SMART-Formel

Was ist die SMART-Formel, welche Beispiele gibt es und wo liegen Vorteile und Nachteile?

Die clevere Art Ziele zu formulieren

„Du solltest Dein Ziel smart formulieren!“ lautet ein Appell bei der Formulierung von Zielen. Smart im Sinne von clever und clever im Sinne der SMART-Formel. SMART ist ein Akronym und steht für

  • Spezifisch,
  • Messbar,
  • Attraktiv,
  • Realistisch,
  • Terminiert.

Ein Ziel beschreibt einen in der Zukunft liegenden Zustand, der sich vom gegenwärtigen Zustand unterscheidet und erstrebenswert ist. Doch was ist erstrebenswert? Was ist attraktiv? Die Antwort darauf ist individuell: Sie unterscheidet sich von Mensch zu Mensch, von Team zu Team und von Organisation zu Organisation. Die SMART-Formel hilft bei der Formulierung von Zielen und liefert eine Basis zur Beurteilung der Zielerreichung.

SMART-Formel - Hilfestellung bei der Formulierung von Zielen

Beispiele für SMARTe Ziele

„Wir wollen mehr Umsatz generieren und die Gewinne steigern.“ Oder: „Wir wollen schnellstmöglich das neue Update firmenweit ausgerollt haben.“ Oder: „Ich möchte abnehmen und häufiger Sport machen.“ Menschen formulieren häufig solche Ziele. Was haben diese Beispiele gemeinsam? Sie sind ungenau. Was heißt „mehr Umsatz“, „schnellstmöglich“ oder „häufiger Sport“? Die Ziele sind aber nicht nur ungenau, sie lassen sich nicht messen, sie sind nicht terminiert, und ob sie attraktiv oder realistisch sind, lässt sich auch nicht erkennen.

Nachfolgend finden Sie einige Beispiele für die SMART-Formel:

  • Aus „Ich möchte abnehmen und häufiger Sport machen.“ wird: „Ich möchte mein Wohlfühlgewicht wieder erlangen. Daher gehe ich ab sofort zweimal pro Woche – immer Montags und Donnerstags – je 5 km joggen, um in den nächsten 3 Monaten mein Gewicht um 5 kg von 85 kg auf 80 kg zu reduzieren.“
  • Aus „Wir wollen mehr Umsatz generieren und die Gewinne steigern.“ wird: „In 2021 wollen wir den Umsatz von 1,5 Millionen Euro auf 2 Millionen Euro erhöhen und den Gewinn bei gleichbleibender Umsatzrendite von 10% auf 200.000 Euro vor Steuern steigern.“
  • Aus „Wir wollen schnellstmöglich das neue Update firmenweit ausgerollt haben.“ wird: „Bis zum 31. Oktober 2020 wollen wir das neue Update von X auf allen Arbeitsplatzrechnern der Abteilung Y installiert und getestet haben, so dass der reibungslose Arbeitsablauf am 01. November 2020 sichergestellt ist.“

 

Die SMART-Formel im Detail

Spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert – so lauten die 5 Elemente der Zielformulierung nach SMART. Doch was heißt das im Detail? Wieso ist es wichtig, Ziele möglichst spezifisch und messbar zu formulieren? Warum müssen sie attraktiv und realistisch sein? Und wieso ist die Terminierung wichtig?

S wie spezifisch

Ziele müssen klar und präzise formuliert werden. Je konkreter und eindeutiger um so besser. Die spezifische Formulierung ist die Basis die Messbarkeit, sie entfaltet – sofern sie realistisch ist – eine motivierende Wirkung auf betroffene Personen und vermeidet Missverständnis bei mehreren beteiligten Parteien. „Wir wollen den Umsatz (von X auf Y in Z) erhöhen.“ Nicht den Marktanteil, nicht den Gewinn, nicht die Kundenzufriedenheit, sondern den Umsatz.

M wie messbar

Ziele müssen messbar sein. Ohne Messbarkeit lässt sich die Zielerreichung nicht überprüfen. Und ohne Überprüfung ergibt die Formulierung wenig Sinn. „Wir wollen den Umsatz von X auf Y (in Z) erhöhen.“ Leicht lässt sich feststellen, ob am Ende von Z der Umsatz den Zielwert von Y erreicht hat.

A wie attraktiv

Ziele müssen attraktiv sein. Attraktiv aus Sicht der Personen, die das Ziel als erstrebenswert erachten. Nur wenn es erstrebenswert ist, kann es motivierend wirken. Ist es nicht erstrebenswert, rechtfertigt es keinerlei Aufwände und Mühen, die für die Zielerreichung notwendig sind.

R wie realistisch

Ziele müssen realistisch sein. Wollen Sie der schnellste Mensch auf der Welt werden und 100 m in 7 Sekunden rennen? Wer ein solches Ziel formuliert, wird es nicht erreichen. Ziele müssen einen Ansporn darstellen, durch Anstrengung und Einsatz erreichbar sein. Ohne realistische Formulierung sind sie nutzlos und nicht motivierend.

T wie terminiert

Ziele müssen terminiert werden. Ein Termin sorgt für Klarheit. Er bestimmt ab wann oder bis wann soll etwas erreicht werden soll. Handelt es sich um eine konkrete Zeitspanne oder ein exaktes Datum, ist er spezifisch und schafft die Grundlage für die Messbarkeit („Wir wollen den Umsatz von X auf Y in Z erhöhen.“). Gleichzeitig ist er auch wesentlich für eine realistische Formulierung von Zielen (in 3 Stunden 5 kg abzunehmen ist nicht realistisch, in 3 Monaten vermutlich aber schon).

Hier finden Sie eins der bereits genannten Beispiele für die SMART-Formel aufgeschlüsselt nach den 5 Elementen:

„Ich möchte mein Wohlfühlgewicht wieder erlangen. Daher gehe ich ab sofort zweimal pro Woche – immer Montags und Donnerstags – je 5 km joggen, um in den nächsten 3 Monaten mein Gewicht um 5 kg von 85 kg auf 80 kg zu reduzieren.“

  • spezifisch: Gewichtsabnahme
  • messbar: 5 kg Gewichtsreduktion von 85 kg auf 80 kg
  • attraktiv: Wohlfühlgewicht 80 kg
  • realistisch: 5 kg Gewichtsreduktion in 3 Monaten
  • terminiert: 3 Monate

Interessanterweise lassen sich aus einer solchen Zielformulierung einige weitere Informationen herauslesen: die Person möchte joggen und nicht Rad fahren (spezifisch), sie möchte zweimal pro Woche 5 km joggen (sowohl die Frequenz als auch die Distanz ist messbar und vermutlich auch realistisch), und sie möchte ab sofort immer Montags und Donnerstags aktiv werden (terminiert). Kurzum: das ist eine smarte Zielformulierung.

Vorteile der SMART-Formel

Die SMART-Formel bietet einige klare Vorteile:

  • Als Akronym ist sie leicht einprägsam und in der Anwendung leicht umzusetzen.
  • Sie eignet sich sowohl für strategische als auch operative Ziele bzw. für langfristige, mittelfristige und kurzfristige Ziele.
  • Sie schafft Klarheit, sie bietet Orientierung und fördert ein gemeinsames Verständnis bei den Beteiligten.
  • Sie fördert die Motivation, ein Ziel zum definierten Zeitpunkt bzw. im Zeitfenster zu erreichen, sofern es attraktiv und realistisch formuliert wird. Andersherum lässt sich bei mangelnder Motivation erkennen, wenn dies nicht gelungen ist.

 

Nachteile der SMART-Formel

Es gibt einige „natürliche“ Grenzen bzw. Nachteile der SMART-Formel:

  • Sie eignet sich nur bedingt für qualitative Ziele, da sich diese häufig schlecht quantifizieren lassen.
  • Sie bietet keine Unterstützung bei komplementären, konkurrierenden oder indifferenten Zielen.
  • Sie betont den Realismus in der Zielformulierung und damit eher eine Evolution und einen Pragmatismus, als ein Greifen nach den Sternen.
  • Sie hilft bei der Zielformulierung, aber nicht bei der Zieldefinition. Bspw. können sich attraktive und realistische Ziele widersprechen. Hier bietet SMART keine Hilfe.

 

SMART-Formel oder SMART-Methode?

Oftmals wird die SMART-Formel auch als SMART-Methode bezeichnet. Für viele Menschen handelt es sich schlicht um eine alternative Bezeichnung, andere argumentieren jedoch, dass es sich bei SMART nicht um eine Methode handelt. SMART ist eine Hilfestellung, aber sagt nicht WIE etwas funktioniert und ist daher keine Methode.

Wie finden Teammitglieder gemeinsame Ziele? Wie werden Zielkonflikte erkannt (hier eignet sich bspw. das Zieldiagramm) und beseitigt? Wie lässt sich bestimmen, was attraktiv ist und wie realistisch sollten Ziele formuliert werden, damit es motivierend wirkt? Oder wie lassen sich qualitative Ziele formulieren? Wie gelingt die Beschreibung von komplementären oder indifferenten Zielen? Wie lassen sich Zielabweichungen korrigieren? Alle diese Fragen und viele weitere beantwortet SMART nicht und daher handelt es sich auch „nur“ um eine Formel und nicht um eine Methode. 

Alternativ wird manchmal auch von SMART-Modell gesprochen. Da ein Modell aber ein vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit darstellt, trifft diese Bezeichnung auch nicht zu. Oder sehen Sie das anders? 

Tipps für SMARTe Ziele

Hier finden Sie einige Tipps zur Anwendung von SMART:

  • Ich-Botschaften bzw. Formulierungen verstärken die Wirkung: „Ich möchte …“. Oder: „Wir, der Fachbereich A, werden …“
  • Verschriftlichen Sie das Ziel. Drucken Sie es aus und hängen es an die Wand, so dass es jederzeit sichtbar ist und als Orientierung dient.
  • Holen Sie sich die Zustimmung und das Commitment aller Beteiligten. Lassen Sie bspw. den Ausdruck an der Wand von allen Beteiligten unterzeichnen.
  • Brechen Sie falls sinnvoll, möglich und nützlich das Ziel in kleinere Einheiten herunter. Wer in 3 Monaten 5 kg abnehmen möchte, sollte nach einem Monat ca. 1,5 kg bereits abgenommen haben.
  • Versuchen Sie eine Balance zwischen kurz- und langfristigen Zielen zu finden. Kurzfristige Ziele, die überfordern, sind genau so wenig nützlich wie langfristige Ziele, die unterfordern.
  • Idealerweise erfüllt ein cleveres Ziel die 5 Elemente von SMART. In der Realität kann es aber auch vorkommen, dass nicht wirklich klar ist, wie realistisch ein Ziel formuliert werden kann. Im klassischen Sinne eines Projekts oder einer Produktentwicklung würde dies bedeuten, dass ein Ziel lieber etwas zu groß formuliert werden sollte. In alternativen Szenarien, die von Selbstbestimmung und Eigenverantwortung geprägt sind, müsste dies nicht so sein. 
  • Sammeln Sie Ihre eigenen Erfahrungen und reflektieren Sie diese für sich oder gemeinsam im Team. 

 

Impuls zum Diskutieren:

Eignet sich die SMART-Formel auch zur Beschreibung von Sprint-Zielen?

Hinweise:

Hier finden Sie ein Video: Die SMART-Formel einfach erklärt

Und hier finden Sie ergänzende Informationen aus unserem Blog:

t2informatik Blog: Die 5 Mythen zum agilen Zielsystem Objectives & Key Results

Die 5 Mythen zum agilen Zielsystem OKR

t2informatik Blog: Wer braucht schon langfristige Ziele?

Wer braucht schon langfristige Ziele?

t2informatik Blog: Strategisches Scope-Management

Strategisches Scope-Management