Respektvoller Umgang – der Ton macht die Musik

Gastbeitrag von | 18.03.2021 | Projektmanagement |

Respektvoller Umgang mit- und untereinander ist theoretisch ganz einfach. Praktisch trifft nicht jeder den gewünschten Ton und/oder orchestriert nicht zielführend. Verschiedene Faktoren entscheiden darüber, ob Kommunikation in einem komplexen System gelingt. Bei suboptimaler Kommunikation kommt es zu Meinungsverschiedenheiten, und das führt im schlimmsten Falle zu Konflikten.

Stellen Sie sich vor, ein Vorgesetzter sieht Sie mit einem sehr bösen Gesicht an. Wütend schreit er: „Sie haben die Aufgabe völlig falsch verstanden! Und Sie haben sowohl in der Durchführung als auch im Ergebnis völlig versagt!“ Was macht das mit Ihnen? Wie fühlen Sie sich, wenn Sie solche Zeilen lesen?

Und jetzt stellen Sie sich vor, der Vorgesetzte nutzt die exakt gleichen Worte, dabei lacht er aber über sein ganzes Gesicht und spricht die Sätze mit einer munteren Stimme. Vermutlich sind Sie gleich etwas weniger aufgewühlt und Sie fühlen sich weniger (oder vielleicht sogar gar nicht) angegriffen.

Offensichtlich kommt es bei Kommunikation nicht NUR und ausschließlich auf das gesprochene Wort an. Mehrere Faktoren sind dafür verantwortlich, ob eine respektvolle Kommunikation gelingt oder eben nicht.

Was ist Respekt und wie gelingt respektvoller Umgang?

Respekt wird als Synonym für Eigenschaften wie Höflichkeit und Wertschätzung aber auch für Anerkennung und Ehrerbietung verwendet. Aber auch, um Vorsicht auszudrücken, wenn zum Beispiel jemand sagt, er hat großen Respekt vor Schlangen.

Respekt ist ein Wert, der einer subjektiven Bewertung unterliegt. Jeder Mensch hat seine eigene Definition für diesen wichtigen Wert. Selbstverständlich gibt es Maßstäbe, die uns sagen, wie was korrekt und „richtig“ ist. Aber es sind halt nur Maßstäbe und Richtlinien, und die garantieren nicht immer automatisch einen respektvollen Umgang.

Auf den respektvollen Umgang miteinander kommt es an. Doch wie gelingt respektvoller Umgang miteinander?

  1. Zuhören: Gegenseitiges Zuhören ist absolut unverzichtbar für einen respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander.
  2. Fragen stellen: Wer fragt, führt – und zwar jede Kommunikation und jeden Diskurs. Fragen zeigen Interesse und fördern den respektvollen Umgang miteinander.
  3. Andere Meinungen zulassen: Zwingen Sie niemandem Ihre Meinung auf oder versuchen ihn von ihrer Meinung zu überzeugen. Lassen Sie jedem seine Meinung und seine Sichtweise. Der Austausch steht im Vordergrund. Auch bei „wichtigen“,  zentralen Themen sind Fragen und Zuhören konstruktiver als bspw. Druck und Drohung.
  4. Gemeinsamkeiten betonen: Wer in einem Gespräch die Gemeinsamkeiten statt den Sieg betont, kommuniziert konstruktiver, als wenn er droht oder seine/ihre „argumentative oder hierarchische Überlegenheit“ betont.
  5. Gefühle vermitteln die wahren Botschaften: Es sind Gefühle, die Botschaften vermitteln – nicht Worte, Argumente, Daten und Fakten, die wir miteinander austauschen.

Wir erwarten, wenn sich jemand freut, dass dieses Gefühl der Freude auch wahrgenommen wird. Werden Gefühle nicht oder nicht verständlich gezeigt, dann kann dies durchaus zu Verunsicherungen führen. Dann wird häufig vollkommen unbewusst bewertet, dass etwas nicht passt, bzw. sich nicht stimmig anfühlt. Doch warum? Weil Erwartungen vorhanden waren, die nicht erfüllt wurden. Und weil etwas in die Situation hineininterpretiert wurde, was vielleicht gar nicht da war. Fragen sind in solchen Situationen eine respektvolle Möglichkeit, um die wahre Motivation zu erkennen, anstatt „falsch zu verstehen“. Wer stattdessen bewertet, was er glaubt, gehört oder verstanden zu haben, oder gar etwas hineininterpretiert, der kommuniziert nicht respektvoll – zumindest nicht aus meiner Sicht. – Ihre Sichtweise mag und darf eine ganz andere sein. Denn Respekt ist subjektiv.

Es sind Gefühle die Botschaften vermitteln – nicht Worte, Argumente, Daten und Fakten, die wir miteinander austauschen. Das ist die zentrale und bedeutendste Aussage im zwischenmenschlichen Miteinander.

Respektvoller Umgang mit- und untereinander ist ein Orchester. Gut aufeinander abgestimmt und mit Rücksichtnahme und Achtsamkeit aufeinander, klingt die Komposition rund und klangvoll. Klingt das Stück dagegen holprig und unstimmig, dann ist besseres Abstimmen aufeinander und weiteres Üben notwendig. Und es bedarf eines Dirigenten, jemanden, der den Takt angibt und die Musiker orchestriert. Im Falle der Kommunikation ist jeder Einzelne Dirigent und Musiker in einer Person. Dirigieren erfolgt hier nicht mit dem Taktstock, sondern über die genannten Faktoren:

  • Zuhören,
  • Fragen stellen,
  • Meinungen zulassen,
  • Gemeinsamkeiten betonen und
  • Gefühle vermitteln.

 

Was konkret wünschen Sie sich für einen respektvollen Umgang?

Was konkret wünschen Sie sich ganz persönlich für einen respektvollen Umgang miteinander? Kennen Sie Ihre eigenen Werte?

Es gibt wesentlich mehr Menschen, die wissen was sie sich NICHT wünschen, als das, was sie wirklich wollen. Eigentlich fatal! Wie wollen Sie Ihrem Umfeld mitteilen, welche Faktoren Sie sich für einen respektvollen Umgang miteinander wünschen, wenn Sie es selbst nicht so genau wissen?

Das Allerbeste wäre natürlich, wir könnten immer souverän und neutral kommunizieren. Zumindest würde das die Kommunikation vereinfachen, oder? – Haben Sie schon einmal mit einem Computerstimme gesprochen? Ich schon, und für mich war es kein befriedigendes Erlebnis. Ich schätze die Werte eines guten Gesprächs. Dabei zu erfahren, wie es meinem Gegenüber geht. Was ihn oder sie bewegt und auch welche Werte die jeweilige Person vertritt. Ich möchte etwas erfahren über die Menschen, mit denen ich spreche. Ihnen auch etwas von mir zeigen. Und das gelingt über die Gefühle, die wir ALLE unweigerlich haben. Es sind halt unterschiedliche.

Die einfachste Faustformel für eine gelungene Kommunikation lautet: Sage selber nur das, wovon du möchtest, dass es zu dir gesagt wird! Und signalisieren Sie Interesse durch Fragen.

Was? Wie? Wann? Wo? Woran? Wer?

Fragen sind der wunde Punkt zum Wunderpunkt. Fragen statt vermuten — nur so geht Sie sicher, nicht zu interpretieren oder zu bewerten, sondern wirklich zu verstehen. Doch auch bei den Fragen gibt es Unterschiede:

Die „Warum“-Frage steht häufig am Anfang einer Auseinandersetzung. Sie wird oftmals als Angriff oder Vorwurf verstanden: „Warum kommen Sie so spät?“ wirkt anders als „Was ist passiert, dass Sie sich verspätet haben?“, oder?

Abgesehen von Warum-Fragen sind W-Fragen ein zielführendes Mittel für eine respektvolle Kommunikation. Sie vermitteln, richtig angewandt, Interesse. Sie klären und schaffen Transparenz. Es gibt übrigens keine dummen Fragen, sondern höchstens unangenehme.

  • Was konkret ist noch wichtig?
  • Wie ist Deine Sicht der Dinge?
  • Wann genau hat sich das verändert?
  • Wo ist der Unterschied?
  • Woran merkst Du, dass das Gespräch erfolgreich war?
  • Wer soll in Kenntnis gesetzt werden?

Wer nicht weiß, was er fragt, darf sich nicht wundern, wenn er hört, was er nicht will. In diesem Sinne: Sellen Sie Fragen. Hören Sie zu. Lassen Sie andere Meinungen gelten. Achten Sie auf Gemeinsamkeiten. Und vermitteln Sie Gefühle. Dann gelingt vermutlich auch ein respektvoller Umgang und Sie werden zu einem beliebten Gesprächspartner.

 

Hinweise:

Wenn Sie sich mit Stephanie Huber austauschen wollen oder wenn Sie Unterstützung beim Lösen von Konflikten suchen, können Sie dies leicht über https://konsensation.de/ oder info@konsensation.de tun. Sie hilft gerne und sie ist eine gute Zuhörerin.

Stephanie Huber hat im t2informatik Blog weitere Beiträge veröffentlicht:

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Stephanie Huber
Stephanie Huber

Stephanie Huber ist Gründerin und Geschäftsführerin der konSENSation GmbH. Sie arbeitet mit Begeisterung als Mediatorin mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsmediation und Konfliktmanagement und hilft Firmen und Führungskräften, das Betriebsklima zu verbessern.