Prädikat: Sehr lesenswert!

von | 25.11.2021 | Prozesse & Methoden | 0 Kommentare

„Es gibt so viele Bücher, dass es keinen Sinn ergibt, welche zu lesen, die einen langweilen.“ – Gabriel García Márquez

„Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen.“ – Jorge Bucay

Tust Du lesen, tust du wissen.“ – Gymnasiallehrerin aus Nürnberg

Ja, Lesen ist eine Grundlage für Wissen. Und Wissen ist Antrieb für Lesen. Doch was sollten Sie lesen? Was ist sehr lesenswert? Nachfolgend finden Sie Buchempfehlungen von Heiko Bartlog, Franziska Tietz, Christine Jung, Simon Flossmann, Madeleine Kern, Conrad Giller, Kristin Eissfeldt, Tobias Leisgang und Heiko Rössel.

Der Mom Test

Heiko Bartlog, Gastgeber für Innovation und so genannter „Agile Coach“

Wirksam sein, Wert erzeugen, Probleme lösen und dabei auch noch erfolgreich sein? Ja, das möchten wahrscheinlich alle! Die Kunden in den Fokus setzen? Selbstverständlich! Doch Hand aufs Herz: Wie oft verlieben wir uns in unsere eigenen Ideen? Wie oft verzweifeln wir dann daran, dass die Kunden die offensichtliche Genialität unserer Lösung, die wir mit viel Herzblut entwickelt haben, einfach nicht kapieren oder nicht kapieren wollen?

Wie kann das sein? Wir haben doch Marktforschung betrieben, wir haben Kundeninterviews geführt, wir haben Umfragen durchgeführt! Die Daten waren doch eindeutig! Wirklich?

Der Untertitel von „Der Mom Test“ lautet: „Wie Sie Kunden richtig interviewen und herausfinden, ob Ihre Geschäftsidee gut ist – auch wenn Sie dabei jeder anlügt“. Rob Fitzpatrick entlarvt in seinem Büchlein auf – wie ich finde – leichtgewichtige, leichtgängige und charmante Art und Weise, wie schnell wir – auch Profis – in die Falle tappen, Fragen so zu stellen, dass die Antworten zur eigenen Lösung passen werden. Und glücklicherweise zeigt er auch auf, wie einfach man es besser machen kann: Wie man also mit Kunden spricht, dass man wirklich wertvolle Erkenntnisse erhält.

Der Titel des Buches weist auf die Königsdisziplin hin: Wenn ich meine neue Geschäftsidee meiner Mutter erkläre und um Feedback bitte, so wird sie wahrscheinlich entweder alles super finden, weil es ja schließlich von ihrem Lieblingskind kommt oder sie wird mir rigoros davon abraten, weil sie eh der Meinung ist, ich hätte zu viele Flausen im Kopf und solle lieber etwas vernünftiges tun. Mit meiner Geschäftsidee hat ihr Feedback vermutlich nicht viel zu tun. Wenn ich es also schaffe, sogar im Gespräch mit meiner Mutter wertvolle Erkenntnisse für meine Geschäftsidee zu erhalten, dann schaffe ich das sicher mit allen potenziellen Kunden!

Dieses Buch ist ein super Einstieg in Denkansätze wie Lean Startup und Customer Development und vor allem ist es direkt praktisch einsetzbar. Die Tipps aus dem Buch helfen allerdings nur dann, wenn man a) sich auch traut, selbst direkt mit echten Kunden zu sprechen und b) wirklich offen für neue Erkenntnisse ist. Wer dagegen eher auf Schulterklopfen steht und gerne Honig ums Maul geschmiert bekommt, sollte dieses Buch lieber nicht lesen.

That’s me

Franziska Tietz, Online-Redakteurin, Bloggerin und UX-Designerin in Ausbildung

Wie oft fragen wir uns schon, warum wir etwas machen? Im (Berufs-)Alltag wahrscheinlich eher weniger. Ganz im Autopilot machen wir das, was wir immer tun, ohne deren Bedeutung zu hinterfragen oder bewusst einen anderen Weg einzuschlagen. Das Buch „That’s me“ von Thomas Pyczak, erschienen im Rheinwerk Verlag, will das ändern und Leuten sowie Unternehmen dabei helfen, sich ihrer wahren inneren Motivation wirklich bewusst zu werden. Denn mit unserem wahren Purpose können wir so viel mehr erreichen als uns bewusst ist, unser wahres Selbst erfahren und auch unserer Außenwelt ein authentisches sowie stimmiges Selbstbild präsentieren.

Das Buch bietet praktische Anleitungen und Tools für Unternehmen, Teams und Einzelpersonen, um seinen eigenen Purpose zu finden. Darüber hinaus gibt es ausreichend Hintergrundwissen, warum es sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext unerlässlich ist, seinen eigenen inneren Antreiber zu finden.

Innenansicht und Mut

Christine Jung, Coachin und Prozessbegleiterin für Einzelpersonen und Unternehmen

Ich möchte zwei sehr lesenswerte Bücher empfehlen:

Das Buch „Innenansicht“ von Joana Breidenbach, erschienen bei epubli, habe ich verschlungen. Breidenbach stellt sich mutig zentralen Fragen für unser menschliches Miteinander und für eine gelingende Zukunft unserer Gesellschaft(en). New Work wirksam umzusetzen, lebt davon, dass wir unsere zentrale Motivation kennen und den Mut zum Fühlen haben. Sie schreibt: Fühlen ist “…die Voraussetzung für sinnvolle Innovationen, gute Unternehmen und eine inklusive Politik“.

Offen beschreibt sie ihren persönlichen Weg, den sie in den letzten 10 Jahren durchlief, benennt ihre Ängste und Herausforderungen. Mich beeindruckt ihre Fähigkeit sich zurück zu nehmen und gleichzeitig klar auf den Punkt zu bringen, warum unsere (Arbeits)-Welt noch viel mehr mutige Menschen braucht, die sich zeigen und somit inspirierend sind für diejenigen, die am Anfang des Weges stehen.

Das zweite Buch stammt von Regina Schlager und heißt: „Mutig mit dem Herzen führen – Gespräche mit Frauen, die ihre Berufung gestalten„. Regina und ich lernten uns über Twitter kennen und zwischen uns ist eine überaus fruchtbare Arbeits- und Freundschaftsbeziehung entstanden. Ihr verdanke ich, dass ich eine von elf Interviewpartnerinnen (Coaches, Beraterinnen und Therapeutinnen) ihres 2016 erschienenen Buches sein durfte.

Regina versteht ihr Buch als Impulsgeber für Frauen, die sich mit ihrer Berufung auseinandersetzen und nach einer sinnvollen Gestaltung ihres Lebensweges fragen. Ihre These lautet: Weibliche Führungskraft bedeutet, mutig mit dem Herzen zu führen. Ein unverändert aktuelles Thema, dass durch die unterschiedlichen Interviewpartnerinnen die Debatte bereichert.

Team Topologien

Simon Flossmann, Scrum-Praktiker und Professional Scrum Trainer

Als Course Steward bei Scrum.org bin ich für die Weiterentwicklung des Scaled Professional Scrum Trainings verantwortlich. Als Inspirationsquelle für neue Inhalte im Training dienen mir neben meiner eigenen Erfahrung bei der Unterstützung skalierter Produktentwicklunginitiativen, auch die Erfahrung der weltweiten Professional Trainer Community, Vorträge von Experten auf Konferenzen und Bücher.

Ich glaube ich habe in den letzten Jahren wirklich jedes Buch über die Skalierung von Scrum gelesen. 2019 bin ich über ein Buch gestolpert, welches dabei wirklich herausgestochen hat: „Team Topologies: Organizing Business and Technology Teams for Fast Flow“, erschienen im It Revolution Press Verlag.

Die Autoren Matthew Skelton und Manuel Pais haben es erstmalig geschafft auf äußerst praktikable Art zu beschreiben, wie Unternehmen das Conway’s Law anwenden können, um sich in agile, digital und technologiegetrieben Organisation zu transformieren. Hochleistungsteams stellen den Schlüsselfaktor für die Wertschöpfung dieser modernen Organisationen dar. Ich kann diese Buch nur jedem ans Herzen legen, der nach innovativen Werkzeugen und Konzepten zur Kultivierung und Skalierung eines adaptiven Ökosystems solcher Teams sucht.

Fish! Ein ungewöhnliches Motivationsbuch

Madeleine Kern, Expertin für Personal Branding und Personalmarketing

Es gibt wenige Bücher in meinem Leben, die ich zweimal lese. „Fish. Ein ungewöhnliches Motivationsbuch“ von Stephen C. Lundin, Harry Paul und John Christensen, erschienen in Goldman Verlag, habe ich bestimmt schon 5-mal gelesen. Ich habe es zufällig in einer Buchhandlung entdeckt, als ich ungefähr 20 war. Es hat mich sehr motiviert und daher lese ich es alle paar Jahre, wenn mir der „Drive“ oder der „Flow“ fehlt. 😊

Worum geht’s in dem Buch? Mary Jane übernimmt die Abteilungsleitung im 3. Stock, der vom restlichen Unternehmen als „Giftmülldeponie“ betitelt wird. Es ist ein unmotivierter Haufen alteingesessener Mitarbeiter, die maximal Dienst nach Vorschrift machen. Da sie das Getratsche in der Kantine nicht mehr ertragen kann, verbringt sie eines Tages ihre Mittagspause auf dem weltberühmten Pike Place Fischmarkt. Und dort fliegen die Fische durch die Gegend, die Stimmung gleicht einer Kirmes und Mary Jane ist beeindruckt und verblüfft. Denn Fischverkäufer ist ein routinierter, anstrengender und bisweilen geruchsintensiver Job, dennoch scheinen hier alle Spaß zu haben. Lonny, ein Mitarbeiter des Fischmarktes erklärt ihr die Dynamik und ein Satz, der ihr zur Rettung der eigenen Abteilung hilft: Man hat immer die Wahl, wie man seine Arbeit machen will, auch wenn man sich die Arbeit selbst nicht aussuchen kann.

Dieser Satz hat mich sehr geprägt und bestimmt bis heute meine Einstellung zur Arbeit. Du kannst jede Arbeit gut oder schlecht machen. Du entscheidest selbst über deine Einstellung zu deiner Arbeit. Du hast immer eine Wahl!

Ich selbst habe ja die verrückte Idee in meinem Kopf, dass jeder Mensch ein Talent hat und mit einer Beschäftigung glücklich werden kann. Ein bisschen verträumt, aber einfach ein schöner Gedanke.

Ein U-Boot Kapitän und die Kraft der Sprache

Conrad Giller, Kommunikations-Trainer und Konfliktlösungs-Coach

Wer schon einmal in einem meiner Workshops oder Trainings war, kennt es: Irgendwann kommt der Moment, in dem ich über Kapitän L. David Marquet rede. Es geht nicht ohne, denn der Mann ist eine Ausnahme-Führungskraft. Simon Sinek (Start with Why, auch ein exzellentes Buch) formuliert es so: “David Marquet is the kind of leader who comes around only once in a generation … His ideas and lessons are invaluable”.

Wer ist der Mann? Er ist der Ex-Kapitän eines Atom-U-Boots der US-Marine, der es geschafft hat, aus dem schlechtesten Schiff der gesamten Flotte innerhalb von einem guten Jahr das Beste aller Zeiten zu machen. Er hat es geschafft, das aus einer durch vorherige Kommandos extrem demotivierten Besatzung eine Mannschaft wurde, die Verantwortung für das Schiff, dessen Missionen und für ihre eigene Entwicklung übernahm.

Ein paar Jahre nach seiner Verabschiedung vom Militär und dem Wechsel in die Managementberatung – wer wenn nicht er? – ist sein erstes Buch fertig: „Turn the Ship Around. A True Story of Turning Followers into Leaders„. Die deutsche Ausgabe von 2020 heißt: „Reiß das Ruder rum!“.

Inzwischen hat L. David Marquet ein zweites Buch veröffentlicht: „Leadership is Language. The Hidden Power of What You Say – and What You Don’t„. In diesem Buch legt er den Fokus auf die Qualität der Sprache, auf Formulierungen, mit denen er führt.

Am Beispiel eines tragischen Schiffsunglücks in einem Hurrikan zeigt er auf, welche Rolle die Haltung des Kapitäns und die sich daraus ableitende Kommunikation dabei spielten. Die Analyse des Voice Recorders von der Brücke macht sichtbar, wie die Sprachmuster des Kapitäns dazu führten, dass Meinungen nicht abgefragt, Situationen nicht gecheckt, Einwände nicht gehört und Entscheidungen weder hinterfragt noch ohne Gesichtsverlust geändert werden konnten.

Aus dem und vielem mehr entwickelt L. David Marquet ein sehr einfaches und überzeugendes System von Denk- und Sprachmustern für echtes Empowerment. Am Ende spielt er durch, zu welchen lebensrettenden Entscheidungen die Crew mit diesen Mustern gekommen wäre.

Wenn Sie nur zwei Bücher über Führung in Ihrem Leben lesen dürften – nehmen Sie einfach diese beiden. Ich liebe sie! 

Fakten statt Ideologie

Kristin Eissfeldt, Expertin für Leadership und Bewusstseinsentwicklung

Wenn ich derzeit auf EIN Buch hinweisen soll, das aus meiner Sicht hilfreich und lesenswert ist, um Probleme wirklich an der Wurzel anzupacken, dann ist das „Factfulness“ von Hans Rosling, Anna Rosling Rönnlund und Ola Rosling, erschienen bei den Ullstein Buchverlagen.

Das Buch bezieht sich „zwar“ auf die Gesellschaft, lässt sich aber direkt in die Geschäftswelt übertragen. Würden wir, auch in Organisationen, lernen, uns mit den tatsächlichen, erwiesenen Fakten zu beschäftigen, statt uns ideologischen Impulsen oder irgendwelchen Methoden- und Tools-Gurus hinzugeben, erlebten wir nicht nur Überraschungen, sondern gingen einen guten, wichtigen und richtigen Schritt, um Fake News und zweckgebundenen Interpretationen entgegenzuwirken.

Unbedingte Leseempfehlung, sehr erhellend!

Stellschrauben und Prokrastination bei Produktentwicklungen

Tobias Leisgang, CompanyPirate und Innovationsmanagement-Experte 

Ist das Projekt in der Produktentwicklung mal wieder verzögert? Wenn man beim nächsten Mal nicht einfach einen größeren Buffer für Unvorhergesehenes einplanen möchte, dann empfehle ich die Lektüre von „The Principles of Product Development Flow“ von Donald G. Reinertsen, erschienen bei Celeritas Pub. Obwohl es stellenweise nicht so leicht zu lesen ist, hatte ich einige Aha-Momente, warum es in der Produktentwicklung klemmt und was die Stellschrauben für Flow sind. Nach der Lektüre war ich großer Fan von Warteschlangentheorien, Reduktion von Projektscopes und schnellem Feedback. Mein persönliches Highlight ist jedoch das Kapitel über Decentralized Control. Klare Leseempfehlung für alle, die irgendwas mit Produktentwicklung am Hut haben.

Ein absolutes Kontrastprogramm zum Werk von Reinertsen ist „Alles nur geklaut“ von Austin Kleon, erschienen im Mosaik Verlag. Es is ein cooles kleines Büchlein für Kreative und alle die es noch werden wollen. Seit der Lektüre des Buches bin ich ein Fan meiner „Leichenkellerkartei“, den Trello-Boards auf denen ich Fundstücke aus den Weiten des Word Wide Webs aufbewahre. Mit der produktiven Prokrastination liefert Kleon den Persilschein für Scannerpersönlichkeiten wie mich. Die Outtakes am Ende des Buches laden zum Weiterspinnen ein. Wie wohl das Kapitel zu “Wondering Wandering“ aussehen würde?

Die Wahrheit als Erfindung

Heiko Rössel, systemischer Unternehmensberater und Dozent für Servicemanagement

Die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners“ wie Heinz von Foerster in seinem gleichnamigen Buch, erschienen im Carl-Auer Verlag, schreibt.

Heinz von Foerster erklärt die Welt des Konstruktivismus. Seine Idee ist, dass wir unsere Welt im Innen konstruieren und nicht im Außen erkennen. Wir können demnach keine echte Wahrheit erkennen, sondern jeder kann seine eigene Wahrheit selbst erfinden. Diese Erkenntnis führt unter anderem dazu, dass man lernt die konstruierte Welt der anderen als solche zu akzeptieren und auf andere Menschen und deren Ideen zuzugehen. Es erleichtert den Dialog und die Kommunikation. Gerade in unserer Zeit ist das immer wichtiger! In seinem Interview mit Bernhard Pörksen kann man die Gedanken zum Konstruktivismus kurzweilig lesen und auch gut nachvollziehen. Sehr lesenswert!

Was finden Sie sehr lesenswert?

Natürlich gehen die Meinungen auseinander, was „sehr lesenswert“ ist. Manche werden diesen Beitrag lesenswert finden, andere möglicherweise nicht. Ich persönlich freue mich über jede Empfehlung. Insbesondere die damit einhergehenden Begründungen verleihen dem Ganzen eine persönliche Note. Und das verdient aus meiner Sicht genau ein Prädikat: Sehr lesenswert!

 

Hinweise:

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Die Idee zu diesem Beitrag geht auf eine Frage von Heiko Bartlog an die Teilgebenden des PM Camp Berlin zurück. Schwuppdiwupp habe ich die Idee kopiert. Möglicherweise werde ich solche Empfehlungen auch noch ein drittes, viertes oder fünftes Mal zum Thema hier im Blog machen. Danke, Heiko. 😉

Michael Schenkel hat im t2informatik Blog weitere Beiträge veröffentlicht, u. a.

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Michael Schenkel
Michael Schenkel

Leiter Marketing, t2informatik GmbH

Michael Schenkel ist Diplom-Betriebswirt (BA) und macht Marketing mit Leidenschaft. Er bloggt gerne über Projektmanagement, Requirements Engineering und Marketing. Und er freut sich, wenn Sie ihn auf eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen treffen.