Drei Fragen zu LEGO Serious Play Workshops
Ein Gespräch mit David Hillmer über die Durchführung von LEGO Serious Play Workshops
LEGO Serious Play ist eine niedrigschwellige Methode, um komplexe Themen im Team zu bearbeiten. Sie basiert auf der Idee, LEGO-Steine als Werkzeug für Denkprozesse und Problemlösungen zu nutzen und folgt einem Grundprozess aus Bauen, Teilen und Reflektieren.
David Hillmer glaubt an eine Welt, in der jede und jeder gern zur Arbeit geht. Um seiner Vision von zeitgemäßer Arbeit nachzukommen, geht er verschiedene Wege: Als Geschäftsführer von HelloAgile hilft er Menschen und Organisationen, die neue Arbeitswelt und ihre Regeln zu verstehen. Als Content-Creator veröffentlicht er in seinem Podcast Unboxing New Work Inhalte aus der neuen Arbeitswelt. Und als Autor von „PLAY! Der unverzichtbare LEGO® SERIOUS PLAY® Praxis-Guide“ vermittelt er praktisches Wissen rund um die bunten Klemmsteine und die dahinter liegende Methode. David Hillmer ist somit der richtige Ansprechpartner für die folgenden drei Fragen:
Welchen Einfluss hat die Teamkultur auf den Erfolg eines LEGO Serious Play Workshops?
David Hillmer: Die Teamkultur und das Zusammenspiel der Beteiligten sind entscheidende Faktoren für den Erfolg eines LEGO Serious Play Workshops. Die Methode kann viel ermöglichen, sie kann aber nichts erzwingen.
Ich habe einen LEGO Serious Play Workshop moderiert, in dem Führungskräfte ganz am Anfang einer einjährigen Weiterbildung standen und gemeinsam Ziele definieren sollten. Das Setting war hervorragend, der organisatorische Aufwand enorm, die Erwartungen hoch. Und dennoch war die Dynamik im Raum schwierig. Die Teilnehmenden nahmen die Methode nicht ernst, eine Person verweigerte sich komplett. Die Energie blieb flach, die Gespräche oberflächlich und die Ergebnisse am Ende kaum brauchbar.
In derselben Woche habe ich einen völlig anderen Workshop moderiert. Ein Vertriebsteam eines Automobilzulieferers, kurz vor absehbaren Krisenjahren. Das Ziel war nicht Strategie, sondern Zusammenhalt. Ein bewusstes, vielleicht letztes gemeinsames Zusammenkommen in guter Stimmung. Dieser Workshop war geprägt von Energie, Neugier, Mut, Offenheit und echter Mitarbeit.
Der größte Unterschied lag nicht im Format, nicht im Material und nicht in der Fragestellung, sondern in den Menschen und ihrer Teamkultur. In der Haltung, mit der sie in den Raum gekommen sind. In ihrer Bereitschaft, sich einzulassen.
Natürlich lassen sich Teile dieser Kultur im Vorfeld erfassen, zum Beispiel über eine saubere Auftragsklärung, Gespräche mit Auftraggebenden oder durch konkrete Beobachtungen aus der Zusammenarbeit. Ein anderer Teil bleibt jedoch immer ungewiss. Als Facilitator weiß man nie genau, was einen im Raum erwartet. Und genau das gehört zur Realität von Workshops.
Wenn ich Hinweise bekomme, dass es herausfordernd werden könnte, passe ich nicht die Methode an. Ich passe die Einflussfaktoren an, die ich in der Hand habe. Dazu gehören zum Beispiel ein intensiveres Briefing der Teilnehmenden, ein kurzes Video vorab, um Berührungsängste abzubauen, oder ein anderes Framing der Methode, um Erwartungen klarer zu setzen.
All das verändert keine Teamkultur. Das ist auch nicht das Ziel. Es erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen sich einlassen, mitmachen und Verantwortung für den gemeinsamen Prozess übernehmen. Am Ende lässt sich vieles über gute Moderation und sorgfältige Vorbereitung beeinflussen, aber nicht alles. Und genau darin liegt auch die Ehrlichkeit dieses Formats.
Wie verändert sich die Rolle der Moderation, wenn emotionale oder kontroverse Themen zur Sprache kommen?
David Hillmer: Genau hier spielt LEGO Serious Play seine größte Stärke aus. Sobald emotionale oder kontroverse Themen aufkommen, hilft das zusätzliche visuelle Element enorm. Missverständnisse entstehen seltener, weil nicht nur gesprochen, sondern gezeigt wird. Bedeutungen werden sichtbar, Zusammenhänge greifbar.
Teilnehmenden fällt es deutlich leichter, schwierige Inhalte anzusprechen, wenn sie nicht direkt über sich sprechen müssen, sondern über ihr Modell. Formal ist das kein Unterschied, schließlich haben sie das Modell selbst gebaut. Psychologisch jedoch schon. Die Distanz zwischen Person und Modell schafft einen Schutzraum, der Offenheit ermöglicht, ohne bloßzustellen.
Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit für ehrliche Gespräche und für einen Raum psychologischer Sicherheit erheblich. Gleichzeitig bringt die Methode eine besondere Dynamik mit sich. Menschen hängen an dem, was sie gebaut haben. Dieser sogenannte IKEA Effekt führt dazu, dass selbst Erarbeitetem mehr Wert zugeschrieben wird. Das erhöht das Engagement, kann aber auch dazu führen, dass Diskussionen emotionaler werden und Positionen stärker verteidigt werden.
An diesem Punkt entscheidet die Qualität der Moderation. Ein LEGO Serious Play Workshop steht und fällt nicht nur mit dem Material oder der Unternehmenskultur, sondern mit der Fähigkeit des Facilitators, Konflikte sauber zu moderieren. Das bedeutet, Spannungen wahrzunehmen, zu benennen und Emotionen einen angemessenen Raum zu geben, ohne dass sie den Prozess dominieren. Gerade bei kontroversen Themen wird Moderation damit weniger Anleitung und mehr verantwortungsvolle Prozessführung.
Wie gelingt der Übertrag der Erkenntnisse in die Praxis?
David Hillmer: Zu einem guten LEGO Serious Play Workshop gehört zwingend der Übertrag in die Praxis. Deshalb plane ich am Ende jedes Workshops bewusst Zeit für Alignment und Transfer ein. Nicht als nettes Add-on, sondern als festen Bestandteil der Workshop-Planung.
Eine Methode, die sich dafür besonders bewährt hat, ist Brainwriting. Alle Teilnehmenden bekommen noch einmal einige Minuten stille Arbeitszeit. Jede Person formuliert konkrete Ideen, wie das Gebaute im Arbeitsalltag umgesetzt werden kann. Eine Idee pro Post-it. Anschließend werden alle Ideen sichtbar gemacht, gemeinsam betrachtet und priorisiert.
Die Vorschläge mit der höchsten Zustimmung werden mit klaren Verantwortlichkeiten und verbindlichen Terminen versehen. Erst an diesem Punkt steigt die Wahrscheinlichkeit signifikant, dass aus Erkenntnissen und Aha-Momenten des Workshops auch Ergebnisse entstehen, die über den Tag hinaus wirken.
Ich bin als Facilitator nach einem Workshop in den meisten Fällen raus. Ich begleite die Umsetzung nicht langfristig und messe keine nachhaltigen Effekte. Genau deshalb tue ich im Workshop alles dafür, die Wahrscheinlichkeit für Wirkung zu maximieren. Klare Vereinbarungen, konkrete nächste Schritte und ein gemeinsames Verständnis darüber, was aus dem Erarbeiteten folgen soll.
Am Ende gilt, wie bei jedem Workshop-Format: Ob etwas entsteht oder verpufft, liegt nicht an der Methode. Es liegt an den Menschen, die die Ergebnisse ernst nehmen, Verantwortung übernehmen und sie im Alltag weitertragen.
Hinweise:
Wollen Sie sich mit David Hillmer über LEGO Serious Play und die Gestaltung von Workshops austauschen? Leicht können Sie mit David Hillmer auf LinkedIn Kontakt aufnehmen. Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch bei HelloAgile und im Podcast Unboxing New Work.
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David Hiller hat im t2informatik Blog einen interessanten Artikel veröffentlicht: Teamkultur im Homeoffice mit Lego Serious Play
Hier finden Sie weitere Informationen zu LEGO Serious Play.
Und hier finden Sie Beiträge aus der t2informatik Blogserie „Drei Fragen …“:

Michael Schenkel
Leiter Marketing, t2informatik GmbH
Im t2informatik Blog veröffentlichen wir Beträge für Menschen in Organisationen. Für diese Menschen entwickeln und modernisieren wir Software. Pragmatisch. ✔️ Persönlich. ✔️ Professionell. ✔️ Ein Klick hier und Sie erfahren mehr.



