t2informatik » Wissen kompakt » Release

Release

Was ist ein Release, wo wird der Begriff verwendet, welche Arten gibt es und wie erfolgt die Bereitstellung?

Die Freigabe einer neuen Produktversion

In der Produktentwicklung bezeichnet ein Release eine neue Version eines Produkts, die freigegeben und veröffentlicht wird. Es ist ein Stand eines Produkts oder einer Software mit definierten Funktionen, die Anwendern und Kunden zusätzliche Möglichkeiten verspricht. Häufig erweitert das Release den Produktnamen und drückt somit dessen Neuartigkeit aus.

In der Softwareentwicklung ist der Begriff Release weit verbreitet, doch auch in anderen Branchen und Bereichen wird er genutzt:

  • in der Pharmakologie bei der Ausschüttung von Botenstoffen
  • in der Musik beim Loslassen einer Taste eines elektronischen Tasteninstruments, auch als Release Velocity bezeichnet
  • im Sport beim Bogenschießen das Loslassen der Bogensehne
  • beim Angeln das Wiederfreilassen eines gefangenen Fischs (Fangen und Freilassen / catch and release)
  • bei der Veröffentlichung und Vermarktung von Kinofilmen, Schallplatten, CDs oder Büchern, einige Events werden bspw. als Release Parties promoted
  • in der Automobilindustrie bei der Modellpflege von Fahrzeugreihen (u.a. auch als Facelifting bezeichnet)

Die Verwendung des Begriffs geht auf die mannigfaltige Bedeutung von Release zurück. Als Verb übersetzt bedeutet der englische Begriff unter anderem (in alphabetischer Reihenfolge): abgeben, ablösen, ausgeben, ausklingen, auslösen, ausrücken, befreien, entbinden, entspannen (Werkzeug, Werkstück), erlösen, freilassen, freistellen, herausgeben, loslassen, losmachen, veröffentlichen etc. So wird bspw. Energie freigesetzt, jemand aus dem Gefängnis entlassen, eine Handbremse gelöst, Hormone ausgeschüttet, ein Service freigeschaltet etc.

Übersetzt als Substantiv steht Release in alphabetischer Reihung unter anderem für: Abgabe, Ablassen, Abwurf (Sport), Ausgabe, Auslöser, Ausschüttung, Befreiung, Erlösung, Freigabe, Freilassung, Freilaufen (Sport), Freisetzung, Lösen, Quittung, Übertragung, Veröffentlichung, Verzicht etc.

Arten von Releases in der Softwareentwicklung

Es gibt verschiedene Arten von Releases in der Produktentwicklung bzw. der Softwareentwicklung:

  • Major Release
    Ein Major Release umfasst wesentliche Neuerung eines Produkts bzw. einer Software, also bspw. Funktionsbereiche, die fortan erstmalig unterstützt werden wie bspw. in einem Requirements Engineering Tool die Traceability von Anforderungen oder die Visualisierung von Zielen in einem Zieldiagramm. Oftmals gehen solche funktionalen Neuerungen mit Veränderungen an der System- bzw. Softwarearchitektur einher. Darüber hinaus ersetzt ein Major Release auch Minor Releases und Hotfixes, die seit der Freigabe des letzten Major Releases zur Verfügung gestellt wurden.
  • Minor Release
    Ein Minor Release enthält „kleinere“ Ergänzungen und Erweiterungen von bereits vorhandenen Funktionen. Bspw. könnte im Zieldiagramm fortan die Bedeutung von Zielen für Stakeholder mit einem Weight visualisiert oder die Nachvollziehbarkeit zwischen Anforderungen und ihrer Quelle als sogenannte Pre-Requirements Traceability ermöglicht werden.
  • Emergency Release
    Das Emergency Release ist eine Bezeichnung für kurzfristig verfügbare Softwareversionen, die Probleme beheben. Sie werden auch als Bugfixes oder Hotfixes bezeichnet. In der Regel enthalten sie lediglich Fehlerbeseitigungen und keine zusätzlichen Funktionen.

 

Releases - drei verschiedene Arten

Im Zuge der Installation und Inbetriebnahme wird oftmals auch von Updates und Upgrades gesprochen. Die Installation eines Updates ist meist gleichbedeutend mit der Installation eines Minor Releases (oder mit der Installation fortlaufender Versionen). Und die Installation eines Upgrades ist meist identisch mit der Installation eines Major Releases (oder der Installation von Versionen, die andere überspringen, also bspw. ein Upgrade von Version 2 auf Version 4).

Im Kontext der Produkt- bzw. Softwareentwicklung wird auch immer wieder vom Release Candidate gesprochen. Ein Release Candidate bezeichnet den Versionsstand vor der Veröffentlichung. Es ist das Ergebnis einer Phase im Prozess der Softwareentwicklung. Durch die offizielle Freigabe im Entwicklungsprozess wird aus einem Release Candidate ein Release und zwar entweder ein Minor Release oder ein Major Release. Im Zuge eines Bugfixings wird nicht von Release Candidates gesprochen.

Die Bereitstellung von Releases

Wie werden Releases Kunden und Interessenten zur Verfügung gestellt? Die Bereitsstellung eines neuens Releases wird in vielen Organisationen im Release Management geplant und umgesetzt. Das Release Management erstellt klassischerweise einen Release Plan und plant mit ihm den Umfang, Inhalt und Zeitpunkt von Minor und Major Releases. Bei Bedarf realisiert es kurzfristig auch Emergency Releases. Auch die Pflege von Changelogs oder die Bereitstellung von Release Keys zur Freigabe von Funktionen kann dem Release Management obliegen.

Die eigentliche Bereitstellung von Releases variiert: handelt es sich um Bestandskunden mit entsprechenden Wartungs- und Servicevereinbarungen oder um Neukunden? Bestandskunden mit Servicevereinbarung erhalten heutzutage meist automatisiert neue Versionen (also Emergeny, Minor oder Major Releases). In Abhängigkeit von der System- bzw. Softwarearchitektur und/oder dem Marketing erhalten Neukunden bei einem Kauf entweder das neueste Major Release und im Anschluss mögliche Minor Releases oder Emergency Releases, oder direkt das neueste Minor Release.

Die Vermarktung und Veröffentlichung von Releases

Stellen Sie sich vor, es gibt zwei vergleichbare Produkte: X und Y. X ist in Version 4.3 verfügbar, Y in Version 10.2.

  • Welches Produkt ist länger am Markt?
  • Welches Produkt umfasst mehr Funktionen?
  • Für welches Produkt gibt es regelmäßiger neue Versionen?

Es ist naheliegend zu glauben, dass Y 10.2 älter, reifer, funktional umfassender als X 4.3 ist. Tatsächlich könnte es aber genau anders herum sein. Vielleicht gibt es von X die Version 4.3.127, also 127 kleinste Änderungen im Vergleich zu 4.3.0 und der Hersteller von Y gestaltet seine Versionierung weniger kleinteilig, sondern erhöht aus Gründen der Vermarktung die Major Release Kennzeichnung. Eine hohe Release Nummer kann also ein Kennzeichen für Alter, Reife oder Funktionsumfang sein, muss es aber nicht unbedingt.

Dienstleister gesucht?
Softwareentwicklung aus Berlin