Vibe Coding

Wissen kompakt: Vibe Coding ist ein umgangssprachlicher Begriff in der Softwareentwicklung, der einen bestimmten Flow-Zustand beim Programmieren beschreibt.

Vibe Coding – wenn der Code im Flow entsteht

Spät am Abend flackert der Bildschirm im Dunkeln, die Tasten klacken im Takt der Musik, und im Hintergrund läuft entspannter Lo-Fi. Der Code entsteht scheinbar mühelos, Zeile für Zeile, ohne langes Nachdenken – eher getragen von Intuition als von Planung. In solchen Momenten steht nicht die technische Perfektion im Vordergrund, sondern der kreative Fluss, das Gefühl, mit dem Code im Einklang zu sein.

In der Entwickler-Community wird dieser Zustand oft als Vibe Coding bezeichnet – ein umgangssprachlicher Begriff in der Softwareentwicklung, der einen bestimmten Flow-Zustand beim Programmieren beschreibt. [1] Dabei geht es weniger um strukturierte Methodik, sondern mehr um das Erleben und Empfinden des Coden selbst.

Zwischen Intuition und Produktivität

Vibe Coding bewegt sich im Spannungsfeld zwischen freiem, intuitivem Arbeiten und dem Anspruch, funktionierenden, wartbaren Code zu schreiben. Statt strukturierter Planung stehen hier Kreativität, Spontaneität und ein Gefühl für den „richtigen“ nächsten Schritt im Vordergrund. Diese Art zu arbeiten kann insbesondere in frühen Projektphasen inspirierend wirken oder helfen, Blockaden zu überwinden.

Allerdings ist Vibe Coding nicht zwangsläufig produktiv im klassischen Sinne. Ohne klare Zielsetzung oder methodisches Vorgehen besteht das Risiko, sich zu verzetteln, ineffiziente Lösungen zu entwickeln oder schwer nachvollziehbaren Code zu erzeugen. Was im Moment des Codens stimmig erscheint, kann sich im Nachhinein als schwer wartbar oder nicht skalierbar erweisen.

So liegt die Stärke von Vibe Coding eher im kreativen Prozess als im nachhaltigen Ergebnis – und genau darin zeigt sich seine Ambivalenz zwischen Intuition und Produktivität.

Chancen und Herausforderungen von Vibe Coding

Vibe Coding eröffnet Räume für kreative Lösungsfindung, experimentelles Denken und den Ausdruck individueller Programmierstile. Besonders in informellen Projekten, in frühen Prototyping-Phasen oder bei der Erkundung neuer Technologien kann dieser intuitive Zugang helfen, Ideen schnell greifbar zu machen – ohne den Druck, sofort „sauberen“ oder optimierten Code zu liefern. Auch die emotionale Verbindung zur Arbeit kann durch diesen Zugang gestärkt werden, was wiederum Motivation und Engagement fördern kann.

Gleichzeitig bringt Vibe Coding klare Herausforderungen mit sich. Ohne Struktur und Zielsetzung drohen technische Schulden, inkonsistente Codebasen und mangelnde Dokumentation. Im Teamkontext kann es die Zusammenarbeit erschweren, wenn Entscheidungen rein aus dem Moment heraus getroffen werden und der Code für andere schwer nachvollziehbar ist. Auch besteht die Gefahr, dass das kurzfristige „gute Gefühl“ beim Coden über langfristige Softwarequalität gestellt wird.

Die folgende Übersicht fasst zentrale Chancen und Risiken in Form von Do’s & Don’ts zusammen.

Do’s:

  • Intuition als kreative Ressource nutzen
  • In frühen Projektphasen gezielt einsetzen
  • Flow-Zustand nutzen, um Blockaden zu lösen
  • Ergebnisse später refaktorisieren und dokumentieren
  • Vibe Coding bewusst von methodischem Arbeiten trennen

Don’ts:

  • Arbeiten im Flow-Zustand mit planloser Arbeit verwechseln
  • In produktiven Systemen unreflektiert anwenden
  • Fehlende Struktur durch „Gefühl“ ersetzen
  • Spontanen Code dauerhaft unangetastet lassen
  • Alles unter „Vibe“ rechtfertigen

Die Kunst liegt also in der Balance: Vibe Coding kann ein wertvoller Bestandteil des Entwicklungsprozesses sein – vorausgesetzt, es wird reflektiert eingesetzt und durch strukturierte Phasen ergänzt.

Vibe Coding mit KI

Vibe Code bzw. Coding wird zunehmend im Zusammenhang mit KI-basierter Softwareentwicklung diskutiert – insbesondere im Kontext von Large Language Models (LLMs). Demnach handelt es sich um eine Form des Prompt-basierten Programmierens, bei dem Entwickler ihre Anforderungen in natürlicher Sprache – mit geschriebenen oder gesprochenen Worten – formulieren und LLMs daraus Code generieren.

Ein populäres Beispiel für diese Entwicklung stammt vom ehemaligen Tesla-KI-Chef Andrej Karpathy, der Vibe Coding als Programmierstil beschrieb, bei dem man „nur noch die Idee grob skizziert und das Modell den Rest erledigt“. [2] Was auf den ersten Blick effizient und kreativ klingt, wirft in der Praxis jedoch eine Reihe kritischer Fragen auf:

  • Wenn Code von KI generiert wird, bleibt oft unklar, ob Entwickler den erzeugten Code wirklich verstehen – was bspw. in sicherheits- oder unternehmenskritischen Anwendungen problematisch ist.
  • LLMs erzeugen zwar funktionalen Code, aber oft ohne Rücksicht auf Architektur, Wiederverwendbarkeit oder Wartbarkeit. Der Code kann schwer nachvollziehbar und inkonsistent sein.
  • Wer sich zu stark auf generativen Code verlässt, riskiert den Verlust eigener Programmierkompetenz und einseitige Abhängigkeit von KI-Werkzeugen.
  • Die Herkunft von KI-generiertem Code ist oft intransparent – inklusive potenzieller Lizenzverstöße oder Sicherheitslücken.

Vibe Coding mit KI ist also kein Allheilmittel. Es bietet Potenzial zur Effizienzsteigerung, kann aber auch zu einer Entfremdung von Code und Entwickler führen. Eine verantwortungsvolle Nutzung erfordert technisches Verständnis, kritische Reflexion und klare Qualitätsstandards – also deutlich mehr als ein „gutes Gefühl“.

Vibe Coding - wenn der Code im Flow entsteht

Impuls zum Diskutieren

Hat Vibe Coding im professionellen Umfeld Platz – oder ist es ein Risiko, das man sich nur im kreativen Hobbyprojekt leisten kann?

Hinweise:

[1] Der Ausdruck Vibe bezeichnet den Charakter, das Gefühl oder die Stimmung eines Ortes, einer Situation oder einer Person.
[2] Andrej Karpathy: There’s a new kind of coding

Hier finden Sie eine interessante Diskussion auf YouTube: Ist Vibe Coding die Zukunft der Softwareentwicklung oder einfach nur eine unterhaltsame Art zu experimentieren?

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