Impulse für Organisationen – Teil 20
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Im Netz begegnen uns täglich spannende Gedanken, Erfahrungen und Perspektiven rund um Zusammenarbeit, Führung und das Leben in Organisationen. Vieles davon taucht kurz im eigenen Feed auf, regt zum Nachdenken an und verschwindet wenig später wieder aus dem Blick.
Mit unserer Serie „Impulse für Organisationen” möchten wir einige dieser Gedanken festhalten und den Menschen, die sie geäußert haben, im t2informatik-Blog eine Bühne geben. In Teil 20 geht es um Antworten, die wir kennen, aber überhören, die kontinuierliche Beschäftigung mit KI und die Vernachlässigung zahlreicher Wahrheiten sowie Spitzenleistung, die scheinbar mit genügend Fleiß zu erreichen ist.
Hier kommen die neuen Impulse!
Dann bat ich sie, den Stuhl zu wechseln
Zwei Stühle. Mehr brauchte es nicht.
Ich hatte sie im Raum gegenüber aufgestellt, meine Klientin saß zuerst auf dem einen Stuhl.
Wir sprachen über eine Entscheidung, vor der sie stand.
Eine Entscheidung, die sie seit Wochen vor sich herschob.
Dann bat ich sie, den Stuhl zu wechseln.
Auf dem zweiten Platz sollte sie nicht mehr aus der Position sprechen, die zögert, abwägt, Angst hat etwas falsch zu machen.
Sondern aus der Position der Frau, die sie in zehn Jahren sein will.
Erfahrener, klarer und schon durch das hindurch, wovor sie gerade steht.
Ich fragte sie, was sie ihrem jüngeren Ich sagen würde.
Es dauerte einen Moment, doch dann kam die Antwort.
Völlig ruhig und fast selbstverständlich.
Sie kannte die Antwort die ganze Zeit schon.
Sie hatte nur nie aus dieser Perspektive auf ihre Situation geschaut.
Das passiert öfter, als man denkt.
Wir suchen Rat bei allen möglichen Stellen, bei Freund:innen, in Büchern, bei Mentor:innen und übersehen dabei, dass wir selbst längst eine weisere Version unserer selbst in uns tragen.
Eine, die schon weiter ist.
Die schon mal vor einer ähnlichen Situation stand und einen Weg gefunden hat.
Diese innere Stimme verschwindet nicht.
Sie wird nur leiser, je mehr wir funktionieren statt zu fühlen.
Vielleicht brauchst du keine zwei Stühle, um sie zu hören.
Manchmal reicht die Frage:
Was würde die Version von mir sagen, die das hier schon gemeistert hat?
Ich wünsche mir die erste Konferenz ohne KI auf der Agenda!
KI ist die interessanteste technologische Entwicklungen der letzten Jahre. Deswegen bin ich zunehmend skeptisch gegenüber der Art, wie wir an vielen Stellen darüber reden.
Seit Monaten drehen sich Veranstaltungen, Panels und LinkedIn-Posts um dieselben Fragen, was KI kann und wie wir damit Produktivität steigern. Legitim, aber welche Fragen stellen wir seit Monaten nicht mehr, weil KI so viel Aufmerksamkeit bekommt?
Während wir über Prompts, Agenten und Effizienzgewinne sprechen, reden wir kaum noch über die eigentlichen Probleme dieses Landes. Eine Wirtschaft, die stagniert, während Energiekosten und Bürokratie ganze Branchen lähmen. Ein immer weniger bezahlbarer Wohnungsmarkt. Eine alternde Gesellschaft, die Sozialsysteme unter Druck setzt, keine Jobs bekommen, während Fachkräfte fehlen. Eine Verwaltung, die Digitalisierung seit Jahren nicht umsetzt.
KI kann bei einigen dieser Probleme helfen, Bürokratie liesse sich vereinfachen, zumindest in der Theorie. Aber eine alternde Gesellschaft wird dadurch nicht jünger, und der Fachkräftemangel verschwindet nicht, weil eine Software ihn schneller verwaltet.
Diesen Denkfehler sehe ich gerade häufig. Innovation kommt von Menschen, die KI nutzen, in Organisationen, die Ausprobieren tatsächlich zulassen. Wer Widerspruch wegoptimiert, wird mit KI nicht innovativer, nur schneller beim immer Gleichen.
Bei Bürokratie zeigt sich das schon länger. Seit Jahren digitalisieren wir Formulare, und trotzdem landen viele am Ende wieder ausgedruckt und manuell nachgearbeitet und gestempelt auf einem Schreibtisch. Ungeklärte Zuständigkeiten bremsen schon die einfache Digitalisierung, KI wird daran nichts ändern.
Der Denkfehler ist auch angenehm. Wer sich mit KI beschäftigt, wirkt zukunftsorientierter als die, die sich mit Bürokratieabbau oder Rentenreform beschäftigen. Also bleiben Probleme liegen, die wir seit Jahren kennen. Dabei müssten genau die zuerst geklärt sein, damit KI in eine Richtung wirkt, die mehr ist als Effizienz und Profit auf Kosten derer, die die Kosten schon jetzt tragen.
Und was mich zunehmend beschäftigt: KI verändert nicht nur, wie schnell Organisationen arbeiten. Sie verändert auch, wer von dieser Geschwindigkeit profitiert. Wer bereits Kapital, Bildung und Zugang hat, nutzt die neuen Werkzeuge als Hebel. Wer das nicht hat, verliert weiter den Anschluss. Die Schere zwischen arm und reich schließt sich durch KI nicht, sie geht weiter auf.
KI ist kein Ersatz für Strategie, Führung oder funktionierende Institutionen. Sie ist ein Verstärker, der gute Systeme besser macht und ebenso alles beschleunigt, was in unseren Systemen heute schon nicht funktioniert, die soziale Schieflage eingeschlossen.
Wir reden ständig darüber, was KI schneller und besser macht. Kaum darüber, wen sie abhängt oder welche grundlegenden Probleme wir vorher zu lösen haben. Wie lange wollen wir uns das noch schönreden?
Die 10.000-Stunden-Regel
10.000 Stunden Übung erzeugen Spitzenleistung! Wirklich?
10.000 Stunden.
Eine „magische“ Zahl, die alles hat, was eine gute Managementweisheit braucht: Sie ist konkret, leicht zu merken und verspricht irgendwie auch Kontrollierbarkeit. Wer lange genug übt, wird irgendwann auch richtig gut. Und es gibt ja auch eine Quelle dafür.
Populär wurde die Zahl durch Gladwells Buch „Outliers“. Grundlage war eine Untersuchung von Ericsson et. al. aus dem Jahr 1993. Die Forscher verglichen u.a. unterschiedlich erfolgreiche Violine-Lernende sowie professionelle und nicht professionelle Pianisten. Die leistungsstärkeren Gruppen berichteten im Rückblick über deutlich mehr Übungsstunden. Eine Schwelle von 10.000 Stunden wurde allerdings nicht nachgewiesen. Die Zahl ergab sich als ungefähre Größenordnung aus den rückblickenden Angaben bestimmter Musikergruppen.
Untersucht wurden dabei nicht weitere, oder gar viele unterschiedliche Tätigkeitsbereiche und ebenso war in der „Studie“ auch keine repräsentative Auswahl von Menschen abgebildet. Ericsson et. al. sprachen auch nicht von „Übung“, sondern von „Deliberate Practice“, einem „gezieltem Üben“. Dazu gehören klare Ziele, unmittelbares Feedback, wiederholte Korrektur und Aufgaben, die knapp außerhalb des bereits sicher Beherrschten liegen. Insofern ist die 10.000-Stunden-Regel eine typische Vereinfachung eines etwas komplexeren Zusammenhangs.
Die angemessenere Aussage wäre demgegenüber: Gezieltes Üben kann die Leistung verbessern. Wie stark es dazu beiträgt und wie viel Übung erforderlich ist, hängt von der Person, der Aufgabe und dem Kontext ab. Spitzenleistung entsteht nicht aus der Stundenzahl allein. Sie entwickelt sich aus dem Zusammenspiel von Übungsqualität und Übungsumfang, individuellen Voraussetzungen, Coaching, Feedback, Motivation, Ressourcen und tatsächlichen Lerngelegenheiten.
Für die HR Bubble und insbesondere die Personalentwicklung hat das eine sehr praktische Konsequenz: Trainingsstunden und absolvierte Programme sind keine Prädiktoren für Kompetenz.
Wichtiger ist zu checken:
(1) Was wird konkret geübt?
(2) Wie hochwertig (und insbesondere differenziert) ist das Feedback?
(3) Steigt der Schwierigkeitsgrad im Übungsverlauf?
(4) Kann das Gelernte auch (zeitnah) angewendet werden?
(5) Und schließlich: Verbessert sich die relevante Leistung (im Training und insbesondere in der Praxis) tatsächlich?
Impulse und Fragen
Drei Themen, drei Fachleute, drei Impulse. Warum fragen wir Menschen um Rat, wenn wir selbst die Antwort kennen? Was können wir tun, statt ausschließlich über künstliche Intelligenz zu sprechen, um andere zentrale Themen, die das Miteinander in der Gesellschaft und auch in Unternehmen mindestens genauso stark prägen? Und warum lassen wir uns von einfachen Wahrheiten leiten, wo doch ein kurzer Blick in die Details zeigt, dass die Wissensbasis eine ganz andere ist?
Fragen über Fragen. Vielleicht haben Sie auch welche; großartig! Dann hat auch Teil 20 von „Impulse für Organisationen“ hervorragend funktioniert. Toll, oder?
Hinweise:
[1] Pamela Klein ist Diplom-Psychologin und systemischer Coach für weibliche Führungskräfte, die mit Herz, Haltung und Souveränität führen wollen – klar in Entscheidungen, stark in Beziehungen, verbunden mit sich selbst. Informationen zu Frau Klein finden Sie in ihrem LinkedIn-Profil, den Impuls finden Sie hier im Original.
[2] Daniel Dubbel verbindet als theoriestarker Praktiker Führungserfahrung mit einem tiefen Verständnis für Organisation und Zusammenarbeit für wirksame, tragfähige Veränderung in Führung, Struktur und Kultur. Informationen über Daniel Dubbel finden Sie in seinem LinkedIn-Profil, den Impuls finden hier im Original.
Im t2informatik Blog hat Daniel Dubbel auch einen Beitrag veröffentlicht: Stoppen Sie Ihre agile Transformation.
[3] Dr. Jürgen Schüppel begleitet Menschen, Teams und Organisationen dabei, Veränderung so zu gestalten, dass sie anschlussfähig, tragfähig und wirksam wird. Informationen zu Herrn Dr. Schüppel finden Sie in seinem LinkedIn-Profil, den Impuls finden Sie hier im Original.
Im t2informatik Blog hat Dr. Schüppel zwei Beiträge über Cultural Hacking. Ein Beitrag zur Kulturveränderung? und Change und Transformation erfolgreich managen – ein Missverständnis? veröffentlicht.
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Hier finden Sie eine Auswahl weiterer Impulse im t2informatik Blog:

Michael Schenkel
Leiter Marketing, t2informatik GmbH
Im t2informatik Blog veröffentlichen wir Beträge für Menschen in Organisationen. Für diese Menschen entwickeln und modernisieren wir Software. Pragmatisch. ✔️ Persönlich. ✔️ Professionell. ✔️ Ein Klick hier und Sie erfahren mehr.


