Warum BGM langfristige Aktivierung braucht

Gastbeitrag von | 19.10.2026

Von der Gesundheitsmaßnahme zur nachhaltigen Nutzung im Arbeitsalltag

Hohe Krankenstände sind für viele Unternehmen und Organisationen längst mehr als eine HR Kennzahl. Sie belasten Teams, erschweren die Personalplanung und verursachen erhebliche Kosten. Gleichzeitig bleibt ein Teil gesundheitlicher Belastungen unsichtbar: Beschäftigte arbeiten teilweise weiter, obwohl sie krank sind.

Die Frage, wie sich Krankenstände senken lassen, greift deshalb zu kurz. Wichtiger ist: Wie schaffen Unternehmen Bedingungen, unter denen Mitarbeitende langfristig gesund und leistungsfähig bleiben können?

Neben Arbeitsbedingungen und Führung rückt damit eine häufig unterschätzte Herausforderung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements, kurz BGM, in den Mittelpunkt. Gesundheitsangebote müssen Beschäftigte erreichen, sich in ihren Arbeitsalltag integrieren lassen und über längere Zeit relevant bleiben.

Der Krankenstand zeigt nur einen Teil des Problems

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, kurz BAuA, beziffert die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit für 2024 auf 20,8 Tage je arbeitnehmender Person. Insgesamt entstanden rund 881,5 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage. Die daraus geschätzten Produktionsausfälle lagen bei 134 Milliarden Euro, der Ausfall an Bruttowertschöpfung bei 227 Milliarden Euro. [1]

Fehlzeiten sind damit auch ein erheblicher wirtschaftlicher Faktor. Gleichzeitig bilden sie gesundheitliche Belastungen in Unternehmen nur teilweise ab.

Wer krankheitsbedingt zu Hause bleibt, erscheint in der Fehlzeitenstatistik. Beschäftigte können jedoch auch trotz einer Erkrankung weiterarbeiten, vor Ort oder im Homeoffice. Dieses Phänomen wird als Präsentismus bezeichnet. Die BAuA weist darauf hin, dass Präsentismus bislang nicht systematisch erfasst wird und sowohl gesundheitliche Folgen für Beschäftigte als auch Kosten für Unternehmen nach sich ziehen kann. [2]

Für Unternehmen ist das relevant, weil Anwesenheit wenig darüber aussagt, wie belastbar oder leistungsfähig Beschäftigte tatsächlich sind. Gesundheit im Unternehmen beginnt deshalb bereits lange vor der Krankmeldung.

Gesundheit beeinflusst auch die Mitarbeiterbindung

Beschäftigte erleben sehr genau, wie ihre Organisation mit Belastung umgeht. Werden hohe Arbeitslasten hinterfragt? Können Mitarbeitende Überforderung ansprechen? Werden belastende Prozesse verändert?

Solche Rahmenbedingungen beeinflussen die Gesundheit und prägen zugleich, wie Beschäftigte ihren Arbeitgeber erleben. Wer qualifizierte Mitarbeitende langfristig halten möchte, sollte Gesundheit und Mitarbeiterbindung deshalb gemeinsam betrachten. Allerdings kann BGM dabei organisatorische Defizite nur begrenzt auffangen. Ein Rückenkurs löst keine Unterbesetzung, ein Resilienztraining keine unklaren Zuständigkeiten. Wirksames BGM braucht gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen und Angebote, die Beschäftigte im Alltag tatsächlich nutzen können.

Langfristige Aktivierung braucht alltagstaugliche Angebote

An Gesundheitsangeboten mangelt es in vielen Organisationen nicht. Gesundheitstage, Sportkurse, Webinare, Beratungsprogramme oder digitale Gesundheitslösungen gehören vielerorts zum Standard. Die eigentliche Herausforderung beginnt bei der Nutzung. Werden Beschäftigte erreicht, beginnen sie mit einem Angebot und bleiben sie über einen längeren Zeitraum aktiv?

Ein Scoping Review zu Gesundheitsförderungsprogrammen am Arbeitsplatz untersuchte 58 wissenschaftliche Veröffentlichungen. Nur 37 davon berichteten überhaupt Teilnahmequoten. Von diesen 37 Studien wiesen 20 eine durchschnittliche Teilnahmequote von weniger als 50 Prozent aus. Die Autoren betonen zugleich, dass Zielgruppen, Interventionen und Messzeitpunkte stark variieren und direkte Vergleiche deshalb nur eingeschränkt möglich sind. [3]

Für die Bewertung von BGM Angeboten lohnt es sich daher, drei Ebenen zu unterscheiden:

  • Reichweite,
  • Aktivierung und
  • Kontinuität.

Wie viele Beschäftigte werden erreicht? Wie viele beginnen tatsächlich mit der Nutzung? Und wie viele bleiben nach mehreren Wochen oder Monaten noch aktiv?

Genau hier gewinnen niedrigschwellige Formate an Bedeutung. Kurze Bewegungseinheiten, Micro Learnings, mentale Impulse oder kleine Challenges lassen sich häufig leichter in einen vollen Arbeitstag integrieren als zusätzliche lange Termine. Unterschiedliche Formate können dabei verschiedene Bedürfnisse abdecken. Kurze digitale Einheiten erleichtern eine flexible Nutzung, während umfangreichere Angebote Raum für vertiefende Themen schaffen. Entscheidend ist, dass Format, Zielgruppe und Arbeitsrealität zusammenpassen.

Drei Fragen, an den sich wirksames BGM zeigt

Abbildung: Drei Fragen, an den sich wirksames BGM zeigt

Gleiches Angebot bedeutet nicht gleichen Zugang

Ob Beschäftigte ein Gesundheitsangebot nutzen können, hängt stark davon ab, wie gut es zu ihrem Arbeitsalltag passt. Der Präventionsbericht 2025 des GKV Spitzenverbandes und des Medizinischen Dienstes Bund zeigt, dass 65 Prozent der dokumentierten Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung im Berichtsjahr 2024 gleichermaßen an alle Beschäftigten gerichtet waren. 35 Prozent bezogen sich auf besondere Zielgruppen. [4]

Ein einheitliches Angebot schafft für Beschäftigte sehr unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten:

  • Eine Pflegekraft im Schichtdienst hat einen anderen Arbeitsalltag als eine Kollegin in der Verwaltung.
  • Ein Mitarbeiter in der Produktion verfügt über andere zeitliche Freiräume als jemand im Homeoffice.
  • Außendienst, Führungskräfte, Auszubildende und gewerbliche Beschäftigte unterscheiden sich in ihren Belastungen ebenso wie darin, wann, wo und wie Gesundheitsangebote in ihren Alltag passen.

Ein Webinar um 14 Uhr kann für einen Büroarbeitsplatz gut funktionieren und für eine Produktionsschicht praktisch unerreichbar sein. Die entscheidende Frage lautet daher: „Wie schaffen wir einen Zugang, der im Alltag funktioniert und zur wiederholten Nutzung einlädt?“

Von der Angebotslogik zur Nutzungslogik im BGM

Diese Perspektive verändert auch die Erfolgsmessung im Betrieblichen Gesundheitsmanagement. Die Zahl vorhandener Maßnahmen sagt wenig darüber aus, wie erfolgreich BGM tatsächlich ist. Auch Registrierungen oder einmalige Teilnahmen zeigen nur einen Ausschnitt. Aussagekräftiger wird die Betrachtung, wenn Unternehmen verfolgen, wie sich die Nutzung über einen längeren Zeitraum entwickelt.

  • Welche Beschäftigtengruppen werden erreicht?
  • Wie verändert sich die Aktivität nach vier Wochen, drei Monaten oder einem halben Jahr?
  • Welche Formate werden dauerhaft genutzt? Wo nimmt das Interesse ab?

BGM sollte deshalb stärker von einer Angebotslogik zu einer Nutzungslogik wechseln.

Erfolg zeigt sich damit zunehmend in der Frage, wie gut Gesundheitsangebote ihre Zielgruppen erreichen und wie dauerhaft sie im Arbeitsalltag verankert werden können.

Wie kann langfristige Aktivierung in der Praxis aussehen?

Wie ein solcher Ansatz umgesetzt werden kann, zeigt GoEcoFit. Die digitale BGM Plattform verbindet kurze Gesundheitsinhalte und Micro Learnings mit Bewegung, mentalen Impulsen, Gamification und Team Challenges. Ziel ist es, Prävention niedrigschwellig in den Arbeitsalltag zu integrieren: alltagstauglich, kontinuierlich und flexibel nutzbar.

Die Aktivierungsquoten in bisherigen Einsätzen über mehrere Monate hinweg liegen zwischen 65 und 85 Prozent. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob Beschäftigte über einen längeren Zeitraum aktiv bleiben. Diese Werte sind zwar nicht eins zu eins mit Teilnahmequoten aus wissenschaftlichen Studien vergleichbar, da Definitionen, Zielgruppen und Messzeiträume variieren, sie machen aber deutlich, warum BGM neben Reichweite vor allem die Entwicklung der Nutzung über Zeit betrachten sollte.

Damit bleibt für Unternehmen eine zentrale Frage: Nutzen Ihre Mitarbeitenden die Gesundheitsangebote auch dauerhaft?

 

Hinweise:

Wenn Sie sehen wollen, wie GoEcoFit in der Praxis funktioniert, vereinbaren Sie eine kostenlose GoEcoFit-Demo.

[1] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit
[2] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Präsentismus – Arbeiten trotz Krankheit
[3] National Library of Medicine: Is It Time to Re-Shift the Research Agenda? A Scoping Review of Participation Rates in Workplace Health Promotion Programs
[4] GKV: Präventionsbericht 2025

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Sebastian Ströhl
Sebastian Ströhl

Sebastian Ströhl ist Geschäftsführer der GoEcoFit GmbH. Seit mehr als 20 Jahren entwickelt und skaliert er Unternehmen und Geschäftsfelder in technologiegetriebenen Märkten. Mit GoEcoFit beschäftigt er sich insbesondere mit der Frage, wie betriebliche Gesundheitsförderung Mitarbeitende nicht nur erreicht, sondern langfristig aktiviert. Im Mittelpunkt stehen für ihn Prävention, Verhaltensänderung und die messbare Wirkung von BGM in Unternehmen und Organisationen.

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