Varietät ist eine Maßzahl für Komplexität und Komplexität zählt die Anzahl aller möglichen Zustände bzw. Handlungsmöglichkeiten, die ein System aufweisen kann – so formulierte William Ross Ashby eine zentrale Erkenntnis der Kybernetik. Nach Ashby muss ein System über mindestens genauso viele Handlungsoptionen verfügen, wie Störungen vom einem zu steuernden System ausgehen können. Das System muss also mindestens genauso komplex sein, wie die Situation, die es zu bewältigen gilt. Praktisch erreichen Sie dies durch die Erhöhung der eigenen Handlungsoptionen, also bspw. durch mehr Leute und Wissen, bessere Informationsverarbeitung oder bessere Methoden. Einfach ausgedrückt: es braucht entsprechende Fähigkeiten, um angemessen auf komplexe Situationen reagieren zu können. Und was hat das mit Gruppen und einer erfolgreichen Gruppenkommunikation zu tun?

Die Komplexität von Gruppen

Die Ausführungen von Ashby führen zu dem Gedanken, dass sich große Herausforderungen nur mit großen Gruppen bewältigen lassen. Kleine Team können demnach nicht genügend Sichtweisen oder Wissen integrieren. Leider bilden große Gruppen selbst auch komplexe Systeme mit sehr vielen potentiellen Störungen und großen Herausforderungen bei der Moderation solcher Gruppen. Da ein Moderator oder ein Moderationsteam niemals so komplex sein kein wie die zu moderierende Grossgruppe, benötigen Sie zur Moderation eine entsprechend komplexe Methode. Eine Methode, die mindestens ein Gleichgewicht zwischen Zusammenarbeit und Gruppenkomplexität schafft.  Mit einer solchen Methode kann die Gruppe ihr volles Potential entfalten.

Die Beziehungen einer Gruppe

Die Beziehungen einer Gruppe

Hebelpunkte in der Gruppenkommunikation

Wie lässt sich diese Logik für die Kommunikation in Gruppen nutzen? Ich nutze Hebelpunkte, die unerwünschte Gruppendynamiken ausschließen und erwünschte begünstigen. Durch den Einsatz von Hebelpunkten wird die komplette Problematik aus verschiedenen Perspektiven und im Zusammenhang betrachtet. Gleichzeitig werden Egoismen der Gruppenmitglieder minimiert, Gedanken können reifen und Inhalte auf den Erkenntnissen Anderer aufbauen. Die Gruppe gewinnt ein sehr gutes Verständnis von sich und der ursprünglichen Fragestellung, so dass ein integrierter Maßnahmen- und Strategiekatalog, an dem alle Gruppenmitglieder mitgewirkt haben und hinter dem alle stehen, quasi wie von selbst entsteht. Die Hebelpunkte ermöglichen das Erlebnis kollektiver Intelligenz. Nachfolgend finden Sie eine Auflistung der Hebelpunkte:

  1. Fokussierung
    Was ist Thema und Ziel der Arbeit? Definieren Sie ein klares Thema mit einer herausfordernden Fragestellung, die alle Teilnehmer motiviert. Formulieren Sie ein Ziel und legen Sie den Fokus auf die Erreichung des Ziels in Form von Aufgaben- und Fragestellungen, sowie davon abgeleiteten Unterthemen und Schwerpunktperspektiven. So richten Sie die Energien im Team von persönlichen Konflikten hin zur gemeinsamen Sache und vermeiden endlose Diskussionen.
  1. Themenkompetenz
    Wie wird entschieden? In seinem Wirkungs- und Verantwortungsbereich ist jeder Experte. Ist ein Teil einer Gruppe häufiger mit einer Situation konfrontiert, so kann dieser bestimmte Situationen und Erfordernisse an Entscheidungen am besten einschätzen. Nutzen Sie solche Erfahrungen bei der Entscheidungsfindung.
  1. Strukturierung
    Wie wird der Austausch gestaltet? Die Arbeit in Großgruppen muss sehr strukturiert ablaufen, denn sonst entstehen unerwünschte Dynamiken. Mit der richtigen Strukturierung einer Diskussion werden Informationen besser ausgetauscht. Ansonsten potenziert jeder weitere Teilnehmer die Anzahl der Störungen und Chaos droht. Für die Strukturierung einer Gruppenkommunikation gibt es viele, kleine Möglichkeiten wie Regeln bezüglich der Redeanteile, die gezielte Rotationen von Verantwortlichkeiten und Perspektiven, Sitz- und Raumordnung, die Verteilung von Rollen oder Themen oder verschiedene Prozessphasen mit unterschiedlichen Themen und Schwerpunkten.
  1. Rückkopplung
    Wie wird Feedback eingebunden? Vieles hängt mehr oder weniger zusammen. Bevor eine Entscheidung getroffen wird, ist es sinnvoll Feedback abzufragen. So können Sie mögliche Rückwirkungen diverser Schnittstellen vorweg nehmen und optimieren die Lösung durch Impulse und andere Sichtweisen. Idealerweise sollten Sie interne und externe Feedbackschleifen systematisch gestalten.
  1. Taktung
    In welchem Rhythmus wird gearbeitet? Mit Zeitvorgaben gestalten Sie die Frequenz der Kommunikation. Wichtig ist, dass Sie Zeitvorgaben selbst einhalten, denn strikte Zeitvorgaben mobilisieren Energien auf den definierten Zeitpunkt und sichern Ergebnisorientierung. Nutzen Sie Strukturelementen wie Rollen und Rotationen, um gehirngerechte Kommunikationsprozesse zu gestalten. Wollen Sie bspw. die Informationsverarbeitung optimieren, dann sind Zeitvorgaben unumgänglich, um das Gehirn im Wechsel anzuspannen und zu entspannen.
  1. Nachvollziehbarkeit
    Wie transparent ist der Prozess? Ein System funktioniert umso besser, je mehr es über sich selbst weiß. In anderen Worten: je mehr ein Akteur versteht, desto mehr kann er zur Gruppenkommunikation beitragen. Dazu gehört auch, dass Art und Weise sowie Sinn und Zweck in der Zusammenarbeit ebenso nachvollziehbar sind, wie das Entstehen von Ergebnissen und Entscheidungen.
  1. Parität
    Werden Wissensträger gleichmäßig eingebunden? Sorgen Sie dafür, dass alle Gruppenmitglieder die gleichen Möglichkeiten haben, ihre Meinungen und ihr Wissen einzubringen. Beteiligen Sie jeden im Arbeits- und Entscheidungsprozess. Durch die richtige Strukturierung sorgen Sie dafür, dass jeder die gleiche Beeinflussungsmöglichkeit hat, indem Sie Verantwortlichkeiten, Arbeitsphasen, Rollen oder Perspektiven gleichmäßig auf die Teilnehmer verteilen.
  1. Redundanz
    Wie verfügbar sind Informationen im Prozess? Gerade bei komplexen Fragestellungen ist es erforderlich, dass jede eingebrachte Information zu jeder Zeit mehrfach verfügbar ist. Nur so gewährleisten Sie, dass individuelle Fehlerquellen durch die Gruppe ausgeglichen werden. Um dies zu erreichen, ist ein kluger Algorithmus erforderlich, der dafür sorgt, dass jeder zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, um das richtige sehen, sagen oder hören zu können.

Fazit

Gruppenkommunikation ist nicht einfach. Je größer eine Gruppe ist, desto komplexer wird die Ausgestaltung und Kombination der Hebelpunkte. Mit den kombinierten Hebelpunkten stellen Sie sicher, dass sich ein System besser versteht und somit immer besser funktioniert. Dies führt zu einem Kollektiv, das wie ein großes Gehirn arbeitet, was eine beeindruckende Erfahrung für alle Beteiligten ist. Es ist die Königsklasse analoger Kommunikation. Probieren Sie es doch einfach mal bei Ihrem nächsten (Strategie-) Workshop aus.

 

Hinweis

Weitere Information zu den Hebelpunkten der Gruppenkommunikation und Beispiele finden Sie unter www.gruppenbing.de.

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