Warum Unternehmensberater Servant Leaders sein sollten

Gastbeitrag von | 23.01.2020 | Prozesse & Methoden | 0 Kommentare

Die sich verändernde Arbeitswelt und die Entwicklung hin zu „agilen Unternehmen“ stellt neue Anforderungen an die heutige Führung. Flexibilität, eine offene Feedbackkultur sowie persönliche und berufliche Weiterentwicklung werden immer stärker von Mitarbeitern gefordert – und in diesem Zusammenhang wird auch Führung neu gedacht. Ein modernes Konzept taucht dabei mittlerweile häufig auf: „Servant Leadership“. Doch was hat es damit auf sich und warum ist das gerade für Unternehmensberater so wichtig?

Die Entwicklung im Blick

Viele Menschen, die in großem Wohlstand aufgewachsen sind, suchen heute nach wirklichem Sinn in ihrem Leben – und das tun sie natürlich auch in der Arbeit. Solche Menschen möchten eine ebenso sinnhafte wie sinnvolle Führung erleben und eher einer Vision folgen, als Befehle abzuarbeiten.

Servant Leaders setzen genau dort an: Sie entfalten das Entwicklungspotenzial von Menschen, indem sie ihnen „dienend“ begegnen und ihr Wachstum fördern. Dieser Führungsstil geht von der kompromisslosen Orientierung am Wohl der Organisation und ihrer Individuen aus.

Während traditionelle Führung die Frage stellt: „Wie kann ich Menschen so führen, dass Sie tun, was von ihnen verlangt wird?“, fragt der Servant Leader: „Was kann ich für andere tun, damit sie sich entfalten und weiterentwickeln, um gemeinschaftliche Ziele zu realisieren?

In vielen US-amerikanischen Unternehmen ist dieser Ansatz bereits stark verbreitet: Ein Drittel der Fortune-100-Unternehmen (Liste der weltweit größten Unternehmen) gibt an, die Idee des Servant Leadership zu praktizieren.¹ Und viele bekannte Managementautoren sind davon überzeugt, dass sich Servant Leadership zur Führungskultur des 21. Jahrhunderts entwickeln wird.

Servant Leadership ist die ehrliche Orientierung am Gegenüber und am Gemeinwohl. Doch das widerspricht oft den gängigen Erfahrungen – deshalb braucht es einen grundlegenden Vorab-Wertekonsens in einer Organisation, damit dieser Ansatz gelingen kann.

Die Kernidee von Servant Leadership

Die Kernidee von Servant Leadership stellt die klassischen Hierarchien auf den Kopf. Denn die dienende Führungsperson ist der Gegenentwurf zur dominanten Führung selbstbezogener Einzelakteure. Auch für Unternehmensberater ist dieser Ansatz extrem interessant. Üblicherweise wird ein Berater in ein Unternehmen geholt, um zu führen und nicht zu folgen. Das Ziel sollte es aber sein, über die traditionelle Berater-/Kundenbeziehung hinauszuwachsen und ein vertrauenswürdiger Berater zu werden. Der Unternehmensberater baut damit auf persönlichem und professionellem Wachstum auf – mit dem Ziel einer effizienten und ehrlichen Zusammenarbeit, hoher (Eigen-)Verantwortlichkeit und Nächstenliebe.

Servant Leadership ist allerdings nicht mit einer Managementtechnik zu verwechseln, sondern eine wertebasierte Grundhaltung, die den eigenen unmittelbaren Nutzen dem Wohl der Geführten und der Organisation unterordnet.

Dabei lässt sie der Ansatz durch drei Prinzipien charakterisieren:

  1. Die Mitarbeiter oder Kunden werden in ihrer Persönlichkeit anerkannt, gefördert und ihre individuellen Bedürfnisse befriedigt. Ziel ist deren persönliches Wachstum, damit sie sich selbst zu dienenden Führenden entwickeln können.
  2. Servant Leaders zeigen Empathie, Beziehungsaufbau, Ehrlichkeit und Integrität sowie visionäre, soziale Verantwortungsübernahme.
  3. Die Kraft dafür schöpfen sie aus der eigenen Werteorientierung.

Sorgen Servant Leaders für ihre Mitmenschen und schaffen Vertrauen, so entsteht Sicherheit. In unserer westlichen Welt ist das ein starkes Grundbedürfnis – wer es also schafft, dieses Bedürfnis zu befriedigen, findet eine treue Anhängerschaft. Im Kontext der Arbeitswelt folgen andere einer Person, weil sie es wollen, nicht weil sie es müssen.

Merkmale und Erfolgsfaktoren von Servant Leaders

Ein „dienender“ Unternehmensberater sucht primär nicht nach Anerkennung, Geld oder Status, sondern agiert aus einer intrinsischen Motivation heraus.

Diese Eigenschaften definieren Servant Leaders:

  • Aktiv zuhören – ohne Vorurteile oder Bewertungen
  • Einfühlsam sein und Menschen in ihrer Vielfältigkeit akzeptieren
  • Unterstützen bei der Talententfaltung
  • Agieren mit Weitsicht und Intuition
  • Nehmen Konflikte wahr und lösen diese ehrlich
  • Überzeugen durch Vertrauen und Begeisterung
  • Fördern Eigenverantwortung und Gemeinschaft

Begeisterung vermitteln durch Fordern und Fördern, Vorleben von Werten, Empathie sowie einer Vision sind wesentliche Merkmale von Servant Leadership. Bei der traditionellen Führung steht meist das „Wie“ und „Was“ im Mittelpunkt, doch beim Servant Leadership ist eine breitere Perspektive erkennbar, die den Mitarbeitern verdeutlicht, „Warum“ sie etwas für ihr Unternehmen tun. Davon können nicht nur die Geführten, sondern auch die Organisation profitieren. Servant Leadership erreicht nämlich gleichzeitig individuelle Bedürfnisbefriedigung und organisationale Leistungsverbesserung sowie ein gestärktes Gemeinschaftsbewusstsein. Organisationen, die die Prinzipien der dienenden Führung nutzen, sind in der Regel wirtschaftlich überdurchschnittlich erfolgreich.

Wie lässt sich Servant Leadership umsetzen?

Servant Leadership trägt als wertegetriebene Philosophie die Idee des Wandels in sich. Im betrieblichen Alltag sollte der philosophische Ansatz aber in konkrete Handlungen heruntergebrochen und auf eine behutsame Veränderung von Werten und Motiven geachtet werden.

Folgende Verhaltensweisen im Umgang mit anderen spielen dabei eine zentrale Rolle:

  • Erwartungen klar abstecken und Sinn vermitteln (Inspirieren)
  • Interessante und fordernde Aufgaben ermöglichen (Stimulieren)
  • Auf den Einzelnen eingehen (Individualität achten)

Kunden können oft mit Sicherheit sagen, ob ein Unternehmensberater ein Experte auf seinem Gebiet ist. Was sie aber häufig nicht wissen, ist der Antrieb des Beraters. Daher ist es wichtig, von Anfang an Werte offen zu leben. Und es ist die Aufgabe des Unternehmensberaters, den ersten Schritt zu gehen und ein positives Vorbild zu sein.

Als Kunde sollten Sie diese Schlüsselkompetenzen im Blick behalten:

  • Authentizität: Es braucht viel Mut, eine Meinung zu vertreten, die Sie als Kunde nicht teilen werden. Authentizität bedeutet nicht, dass Sie als Kunde und Auftraggeber immer alles gut oder richtig finden – wichtig ist, dass Sie wissen, wofür Ihr Berater steht. Und das schafft ein Servant Leader nur, indem er authentisch bleibt.
  • Ehrlichkeit: Berater propagieren Teamfähigkeit, sie berichten von Fortschritten und Erfolgen. Schlechte Nachrichten vermitteln sie aber oftmals möglichst spät, da sie hoffen, dass das Projekt schon zuvor beendet sein wird. Diese Kurzsichtigkeit ist ein großes Hindernis, um Vertrauen zu gewinnen. Ein wirklich vertrauenswürdiger Berater wird deshalb ehrliches Feedback und Informationen geben.
  • Klarheit: Eine klare Kommunikation kann viele Probleme lösen, bevor sie überhaupt entstehen. Sie hilft bei der Planung und dem Treffen von Entscheidungen. Suchen Sie also idealerweise immer nach Beratern, die klar und eindeutig mit Ihnen kommunizieren.

Ein letzter Gedanke: Ein vertrauenswürdiger Berater, auch Consigliere genannt (nicht zu verwechseln mit dubiosen Rollen aus Mafia-Filmen), wächst darüber hinaus, lediglich ein bestimmtes Projekt zu betreuen. Er ist in der Lage, sein Fachwissen zu nutzen, um Kunden langfristig zu helfen. Damit wird er zum Ratgeber, der in der Lage ist, eine Beratung anzubieten, die auf dem basiert, was das Beste für Mitarbeiter und das Unternehmen ist. Das ist Servant Leadership.

 

Hinweise:

Erinnern Sie sich noch an einen Lehrer, der Sie nachhaltig geprägt und seine Schüler begeistert hat? Wäre es nicht toll, wenn sich die Menschen auch an Ihren Namen erinnern?

Marc Thiel möchte Menschen und Unternehmen dabei unterstützen, agile Methoden einzuführen und auf den digitalen Wandel vorzubereiten. Gerne macht er dies als Servant Leader. Unter https://marcthiel.de/ finden Sie weitere Informationen und können leicht mit ihm Kontakt aufnehmen.

Marc Thiel - Blog - t2informatik

[1] Dr. Jürgen Weibler: Servant Leadership (https://www.leadership-insiders.de/servant-leadership/)

Marc Thiel
Marc Thiel

Marc Thiel ist ein Experte für agiles Projektmanagement. Nach seiner Lehre zum Bankkaufmann hat er sich entschieden ein Studium der Betriebswirtschaftslehre anzuschließen. Er hat daraufhin mehr als 12 Jahre Berufserfahrung in der Finanz- und Versicherungsbranche gesammelt, bevor er sich vornehmlich auf die Automobil-, Werkzeugindustrie sowie die Versicherungswirtschaft spezialisiert hat.