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Murphys Gesetz

Wissen kompakt: Murphys Gesetz besagt, dass wenn etwas schiefgehen kann, es auch schiefgehen wird. Es basiert auf einer Beobachtung von Edward A. Murphy Jr., ist allerdings kein Naturgesetz.

Murphys Gesetz – Alles, was schiefgehen kann, geht schief!

Edward Aloysius Murphy Jr. war ein US-amerikanischer Ingenieur der Luftstreitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika. Im Zuge einer Testanordnung, die herausfinden sollte, welche Beschleunigungskräfte ein menschlicher Körper ertragen kann, tätigte Murphy in Folge einer fehlerhaften Montage von Sensoren die Aussage1:

„If there’s more than one possible outcome of a job or task, and one of those outcomes will result in disaster or an undesirable consequence, then somebody will do it that way.“

Frei ins Deutsche übersetzt: „Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet oder sonstige unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, dann wird es jemand genau so machen.“

Verkürzt und verallgemeinert wurde diese Aussage zu Murphys Gesetz: „Anything that can go wrong will go wrong.“ bzw. „Alles, was schiefgehen kann, geht schief!“

Murphys Gesetz - Alles, was schief gehen kann, wird schiefgehen

Murphys Gesetz, das auch im deutschsprachigen Raum häufig im Original als Murphy’s Law bezeichnet wird, ist natürlich kein Naturgesetz. Nur weil etwas schiefgehen kann, muss es nicht wirklich schiefgehen. Scheitert ein Vorhaben oder Experiment, liefert Murphys Gesetz weder Korrelation noch Kausalität.2 Positiv formuliert basiert das Gesetz auf Erfahrungswerten, negativ formuliert auf kognitiver Verzerrung und der fehlerhaften und unbewussten Neigung von Menschen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen. So fallen negative Ereignisse oftmals stärker ins Gewicht als positive.

Der Appell in Murphys Gesetz

In Murphys Gesetz steckt ein Appell: Wenn etwas schiefgehen kann, dann wird es auch schiefgehen – daher sollten Menschen, Teams, Organisationen alle Möglichkeiten untersuchen, wie es schief gehen kann, und entsprechende Vorsichts- oder Gegenmaßnahmen ergreifen. Es ein Appell,

  • in komplexen Zusammenhängen zu denken,
  • menschliches Versagen einzukalkulieren,
  • Fehlerquellen zu identifizieren und zu minimieren, sowie
  • Risiken zu betrachten, zu analysieren und zu bewerten, um Maßnahmen zur Vermeidung, Minimierung oder Duldung festzulegen.

Oftmals lassen sich nicht alle Eventualitäten im Vorfeld eines Experiments oder einer Entscheidung identifizieren. Hier gibt es mit Effectuation einen Ansatz, der zwar einen anderen Hintergrund besitzt, dafür aber Prinzipien für Situationen der Ungewissheit und Unsicherheit benennt.

Ähnlich lautenden Gesetze und Abwandlungen von Murphys Gesetz

Es gibt eine Reihe von ähnlich lautenden „Gesetzen“ wie bspw.

Finagle’s Law of Dynamic Negatives – kurz Finagles Gesetz3: „Alles was schief gehen kann, wird schief gehen – und das im ungünstigen Moment“. In gewisser Weise folgt Chaos Engineering diesem Gedanken.

Yhprums Gesetz (Yhprum ist ein Ananym von Murphy) ist die Umkehrung von Murphy’s Law: „Alles, was funktionieren kann, wird auch funktionieren“. Manchmal lässt sich dieses Gesetz in der Praxis beobachten, wenn Systeme, die nicht funktionieren sollten, dies überraschenderweise doch tun.

Sod’s Law bzw. das Sod’sche Gesetz besagt: „If something can go wrong, it will“. Im Vergleich zu Murphy’s Law gilt Sod’s Law als extremere Version. Während Murphy besagt, dass alles, was schiefgehen kann, auch (irgendwann) schiefgehen wird, besagt Sod, dass es immer schiefgehen muss, und zwar mit dem schlimmstmöglichen Ergebnis.4

Im Internet finden sich zahlreiche – teilweise sehr lustige – Formulierungen, die Murphys Gesetz ergänzen. Hier finden Sie eine kleine Auswahl:

  • Nichts ist so einfach, wie es aussieht.
  • Alles dauert länger, als man denkt.
  • Wenn die Möglichkeit besteht, dass mehrere Dinge schiefgehen, wird dasjenige schiefgehen, das den größten Schaden verursacht.
  • Wenn es einen schlechteren Zeitpunkt gibt, an dem etwas schiefgehen kann, dann wird es auch passieren.
  • Wenn etwas einfach nicht schiefgehen kann, wird es trotzdem passieren.
  • Wenn Sie erkennen, dass es vier Möglichkeiten gibt, wie ein Verfahren schiefgehen kann, und diese umgehen, dann wird sich prompt eine fünfte Möglichkeit ergeben, auf die Sie nicht vorbereitet sind.
  • Wenn man die Dinge sich selbst überlässt, neigen sie dazu, sich immer weiter zu verschlechtern.
  • Wenn alles gut zu laufen scheint, haben Sie offensichtlich etwas übersehen.
  • Die Natur stellt sich immer auf die Seite des verborgenen Fehlers.
  • Es ist unmöglich, irgendetwas narrensicher zu machen, weil Narren so erfinderisch sind.
  • Wann immer man sich etwas vornimmt, muss zuerst etwas anderes getan werden.
  • Jede Lösung zieht neue Probleme nach sich.
  • Wenn etwas nicht von selbst schiefgehen kann, wird jemand dafür sorgen, dass es schiefgeht.

Sicherlich lässt sich diese Liste leicht verlängern. Wirklich interessant wird es, wenn Sie sich überlegen, was solche Formulierungen für Ihre Vorhaben bedeuten könnten und welche Schlüsse Sie im Einzelfall daraus ziehen würden. Eventuell reicht es aber auch schon, sie zu kennen und als kognitive Verzerrungen wahrzunehmen.

Impuls zum Diskutieren:

Wie können Organisationen kognitive Verzerrungen im Arbeitsalltag vermeiden?

Hinweise:

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[1] Je nach Quelle variiert der Ursprung der Aussage. Vermutlich wurde sie in der ausführlichen Variante 1949 von Colonel John Paul Stapp auf einer Pressekonferenz getätigt, der sie Edward A. Murphy zuschrieb. Eine Quelle besagt sogar, dass sich Murphy über den Ingenieur, der die Sensoren falsch montiert hatte, dermaßen ärgerte, dass er sich zu „If that guy has any way of making a mistake, he will.“ hinreißen ließ. Erst im Zuge der Pressekonferenz wurde daraus das scheinbar allgemeingültige „Alles, was schiefgehen kann, geht schief!“. The fastest man on earth ist eine entsprechende Quelle.
[2] Fällt ein Marmeladenbrot vom Küchentisch auf den Boden, so landet es relativ regelmäßig auf der Seite mit dem Marmeladenaufstrich. Dies wird gerne als Beispiel für Murphy’s Law genannt; faktisch fällt es aber häufig auf die Seite mit dem Marmeladenaufstrich, da die Tisch- bzw. Fallhöhe keine vollumfängliche Drehung des Brotes ermöglicht.
[3] Das englische Verb to finagle bedeutet „mogeln“ oder „schummeln“; in Bezug auf Experimente lässt sich daraus ableiten, dass es unabhängig vom Resultat stets jemanden gibt, der dieses Resultat falsch interpretiert, frisiert oder glaubt, dass es seiner Lieblingstheorie entspricht. Siehe dazu: Finagles Gesetz.
[4] Die Existenz von Sod’s Law gilt für manchen Publizisten als (ironischer) Beleg dafür, dass Edward A. Murphy in Wirklichkeit ein Optimist war. 

Und hier finden Sie ergänzende Informationen aus dem t2informatik Blog:

t2informatik Blog: Ich liebe es, wenn ein Plan NICHT funktioniert

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