausforderungen, die an die Frau in Führung gestellt werden (wie Mitarbeiterumgang, Konflikt- und Krisenmanagement, Arbeits- und Zeitorganisation, schwierige Gespräche und Entscheidungen Umgang mit Arbeitsverweigerungen uvm.).