Wertschätzung im Projektalltag – Theorie und Praxis

Gastbeitrag von | 09.04.2026

Laut der aktuellen Randstad Employer Brand Research 2025 fühlen sich 41 Prozent der Beschäftigten in Deutschland für ihre Leistung, ihren Beitrag zum Unternehmen und ihr tägliches Engagement nicht ausreichend anerkannt. [1]

Wertschätzung im wirtschaftlichen Kontext ist ein ambivalentes Thema. Manche sehen darin einen Schlüssel zu einer menschlicheren und lebensfreundlicheren Form des Wirtschaftens. Andere stehen dem eher skeptisch gegenüber. Sie vertrauen auf ihren rationalen Verstand und auf objektive Fakten statt auf ein subjektiv empfundenes Gefühl wie Wertschätzung. Für viele wirkt das ungewohnt, manche belächeln es sogar.

Mit diesem Artikel möchte ich dazu beitragen, dass Sie sich eine eigene fundierte Meinung bilden können und verstehen, wie Wertschätzung im Berufsalltag konkret gelebt werden kann und was sich durch bewusst praktizierte Wertschätzung tatsächlich verändern lässt. Gleichzeitig möchte ich Sie auf Ihre eigenen energetischen Fähigkeiten aufmerksam machen und Sie ermutigen, diese für sich zu nutzen. Wertschätzung ist eine Form positiver Energie, mit der Sie sich selbst und andere stärken können.

Der Artikel ist in zwei Teile gegliedert:

  • Im ersten Teil erhalten Sie Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirkung von Wertschätzung auf unser Wohlbefinden, unsere Produktivität und die Zusammenarbeit mit anderen. So bekommt auch der Verstand eine fundierte Grundlage, um sich für dieses zunächst ungewohnte Thema zu öffnen.
  • Im zweiten Teil geht es um die praktische Umsetzung. Wie können Sie mehr Wertschätzung in Ihren Alltag integrieren, in Ihre Arbeit, Ihren Projektkontext und Ihr Team? Dazu stelle ich Ihnen zwei erprobte Tools vor, die Sie direkt anwenden können. Die praktische Anwendung ist entscheidend, denn ohne sie bleibt Wirkung aus. Diese Tools habe ich ursprünglich für meine eigene Arbeit entwickelt und gebe sie heute an meine Kundinnen und Kunden weiter.

Theoretisches Wissen gibt es ausreichend, doch an der konsequenten Umsetzung im Alltag mangelt es häufig, genau das zeigen auch die Ergebnisse der Randstad-Studie.

Was wir aus Erfahrung und Forschung über Wertschätzung wissen

Bevor ich auf wissenschaftliche Erkenntnisse eingehe, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit, die Bedeutung von Wertschätzung ist seit Jahrtausenden bekannt.

Im Buddhismus gibt es dazu die Metta-Praxis. Mit ihr kultivieren Praktizierende die Qualität der „liebenden Güte“ für sich selbst und andere Menschen. Für den Ausdruck „liebende Güte“ lässt sich auch der Begriff Wertschätzung verwenden, weil er unserem Alltag und kulturellen Kontext näher ist.

Ein zentraler Bestandteil ist die Metta-Meditation. Dabei richtet sich die liebende Güte zunächst auf die eigene Person und anschließend auf andere Menschen. Zuerst auf Menschen, denen gegenüber Wertschätzung leichtfällt, danach auch auf diejenigen, mit denen der Umgang schwieriger ist. Das damit verbundene Gefühl von Wertschätzung wird häufig besonders stark im Bereich des Herzens wahrgenommen. Diese Erfahrung ist nicht nur eine subjektive Beschreibung, sie lässt sich auch wissenschaftlich beobachten und erklären.

Der amerikanische Forscher Richard Davidson hat gemeinsam mit buddhistischen Mönchen untersucht, was bei der Metta-Meditation im Gehirn geschieht. [2] Die Mönche praktizierten die Meditation in einem Computertomographen. Dabei zeigte sich eine erhöhte Aktivität im linken Gyrus frontalis medialis, einer Hirnregion, die mit positiven Emotionen in Verbindung gebracht wird. Während dieser Form der Wertschätzungsmeditation gerät das Gehirn in einen Aktivierungszustand, der typischerweise mit einer angenehmen Stimmung und gesteigertem Wohlbefinden einhergeht. Mönche, die diese Praxis regelmäßig anwenden, sind in der Lage, gezielt und vergleichsweise schnell einen Zustand körperlichen Wohlbefindens herzustellen, selbst unter ungewohnten oder unangenehmen Bedingungen.

Neben den Prozessen im Gehirn lässt sich auch die Kommunikation zwischen Herz und Gehirn betrachten. Der Forscher J. Armour zeigte bereits in den 1990er Jahren, dass das Herz über ein eigenes neuronales Netzwerk mit mehr als 40.000 Nervenzellen verfügt. Dieses sogenannte Herzgehirn kann Informationen verarbeiten, Erinnerungen beeinflussen und über das autonome Nervensystem Signale an das Gehirn senden. Auf diese Weise wirkt es direkt auf Bereiche ein, die an der Verarbeitung von Emotionen beteiligt sind.

Forschungen des HeartMath Institute zeigen zudem, dass sich die Wirkung von Wertschätzung im Herzen über die Herzratenvariabilität, kurz HRV, sichtbar machen lässt.

Die Botschaft von Wertschätzung

Abbildung 1: Die Botschaft von Wertschätzung

Der untere Teil der Abbildung zeigt die Herzfrequenz eines Probanden während einer Übung zur schnellen Kohärenz. Im Verlauf dieser Übung ruft er gezielt ein Gefühl der Wertschätzung hervor. Der dabei entstehende Zustand wird als Herzkohärenz bezeichnet. Der Begriff Kohärenz bedeutet so viel wie Zusammenhang oder Gleichklang. In der Physik beschreibt er das gleichmäßige Schwingen von Wellen. In der Messung zeigt sich dieser Zustand als ein harmonisches, gleichmäßiges Muster der Herzfrequenz. Für den menschlichen Organismus bedeutet dieser Zustand, dass sich verschiedene Körpersysteme wie Atmung, Blutdruck und das autonome Nervensystem aufeinander abstimmen. Körper, Gefühl und Verstand geraten in ein Gleichgewicht.

Die positive Wirkung bewusst praktizierter Wertschätzung

Die Ergebnisse zeigen, die positive Wirkung von Wertschätzung ist wissenschaftlich belegt.

Im Verlauf einer solchen Übung, wie der Metta-Meditation oder der schnellen Kohärenz, sinkt unser Stresshormonspiegel. Unsere Wahrnehmung erweitert sich und unser denkender Teil des Gehirns funktioniert optimal. Das hat in unserem Alltag viele positive Auswirkungen, in der Beziehung zu uns selbst und zu anderen:

  • Wir fühlen uns wohl, stark und sicher.
  • Wir haben eine hohe Widerstandsfähigkeit oder Resilienz in Bezug auf Stress.
  • Wir lassen uns nicht mehr so leicht von anderen mit dem Stress-Virus anstecken.
  • Wir sind offener für neue Impulse oder Menschen, die anders ticken als wir selbst.
  • Wir fühlen die Verbundenheit zu den Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten. Wir sind bereit Ihnen unser Vertrauen zu schenken.
  • Wir sind bereit gemeinsam neue oder ungewohnte Lösungen auszuprobieren und umzusetzen.

Wertschätzung wirkt sich zudem positiv auf die Qualität unserer Beziehungen aus. Überlegen Sie doch einmal, mit wem Sie lieber zusammenarbeiten, mit jemandem, der mit sich selbst im Reinen ist, der Ihnen zuhört und Sie respektvoll und aufmerksam behandelt, oder mit jemandem, der gestresst ist, ständig abgelenkt wirkt und nur mit halbem Ohr zuhört?

Wertschätzung in die Praxis bringen

Soweit die Theorie. Die positive Wirkung von Wertschätzung entfaltet sich jedoch erst mit der Anwendung.

Beim Thema Wertschätzung geht es um Energie, in Form wertschätzender Gedanken und Gefühle. Energiearbeit ist für viele noch ungewohnt, nicht nur in der Wirtschaft.

Ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit mentaler und emotionaler Energie. Dabei liegt mir der berufliche Kontext und das Thema Projekte besonders am Herzen. Deshalb habe ich etliche kleine, aber sehr effektive Tools entwickelt, die direkt im Berufsalltag eingesetzt werden können.

Ich möchte hier zwei Tools mit Ihnen teilen, zum Thema Wertschätzung im Berufsalltag.

Die wertschätzende Pause

Dieses Ritual habe ich entwickelt, als mir klar wurde, wie wichtig Wertschätzung im Beruf ist. Mit diesem Tool schlagen Sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie gönnen sich eine wohlverdiente Pause und erfüllen sich gleichzeitig mit der positiven Energie der Wertschätzung.

Damit kultivieren Sie Wertschätzung für sich selbst, für Ihre Arbeit und die Zusammenarbeit mit den Menschen in Ihrem beruflichen Umfeld.

So praktiziere ich die wertschätzende Pause:

Ich mache jeden Morgen und jeden Nachmittag mindestens zehn Minuten Pause. Dazu koche ich mir einen Tee am Morgen und einen Kaffee am Nachmittag. Dabei wertschätze ich die gute Qualität der Produkte, die ich genießen darf.

Dann setze ich mich hin und lasse meine Gedanken schweifen. Mit den folgenden Fragen:

  • Was habe ich heute schon alles geschafft?
  • Was hat mir dabei besonders viel Freude gemacht?
  • Welche Unterstützung habe ich dabei erhalten?

Ich schaue mich um und erfreue mich an den schönen Dingen in meiner Umgebung, am Porzellan, am Blick aus dem Fenster, an Bäumen, Grün oder Tieren, die gerade zu sehen sind.

Ich genieße diese wertschätzenden Pausen und richte meine Gedanken ganz gezielt auf mehr Wertschätzung, Freude und Genuss aus. Ich fühle Wertschätzung in meinem Herzen und in meinem Körper.

Das ist ein einfaches und gleichzeitig sehr kraftvolles Tool, das jede und jeder im Alltag praktizieren kann.

Für die Anwendung können folgende Hinweise hilfreich sein:

  • Planen Sie die wertschätzende Pause in ihren Kalender ein, damit Sie es nicht vergessen.
  • Folgen Sie den beschriebenen Schritten. Achten Sie insbesondere darauf Wertschätzung nicht nur zu denken sondern auch zu fühlen. Denn nur wenn Gefühl und Verstand im Einklang sind, entfaltet sich die positive Wirkung.
  • Einige meiner Kunden führen ein Erfolgs- oder Dankbarkeitstagebuch. Da können Sie ihre Gedanken zur wertschätzendem Pause aufschreiben, wenn Sie sowas mögen.

Die wöchentliche Reflexion mit dem Wertschätzungsbooster

Dieses Tool wende ich selbst regelmäßig an, um meine Arbeitswoche zu reflektieren. Ich gebe es in meinen Coachings an meine Kundinnen und Kunden weiter und habe damit viele praktische Erfahrungen gesammelt.

Eine meiner Kundinnen schrieb mir dazu: „Zum wöchentlichen Feststellen der Wertschätzung ist der Booster ein unfassbar wirksames Instrument zur Entwicklung der Selbstwirksamkeit und Förderung der Zufriedenheit.“

Der Wertschätzungsbooster ist ein Reflexionstool, das Sie täglich, wöchentlich oder monatlich nutzen können. Ich empfehle eine wöchentliche Anwendung.

Mit diesem Tool aktivieren Sie beide Ebenen der Wertschätzung, den Verstand und die emotionale Ebene. Dadurch verankern Sie Wertschätzung nachhaltig in Ihrem Erleben.

So wenden Sie den Wertschätzungsbooster an:

  • Schreiben Sie sich 3 Dinge auf, die für Sie in der vergangenen Arbeitswoche besonders wertvoll waren. Das können schöne, bereichernde Erlebnisse, wichtige Erkenntnisse oder Erfahrungen sein.
  • Spüren Sie das gute Gefühl, das während des Aufschreibens in ihnen aufsteigt.

Soweit der mentale Teil des Wertschätzungsboosters.

Mit diesem Gefühl gehen Sie nun in den zweiten, emotionalen Teil. In diesem Schritt verstärken Sie das Gefühl der Wertschätzung und verankern es im Körper:

  • Setzen Sie sich bequem auf ihren Stuhl. Stellen Sie die Füße nebeneinander. Schließen Sie ihre Augen.
  • Richten Sie ihre Aufmerksamkeit auf ihr Herz.
  • Stellen Sie sich vor, wie Sie langsam und gleichmäßig durch ihr Herz aus- und einatmen.
  • Erinnern Sie sich an die 3 Punkte, die Sie notiert haben und rufen Sie in ihrem Herzen das Gefühl der Wertschätzung auf.
  • Spüren Sie wie sich das angenehme Gefühl in ihrem ganzen Körper ausbreitet. Wie es jede ihrer Zellen erfüllt. Wie gut Ihnen das tut.
  • Praktizieren Sie das für mindestens zwei bis drei Minuten.

Denken Sie daran, was die Wissenschaft über die Wirkung der Herz-Gehirn-Kommunikation herausgefunden hat. Mit dem emotionalen Teil des Tools stellen Sie den Einklang von Gefühl und Verstand her, der in unserem Alltag oft verloren geht.

Fazit

Wertschätzung beeinflusst, wie wir arbeiten, wie wir zusammenarbeiten und wie wir uns dabei fühlen. Erfahrung und Forschung zeigen, dass bewusst praktizierte Wertschätzung unser Wohlbefinden stärkt, unsere Wahrnehmung erweitert und die Zusammenarbeit verbessert.

Entscheidend ist die Anwendung im Alltag. Mit der wertschätzenden Pause und dem Wertschätzungsbooster stehen Ihnen zwei einfache und wirksame Tools zur Verfügung.

Die wertschätzende Pause hilft Ihnen, im Arbeitsalltag bewusst innezuhalten und den Blick auf das zu richten, was gelingt. Der Wertschätzungsbooster ergänzt dies durch eine strukturierte Reflexion und verbindet den mentalen und den emotionalen Zugang zur Wertschätzung.

Die Effekte zeigen sich auf mehreren Ebenen:

  • Sie stärken Ihr Selbstvertrauen, Ihr Selbstbewusstsein und Ihr Selbstwertgefühl.
  • Sie steigern Ihr Wohlbefinden und erhöhen Ihre emotionale Stabilität.
  • Sie entwickeln ein besseres Verständnis dafür, wie Wertschätzung für Sie funktioniert.

Probieren Sie den Wertschätzungsbooster aus, alleine oder im Team. Sie können beide Teile nutzen oder sich auf den mentalen Teil beschränken.

Wertschätzung in Projekten braucht Ihre wertschätzende Energie. Sie müssen nicht abwarten, Sie können selbst aktiv werden. Indem Sie Wertschätzung bewusst in sich erzeugen, im Kopf, im Herzen und im Körper, schaffen Sie die Grundlage, um auch andere anzustecken.

Beginnen Sie damit im Alltag. Sie und Ihr Umfeld werden davon profitieren. Je mehr Menschen Wertschätzung bewusst praktizieren, desto größer wird ihre Wirkung.

 

Hinweise:

Wenn Sie sich für ein effektives Energiemanagement im Beruf interessieren und Ihre energetischen Fähigkeiten weiterentwickeln möchten, lädt Sie Martina Baehr zu einem kostenfreien 30-minütigen Energy-Call ein. Schauen Sie gemeinsam, wie Sie Ihre Wertschätzung gezielt in Ihrem Projektalltag nutzen können. Alternativ können Sie ihr auch gerne eine E-Mail schreiben.

[1] Die Randstad Employer Brand Research wird seit 25 Jahren in über 30 Ländern durchgeführt. Für die Ausgabe 2025 wurden weltweit über 170.000 Menschen befragt, darunter 3.961 in Deutschland. Erhoben werden Attraktivität und Bekanntheitsgrad von Arbeitgebern sowie die wichtigsten Kriterien für Jobwahl und Loyalität.

Hier finden Sie den Länderreport für Deutschland.

[2] Richard Davidson
[3] Research Library des HeartMath Institute

Hier finden Sie die wissenschaftlichen Grundlagen des HeartMath Systems.

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Martina Baehr hat weitere Beiträge im t2informatik Blog veröffentlicht, u. a.:

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Martina Baehr
Martina Baehr

Martina Baehr ist Arbeits- und Organisationspsychologin und Inhaberin von Projektmanagement plus – Mit Energie + Strategie zum Projekterfolg. Sie hat in verschiedenen mittelständischen Unternehmen als Projektleiterin und Abteilungsleiterin für interne Prozess- und Systemberatung gearbeitet und verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Leitung großer Reorganisations- und IT-Projekte. Als Projektbegleiterin und Energie-Coach unterstützt sie Kundinnen und Kunden dabei ihre innere Stärke zu entfalten. Zur Steigerung ihrer Wirkkraft, für entspannte und erfolgreiche Projekte und einen positiven Impact im Job. Sie ist Gründerin und Moderatorin des Inner Power Clubs.

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