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Citizen Developer

Softwareentwicklung außerhalb der IT-Abteilung

Ein Citizen Developer ist ein Anwender oder ein Mitarbeiter einer Fachabteilung, der für sich oder seinen Bereich Software entwickelt, obwohl er kein Softwareentwickler ist. Grundsätzlich gibt es zwei Interpretationen, wie ein Citizen Developer dies tut:

  • unabhängig von der zentralen IT-Abteilung,
  • mit Unterstützung der zentralen IT-Abteilung, die Entwicklungsumgebungen, insbesondere Low-Code-Plattformen oder No-Code-Plattformen, zur Verfügung stellt. Die Verwendung solcher Plattformen erfordert keine oder nur geringe Programmierkenntnisse, da sich Funktionalitäten in einem Baukastenprinzip miteinander kombinieren lassen.

Weit bevor der Begriff des Citizen Developers erfunden wurde, gab es Anwender in Fachabteilungen, die eigene Lösungen – gerne in Form von MS Excel Tabellen mit Makros, Access-Datenbanken, kleinere CRM-Systeme etc. –  implementierten. Ein Citizen Developer

  • kann, muss aber heutzutage kein professioneller Softwareentwickler sein. Es kann sich um einen ehemaligen Entwickler handeln, der inzwischen in der Fachabteilung aktiv ist, oder um einen Mitarbeiter, der in seiner Freizeit kleinere Anwendungen programmiert. Auch die gemeinsame Arbeit mehrerer Citizen Developers als Team in einem Fachbereich ist denkbar.
  • kennt die Anforderungen an eine zu entwickelnde oder anzupassende Software, da er und sein Fachbereich Bedarfsträger und Nutznießer in Personalunion sind.
  • hat keine Zeit, auf die Bereitstellung neuer Features, die Anpassung vorhandener Funktionalitäten oder die Beseitigung von Fehlern zu warten.

Die Tendenz in Unternehmen zur Entwicklung von Anwendungen in den Fachbereichen nimmt stetig zu. Anbieter von Low-Code-Plattformen und No-Code-Plattformen haben dies als großen Zukunftsmarkt identifiziert und versuchen so, die Vorteile der Schatten-IT (auch als Shadow Development bezeichnet) und der zentralen Entwicklung zu kombinieren. Citizen Development bietet aber nicht nur Vorteile, sondern auch einige Nachteile bzw. Herausforderungen:

  • Wie gut ist der Prozess zur Erhebung von Anforderungen? Wie werden Stakeholder involviert, wie werden Szenarien beachtet etc.?
  • Welche Qualität hat die Implementierung bspw. in Bezug auf Code-Smells, Codeüberdeckung, Dokumentation?
  • Wie gut ist die Software getestet, wie sicher ist die Software und wer hat welche Rechte und Möglichkeiten?
  • Wer kümmert sich um die Wartung und Pflege der Software bzw. der neuen Funktionalität? Wer führt ggf. ein Refactoring durch? Wer ist Ansprechpartner bei Problemen und wer ist stellvertretender Ansprechpartner?

Manche Publikationen erwähnen, dass sich durch die Arbeit des Citizen Developers Entwicklungsaufwände reduzieren ließen, denn ihre Tätigkeiten würden keine zusätzlichen Ressourcen bzw. Programmierexperten beanspruchen. Bei einer Vollkostenrechnung und der Betrachtung von Opportunitätskosten könnte sich diese Argument aber als nicht stichhaltig erweisen.

Hinweis:

Einen Blogbeitrag zu Low-Code-Plattformen finden Sie hier  »
Einen Blogbeitrag zur zentralen IT versus Schatten-IT finden Sie hier  »

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