Praktische Tipps für SMARTe Ziele

Gastbeitrag von | 08.02.2021 | Projektmanagement | 3 Kommentare

Sind Sie gut im Ziele erreichen? Oder geht es Ihnen eher so, dass Sie immer wieder große Pläne haben, voller Tatendrang sind und dann doch nichts passiert?

Da sind Sie nicht allein. So geht es vielen Menschen. Das liegt bspw. oft daran, dass wir Ängste haben, die mit dem Ziel verbunden sind. Das ist uns aber in den meisten Fällen nicht bewusst. Wenn wir diese Befürchtungen verstehen, wissen wir, warum unser Ziel bisher unerreicht ist. Es kann auch sein, dass Sie blockierende Überzeugungen haben, die Ihnen im Weg stehen und die Sie zuerst auflösen sollten. Aber es muss nicht immer an Blockaden liegen. Es kann auch sein, dass Sie Ihr Ziel einfach unpassend formuliert haben. Damit Sie Ihre Ziele erreichen können, bekommen Sie im Folgenden Tipps von mir für die passende Formulierung.

SMARTe Zielformulierung

SMARTe Zielformulierung! Vielleicht sagen Sie jetzt, das kenne ich schon! Doch wie oft haben Sie die SMART Formel wirklich bei ihren eigenen Zielen angewendet? Diese Vorgaben helfen Ihnen dabei, dass Sie ein gut formuliertes Ziel haben, das Sie nicht demotiviert und für Sie auch ohne fremde Hilfe erreichbar ist. Natürlich können Sie das auch wunderbar anwenden, wenn Sie mit Ihren Mitarbeitern im Mitarbeitergespräch sind. Auch wenn Sie gemeinsam mit dem Team Ziele erarbeiten wollen, macht das Sinn.

Wofür stehen nun also die einzelnen Buchstaben?

S wie spezifisch

Schreiben Sie ihr Ziel ganz konkret auf. Jemand Schlaues sagte mal, „wer schreibt, der bleibt“, also schreiben Sie es definitiv auf. Das hilft bei der Verwirklichung Ihrer Ziele.

  • „Ich wünsche mir eine bessere Zusammenarbeit mit dem Team.“
  • „Ich möchte produktiver arbeiten.“
  • „Ich will konfliktfähiger werden.“

All das ist nicht sehr konkret. Das ist, wie wenn Sie in Ihr Navigationsgerät „Deutschland“ eingeben. Dann kommen Sie irgendwo in Deutschland an, aber nicht genau dort, wo Sie hin wollen. Dazu müssen Sie natürlich auch genau wissen, wo es hingehen soll. Diese Klarheit fehlt uns jedoch oft.

  • „Ich möchte gern mehr Teammeetings.“
  • „Ich will meine täglichen Aufgaben schneller fertigstellen.“

Das ist schon konkreter. Nun kommen Sie in einem bestimmten Bundesland raus, wie Hamburg oder Berlin. Doch bekommen wir das noch konkreter hin? Ja, auch wenn es manchmal zeitaufwändig ist.

  • „Ich führe wöchentliche einstündige Teammeetings ein.“
    oder auch
  • „Ich stelle meine täglichen Aufgaben in vier Stunden meiner Arbeitszeit fertig.“

Sehen Sie den Unterschied? Natürlich wird das nun durch die weiteren Buchstaben ergänzt und erst dann ist es SMART formuliert. Achten Sie auch darauf, dass Sie hier keine Weichmacher einfügen, wie „vielleicht“, „ich glaube“ oder „ich möchte“ etc.

M wie messbar

Wenn Sie so weit sind, folgt die Frage, woran können Sie messen, dass Sie Ihr Ziel erreicht haben? Gibt es Zahlen, die das belegen können? Geht es um eine Steigerung der Produktivität, dass Sie mehr Kunden generieren oder ähnliches, ist das noch leicht. Geht es um einen neuen Job, können Sie den Erfolg messen, wenn Sie den Vertrag in der Hand haben (besonders, wenn das Ziel war, mehr zu verdienen und Sie sich eine konkrete Summe vorgenommen haben). Lassen Sie uns das mal in Bezug auf die Beispiele von oben betrachten:

  • „Ich führe montags einstündige Teammeetings ein.“
    oder auch
  • „Ich stelle meine täglichen Aufgaben in vier Stunden meiner Arbeitszeit fertig.“

Da passt es schon gut. „Montag“ statt „wöchentlich“ macht es noch konkreter, auch wöchentlich kann man messen. Die Zeitangabe von vier Stunden ist auch messbar.

In manchen Bereichen ist es schwieriger. Beispielsweise wenn es Ihr Ziel ist, zufriedener zu sein. Wie wollen Sie das messbar machen?

Wir Coaches haben die Angewohnheit, Dinge messbar zu machen durch Skalierungsfragen. Also beispielsweise: wie zufrieden sind Sie momentan mit Ihrem Arbeitsleben auf einer Skala von 0 bis 10, wobei 0 „gar nicht“ und 10 „es könnte nicht besser sein“ bedeutet? Damit können Sie Dinge messbar machen, die man nicht anhand von Stunden, Euro oder Kilos messen kann.

Ansonsten können Sie für sich überlegen, was „zufrieden“ für Sie bedeutet. Bekommen Sie das beispielsweise in einem Mitarbeitergespräch als Antwort, können Sie nachfragen und das konkretisieren.

A wie angemessen

A steht für angemessen oder attraktiv. Hier macht es Sinn, wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind. Empfinden Sie dieses Ziel als angemessen oder liegt es doch etwas zu hoch?

Sie sollten sich angemessen motivieren und herausfordern, ohne dass Sie dabei das Ziel zu hoch setzen. Denn wenn Sie das nicht erreichen, demotiviert Sie das und das führt oft dazu, dass Menschen nicht weiter machen. Ein blockierender Gedanke wie „Das schaffe ich eh nicht“ ist nicht so förderlich, wenn Sie Ihre Ziele erreichen wollen.

Sind wöchentliche Meetings angemessen?
Passt der Zeitraum von einer Stunde?
Können Sie Ihre Aufgaben auch wirklich in vier Stunden erledigen?

R wie realistisch

Wie realistisch ist dieses Ziel für Sie / Ihre Mitarbeiter / Ihr Team?
Ist es wirklich machbar oder müsste man etwas kleiner anfangen?
Ist es realistisch für Sie und Ihr Team, dass Sie sich in der Woche eine Stunde freischaufeln, um gemeinsam Aktuelles zu besprechen? Oder ist das eher nur alle 14 Tage umsetzbar?
Schaffen Sie es in vier Stunden alle Aufgaben zu erledigen, wenn Sie vorher dafür sieben Stunden gebraucht haben? Oder wäre es für Sie realistischer, sich hier mehr Zeit einzuräumen?

Regelmäßig erhalte ich die Frage, ob „angemessen“ und „realistisch“ identisch sind. Meine Antwort lautet, dass die beiden Aspekte nahe beieinander liegen, es jedoch schon Unterschiede gibt.

So kann man etwas als angemessen empfinden und es ist dennoch nicht realistisch. Und etwas könnte realistisch sein, doch für Sie ist es nicht angemessen.

Sie könnten eine Gehaltserhöhung von 50% für angemessen halten, weil Sie neue Qualifizierungen mitbringen und mehr Verantwortung tragen als noch vor einem Jahr. Dennoch wage ich es zu behaupten, dass das nicht unbedingt realistisch ist, dass Ihr Chef Ihnen solch eine Gehaltserhöhung zukommen lässt.

Vielleicht wäre es für Sie realistisch, in einem Monat zwei Qualifizierungen zu machen, weil Sie weniger schlafen und Ihre Hobbys vernachlässigen könnten. Doch, ob das auch attraktiv oder angemessen für Sie wäre?

T wie terminiert

Wie realistisch etwas für Sie ist, ist auch abhängig von der Zeitspanne, die Sie sich geben. Ihr Ziel sollte eine Zeitvorgabe haben. Dabei sollte der Zeitrahmen nicht zu weit in der Ferne liegen (nicht weiter entfernt als drei Monate).

Große Ziele sollten Sie in kleinere Päckchen aufsplitten. So haben Sie schneller Erfolgserlebnisse, die Sie wieder motivieren, weiterzumachen.

Das Beispiel von oben könnte lauten:

  • „Bis zum Ende des Quartals erledige ich meine täglichen Aufgaben in vier Stunden.“

 

Reicht die SMARTe Zielformulierung?

Ziele smart zu formulieren, ist der erste richtige Schritt, um für mehr Klarheit zu sorgen. Ja, auf manche Dinge haben wir nur bedingt Einfluss, deswegen sollten Sie auch das nicht außer Acht lassen, wenn Sie Ihre Ziele formulieren. Zusätzlich hat Ihr Ziel mehr Kraft, wenn Sie es positiv formulieren, also ohne Verneinung. Schreiben Sie eher

  • „Ich erledige meine Aufgaben in meiner regulären Arbeitszeit“
    statt
  • „Ich mache keine Überstunden mehr“.

Dadurch haben Sie mehr Klarheit und auch Ihr Unterbewusstsein kann mit einer positiven Formulierung mehr anfangen. 

Fazit

Es gibt verschiedene Faktoren, die für die Zielerreichung eine Rolle spielen. Um Ihre Ziele wirklich zu erreichen, macht es aus meiner Sicht viel Sinn, auf Ihre Zielformulierung im Detail zu schauen: Ist sie schon konkret genug oder bietet sie zu viel Spielraum? Könnte zu viel Widerstand entstehen, weil das Ziel nicht angemessen und unrealistisch ist?

Natürlich braucht die smarte Zielformulierung auch etwas Übung. Vielleicht setzen Sie sich daher einfach erst einmal folgendes Ziel:

  • „Ich werde innerhalb von 3 Tagen  3 SMARTe Ziele formulieren, die spezifisch, messbar, angemessen, realistisch und terminiert sind.“

 

Hinweise: 

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Hier finden Sie einige weitere Beiträge zum Thema:

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Susanne Lorenz hat zwei weitere Beiträge im t2informatik Blog veröffentlicht:

t2informatik Blog: Konflikte am Arbeitsplatz

 Konflikte am Arbeitsplatz

t2informatik Blog: Vorsicht vor Bewertungen

Vorsicht vor Bewertungen

Susanne Lorenz
Susanne Lorenz

Susanne Lorenz ist Kommunikationstrainerin mit dem Schwerpunkt Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg. Des Weiteren ist sie als Zielfindungscoach im Einsatz. Mit dem Background ihres Linguistikstudiums, der mehrjährigen Berufserfahrung als Führungskraft und der Coachingausbildung gibt sie Seminare und Coachings, um Führungskräfte voranzubringen. Informationen zu den Seminaren und Coachings finden Sie unter www.wirksam-kommunizieren.de.