Fünf Tipps zum Aufbau von Low-Code-Teams

Gastbeitrag von | 09.04.2020 | Prozesse & Methoden | 0 Kommentare

Bis 2024 werden mehr als 65% aller Software-Programme mit Low-Code realisiert sein, das prognostiziert das US-Analystenhaus Gartner.¹ Im Zuge der Digitalisierung ist dies auch mehr als nötig, denn mithilfe der Low-Code-Technologie werden Software-Anwendungen im Vergleich zu „herkömmlicher“ Software viel effizienter und damit kostengünstiger produktiv gesetzt. Zudem werden Anwendungen auf die individuellen Anforderungen der späteren Nutzer zugeschnitten entwickelt. Wie dies nun in der Realität aussieht, also wie die Menschen hinter den Computern arbeiten, zeigt folgender Artikel mit fünf hilfreichen Tipps und Anregungen zum Aufbau und zur Etablierung eines Low-Code-Teams im Unternehmen.

#1 Suchen Sie nicht nach dem klassischen Informatiker

Low-Code-Teams setzen sich grundlegend anders zusammen als klassische IT- bzw. Entwicklerteams. Dazu ist es erst einmal notwendig zu erläutern, wie Low-Code Developer arbeiten. Sie schreiben keinen Programmcode selbst bzw. wenn dann nur in geringem Maße, sondern arbeiten mit vordefinierten Elementen, die sie mithilfe der Low-Code-Plattform zu einer Anwendung zusammenstellen. Dies bedeutet, dass sie nicht unbedingt über ein umfassendes Informatikwissen verfügen müssen. Sie sind Anwendungsentwickler und müssen vielmehr dazu fähig sein, vielfältige Modelle, regelbasierte Systeme und sämtliche Arten deklarativer Beschreibungen zu verstehen. Low-Code-Developer erstellen Anwendungen direkt angepasst an den späteren Nutzer und dieser ist im gesamten Entwicklungsprozess integriert. Das heißt, dass die Arbeitsweise sehr agil und von viel Kommunikation geprägt ist. Ein Informatiker kann natürlich auch über all diese Fähigkeiten verfügen, muss aber nicht zwangsläufig die beste Wahl zum Aufbau eines Low-Code-Teams sein.

#2 Quereinsteiger eignen sich sehr gut als Low-Code-Developer

Für die Arbeit mit einer Low-Code-Plattform sind Quereinsteiger sehr gut geeignet. Ein gewisser naturwissenschaftlicher Hintergrund sollte vorhanden sein, was zum Beispiel durch ein Studium in Mathematik, Physik, Ingenieurwesen oder auch Bio-, Geo- und Wirtschaftsinformatik gegeben ist. Aber auch ein BWL-Studium kann die Grundlage für die Arbeit als Low-Code-Entwickler bzw. als Low-Code-Entwicklerin sein. Das Wichtigste ist die Fähigkeit zum strukturierten abstrakten Denken und dabei ist die Fachrichtung des Studiums weniger relevant. Quereinsteiger ohne oder mit nur wenig Informatik-Hintergrund gehen oft unvoreingenommener an die Arbeit mit Low-Code heran, was die Einarbeitung erleichtern kann. Im Vergleich zum Informatiker besitzen sie häufig flexiblere Denkmuster, denn ein klassischer Programmierer musste sich aneignen, algorithmisch und prozedural zu denken.

Ganz nebenbei kommt diese Entwicklung dem hohen Fachkräftemangel in der IT zu Gute. Laut Bitcom gibt es aktuell so viele unbesetzte Stellen in der IT, wie noch nie. 124.000 Stellen waren in 2019 offen, was einen Anstieg um 51 Prozent bedeutet.² Auf dem angespannten Arbeitsmarkt haben Sie durch die Suche nach Quereinsteigern eine deutlich höhere Chance, neue Mitarbeiter zu finden.

#3 Auf einen Informatiker treffen vier Quereinsteiger

Ein Low-Code-Team setzt sich aus IT-Spezialisten, IT-affinen Fachanwendern und Quereinsteigern aller Art zusammen. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass ein Projektteam bestehend aus einem IT-Spezialisten und vier Nicht-IT-Leuten am effizientesten arbeitet. Abhängig von Größe und Umfang der zu bewältigenden Aufgabe kann die Anzahl an Teammitgliedern natürlich variieren, sollte aber in ähnlichem Verhältnis sein. So ist auf der einen Seite ausreichend IT-Wissen vorhanden, und auf der anderen Seite profitiert das gesamte Team von den zahlreichen unterschiedlichen Qualifikationen und Fähigkeiten der anderen Teammitglieder. Eine Hierarchie zwischen ITlern und Nicht-ITlern gibt es dabei nicht, jede/r ist für den Bereich zuständig, in dem er/sie am meisten Kenntnisse hat.

Das Low-Code-Team ist dann entweder in den jeweiligen Fachbereichen des Unternehmens angesiedelt oder direkt in der IT. In diesem Fall sollte es jedoch klar getrennt von den IT-Kernsystemen arbeiten, sodass die verschiedenen Arbeitsweisen nicht korrelieren.

#4 Holen Sie sich Wissen von außen

Setzt man nun einfach das Low-Code Team in einen Raum und lässt sie mit den neuen Tools arbeiten, wird das Projekt sicher nicht gelingen, denn ganz ohne Wissen über Low-Code geht es natürlich nicht. Bisher ist die Low-Code-Technologie noch nicht in den Lehrplänen der Universitäten aufgenommen, da sie einfach noch zu neu ist. Daher können nur die Anbieter selbst oder unabhängige Coaches das Wissen über die Technologie in Form von Schulungen verbreiten. Eine Woche intensives Lernen vermittelt dann zwar die wichtigsten Bedienfunktionen einer Low-Code-Plattform, jedoch noch lange nicht die gesamte Denk- und Arbeitsweise. Manche Teams sind dann sicher in der Lage, selbst einen Weg zu finden und andere benötigen Hilfe von Coaches. Diese können dann am Anfang des Projektes feste Teammitglieder sein und so den Weg zur Etablierung des Low-Code-Teams begleiten.

#5 Arbeiten Sie nach dem Design-Thinking-Prinzip

Ihr Team hat sich nun erfolgreich zusammengesetzt und ist geschult, muss jetzt aber noch die passende Arbeitsweise finden. Bei der Arbeit mit Low-Code-Plattformen haben sich die Prinzipien des Design Thinking als sinnvoll ergeben. Diese Prinzipien sind ebenfalls noch relativ neu und Bestandteil agiler Projektmanagement-Methoden. Hierbei steht der Mensch, also die Entwickler und die Anwender, mit seinen Eigenschaften und Bedürfnissen im Mittelpunkt. In Arbeitsalltag der Anwendungsentwicklung bedeutet das, dass die späteren Nutzer fester Bestandteil des gesamten Projektteams sind. Zu Beginn wird genau analysiert, welche Anforderungen an das Projekt gestellt werden. Daraus ergeben sich dann folgende, auch variabel anzuordnende Phasen des Design Thinking bei Low-Code-Projekten:

  1. Verstehen
  2. Beobachten
  3. Sichtweise definieren
  4. Ideen finden
  5. Prototyp entwickeln
  6. Testen

Ein ständiges „Über-die-Schulter-schauen“ ist natürlich nicht notwendig, wöchentliche Treffen und individuelle Abstimmungen sind deutlich sinnvoller. Das Wichtigste bei der Arbeit nach den Design-Thinking-Prinzipien ist die Frage: „Ist das wirklich das, was wir brauchen?“ So werden keine Ressourcen verschwendet.

 

Hinweise:

[1] Gartner: Magic Quadrant for Enterprise Low-Code Application Platforms
[2] Bitkom: Erstmals mehr als 100.000 unbesetzte Stellen für IT-Experten

Weitere Informationen zum Thema Low-Code finden Sie unter https://www.scopeland.de/home.
Auch auf Twitter können Sie SCOPELAND folgen: https://twitter.com/Scopeland_info.

Karsten Noack hat im t2informatik Blog weitere Beiträge veröffentlicht, u. a.

t2informatik Blog: Was sind Low-Code-Plattformen?

Was sind Low-Code-Plattformen?

t2informatik Blog: Zentral-IT versus Schatten-IT

Zentral-IT versus Schatten-IT

t2informatik Blog: Eine Alternative zu Scrum bei Auftragsprojekten

Eine Alternative zu Scrum bei Auftragsprojekten

Karsten Noack
Karsten Noack

Karsten Noack ist Gründer und CEO der Scopeland Technology GmbH. Als Visionär entwickelte er bereits Mitte der 90er Jahre die Grundlagen der Technologie, die heute als Low-Code und als Schlüsseltechnologie der Digitalisierung bekannt ist. Er verfügt über umfassende Erfahrungen im Einsatz von Low-Code-Plattformen in großen Unternehmen und Behörden und sieht sich nicht nur als Geschäftsführer im üblichen Sinne, sondern viel mehr als Motor der Produktentwicklung und als Visionär, und irgendwie auch als Evangelist für ein neues Denken in der IT-Industrie. Karsten Noack engagiert sich im Hauptvorstand des BITKOM sowie in mehreren Unternehmernetzwerken in der Berliner Region.